Dinah Nelken wurde am 16. Mai 1900 in Berlin als Bernhardine Katharina Anna Schneider geboren. Sie entstammte einer traditionsreichen Berliner Handwerkerfamilie. Ihr Vater Bernhard Bruno Eugen Schneider war sowohl Handwerker als auch Schauspieler, während ihre Mutter Catherine („Käte“) Schneider aus einer Familie mit hugenottischen Wurzeln stammte. Drei Jahre nach ihrer Geburt kam ihr Bruder Rolf Gero zur Welt, der später als Grafiker und Reklamezeichner bekannt wurde.
Über die frühen Lebensjahre der Autorin ist nur wenig überliefert. Bekannt ist, dass sie ein Lyzeum besuchte und bereits in jungen Jahren mit dem Schreiben begann. Während der politischen Umbrüche der Novemberrevolution von 1918 übernahm sie für kurze Zeit organisatorische Aufgaben im Presse- und Postwesen der Stadt Eberswalde.
Noch als sehr junge Frau heiratete sie den Chemiker Dr. Fritz Nelken. Aus der Ehe ging ihr Sohn Peter hervor. Das gemeinsame Familienleben war jedoch nur von kurzer Dauer; bereits wenige Jahre später wurde die Ehe geschieden. Während Peter zunächst von den Großeltern betreut wurde, lebte er nach deren Tod zeitweise in einem Berliner Kinderheim, dessen Leiterin Annemarie Wolff-Richter zum persönlichen Umfeld Dinah Nelkens gehörte.
In den 1920er Jahren fand Dinah Nelken Anschluss an die Berliner Literaten- und Künstlerszene. Sie veröffentlichte Gedichte, Kurzgeschichten und journalistische Beiträge in zahlreichen bekannten Zeitungen und Zeitschriften. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie vor allem mit journalistischen Arbeiten und Werbetexten. Ihre Veröffentlichungen spiegeln das pulsierende kulturelle Leben der Weimarer Republik wider und beschäftigen sich häufig mit den veränderten Lebenswelten moderner, selbstbewusster Frauen.
Neben journalistischen Arbeiten entstanden erste literarische Werke, darunter der Roman Die Erwachenden, in dem sie die Lebensrealität berufstätiger Frauen im Berlin der 1920er Jahre thematisierte. Damit gehörte sie zu einer Generation von Autorinnen, die gesellschaftliche Veränderungen literarisch aufgriffen und den Wandel weiblicher Rollenbilder beschrieben.
Gemeinsam mit ihrem Bruder gründete sie Ende der 1920er Jahre das literarisch-politische Kabarett „Die Unmöglichen“. Während Rolf Gero die gestalterische Seite prägte, schrieb Dinah Nelken zahlreiche Chansontexte. Das Ensemble setzte auf Satire, politische Anspielungen und unkonventionellen Humor und nahm damit eine besondere Stellung innerhalb der Berliner Kabarettlandschaft ein. Trotz positiver Resonanz blieb das Projekt wirtschaftlich nur von kurzer Dauer.
1928 zog Dinah Nelken in die Berliner Künstlerkolonie im heutigen Ortsteil Wilmersdorf. Die Wohnanlage war in jener Zeit ein Treffpunkt zahlreicher Künstler, Schriftsteller, Schauspieler und Intellektueller. Vermutlich wohnte sie zunächst als Untermieterin bei befreundeten Bewohnern der Kolonie. Dort fand sie ein kreatives Umfeld, das ihre schriftstellerische Arbeit nachhaltig beeinflusste.
Die Eindrücke aus dieser Zeit flossen später in ihren unter dem Namen Bernhardine Schneider veröffentlichten Roman Eineinhalb-Zimmer-Wohnung ein. Das Werk schildert eindrucksvoll den Alltag in der Künstlerkolonie, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ihrer Bewohner sowie den starken Zusammenhalt innerhalb dieser außergewöhnlichen Nachbarschaft.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich die Situation grundlegend. Die Künstlerkolonie geriet zunehmend ins Visier des Regimes. Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und politische Verfolgung bestimmten den Alltag vieler Bewohner. Auch Dinah Nelken engagierte sich gegen das NS-Regime und unterstützte oppositionelle Kreise. Ihr Lebensgefährte Heinrich Ohlenmacher wurde zeitweise verhaftet und in das Konzentrationslager Esterwegen eingeliefert.
Mitte der 1930er Jahre arbeitete Dinah Nelken verstärkt als Drehbuchautorin für Filmproduktionen. Nach der Entlassung ihres Lebensgefährten entschloss sich das Paar zur Flucht. Über Prag und Wien führte ihr Weg schließlich ins Exil – ein Einschnitt, der ihr weiteres Leben und ihr literarisches Schaffen nachhaltig prägen sollte.
Die politischen Entwicklungen der 1930er Jahre machten für Dinah Nelken und ihren Lebensgefährten Heinrich Ohlenmacher ein Leben in Deutschland unmöglich. Nach seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager verließen beide das Land und gelangten über Prag und Wien schließlich nach Südosteuropa. Ihr Sohn Peter hatte Deutschland bereits zuvor verlassen und konnte sich ins Exil retten.
