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	<title>Fritz Kortner - KünstlerKolonie Berlin e.V.</title>
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	<description>Traditionsverein der 1927 gegründeten Künstlerkolonie</description>
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	<title>Fritz Kortner - KünstlerKolonie Berlin e.V.</title>
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		<title>Der Schutzverband Deutscher Schriftsteller (SDS) in Paris</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Künstlerkolonie Berlin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Aug 2019 13:56:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Exil in Paris und Hyères in den Jahren 1933 bis 1939 Rudolf Leonhard als „Ouartiermeister der Emigration&#8220; in Paris Vergleicht man die Vielfalt und Intensität der politischen Aktivitäten Rudolf Leonhards, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><strong><span style="font-size: 14pt;">Exil in Paris und Hyères in den Jahren 1933 bis 1939</span></strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong><span style="font-size: 14pt;">Rudolf Leonhard als „Ouartiermeister der Emigration&#8220; in Paris</span></strong></p>
<p><a href="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/220px-Bundesarchiv_Bild_183-12628-0001_Berlin_Tagung_deutscher_Verleger_R._Leonhard.jpg"><img decoding="async" class="aligncenter size-thumbnail wp-image-15935" src="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/220px-Bundesarchiv_Bild_183-12628-0001_Berlin_Tagung_deutscher_Verleger_R._Leonhard-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Vergleicht man die Vielfalt und Intensität der politischen Aktivitäten <strong>Rudolf Leonhards</strong>, die er ab dem Frühjahr 1933 in Paris entwickelte, mit seinem zurückgezogen Leben bis zu diesem Zeitpunkt, so ist festzustellen, dass die Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 für den Dichter<strong> Rudolf Leonhard</strong> eine Zäsur in seinem Leben bedeutete, die ihn veranlasste sich wieder auf die politisch-literarische Bühne zu stellen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Anders verliefen die Lebenswege seiner Kollegen <strong>Tucholsky</strong>, <strong>Hasenclever </strong>und <strong>Friedrich Sieburg</strong>, die ebenfalls lange vor dem Beginn des Exil in Frankreich gelebt hatten. <strong>Tucholsky </strong>zog sich Ende 1932 völlig vom Literaturbetrieb zurück und stellte im März 1933 fest:</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<p><span style="font-size: 14pt;">„<strong>An einer etwa einsetzenden deutschen Emigrantenliteratur sollte [man] sich unter keinen Umständen beteiligen.&#8220;</strong></span></p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Er war jedoch besorgt um seinen Freund <strong>Leonhard</strong>, dass dieser nicht Schaden nehme und sich hineinziehen lasse in politische Dinge, und er ihn dann nicht mehr zu Grabe trage könne, um anschließend &#8230; mit der Leiche noch einen Apéretiv zu nehmen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>Walter Hasenclever </strong>verfolgte aus Nizza entsetzt die <strong>Bücherverbrennung </strong>in Berlin. Trotz dieses starken Eindrucks blieb er der apolitische Dichter und schrieb an seinen Bruder:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="font-size: 14pt;">„<strong>Du weißt, ich habe es immer vermieden, mich mit Politik zu beschäftigen und möchte es heute weniger tun als je &#8211; und zwar [ &#8230; ] um meines Friedens willen! Ich lebe hier völlig zurückgezogen [ &#8230; ] mein ausschließliches Interesse gehört meinem Drama &#8230;</strong> &#8222;</span></p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">In den kommenden Exiljahren lebte der finanziell relativ gutausgestattete <strong>Hasenclever </strong>mal in London, mal bei seiner Schwester in Jugoslawien oder in der Nähe von Florenz. In keiner Weise engagierte er sich politisch.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Ein weiterer „<strong>Auslandsdeutscher</strong>“ <strong>Friedrich Sieburg</strong>, kannte <strong>Leonhard</strong>seit den frühen zwanziger Jahren aus Berlin; beide lebten seit Jahren in Paris. Dass <strong>Sieburg </strong>im ,,<strong>Excelsior</strong>&#8220; am 31.März 1933 erklärt hatte, er habe nach einem ausführlichen Gespräch mit Hitler den „besten Eindruck&#8220; vom Kanzler gehabt und nachdem er antisemitischeAusschreitung und die Pressezensur als ,,<strong>revolutionäre Übergangsmaßnahmen</strong>&#8220; verharmlost hatte, wirkte dies auf die Freunde und Kollegen im französischen Exil wie ein Schock. Der etwa vier Wochen später erschiene Aufsatz <strong>Leonhards </strong>in der von <strong>Henry Barbusse </strong>herausgegebenen Zeitschrift ,,<strong>Monde</strong>&#8222;, ist noch ganz von diesem Unverständnis getragen. <strong>Leonhard </strong>versucht in seinem Aufsatz die politische Wandlung <strong>Sieburgs </strong>nachzuzeichnen, schließt aber mit den bitteren Worten des enttäuschten Zeitgenossen:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="font-size: 14pt;">,<strong>,Überlassen wir ihn seiner Selbstverachtung, die stets die Ergänzung seiner Eitelkeit und krankhaften Hofart war, jenes morbiden Schmerzes, den man so leicht in seinen unruhigen Zügen liest, falls man in Pariser Straßen seinen Weg kreuzt.“</strong></span></p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">In einem Gespräch beschrieb <strong>Rudolf Leonhard </strong>1947 sehr emotionslos und knapp diesen einschneidenden biographischen Umschwung:</span></p>
