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Demonstration der Künstlerkolonie 1930

Lebendige Geschichte 

Demonstration der Künstlerkolonie am Breitenbachplatz. Bewohner der Künstlerkolonie der grossen Wohnsiedlung für Schauspieler und Schriftsteller am Breitenbachplatz in Wilmersdorf demostrierten gegen die Kündigung dreier unruhestiftender Mieter und die Unterdrückung der Geistesfreiheit. Berlin.

-Copyright:
IMAGNO/Austrian Archives

-Entstehungsdatum: 1930


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Sie flohen vor dem Hakenkreuz….Ein Lesebuch für Deutsche

Walter Zadek

Emigration und Wesenswandlung

 

Walter Zadek, der vor den Nazis geflohene Journalist aus dem Berlin der Weimarer Republik, hat seit vielen Jahren seine Begegnungen mit den Überlebenden der Emigration in Europa, den USA und in Israel dazu genutzt, ein Panorama der deutschen Emigration aufzuzeichnen. Aus bisher unveröffentlichten Texten und Selbstaussagen, die Walter Zadek aufs Tonband genommen hatte, aus Briefen und Zeugnissen von Verwandten und Freunden der Autoren ist dieser Band entstanden. Er gibt Zeugnis vom Leben auf der Flucht, von Armut und Elend der Emigration. Bei weitem nicht alle haben wieder eine neue Heimat Schriftsteller gefunden oder und sind Dichtergar in die alte Heimat zurückgekehrt. Die Emigration der Schriftsteller haben die Deutschen nach 1945 kaum nachvollzogen, die lebenslange Trauer der Emigration nie begriffen.

 

„Vor allem aber erhob sich noch die sprachliche Barriere, schwer die gerade für den ausgewanderten Schriftsteller unüberwindbar schien. Nur schwer und langsam wuchs uns die hebräische Sprache zu und wir in sie hinein. Nur ganz wenigen ist es gelungen, in dieser alten und erneuerten Sprache des eigenen Volkes literarisch produktiv zu werden. Thomas Mann hat aus seiner Exilerfahrung darauf hingewiesen, daß ein Schriftsteller ein Mensch sei, dem es schwererfalle, sich auszudrücken als anderen Leuten … Aber auch das Land der Herkunft blieb für uns, die wir Deutschland nach 1933 verlassen mußten, verfremdet. Nach über zwanzig Besuchen in der Bundesrepublik und längeren Aufenthalten in deutschen Städten bekenne ich dankbar, daß sich dort vieles entscheidend gewandelt hat und ich mich als gern gesehener Gast empfinden durfte. Aber als Gast, dessen Legitimität gerade in seiner Rückverbindung zu Israel gesehen wird. So bleibt es unser Schicksal, in dem Land unserer Auswanderung nicht mehr und im Land unserer Einwanderung nicht ganz heimisch zu sein“.  (Schalom Ben-Chorin)

 

Walter Zadek geb. 1900 in Berlin war Bewohner der Künstlerkolonie in Berlin und wohnte in der Bonner Strasse 3. Er begann 1919 als Buchhändler und Antiquar, 1924 Redakteur des «UHU», dem ersten deutschen Magazin, 1925 Ressortchef beim« Berliner Tageblatt», 1930 Leiter der « Zentralredaktion für deutsche Zeitungen», 1933 Verhaftung und Flucht, ab1933 Israel. Lebt in Holon bei Tel Aviv (Winter) oder Frankfurt! Main (Sommer). Herausgeber diverser Bücher

 

Unter Bestien

 

Am Freitag, dem 20. Januar 1933, kommt es in Berlin vor dem Eingang zum Untergrundbahn­hof Breitenbachplatz zu einem kleinen Handgemenge. Ich höre, wie ein untersetzter Herr seiner Begleiterin zuruft: «Schande, daß man dies Judenzeug immer noch ausstellen darf!» Damit weist er auf einen Zeitungsautomaten hin, in dem das Berliner Tageblatt steckt. Ich sage daraufhin zu meiner Frau: «Wollen wir mal das Judenzeug kaufen?»