Kurz vor dem „Anschluss“ Österreichs erschien 1938 eines ihrer außergewöhnlichsten Bücher: „Ich an Dich“. Der als Briefroman konzipierte Band verband erzählerische Texte mit eingeklebten Dokumenten, Zeichnungen und Erinnerungsstücken. Diese ungewöhnliche Gestaltung machte das Werk zu einem großen Publikumserfolg und zu einer der originellsten Buchveröffentlichungen seiner Zeit. Später diente es als Grundlage für eine Verfilmung, an deren Drehbuch Dinah Nelken selbst mitarbeitete.
Während des Zweiten Weltkriegs lebte sie mehrere Jahre unter schwierigen Bedingungen auf der dalmatinischen Insel Korčula. Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren bescheiden, doch gerade diese Zeit bot ihr die Möglichkeit, intensiv zu schreiben. Neben Gedichten entstanden neue literarische Projekte und Aufzeichnungen über Land und Leute Dalmatiens. Viele dieser Arbeiten konnten zunächst jedoch nicht veröffentlicht werden.
Mit der Ausweitung des Krieges verschlechterte sich auch die Lage in Jugoslawien. Das Paar musste erneut fliehen und gelangte über die Adria nach Italien. Dort lebten beide zeitweise im Verborgenen und waren ständig von Entdeckung und Verhaftung bedroht. Trotz dieser existenziellen Unsicherheit setzte Dinah Nelken ihre schriftstellerische Arbeit fort und hielt ihre Erfahrungen in eindrucksvollen Texten fest. Das Erleben von Verfolgung, Flucht und Exil prägte fortan ihr gesamtes literarisches Schaffen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb das Paar zunächst in Italien. Erst im Jahr 1950 konnten Dinah Nelken und Heinrich Ohlenmacher nach Deutschland zurückkehren. Sie entschieden sich für West-Berlin als neuen Lebensmittelpunkt, während ihr Sohn Peter in Ost-Berlin eine politische und publizistische Laufbahn einschlug.
In den 1950er Jahren begann für Dinah Nelken eine neue Schaffensphase. Mehrere ihrer Romane und Drehbücher wurden verfilmt oder dienten als Grundlage erfolgreicher Kinoproduktionen. Besonders ihre Fähigkeit, menschliche Beziehungen, gesellschaftliche Konflikte und persönliche Schicksale miteinander zu verbinden, machte ihre Werke für Filmproduzenten interessant.
Große Aufmerksamkeit erregte ein Rechtsstreit um ihr bekanntestes Buch „Ich an Dich“. Ein später erschienenes Werk wies erhebliche inhaltliche und gestalterische Parallelen auf. Dinah Nelken setzte sich juristisch gegen diese Übernahme zur Wehr und erhielt schließlich Recht. Das Urteil bestätigte ihre Urheberschaft und sprach ihr Schadenersatz zu.
Mit dem Roman „Spring über deinen Schatten, spring!“ setzte sie sich intensiv mit Nationalsozialismus, Verfolgung und den moralischen Herausforderungen der Nachkriegszeit auseinander. Viele westdeutsche Verlage begegneten diesen Themen zunächst zurückhaltend, sodass ihre Werke zunächst vor allem in der DDR veröffentlicht wurden. Dort fanden sie ein breites Publikum und erreichten hohe Auflagen.
Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 1956 widmete sich Dinah Nelken erneut verstärkt ihrer eigenen schriftstellerischen Arbeit. In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte sie zahlreiche Romane und Erzählungen, in denen persönliche Erfahrungen, Zeitgeschichte und gesellschaftliche Entwicklungen eng miteinander verwoben sind. Ihre Figuren zeichnen sich durch psychologische Tiefe und einen feinen, oft humorvollen Blick auf menschliche Schwächen aus.
Ein Höhepunkt ihres Spätwerks war der Roman „Das angstvolle Heldenleben einer gewissen Fleur Lafontaine“. Die Geschichte verbindet autobiografische Elemente mit einem Panorama deutscher Geschichte vom Kaiserreich bis in die Nachkriegszeit. Die erfolgreiche Verfilmung durch das DDR-Fernsehen machte das Werk einem breiten Publikum bekannt.
Auch außerhalb ihrer literarischen Tätigkeit engagierte sich Dinah Nelken für Frieden, Demokratie und Völkerverständigung. In den 1970er- und 1980er-Jahren beteiligte sie sich an verschiedenen Friedensinitiativen und setzte sich öffentlich gegen Krieg und politische Gewalt ein.
Am 29. Juli 1988 starb Dinah Nelken im Alter von 88 Jahren in Berlin. Ihre letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Städtischen Friedhof an der Stubenrauchstraße in Berlin-Schöneberg. Ein großer Teil ihres literarischen Nachlasses – darunter Manuskripte, Briefe, Tagebücher, Fotografien und persönliche Dokumente – wird heute in der Berliner Akademie der Künste aufbewahrt und steht dort der Forschung zur Verfügung.
Dinah Nelken zählt zu den bemerkenswerten Berliner Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr Leben war geprägt von künstlerischer Kreativität, politischer Verfolgung, Exil und einem unerschütterlichen Willen, sich mit den Herausforderungen ihrer Zeit auseinanderzusetzen. Ihre Romane, Drehbücher und journalistischen Arbeiten geben bis heute Einblicke in die Geschichte Berlins, der Weimarer Republik, des Exils und der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Zugleich erinnern sie an eine Autorin, deren Werk erst in den letzten Jahren wieder verstärkt wissenschaftliche und öffentliche Aufmerksamkeit erfährt.
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