<blockquote>
<p><strong><span style="font-size: 14pt;">,, &#8230; ich war also Auslandsdeutscher. Aber eines Tages musste ich feststellen, dass ich Emigrant war: in Deutschland war eine neue Regierung gebildet worden. Ich konnte nicht mehr zurück. Bald darauf wurde ich ausgebürgert.&#8220;</span></strong></p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland änderte Leonhards Lebensbahn in ähnlich abrupter Weise, wie das Kriegsgeschehen des Weltkrieges. Der Emigrant <strong>Leonhard </strong>war nun einer den 25000 deutschen Flüchtlingen, die bis zum Juni 1933 in Frankreich eine erste Zuflucht gefunden hatten. Der Exilant <strong>Rudolf Leonhard </strong>hatte jedoch den Vorteil, seit fünf Jahren im Exilland Frankreich zu leben und zu arbeiten und die französische Sprache perfekt zu beherrschen. Bis 1934 wohnte <strong>Leonhard </strong>weiter in <strong>Hasenclevers </strong>Wohnung in Clamart und an Mittellosigkeit als einen finanziellen Dauerzustand war er seit Jahren gewöhnt.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Schon im April 1933 beteiligte sich <strong>Leonhard </strong>an der Gründung der ,,<strong>Ligue des Combattants de la Paix</strong>“. Zusammen mit <strong>Albert Einstein </strong>war er Präsident der deutschen Sektion.</span></p>
<p><a href="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/13180285457.jpg"><img decoding="async" class="aligncenter size-thumbnail wp-image-15936" src="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/13180285457-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Am 22. April 1933 sprach <strong>Leonhard </strong>über ,,<strong>La culture fasciste et La culture revolutionaire</strong>&#8220; im Pariser ,,<strong>Salle du Grand Orient&#8216; </strong>und einige Wochen später war er Mitbegründer des „<strong>Comite d&#8217;Aide aux victimes dufascisme hitlerien</strong>&#8222;, das sich, indem es Vertreter vieler Hilfskommitees zusammenfasste, um die Gesamtheit der deutschenAüchtlinge kümmerte. Leonhard war hier zusammen mit <strong>Andre Breton</strong>, <strong>Henri Barbusse </strong>und <strong>Madeleine Paz </strong>im Vorstand des Komitees, aber auch als Mitglied des „<strong>Komitee zur Befreiung von Ernst Thälmann</strong>&#8222;.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Die neue Ordnung in Deutschland von Paris aus zu bekämpfen war das Ziel der Wochenzeitung „<strong>Die Aktion/ L&#8217;action</strong>&#8222;, die <strong>Rudolf Leonhard </strong>zusammen mit <strong>Maximilian Scheer </strong>(damals noch <strong>Walter Schlieper</strong>) ab Mai 1933 herausgab.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>Leonhard</strong>, <strong>Schlieper</strong>, <strong>Alfred Kantorowicz </strong>und <strong>Vladimir Pozner </strong>gaben in den ersten zehn Monaten der „<strong>Aktion/L&#8217;action</strong>&#8220; ihr Gesicht. Das Redaktionskollegium arbeitete mit Leidenschaft und Freude für das Blatt:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="font-size: 14pt;"> <strong>,,Es waren hochgestimmte Nächte: wir hatten aufschreiben können, was wir dachten, wenigsten wichtiges davon; wir konnten es drucken, veröffentlichen.</strong>&#8222;</span></p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Nach etwa zehn Monaten des Erscheinens wechselte die Zeitung nach den Angaben <strong>Scheers </strong>den Besitzer, und die gesamte Redaktion wurde von dem neuen Herausgeber ausgetauscht. Die Journalisten <strong>Georg Bernhard </strong>und <strong>Kurt Caro </strong>übernahmen nun die redaktionellen Arbeiten und setzten andere Schwerpunkte. Hatten <strong>Leonhard</strong>, <strong>Schlieper</strong>, <strong>Kantorowicz </strong>und <strong>Wladimir Pozner </strong>den Kampf und politische Aktionen gegen den NS-Staat in ihren Beiträgen gefordert, aber auch die Einheitsfront diskutiert, so berichteten die neuen Redakteure vom deutschen Emigrantenleben in Paris und führten eine Anzeigen-Rubrik ein, die auch private Nachrichten aufnahm.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Im Frühjahr 1934 wurde die letzte Nummer der „<strong>Aktion/L&#8217;action</strong>&#8220; ausgeliefert. Der Verlust dieser Zeitung schmerzte <strong>Leonhard </strong>noch Jahre später.