Vor der Eingangssperre haben die Antisemi­ten auf mich gewartet. Als ich den engen Durch­gang betrete, werde ich von dem kräftigen Mann derb hineingestoßen. Ich wehre mich, wenn auch durch die Dauerverletzung einer Hand be­hindert, auf ähnliche Weise. Die anschließende Prügelei wird durch Bahnbeamte abgebrochen. Auf dem Weg zum Vorsteher, der die Namen aufnehmen soll, schlägt der Angreifer nochmals hinterrücks nach mir, trifft jedoch das Gesicht meiner Frau. Der Bahnvorsteher läßt sich unsere Ausweise zeigen. Der Nazi hat den holländischen Namen Bloemendaal. Ich weise mich als Leiter der «Zentralredaktion für deutsche Zeitungen» aus.

Ich besaß Arbeitsräume in der nahe gelegenen «Künsterkolonie». Das waren mehrere große Häuserblocks, erbaut für Mitglieder des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller, der Bühnengenossenschaft und anderer Künstlerverbände. Also ein Sammelbecken freigeistiger, meist linksge­richteter Menschen und damit ein Dorn im Auge jedes Nationalsoziali­sten. In meiner Wohnung hatte, schon seit ich Ressortchef am Berliner Tageblatt gewesen war, alle vierzehn Tage eine Art jour stattgefunden, an dem sich Dichter, Politiker, Musiker usw. gegenseitig an- und aufregten, darunter Maler des Bauhauses, Mitarbeiter der Weltbühne, Schauspieler von Reinhardt u. a.

Als ich nach der abendlichen Prügelei heimkehre, sehe ich vom Fenster aus, daß der Gewaltmensch mir nachgegangen war und die Anschrift auf­zeichnet. Noch ahne ich nicht, daß dies der Auftakt zu meiner sehr frühen und dadurch lebensrettenden Emigration werden wird.

Zwei Monate später, am 15. März 1933, werden die Wohnblocks der «Künstlerkolonie» von Polizei und SA-Leuten umstellt. Ich werde durch sieben schwerbewaffnete Jungen des «Kommando zur besonderen Ver­wendung» mißhandelt und mit blutendem Gesicht die Treppe hinunterge­stoßen. Halb bewußtlos höre ich: «Das ist der Kerl, der den alten Mann geschlagen hat.» Und dann: «Wirst du Judenschwein wohl schneller lau­fen!» Trotz meiner Betäubung erinnere ich mich: «Auf der Flucht er­schossen» und taste mich nun wirklich langsamer die Stufen hinunter. Einen so raschen Triumph möchte ich Herrn Bloemendaal nicht gönnen.

Unten werde ich auf einen Polizeiwagen hinaufgestoßen. Das ist ja eine Literatenversammlung: Vor mir sitzt der Schriftsteller Manes Sperber, hinter mir der im Osten geehrte Autor Theodor Balk, alias Dr. Fodor, alias Dr. Dragutin. Einer der Uniformierten höhnt: «Hast woll Neesebluten jehabt, wa? Wisch dir mal det Jesicht ab!» Das Bild des Wagens mit den feixenden Bestien erscheint am 16. März 1933 neben einem verloge­nen Bericht in den Naziblättern.

In die Gruppenzelle des Polizeipräsidiums am Alexanderplatz wird gleich danach der heute in der DDR führende Theaterfachmann Curt Trepte hineinbefördert. Kein Jude. Zum Beweis, wie «verhört» wird, ent­blößt er seinen Hintern. Er strahlt blau und braun von Hieben. Ich bitte einige Polizeikommissare, die oft Beiträge für meine Zeitungskorrespon­denz eingesandt hatten, um Rücksprache. Keiner von ihnen rührt sich.

Nach ein paar Tagen trennt man die konsularisch beschirmten Ausländer von uns schutzlosen Deutschen. Ich werde in das Zuchthaus Spandau abgefahren. Wieder öffnet sich eine Massenzelle, gefüllt mit einer geistig regen Gesellschaft. Beherrschaft von dem kommunistischen Abgeordne­ten Heuck, einem mächtigen Burschen, Pferdehändler, der später in sei­nem Wahlkreis Kiel von Nazischergen niedergemacht werden wird. Fast dreißig andere begrüßen den Neuzugang.

