Berlin soll Wohnsiedlung kaufen in Berliner Kurier

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Warum der Künstlerkolonie die Künstler ausgehen

von Elmar Schütze

 

Die Wohnsiedlung Künstlerkolonie in Berlin. Immer mehr Bewohner sind von Mieterhöhungen betroffen. Foto: Gerd Engelsmann

 

Berlin 

Die Debatte um den Rückkauf früher landeseigener Wohnsiedlungenerreicht auch bürgerliche Bezirke. In Wilmersdorf soll die Künstlerkolonie Berlin vom Land gekauft werden. Die Künstlerkolonie Berlin ist eine Siedlung im südlichen Wilmersdorf zwischen Südwestkorso, Laubenheimer und Kreuznacher Straße sowie Steinrückweg, die von 1927 bis 1930 entstand.

Die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger (GDBA) und der Schutzverband deutscher Schriftsteller wollten armen Künstlern günstigen und guten Wohnraum bieten. Die Kolonie bekam schnell den Ruf einer Siedlung linker Intellektueller, eines „roten Blocks“. Der Philosoph Ernst Bloch wohnte dort, der Sänger Ernst Busch, Schauspielerin Steffie Spira, später auch der Schauspieler Klaus Kinski oder die Fotografin Eva Kemlein.

 

An viele erinnern heute Gedenktafeln an den Hauseingängen. Bis 1994 befand sich die Siedlung mit ihren rund 700 Wohnungen in öffentlicher Hand, dann wurde verkauft. „Das war ein politischer Fehler“, sagt der Liedermacher Manfred Maurenbrecher bei einem Rundgang. Er ist in der Kolonie aufgewachsen, wohnt heute wieder dort.

Künstler Manfred Maurenbrecher ist in der Siedlung aufgewachsen. Foto: Gerd Engelsmann

 

Mehrere Verkäufe später landete sie bei der Vonovia, mit rund 400.000 Wohnungen größter Immobilienkonzern der Republik – und mit 44.000 Einheiten in Berlin an Platz 2 unter den Privaten. Mittlerweile streitet der Mieterbeirat der Siedlung heftig mit der Vonovia.

Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne):

Siedlung Künstlerkolonie sei von großer kulturpolitischer Bedeutung

Hauptgrund sind die Sanierungskosten und die kräftigen Mieterhöhungen. Zum ersten Mal, so sagen Bewohner, würden Mieterhöhungen über dem Mietspiegel verlangt. „Das ist eine Kampfansage, so wird sozialer Frieden gebrochen“, sagt Mieterbeirat Reiner Fischer. Nach seinen Angaben liegt die durchschnittliche Nettokaltmiete in der Siedlung bei 6,10 Euro pro Quadratmeter. Manche Bewohner bezahlen 11 Euro warm pro Quadratmeter.

Fischer: „Die Mieterhöhungen führen zu einer völligen Vertreibung von Künstlern aus der Künstlerkolonie.“ Dennoch könnte gerade der Kunstcharakter der Siedlung mit illustrer Vergangenheit jetzt eine neue Zukunft bescheren. Oliver Schruoffeneger (Grüne), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bauen, will, dass Berlin sie zurückkauft.

Stadtrat Oliver Schruoffeneger will, dass Berlin die Künstlerkolonie kauft. Foto: Gerd Engelsmann

 

„Die Siedlung ist von großer kulturpolitischer Bedeutung“, sagt er. „Es wäre hochspannend, sie wieder zu einer Künstlerkolonie zu machen – mit alten und jungen Bewohnern.“

Das sei über Belegungspolitik steuerbar. Schruoffeneger will Kontakt zu Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD), Bausenatorin Katrin Lompscher und Kultursenator Klaus Lederer (beide Linke) aufnehmen. „Eine Stadt, die seit Monaten über die Enteignung Hunderttausender von Wohnungen debattiert, wird kein Problem haben, 700 Wohnungen zu kaufen“, sagt er. 


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