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: 14pt;">…<strong>in das Ausland verlegt</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>Der Schutzverband Deutscher Schriftsteller (SDS) in Paris</strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>Neugründung und Arbeitsweise des SDS</strong></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Die <strong>Bücherverbrennung </strong>am 10. Mai 1933 in Berlin setzte für die deutschsprachigen Schriftsteller ein deutliches Zeichen der Bedrohung ihrer Arbeit und ihres Lebens durch die nationalsozialistische Regierung. Zwei Wochen später auf dem Internationalen <strong>PEN &#8211; Kongress</strong>, der vom 25. bis 28. Mai 1933 in <strong>Ragusa </strong>stattfand, war die deutsche PEN ­Gruppe (trotz der flammenden antifaschistischen Rede <strong>Ernst Tollers</strong>) in ,,Einklang mit der nationalen Erhebung&#8220; gebracht worden.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Die seit 1908 in Deutschland arbeitende gewerkschaftliche Interessenvertretung deutscher Autoren, der „<strong>Schutzverband Deutscher Schriftsteller</strong>&#8222;, war bereits am 11.März 1933 durch die <strong>Arbeitsgemeinschaft nationaler Schriftsteller</strong>unter der Führung von <strong>Hanns Heinz Ewers </strong>vereinnahmt worden. Am 31. Juli 1933 trat der <strong>Schutzverband Deutscher Schriftsteller </strong>dem „<strong>Reichsverband Deutscher Schriftsteller</strong>&#8220; bei.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">So ist es nicht verwunderlich, dass sich im <strong>Exilzentrum Paris </strong>Ende Mai 1933 deutsche Autoren trafen, um über eine Vertretung deutschsprachiger exilierter Schriftsteller zu diskutieren. Im „Gegen-Angriff&#8216; lasen sich diese ersten Bemühungen schon sehr administrativ. Hier konnte man lesen, dass sich ein „ vorbereitendes Komitee eines (in Kürze zu bildenden) <strong>Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller</strong>&#8211; Ausland&#8220; gebildet hatte und alle Vertreter des „wahren, vom 3. Reich verfolgten Schrifttums&#8220; sollten sich anschließen.</span></p>
<p style="text-align: justify;"> </p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Rudolf Leonhard wird von <strong>Alfred Kantorowicz </strong>als Initiator benannt:</span></p>
<blockquote>
<p><span style="font-size: 14pt;"><strong>„Wenn von der Sammlung der exilierten deutschen Schriftsteller in Paris und derBegründung des Schutzverbandes Deutscher Schriftstellerim Exil die Rede ist, muss man ihn wohl an erster Stelle nennen</strong>.&#8220;</span></p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-size: 14pt;">In der kurze Zeit darauf folgenden Ankündigung der ersten Versammlung des <strong>Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller SDS</strong>) am 9. Juni 1933 in der <strong>Pariser Mutalite </strong>hieß es:<a href="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/seghers2.jpg"><img decoding="async" class="aligncenter size-thumbnail wp-image-15938" src="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/seghers2-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a></span></p>
<blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-size: 14pt;">,,<strong>Sind unsere Verträge mitverbrannt? Zur Lage sprechen: Botho Laserstein, Rudolf Leonhard, Gustav Regler. [ &#8230; ] Gäste willkommen. Für den Vorstand gez. Rudolf Leonhard, Willi Wohlfrad, David Luschnat, Anna Seghers</strong>.&#8220;</span></p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-size: 14pt;">Zu diesem ersten <strong>SDS­</strong> Abend ging auch der Freundeskreis um <strong>Klaus Mann</strong>. Mann selbst notierte etwas ernüchtert die Begebenheiten dieses ,,langbesprochenen Abends&#8220; in sein Tagebuch:</span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><strong><span style="font-size: 14pt;">,,Zuerst Holitscher, Rudolf Leonhard, Magnus Hirschfeld (schöner alter Märchenonkel) u.s.w. gesprochen. Erst endlich reden. Leonhard, recht matt. Ein jüdischer Anwalt zur ,Rechtslage&#8216; &#8211; hoffnungslos, kein neues Wörtchen. Am interessantesten Apfelüber die Lage. Dann meine Vorlesung der Benn Briefe; freundliche Aufnahme, ganz würdevoll deklamiert. Kischliest noch eine Antwort. Kurze Auseinandersetzung mit Wieland Herzfelde. [ &#8230; ] Spüre keine großen Resultate des Abends.&#8220;</span></strong></p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Große Resultate waren auch auf den nächsten Versammlungen nicht zu erwarten, ging es den Organisatoren, in deren erster Reihe <strong>Leonhard </strong>stand, darum, die exilierten deutschsprachigen Schriftsteller zu sammeln. So war das Thema dieser ersten Versammlung „<strong>Sind unsere Verträge mitverbrannt ?</strong>&#8220; für viele Autoren nicht von so großer Bedeutung, wie die Frage, welche Veröffentlichungsmöglichkeiten sich für deutschsprachige Schriftsteller in Frankreich ergeben könnten. Zu diesem Problem sprach der französische Philosoph<strong>Paul Nizan</strong>in einer nächsten Versammlung, die möglicherweise von <strong>Rudolf Leonhard </strong>initiiert und vorbereitet worden war.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;"> ,,…<strong>Barbusse </strong>begleitet von <strong>Nizan </strong>kam zu uns, um uns in Frankreich zu begrüßen und, in schönster Kameradschaft, über unsere Lebens-, Kampf- und Arbeitsmöglichkeiten mit uns zu sprechen &#8230; &#8222;, berichtete rückblickend <strong>Rudolf Leonhard</strong>.