Eines Nachmittags bringen zwei Wärter den greisen Justizrat Broh herein, nur mit einer Decke auf dem nackten Kröper, um Druck zu vermei­den, denn er ist am ganzen Leib braun und schwarz geschlagen. Mit Brandstellen, wo die Sadisten ihre Zigaretten ausgedrückt hatten. Den Kopf voller Krusten, weil sie ihm die Haare büschelweise mit Zangen ausgerissen hatten. Er sollte büßen, daß er als Jude linke Leute gegen die Nazis vor Gericht vertreten hatte.

 

Ausbruch

April 1933. Ich werde herausgerufen: mit Sachen! Im Direktorzim­mer: «Sie sind entlassen!» Der neue Vorsitzende des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller (SDS), Hanns Heinz Ewers, nazistischer Erbe von Tucholsky und Arnold Zweig, hat seinen Einfluß zeigen wollen und sich für den ihm unbekannten Kollegen verwendet.

Unvorbereitet erscheine ich zu Hause. Meine Arbeitsräume sind verwüstet. Mein Paß ist im «Alex» beschlagnahmt. Ein deutschnationaler Anwalt versucht, ihn vom Staatsanwalt herauszubekommen. Aber eines Vormittags, wieder befragt, flüstert er mir leise zu: «So schnell und so weit wie möglich!» Ich begreife: Die Wiederverhaftung steht bevor.

Am selben Abend verschwinde ich mit meiner Frau in einem D-Zug nach Westen. Beide nur mit einer Aktentasche bewaffnet, wenige Mark im Beutel. Schon auf dem Bahnhof Zoo waren zwei allzu unauffällige Herren in das leere Nebenabteil zugestiegen. Man hatte uns also nie aus den Augen verloren.

Köln. Sechs Uhr früh. Ein begabter Reporter hatte in einem seiner Beiträge für meinen Zeitungsdienst von den Schleichwegen der Schmuggler im Westen berichtet. Aus dem Bett geholt, behauptete er, nichts Ge­naueres zu wissen. Seit der Machtergreifung verleugnen fast alle nichtjü­dischen Bürger ihre «rassisch belasteten» Freunde und Arbeitgeber. Un­aufgefordert schaltet jeder sich gleich. Von echten Überzeugungen keine Rede. Zivilcourage, Rückgrat, Gesinnungstreue – wie wenige haben sie damals bewiesen, werden sie jemals beweisen.

Auf dem Amt der Zionistischen Organisation in Berlin hatte uns ein Unbekannter eine andere Anschrift in Köln genannt. Durch die noch schlafenden Straßen der Stadt trotten wir zum bezeichneten Haus.

Als wir uns umdrehen, tauchen hinten, in weiter Feme, gerade die zwei unauffälligen Herren aus dem Nebenabteil der Eisenbahn auf!

Ich krieche unter die Treppe. Meine Frau läutet an der Wohnungstür. Wie? Was will sie? Man verstehe sie nicht. Niemals hätten sie mit so etwas zu tun gehabt. Welche Zumutung! Da bricht die überforderte Bittstellerin in Tränen aus. Man nimmt sie herein, reicht ihr Kaffee, nennt ihr den Fluchtweg. Er hätte kaum einfacher sein können.

Es ist der 23. April 1933. Wir fahren weiter nach Aachen. Gehen hinein in die Stadt. Vorsichtshalber steigen wir an verschiedenen Haltestellen in die Straßenbahn Nummer sieben. Umsonst, alles umsonst! Auf der Platt­form stehen bereits die beiden schweigsamen Herren. An der Kreuzung Couvenstraße springe ich ab, renne zu einem bestimmten Taxistand hin­über. Gerade ist noch ein Platz frei. Kaum sitze ich, rattert der Wagen los. Ich zahle bis zum Endpunkt, lasse jedoch unterwegs halten, steige links heraus statt rechts: Gerettet!

Denn diese Straße ist ein kurzes Stück lang staatenlos. Niemandsland. Links liegt Holland, der Platz Kerkrade. Rechts das deutsche Städtchen Herzogenrath. An der Hauptstraße befindet sich eine holländische Grenzsperre. Steigt man aber hundert Meter davor aus, gelangt man auf einem Kohlenweg um die Schranke herum sofort in den blumenreichen, sauberen Ort hinein.

