Weg mit den Bausünden, die unser schönes Berlin verschandeln!

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von OLIVER OHMANN, 11. Februar 2019

Beispiel Breitenbachplatz in Dahlem

 

Die Brücke zerschneidet den historischen Platz. Vor dem Brückenbau sah der Breitenbachplatz viel schöner aus Foto: Christian Lohse/picture-alliance (B.Z. Combo)

Immer öfter werden in den Bezirken breite Straßen zurückgebaut. Jetzt fordert eine Steglitzer Bürgerinitiative den Breitenbachplatz ohne Autobahnbrücke.

Es gab eine Zeit, da war der Breitenbachplatz in Dahlem ein Schmuckstück Berlins. Dann kam die Betonbrücke – und seitdem liegt ein Schatten über dem zerschnittenen Platz.

Das Dilemma nahm 1954 seinen Lauf, als der West-Berliner Senat erste Planungen für eine Stadtautobahn vorlegte. Damals schon vorgesehen war der Autobahn-Abzweig zum Breitenbachplatz. Geplant war die Weiterführung der Autobahn entlang der Schildhornstraße nach Tempelhof.

Diese Pläne wurden 1978 verworfen, aber da war die Brücke am Breitenbachplatz – eigentlich Teil der nie gebauten Autobahn – schon da. 1971 hatten die Baumaßnahmen begonnen. Seitdem zerschneidet die mächtige Beton-Überbauung den einstigen Schmuckplatz.

 

Eine Bürgerinitiative will das ändern – und fordert: Reißt die Brücke ab!

Ulrich Rosenbaum (73) von der Bürgerinitiative Breitenbachplatz trommelt für den Abriss, 170 Unterstützer sind mit dabei: „Machen wir den Platz wieder zu unserem Platz. Lebenswert statt autogerecht.“ Diese Forderung unterstützen auch viele Anwohner, die sich mehr und mehr um den Kiez sorgen.

Ulrich Rosenbaum (73) kämpft gegen die massive Betonbrücke, die den Breitenbachplatz seit mehr als vier Jahrzehnten teilt (Foto: Christian Lohse)

Unzählige Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Der ab 1902 kunstvoll gestaltete Platz galt einst als „Tor zu Dahlem“, seit 1913 mit U-Bahnanschluss. In den Zwanzigerjahren entstand eine Künstlerkolonie, Architektur im Stil von Bauhaus und Neuer Sachlichkeit prägen den Platz. „Die Brücke ist wie eine Mauer, darunter leidet die Aufenthaltsqualität“, sagt Rosenbaum. „Ein halbes Dutzend Geschäfte steht heute leer. Der türkische Gemüsehändler ist weg, die Weinhandlung, zuletzt machte der bekannte Blumenladen Florian zu.“

Der bekannte Kiez-Blumenladen „Florian“ machte im Dezember dicht (Foto: Christian Lohse)

Aber wie stellt sich die Bürgerinitiative den Abriss vor? Wohin mit den Autos und dem Verkehr? Schließlich passieren täglich über 20.000 Fahrzeuge den Breitenbachplatz. „Wir wollen, dass der Verkehr ebenerdig verläuft, auf Tempo 30 gedrosselt und mit Radstreifen versehen. Der überregionale Verkehr soll auf die Stadtautobahn ausweichen.“ Umgehungsverkehr durch angrenzende Wohnstraßen soll durch Bremsschwellen und Parkbuchten abgeschreckt werden.

Platz für neue Wohnungen 

Der Abriss der Brücke würde laut Bürgerinitiative rund zwei Millionen Euro kosten. Rosenbaum betont: „Man würde dabei auch Platz für neue Wohnbebauung schaffen. Eine Win-win-Situation.“

Der Abriss der Brücke würde 2 Millionen Euro kosten, aber Platz für Wohnbebauung schaffen (Foto: Christian Lohse)

Die Signale aus der Bezirkspolitik bezeichnet Rosenbaum als positiv. „Spätestens wenn die nächste Sanierung der Brücke ansteht, würde wohl kaum jemand dafür stimmen.“ Entscheiden muss jedoch der Senat. Für den Abriss sprach sich auch Ex-Senatsbaudirektor Hans Stimmann (77) aus und bezeichnete den Brückenbau als einen städtebaulichen Fehler.

Bereits 1975 hatte Bausenator Harry Ristock (SPD) das von seinem Vorgänger genehmigte Bauwerk scharf kritisiert („Schadet dem Stadtbild“). Doch da war es schon zu spät und Dahlem hatte seinen Breitenbachplatz an der Sonne verloren.


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