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">In der Versammlung am 30.Oktober 1933 wurde offiziell die Neugründung des „<strong>Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller &#8211; Ausland</strong>&#8220; in Paris bekannt gegeben. Als Erster Vorsitzender wurde <strong>Rudolf Leonhard </strong>gewählt, <strong>Alfred Kantorowicz </strong>wurde Generalsekretär und <strong>David Luschnat </strong>war bis Juni 1934 Sekretär und Schriftführer der Vereinigung.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Gedenktafel_fuer_die_deutschen_u._oesterreichischen_Fluechtlinge_am_Fremdenverkehrsbuero_in_Sanary-sur-Mer1.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-15948 size-large" src="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Gedenktafel_fuer_die_deutschen_u._oesterreichischen_Fluechtlinge_am_Fremdenverkehrsbuero_in_Sanary-sur-Mer1-734x1024.jpg" alt="" width="734" height="1024" srcset="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Gedenktafel_fuer_die_deutschen_u._oesterreichischen_Fluechtlinge_am_Fremdenverkehrsbuero_in_Sanary-sur-Mer1-734x1024.jpg 734w, https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Gedenktafel_fuer_die_deutschen_u._oesterreichischen_Fluechtlinge_am_Fremdenverkehrsbuero_in_Sanary-sur-Mer1-215x300.jpg 215w, https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Gedenktafel_fuer_die_deutschen_u._oesterreichischen_Fluechtlinge_am_Fremdenverkehrsbuero_in_Sanary-sur-Mer1-768x1071.jpg 768w, https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Gedenktafel_fuer_die_deutschen_u._oesterreichischen_Fluechtlinge_am_Fremdenverkehrsbuero_in_Sanary-sur-Mer1-1101x1536.jpg 1101w, https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Gedenktafel_fuer_die_deutschen_u._oesterreichischen_Fluechtlinge_am_Fremdenverkehrsbuero_in_Sanary-sur-Mer1.jpg 1315w" sizes="auto, (max-width: 734px) 100vw, 734px" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>Im Vorstand arbeiteten</strong> </span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>Gustav Regler </strong>und <strong>Anna Seghers </strong>mit. <strong>Rudolf Leonhard </strong>hatte die Funktion des Ersten Vorsitzenden des (einige Quellen sprechen auch von <strong>Leonhard </strong>als Präsident) bis zum Verbot des <strong>SDS</strong> im Herbst 1939 inne.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">So hatten die deutschsprachigen Autoren in Paris mit der Gründung ihrer Vertretung keinesfalls „einem von Goebbels beherrschten Verband das Recht zugestehen (können), die deutsche Literatur vor der Welt zu vertreten&#8220;, so <strong>Alfred Kantorowicz</strong>.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Trotz des leidenschaftlichen Kampfesgeist, den <strong>Kantorowicz </strong>hier zeigte, stellte <strong>Leonhard</strong>fünf Jahre nach der Neugründung des SDS ehrlich fest:</span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>,,Es waren wohl anderthalb Dutzend Leute versammelt, und ich glaube wohl, dass keiner sich der Möglichkeit, die es für unser Unternehmen gab, wirklich voll bewusst war: wir hatten Mut und Willen, aber gar keine Übersicht</strong>.&#8220;</span></p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Der nun neugegründete <strong>SDS</strong> wies kaum personelle Kontinuitäten zur Berliner Gruppe des Schutzverbandes vor 1933. <strong>Heinrich Mann </strong>fasste die Umstände der Neugründung des SDS bündig zusammen:</span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><strong><span style="font-size: 14pt;">„Der Schutzverband Deutscher Schriftsteller ist, infolge vorrübergehender Umstände, in das Ausland verlegt worden. Er bleibt, was er immer gewesen ist, die berechtigte Vertretung der deutschen Literatur.&#8220;</span></strong></p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">In dieser neugegründeten Interessenvertretung  „<strong>Schriftsteller aller sollten antinationalsozialistischen Richtungen </strong>[ &#8230; ]  und kameradschaftlich&#8220; zusammenarbeiten.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Der <strong>SDS</strong> wollte als gewerkschaftliche Vertretung der Schriftsteller Hilfe in Notlagen anbieten (was der SDS jedoch mit seinen geringen Mitteln kaum leisten konnte) und wichtiger Austauschplatz für deutschsprachige Autoren sein, die durch das Exil von ihrem Publikum und ihrem Sprachraum abgeschnitten worden waren. Da die von <strong>Heinrich Mann </strong>genannten „<strong>vorübergehenden Umstände</strong>&#8220; nicht wie erhofft vorübergehend waren, wurde innerhalb des SDS ein wichtiges literarisch-politisches Forum Austauschplatz geschaffen: die „<strong>Montagsabende</strong>&#8222;.</span></p>