Wo steckt meine Frau? Sie sollte doch im nächsten Auto folgen. Unru­hig sehe ich in einen Laden, erstehe die ersten holländischen Zigaretten. Als ich heraustrete, schleicht mein blasses Weib vorüber und bricht bei meinem Anblick ohnmächtig zusammen. Da sie mich am Treffpunkt nicht gesehen hatte, glaubte sie mich von den beiden Herren abgefangen.

 

© Auszug aus dem Buch “Sie flohen vor dem Hakenkreuz”, Herausgeber Walter Zadek, erschienen 1984 im Rowohlt Taschenbuch Verlag


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Neues vom Breitenbachplatz 07 2019

Liebe Bezieher des Newsletters Breitenbachplatz,

 
es gibt über ein paar Neuigkeiten zu berichten. Eine gute Nachricht: In zwei seit Monaten leeren Ladengeschäften ist neues Leben eingezogen:
 
– In der ehemaligen Weinstube Breitenbachplatz 12 neben dem Santa-Café eröffnet an diesem Wochenende das österreichische Heurigen-Lokal „Nussbaumerin“. Es handelt sich um einen Ableger des Restaurants „Nussbaumerin“ in der Leibnizstraße, das zuletzt vom Guide Michelin mit dem „Bip Gourmand“, der Vorstufe für einen Stern ausgezeichnet wurde. Es soll neben österreichischem Wein „Schmankerln“ vom Tafelspitz bis zum Kaiserschmarr`n geben.
 
– Direkt daneben hat die Berliner Sparkasse ein SB-Center eingerichtet. Damit steht jetzt erstmals wieder ein Geldautomat rund um die Uhr zur Verfügung, denn der Postbank-Automat an der Kreuznacher Straße ist nur während der Öffnungszeiten des Postbank-Centers zugänglich.
 
Und wie geht es weiter mit dem Breitenbachplatz? Nachdem das Abgeordnetenhaus, wie berichtet, direkt vor der Sommerpause den Abriss der Brücke und die Verbesserung der Aufenthaltsqualität inklusive Tempo 30 beschlossen und die Bürgerbeteiligung bei der Machbarkeitsstudie festgeschrieben hat, bereiten wir uns als Bürgerinitiative darauf vor, die Anwohnerinteressen einzubringen. Mehr demnächst. Erfreulich ist jedenfalls, dass die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf direkt vor den Sommerferien zwei unserer seit Jahren vorgetragenen Forderungen übernommen hat, nämlich
 
– die Reduzierung des Autoverkehrs um den Platz auf eine Fahrspur, damit – analog zum Südwestkorso und der Englerallee – die rechte Spur den Radfahrern vorbehalten sein kann. Gefordert wird vom Land auch die Rückverlegung der Bushaltestelle Schorlemerallee auf Höhe des südlichen U-Bahn-Ausgangs. Link: ogy.de/bxlk
 
– die EInrichtung eines Zebrastreifens zur sicheren Überquerung auf Höhe des Medizinischen Versorgungszentrums Orthopädie am südlichen U-Bahn-Ausgangs. Link: ogy.de/zq3p
 
Zur Erinnerung: Jeden Mittwoch ab 17 Uhr spielen wir Boule auf dem Platz. Einfach kommen! Wenn sich Gruppen zu anderen Zeiten zusammenfinden wollen, können auch sie gegen 20 Euro Pfand im Santa-Café einen Satz Kugeln ausleihen.
 
Wie berichtet, haben wir uns mit fünf anderen Bürgerinitiativen zum „Netzwerk Menschengerechte Stadt“ www.menschengerechte-stadt.de zusammengeschlossen. Das Netzwerk wird in nächster Zeit die Überdimensionierung der Bundesallee zum Thema machen. Am 8. August ab 17 Uhr findet zum Auftakt eine „lange Tafel“ auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz in Friedenau statt.
 