<p><span style="font-size: 14pt;"><strong> </strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>Die „Montagabende&#8220; des SDS als Spiegel </strong></span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>der Arbeiten des literarischen Exils in Paris</strong></span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Diese Abendveranstaltungen, die immer auf einen Montag gelegt wurden, fanden zunächst einmal im Monat, sehr bald jedoch wöchentlich im „<strong>Café Mahieu</strong>&#8220; und später im Souterrain des „<strong>Café Mephisto</strong>&#8220; am <strong>Boulevard Saint-Germain </strong>statt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_7183" aria-describedby="caption-attachment-7183" style="width: 990px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-7183 size-full" src="http://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Paris_-_Boulevard_Saint-Germain.jpg" alt="" width="990" height="563" srcset="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Paris_-_Boulevard_Saint-Germain.jpg 990w, https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Paris_-_Boulevard_Saint-Germain-300x171.jpg 300w, https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Paris_-_Boulevard_Saint-Germain-768x437.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 990px) 100vw, 990px" /><figcaption id="caption-attachment-7183" class="wp-caption-text">Boulevard Saint-Germain</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>Leonhard </strong>beschrieb diese ersten Veranstaltungen humorvoll in seinem Rückblick: „Dann kamen die ersten Abende, im Hinterzimmer des <strong>Café Mahieu</strong>, dessen Bänke damals so unbequem gestellt waren, dass die Hälfte der Anwesenden nur mit schrecklichen und schmerzhaften Halsverrenkungen den Redner sehn konnte.&#8220;</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Diese Abendveranstaltungen wurden zum Herzstück des Verbandes und waren Spiegel der Arbeiten des literarischen Exils. Der Verband verfügte nur über sehr geringe Mittel, denn die exilierten Autoren konnten aus ihren bescheidenen Einnahmen kaum die monatlichen Mitgliedsbeiträge entrichten:</span></p>
<blockquote>
<p><strong><span style="font-size: 14pt;">„Wir erheben monatlich fünf französische Franken, ab 1. Januar 1935. Für eine Reihe unsere Mitglieder &#8211; den meisten geht es ja elend schlecht, dem Rest im besten Fall nur schlecht &#8211; ist sogar dieser Beitrag eine Belastung,&#8220;</span></strong></p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">klagte der Schatzmeister des <strong>SDS </strong>in einem Brief. Trotzdem bildete nicht die finanzielle Hilfe für die vertriebenen deutschsprachigen Autoren das Kernstück der Arbeit des <strong>SDS</strong>, sondern die Diskussionsforen. Aber auch diese waren oft finanziell gefährdet:</span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>„Die wirtschaftliche Lage unserer Mitglieder ist so schlecht, dass wir die Mitgliedsbeiträge überhaupt nicht in Rechnung stellen können, und jede Veranstaltung bedeutet daher nicht nur ein Risiko, sondern eventuell eine Gefahr,&#8220; berichtet Leonhardüber den finanziellen Notstand des SDS 1938</strong>.</span></p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-size: 14pt;">Die Arbeit des neugegründeten <strong>SDS </strong>war anders gewichtet als die des <strong>SDS </strong>bis zum Februar 1933 in Berlin:</span></p>
<blockquote>
<p><strong><span style="font-size: 14pt;">,,Die rein gewerkschaftliche Arbeit spielt eine ganz geringe Rolle,&#8220;</span></strong></p>
</blockquote>
<p><span style="font-size: 14pt;">resümierte <strong>Leonhard </strong>fünf Jahre nach der Gründung. Er begründet diese Entwicklung so:</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">,<strong>,&#8230; weil die Verengung des ,Marktes&#8216; kaum Konflikte zulässt; freilich ist die Frage der Fortführung der Produktion und gar die Frage des Nachwuchses das, was uns am ernstesten belastet. Wir machen einige Versuche, wie den mit dem Heine Preis, ohne natürlich viel erreichen zu können.</strong>&#8222;</span></p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Der <strong>Heinrich-Heine-Preis</strong> war ein Preis, der einmal im Jahr an deutschsprachige Nachwuchsautoren im Exil vergeben wurde. <strong>Rudolf Leonhard </strong>hatte ihn ins Leben gerufen. Mit dieser Ehrung war ein Preisgeld und Veröffentlichung der Preisträgerarbeit verbunden. Ende September 1935 wandte er sich an der Amsterdamer <strong>Allert de Lange Verlag </strong>um eine solche Veröffentlichungsgarantie zu erhalten. Er fragte an ob man „sich dem <strong>SDS </strong>gegenüber dazu verpflichten (könne), das mit dem Preis ausgezeichnete Werk jeweils &#8211; mit allen verlegerischen Pflichten &#8211; in Verlag zu nehmen &#8230; &#8222;. Der Verlag wollte sich jedoch nicht auf eine solche Vereinbarung einlassen, bot jedoch an, das eingereichte Manuskript &#8222;selbstverständlich ernsthaft&#8220; zu prüfen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_7184" aria-describedby="caption-attachment-7184" style="width: 231px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-7184 size-full" src="http://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Heinepreis.jpg" alt="" width="231" height="159" /><figcaption id="caption-attachment-7184" class="wp-caption-text">Heinrich Heine Preis</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Erstmals wurde der <strong>Heinrich-Heine-Preis </strong>1936 vergeben für den Roman „<strong>Die Fischmanns</strong>&#8220; von <strong>Henry William Katz</strong>. In der Jury lasen „die große Anzahl [ &#8230; ] zur Überprüfung eingereichter Manuskripte&#8220; neben <strong>Anna Seghers</strong>, <strong>Bruno Frank</strong>, <strong>Hans Sahl </strong>und <strong>Hans Marchwitza </strong>auch <strong>Rudolf Leonhard</strong>.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Der Roman konnte im Oktober 1937 bei <strong>Allert de Lange</strong>in Amsterdam erscheinen, was den beiden nachfolgenden Preisträgern nicht mehr vergönnt war.</span></p>