Für Kurzentschlossene noch ein Kulturtipp: Am 14. Juli um 16 Uhr erinnert die Künstlerkolonie am Breitenbachplatz mit einem Konzert an die Künstler, die 1927  bis zur Verfolgung durch die Nazis ab 1933 hier lebten. Details: www.kueko-berlin.de
 
Noch viele schöne Sommertage wünscht
 
Initiative Brreitenbachplatz
Ulrich Rosenbaum


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Neues vom Breitenbachplatz

Liebe Freundinnen und Freunde des Breitenbachplatzes,

 
gestern hat das Abgeordnetenhaus beschlossen, Maßnahmen mit dem Ziel des Rückbaus der Breitenbachplatzbrücke einzuleiten (Dokument siehe ogy.de/xc6f ). Das ist sicher ein Meilenstein in unserem seit acht Jahre währenden Bemühen, die Aufenthaltsqualität auf einem einst der schönsten Plätze wiederherzustellen. Zu danken ist der CDU, dass sie den parlamentarischen Vorgang eingeleitet hat, und den Koalitionsfraktionen für die konstruktive Behandlung im Plenum und den Ausschüssen und auch dafür, dass in dem Beschluss ausdrücklich ein breiter Beteiligungsprozess festgeschrieben ist. Wir wollen uns an vorderster Stelle bei der Erarbeitung der Machbarkeitsstudie einbringen. Der Beschluss enthält auch die von uns vorgeschlagene Bebauung der durch den Rückbau der breiten Schneise frei werdenden Fläche an der Nordseite der Schildhornstraße mit Wohnbauten.  

 
Nach den Ausführungen der Beamten im Verkehrsausschuss ist angesichts des baulichen Zustands der Brücke mit einem Abriss innerhalb der nächsten fünf Jahre zu rechnen. Schon vorher könnten weitere im Beschluss genannte Maßnahmen wie die Einführung von Tempo 30 rund um den Breitenbachplatz und die Schaffung sicherer Querungen für Fußgänger ohne Verzug eingeleitet werden. Auch darauf werden wir drängen. Bei unserem kleinen Platzfest konnten die Anwesenden, auch Kinder, ihre Ideen für die künftige Gestaltung zu zeichnen. Eine Zusammenstellung haben wir unter ogy.de/n5wi ins Netz gestellt.
 
In diesem Zusammenhang: Wir bitten alle auf unserer Mailingliste, die in der Lage sind, ihren Sachverstand in den weiteren Diskussions- und Planungsprozess einzubringen, sich bei uns zu melden.
 
Wichtig ist uns auch die gegenseitige Unterstützung im Netzwerk „Menschengerechte Stadt“ (www.menschengerechte-stadt.de). Wir werden uns an der nächsten Aktion des Netzwerks beteiligen, die sich gegen die menschenfeindliche Überdimensionierung der Bundesallee richtet. Auch die Partnerschaft mit dem Verein Künstlerkolonie werden wir ausbauen.
 
Was gibt es Neues vom Platz? In den Räumen, in denen früher die Commerzbank-Filiale war, hat in der linken Hälfte die Teltow-Zehlendorfer Physiotherapiepraxis Marion Koch eine Filiale eingerichtet und ist dabei, das Personal aufzubauen. 
 
Ich hatte Gelegenheit, im Privatsender TV Berlin sowohl über das Netzwerk wie speziell zum Breitenbachplatz ausführlich zu berichten. Die zwei Teile der Sendung kann man auf Youtube anschauen: https://youtu.be/311G7teShIs   UND   https://youtu.be/SkH3FRDGKjA 
 
Jetzt wünsche ich allen erst einmal eine erholsame Ferienzeit; wenn Sie daheim bleiben, kommen Sie doch mal mittwochs um 17 Uhr zum Boulespiel auf den Breitenbachplatz.
 
Mit nachbarschaftlichen Grüßen
Ulrich Rosenbaum
Initiative Breitenbachplatz


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„RESPEKT FÜR DIE MENSCHEN IN UNSERER STADT“

Netzwerk der
Bürgerinitiativen Breitenbachplatz und Wilmersdorfer Mitte,
Initiativen Bundesplatz, Friedrich-Wilhelm-Platz und Prinzregentenstraße,
Stadtteilinitiative um den Leon-Jessel-Platz

Die Qualität der Stadträume in Wilmersdorf, Friedenau und Dahlem zeitgerecht neu denken, reparieren und wieder sichtbar machen sowie Nachbarschaften stärken. Darum geht es unserem Netzwerk von Bürgerinitiativen!