<p><span style="font-size: 14pt;">In den beiden folgenden Jahren erhielten <strong>Elisabeth Karr </strong>und <strong>Henryk Keisch </strong>den Preis.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Noch vor der offiziellen Gründung des <strong>SDS </strong>diskutierten <strong>Rudolf Leonhard</strong>, <strong>Hanns Eisler </strong>und <strong>Fritz Kortner </strong>im Juli 1933 über aktuelle Probleme des Films. Es folgten noch im selben Jahr eine große Zahl Autorenabende.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Hier lasen u.a. <strong>Anna Seghers</strong>, <strong>Egon Erwin Kisch </strong>und <strong>Theodor Plivier</strong>. Im folgenden Jahr 1934 wurden diese Autorenabende fortgesetzt mit Lesungen u.a. von <strong>Gustav Regler</strong>, <strong>Theodor Balk</strong>, <strong>Egon Erwin Kisch</strong>.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Die Vortrags- und die Diskussionsabende waren ein weiteres kommunikatives Standbein der „<strong>Montagsabende</strong>&#8220; im <strong>SDS</strong>. So sprach im gleichen Jahr <strong>Erwin Piscator</strong> über das politische Theater (am 16. Juni 1934).</span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><strong><span style="font-size: 14pt;">,,Die Bedeutung des Moskauer Schriftstellerkongresses für die zeitgenössische Literatur&#8220;</span></strong></p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">wurde vor fast 400 Zuhörern erörtert (am 15. Dezember 1934). Es fanden u.a. Diskussionsabende zu den Themen „<strong>Der Reichsverband deutscher Schriftsteller und wir</strong>&#8220; (am 1. Juni 1934) oder „<strong>Die Aufgaben der Intellektuellen in der Emigration</strong>&#8220; (am 25.Mai 1934) statt.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Im folgenden Jahr 1935 findet sich auch <strong>Leonhards </strong>Name als Autor und Redner im Veranstaltungskalender des <strong>SDS</strong>. Er las aus eigenen Werken am 31.März 1935 und hielt am 23.Mai 1935 zur Geburtstagsfeier von <strong>Egon Erwin Kisch</strong>eine Rede. Am 3 Juni 1935 sprach <strong>Leonhard </strong>auf der Versammlung „<strong>Victor Hugo, der große Emigrant</strong>&#8220; zu dessen 50. Todestag.</span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><strong><span style="font-size: 14pt;">,,Wir tagen hier jede Woche 100 Teilnehmer stark; wir können mit der Arbeit im gegenwärtigen Augenblick sehr zufrieden sein. Es ist uns gelungen, in der Tat hier das literarische Zentrum für die deutsche Emigration zu bilden, ohne dass es bisher auch nur die geringsten Reibereien und zu anderen als sachlich fruchtbaren Intellektuellen Auseinandersetzungen gekommen ist,&#8220;</span></strong></p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-size: 14pt;">resümierte der Generalsekretär <strong>Kantorowicz </strong>nach knapp zwei Jahren <strong>SDS</strong>-Arbeit.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>Rudolf Leonhard</strong> bereitete nicht nur die „<strong>Monatsabende&#8216;</strong>&#8220; vor, sondern er leitete auch einen großen Teil dieser Veranstaltungen. <strong>Henryk Keisch</strong>, 1933 ein „junger Emigrant vom Rhein&#8220;, der sich in Paris als Student eingeschrieben hatte, berichtet davon. Er erlebte <strong>Leonhard </strong>auf vielen ,,<strong>Montagsabenden</strong>&#8220; und beschreibt ihn in einem kurzen Essay:</span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">,<strong>,Ein schmales Gesichtmit vorspringender Vogelnase, der kluge scharfe Blick auffallend blaue Augen, ein kahler Schädel, am Handgelenk ein dünnes Goldkettchen mit Medaillon, Pfeifenraucher. Wenn er aufstand und nach einem etwas anachronistisch-koketten Spazierstock mit Elfenbeinknauf griff, merkte man mit Staunen, dass er viel kleiner war, also man vermutet hatte. Er leitete die Abende mit Souveränität, Gewandtheit und rethorischer Eleganz. [ &#8230; ] Er kannte alle, hatte von allen alles gelesen, wusste jedem etwas Angenehmes zu sagen, die Diskussion anzuregen und aufs Wesentliche zu lenken, das Allgemeine mit dem Aktuellen, das Grundsätzliche mit dem Konkreten und Praktischen zu verknüpfen. Er war die Seele des Ganzen. Er wusste das wohl auch.&#8220;</strong></span></p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Zudem versuchte <strong>Leonhard </strong>in diesen Jahren die Arbeit der Schriftstellervereinigung in der Exilpresse bekannt zu machen. In der Verbandsschrift „<strong>Der Deutsche Schriftsteller</strong>. <strong>Zeitschrift des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller</strong>&#8220; und in der „<strong>Neuen Weltbühne</strong>&#8220; erschienen seine Arbeitsberichte.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-size: 14pt;">Vier Jahre nach der Neugründung konnte <strong>Leonhard </strong>für die <strong>SDS</strong>-Mitglieder nicht ohne Stolz feststellen: Dass</span></p>
<blockquote>
<p><strong><span style="font-size: 14pt;">„…trotz großer Schwierigkeiten materieller und ideeller Natur eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet [wurde.] [ &#8230; ] Die kulturpolitischen Aufgaben erstreckten sich in der Berichtszeit im wesentlichen auf drei Gebiete 1) Spanien, 2) Deutschland 3) die Emigration.&#8220;</span></strong></p>
</blockquote>
<figure id="attachment_7185" aria-describedby="caption-attachment-7185" style="width: 300px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-7185 size-full" src="http://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Der-Schriftsteller-Zeitschrift-des-Schutzverbandes-deutscher-Schriftsteller-5-Jahrgang-Heft-8-10.jpg" alt="" width="300" height="454" srcset="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Der-Schriftsteller-Zeitschrift-des-Schutzverbandes-deutscher-Schriftsteller-5-Jahrgang-Heft-8-10.jpg 300w, https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Der-Schriftsteller-Zeitschrift-des-Schutzverbandes-deutscher-Schriftsteller-5-Jahrgang-Heft-8-10-198x300.jpg 198w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-7185" class="wp-caption-text">Der Deutsche Schriftsteller. Zeitschrift des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Kleine Animositäten, wie sie wohl in jeder <strong>Künstlervereinigung </strong>auftraten, gab es auch im <strong>SDS</strong>: ,,Als <strong>Döblin </strong>einmal im <strong>Schutzverbande </strong>war, wurde er in der Diskussion von irgendjemand als ,Kollege&#8216; <strong>Döblin </strong>angeredet oder bezeichnet. Darüber regte sich nachher jemand &#8211; ich glaube mich mit Bestimmtheit zu erinnern, das es <strong>Hermann Kesten </strong>war &#8211; der rief: ein <strong>Döblin </strong>sei kein Kollege! Unheimlich und kleinlich, unheimlich kleinlich dieses Bedürfnis, sich immer und überall als Genie und als einzigartig zu fühlen und zu sehn.&#8220;</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Die Schwierigkeiten nahmen jedoch 1938 weitere Formen an. <strong>Leonhard </strong>skizzierte sie in seinem Rechenschaftsbericht über die SDS Arbeit von Anfang März 1938:</span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><strong><span style="font-size: 14pt;">,,Das Leben und die Tätigkeit deutscher Schriftsteller ist von einigen Schwierigkeiten gekennzeichnet [ &#8230; ] Diese Schwierigkeiten waren die Affaire des Pariser Tageblattes und das Verhältnis zu den Vorgängen in Sowjetrussland. Für die Affäre des Pariser Tageblattes hatte der Vorstand des Schutzverbandesden Beschluss gefasst, dass die Sache ihn nichts angehe und dass er sich auch zu dem durch die Affaire entfesselten Streit mit Schwarzschild um so weniger zu äußern brauche, als niemand der Beteiligten Mitglied des Schutzverbandesist.</span></strong></p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Immerhin hat diese Affaire zur Gründung einer anderen Schriftsteller-Organisation geführt, des <strong>Bundes für freie Presse und Literatur</strong>. Die meisten Schriftsteller, die dort Mitglieder sind, gehören zum Typus der leicht Verärgerten [ &#8230; ] die immer Angst haben, eingewickelt und erdrückt zu werden.[ &#8230; ] Die Mitglieder dieser Vereinigung, die dem <strong>Schutzverband</strong>angehört haben, sind Mitglieder des <strong>Schutzverbandes </strong>geblieben; und der <strong>Schutzverband</strong>ist gewillt, sie unter keinen Umständen abzustoßen; wenn es, mit einem von ihnen oder mit allem zum Bruch kommt, soll er nicht vom <strong>Schutzverband </strong>ausgegangen sein.&#8220;</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Diese drei aufgeführten Problemkreise beschäftigten den SDS &#8211; Vorsitzenden <strong>Leonhard </strong>und den Schriftsteller <strong>Leonhard </strong>in starkem Maße.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Bei der Klärung der Affaire „<strong>Pariser Tageblatt</strong>&#8220; wurde ein Untersuchungsausschuss des <strong>Verbandes Deutscher Journalisten in der Emigration</strong>gebildet, der jedoch zu keinem eindeutigen Urteil zu diesem „<strong>Tageblatt &#8211; Putsch</strong>&#8220; kam.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Dieser Konflikt spaltete den Verband und achtzehn Mitglieder gründeten den „<strong>Bund Freie Presse und Literatur&#8216;</strong>&#8218; am 4 Mai 1937.</span></p>