Unser Stadtraum – zwischen Lietzenburger Straße im Norden und der Bezirksgrenze nach Dahlem am Breitenbachplatz im Südwesten, von der Konstanzer Straße im Westen, über den Bundesplatz bis zur Prinzregentenstraße im Osten und der Gegend um den Friedrich-Wilhelm- Platz in Friedenau als südlichem Abschluss – ist Zeugnis einer einzigartigen historischen Stadtbaukunst.

Frühere Stadtplanung zielte auf die Lebensqualität der Quartiere

Mit der Carstenn ́schen Planung entstand ein Netz aus repräsentativen Boulevards wie Hohenzollerndamm und Bundesallee sowie Stadtplätzen wie Bundes-, Prager oder Friedrich- Wilhelm-Platz. Die durchdachten, hochwertigen Plätze boten den dort wohnenden und arbeitenden Menschen urbane Orte der Begegnung und Erholung und verliehen den Quartieren mit ihrer hervorragenden Aufenthaltsqualität eigene Identitäten.

So schufen die früheren Stadtplaner einen repräsentativen und dennoch sozialraumorientierten Stadtraum, der die Menschen aller Schichten zueinander brachte und in dem Straßen und Plätze gleichberechtigt für alle Verkehrsteilnehmer, vom Fußgänger bis zum Automobilisten, angelegt waren.

Diese städtebauliche Qualität ist in weiten Bereichen zerstört

Unser Stadtraum wurde zunächst durch die Bomben des Zweiten Weltkrieges teilweise und ab den 60er Jahren durch die überdimensionierten Verkehrsplanungen der „autogerechten Stadt“weitgehend zerstört. Unter dem Motto „Der Verkehr muss fließen“ wurden vertraute Umgebungen, Straßen, Plätze und Nachbarschaften geopfert, gewachsene Strukturen „funktional gegliedert“. Mitdem Siegeszug des Autos verschoben sich die Prioritäten: erst das Auto, dann der Mensch. Mehrspurige Straßen und Schneisen kreuzungsfreien Fahrens wurden zum obersten Gebot des Städtebaus. Nicht mehr die Attraktivität für die Anwohner sondern die für die „Durchfahrenden“ war nun oberstes Ziel der Stadtplanung. Plätze, Sichtachsen und Quartiere haben vielerorts ihr Gesicht, ihre Bezüge, ihre Geschlossenheit verloren.

Es ist Zeit, die verfehlte Stadtplanung der Nachkriegsjahrzehnte zu korrigieren

Zwar führte in Berlin der Protest gegen die Planung der Westtangente schon Mitte der 70er zu einem zaghaften Umsteuern der Politik; der Abriss der Brücke über den Kurt-Schumacher-Platz, das Zuschütten des Tunnels am Breitscheidplatz waren weitere Zeichen des Abschieds vom Glauben an aufwändige Verkehrsbauten. Der sich nun ankündigende Abriss der Brücke über den Breitenbachplatz setzt ein aktuelles Ausrufezeichen: Die „autogerechte Stadt“ ist an ihreGrenzen gestoßen, an soziale, wirtschaftliche und ökologische. Das Netzwerk fordert daher einProgramm für den Rückbau der autogerechten Stadt.

Menschengerecht heißt nicht autofeindlich

Es geht darum, dass unsere Stadt wieder vom Menschen her gedacht und für Menschen gebaut wird. Dazu muss die Aufteilung der Verkehrsräume vom Kopf auf die Füße gestellt werden: Die Verkehrsplanung der Zukunft muss bei den Bedürfnissen der Fußgänger ansetzen, dann der Radfahrer, schließlich des ÖPNV und erst dann beim motorisierten Individualverkehr.

Gemeinsam fordern wir:

Politik, Verwaltung und Planung müssen die historische und städtebauliche Qualität unseres Stadtraumes erkennen, durch ihr Handeln bewahren und stadtverträglich neu definieren:

  • Die Kieze müssen am Menschen orientiert weiterentwickelt, die Nachbarschaften gestärkt und wiederhergestellt werden.

  • Den Magistralen muss das Trennende genommen, die Strukturen und Sichtachsen der Carstenn’schen Planungen müssen als erhaltenswerte Elemente der Orientierung und sozialräumlichen Gliederung einbezogen und erlebbar werden,

    Verkehrs- und Stadtgestaltung müssen unter den Prämissen der Flächengerechtigkeit und der Gleichwertigkeit aller Verkehrsteilnehmer generell neu fokussiert werden und sich wegbewegen von der auto- hin zur menschengerechten Stadt:

  • Kiezzentren erhalten, stärken oder sogar erst erstellen

  • die Bedeutung der Plätze als Zentren der Begegnung und Erholung sowie zur Kiezbindung

    erkennen und ihren Erlebnis- und Aufenthaltswert neu herstellen, sichern oder steigern

  • Stadträume rekonstruieren durch Schließen von Baulücken, Bildung von Raumkanten sowie durch gartenarchitektonische Maßnahmen, Entsiegelung und Anlage neuer Grünflächen

  • attraktive Freiräume durch Einschränkung des Privatverkehrs in die City und Parkraumbewirtschaftung schaffen

  • Lösungen entwickeln für eine optimale und faire Nutzung der Verkehrsflächen für ÖPNV, Liefer- und Individualverkehr durch modifizierte Mobilitätskonzepte und verändertes Mobilitätsverhalten

  • Verkehrsflüsse optimieren durch modal Mix, verbesserten, verbilligten und umsteigefreundlichen ÖPNV und Umstrukturierung des Lieferverkehrs durch innerstädtische Verteilerzentren

  • Verkehrsflüsse beruhigen, verlangsamen und gerechter organisieren durch Tempolimits, Kreisverkehre, Zebrastreifen, intelligente Ampelregelungen, Ausbau des Fahrradwege- Netzes durch Fahrradstraßen und Schnellwege für Radler; eigene Zonen für Lieferverkehr

    Die Wunden der „autogerechten Stadt“ müssen durch behutsame Reparatur geheilt werden, um so die Lebens- und Aufenthaltsqualität für die Menschen zu verbessern und diehohe Stadtqualität dieses Großraumes wiederzuerlangen und weiterzuentwickeln:

  • Rekonstruktion der Bundesallee als Boulevard und Promenade mit Baumreihen, ebenso die Wiederherstellung des Südwestkorsos mit begrünter Mittel-Promenade (Entsiegelung)

  • Reduzierung der Fahrstreifen auf Bundesallee, Hohenzollerndamm, der Uhlandstraße und der Mecklenburgischen Straße

  • Rückbau der Breitenbachplatzbrücke und Wiederherstellung des historischen Platzgrundrisses

  • Zuschütten der beiden Bundesallee-Tunnel.

  • Unterbindung des Durchgangsverkehrs in der Wilmersdorfer Mitte, Wiederzusammenführung

    der Teile von Volkspark und Wilhelmsaue mit Möglichkeiten zur ebenerdigen Querung der

    Straßen

  • Schließung der Prinzregentenstraße (für Autos) im Bereich Volkspark

    Respekt vor diesem einzigartigen Berliner Stadtraum!
    Heilen und reparieren! Menschengerecht umgestalten! Aktiv werden jetzt!

    Daher arbeiten wir Initiativen, die wir in diesem Stadtraum aktiv sind, zusammen.

    Mit unserem Netzwerk wollen wir diese hohe Stadtqualität bewahren, reparieren und auf zeitgemäße Weise weiterentwickeln. Den beteiligten Initiativen ist bewusst, dass wir unsere jeweils lokalen Aktivitäten und Projekte in ein übergeordnetes Konzept und Vorgehen einbinden müssen. Als engagierte Bürgerschaft müssen wir diesen Stadtraum im Großen denken. Konzepte und Lösungen für die Teilräume müssen sich nahtlos in eine Gesamtschau einordnen und diese stützen. Nur so können wir Politik und Verwaltung auffordern, ebenfalls im Großen zu handeln.


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Breitenbachplatz – Abgeordnetenhaus: In spätestens fünf Jahren ist die Brücke weg!