<figure id="attachment_7186" aria-describedby="caption-attachment-7186" style="width: 395px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-7186 size-large" src="http://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/19370724_NTB_Bund-Freie-Presse-und-Literatur-395x1024.jpg" alt="" width="395" height="1024" srcset="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/19370724_NTB_Bund-Freie-Presse-und-Literatur-395x1024.jpg 395w, https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/19370724_NTB_Bund-Freie-Presse-und-Literatur-116x300.jpg 116w, https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/19370724_NTB_Bund-Freie-Presse-und-Literatur.jpg 565w" sizes="auto, (max-width: 395px) 100vw, 395px" /><figcaption id="caption-attachment-7186" class="wp-caption-text">Gründungsanzeige des Bundes Freie Presse und Literatur 1937</figcaption></figure>
<p><a href="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Unknown.jpeg"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-15941 size-full" src="https://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/Unknown.jpeg" alt="" width="271" height="201" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Der neue Verband machte dem SDS Sorgen, weil er wie <strong>Heinrich Mann </strong>in einem Brief an seinen Neffen <strong>Klaus </strong>urteilte, keine anderes Ziel habe, als der Sprengung des „<strong>Ausschusses zur Bildung der Volksfront</strong>,&#8220; zu betreiben.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Die Prozesse in der Sowjetunion 1936 gegen <strong>Sinowjew </strong>und <strong>Kamenew </strong>u.a., 1937 der „<strong>Prozess der 17&#8243; gegen Radek </strong>u.a. und der <strong>Prozess gegen Marschall Tuchatschewski </strong>waren in der Pariser deutsch-sprachigen Emigration ein viel diskutiertes Thema. Auch <strong>Leonhard</strong>beschäftige es sehr. Als er schon in Hyères am Mittelmeer lebte notierte er in sein Tagebuch:</span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">&#8222;<strong>Früh kam Solinger [ &#8230; ] Wovon wir auch sprechen wir kommen auf dieSowjetunion; es ist zum Verzweifeln, wenn er und Erwin[Piscator] mir immer sagen ,X ist verhaftet&#8216; und ,Y ist weggegangen'&#8220;. Er schrieb an seinen Freund Scheer nach Paris von dem literarischen Plan, einer Broschüre mit einem „Artikel &#8218;über das erste Buch von Gide (der geschrieben ist), einen über das zweite Buch, einen über die Moskauer Prozesse (für den ich besonders gute Argumente habe), den aus der Warte,eine Fortsetzung, einen über die wolgadeutsche Verfassung &#8230;. &#8222;, und er dachte in diesemSommer 1937 in Hyères über eine Broschüre mit dem Titel „Stalinphobie&#8220; nach und entwarf hierzu schon das Vorwort.</strong></span></p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Im Januar des folgenden Jahres konnte er in der <strong>Pariser Tageszeitung </strong>einen Artikel zu Prozessen in Moskau veröffentlichen. In seinem Bericht vom Frühjahr 1938 betonte <strong>Leonhard </strong>neben diesen problematischen Themen im <strong>SDS</strong>, die den Verband erschütterten, dass der <strong>SDS </strong>in hervorragender Weise bei allen wichtigen Unternehmungen der „Gesamtemigration&#8220;, wie „Fünf Jahre Hitler&#8220; und bei der „Spanienarbeit (an der wir um so stärker beteiligt sind, als ich außer dem Vorsitz des Schutzverbandes auch den des Spanien Hilfskomitees führe)&#8220;, mitwirkte.</span></p>
<p><span style="font-size: 14pt;">Erschwerend kam jedoch für diese breitgefächerte Arbeit des SDS hinzu, dass</span></p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;"><strong><span style="font-size: 14pt;">,,&#8230; unsere besten Leute in Spanien sind, und dass wir Mühe haben, unsere Arbeit durchzuführen[ &#8230; ]es fehlt uns nicht nur an Leuten für die laufende Arbeit, sondern auch an Vortragenden,&#8220;</span></strong></p>
</blockquote>
<p><span style="font-size: 14pt;">resümierte <strong>Leonhard</strong>.</span></p>
<p style="text-align: justify;"><span style="font-size: 14pt;">Nicht nur <strong>Leonhard</strong>, auch <strong>Alfred Kantorowicz </strong>als Generalsekretär beteiligte sich als Organisator und Ideengeber an der intensiven Kleinarbeit, die der Verband forderte.&#8220;</span></p>
<figure id="attachment_7187" aria-describedby="caption-attachment-7187" style="width: 290px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-7187 size-full" src="http://kueko-berlin.de/wp-content/uploads/2019/08/290px-2006-07-24_Gedenktafel_Alfred_Kantorowicz_Kreuznacher_Str_48.jpg" alt="" width="290" height="214" /><figcaption id="caption-attachment-7187" class="wp-caption-text">Gedenktafel für Alfred Kantorowicz am Haus Kreuznacher Straße 48 in Berlin-Wilmersdorf</figcaption></figure>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-size: 14pt;">…</span></p>
<hr />
<p style="text-align: center;">Entnommen der Dissertation von Frau Bettina Giersberg zu &#8220; <br />
<strong>Die Arbeit des Schriftstellers Rudolf Leonhard im französischen Exil 1933 bis 1945,</strong> <br />
2005, TU Berlin</p>
<p style="text-align: center;">© mit freundlicher Genehmigung von Frau Dr. Bettina Giersberg<br />
Leiterin des Museums des Landes Glarus<br />
www.freulerpalast.ch</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>
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