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,
 
wird sind mit unseren Forderungen Breitenbachplatz fast am Ziel, zugleich aber kommt neue Arbeit auf uns zu. Der Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz des Abgeordnetenhauses hat den Senat heute aufgefordert, bis zum 31. Mai 2020 eine Machbarkeitsstudie mit dem Ziel des „Abriss, weitgehenden Rückbau und Umbau“ der Breitenbachplatzbrücke vorzulegen und dabei die Bürger zu beteiligen. Der Platz soll wiederhergestellt und unter anderem durch eine Tempo-30-Zone den Bürgern zurückgegeben werden. Dem Ausschuss lag ein Antrag der CDU-Fraktion vor, der durch einen Ersetzungsantrag der Koalitionsfraktionen erweitert wurde. In der Grundausrichtung waren sich alle Fraktionen außer der AfD einig. Verkehrssenatorin Regine Günther und ihre Beamten erläuterten, dass der Zustand der Brücke inzwischen beim Grad 2,9 angelangt sei, was bedeute, dass man sie innerhalb der nächsten fünf Jahre sowieso sanieren, neu bauen oder gleich abreißen müsse.
 
Der Steglitzer SPD-Abgeordnete Andreas Kugler würdigte ausdrücklich das Engagement unserer Bürgerinitiative und hob die Forderung von Rot-Rot-Grün nach Bürgerbeteiligung bei den nächsten Schritten hervor. Auch der Ausschussvorsitzende Oliver Friederici (CDU) bekannte sich zu einem offenen Diskussionsprozess. Auf dem Tisch liegen Ideen wie eine neue Bebauung im frei werdenden Bereich nördlich der Schildhornstraße, die Wilmersdorfer SPD denkt dabei besonders an Studentenwohnungen. Denkbar ist auch, dass die Brückenkonstruktion vom Tunnel bis an den Platz heran vorerst erhalten bleibt und dort ein Freizeitgelände nach dem Vorbild der ehemaligen New Yorker Hochbahn entsteht. 
 
Senatorin Günther versprach, dass sich ihre Beamten der Machbarkeitsstudie widmen würden, sobald die Planungsarbeiten für die Elsen- und Allendebrücke abgeschlossen seien. Der vom Ausschuss beschlossene Antrag geht jetzt direkt ins Plenum des Abgeordnetenhauses.
 
Die befreundeten Bürgerinitiativen haben uns mittlerweile zu diesem Erfolg von acht Jahren beharrlicher Arbeit gratuliert und sehen darin eine Perspektive für ihre eigenen Forderungen zum Abschied von der autogerechten Stadt. Das Netzwerk hat dazu ein gemeinsames Positionspapier verabschiedet und eine eigene Website www.menschengerechte-stadt.de frei geschaltet. Am 18. Mai werden wir auf dem Leon-Jessel-Platz beim Europa-Kiezfest gemeinsam auftreten.
 
Hinweis: Der Beschluss des Verkehrsausschusses liegt in seiner endgültigen Fassung noch nicht vor. Sobald das der Fall ist, werden wir auf www.breitenbachplatz.de einen Link schalten.
 
Mit nachbarschaftlichen Grüßen
Ulrich Rosenbaum
Initiative Breitenbachplatz
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Künstlerkolonie verliert ihre Mieter in Berliner Abendblatt

Steigende Mietkosten verändern die Bewohnerschaft am Breitenbachplatz.

Die Wilmersdorfer Künstlerkolonie ist seit jeher Herberge für Künstler und Kulturschaffende aus ganz Berlin. Doch immer mehr von ihnen können sich die Mieten in der Siedlung am Breitenbachplatz nicht mehr leisten. Von den einst mehr als 300 Kunstschaffenden sind heute nur noch knapp 150 geblieben. Grund für den rasanten Anstieg der Mieten sind unter anderem Sanierungen, die der aktuelle Vermieter, die Vonovia SE, in den vergangenen Monaten durchführen ließ. Noch 2015 hieß es in einer Pressemitteilung der ohnehin umstrittenen Eigentümergesellschaft zum historischen Ort in Wilmersdorf: „Mieterwechsel gibt es kaum: Wer hier einzieht, der bleibt gerne.“ Das scheint sich in den vergangenen vier Jahren geändert zu haben.

Auf die Umstrukturierung der Mieterschaft reagiert nun auch das Bezirksamt. Bevor Berlin eine kulturpolitisch so wichtige Struktur verliere, erklärt Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) auf Anfrage, müsse schnell gehandelt werden. „Wir würden diese Struktur gerne erhalten und zu einem Wohnort machen, an dem ältere erfahrene Künstler und junge Künstler gemeinsam Wohnen und das Quartier gestalten. Der Rückkauf dieser Wohnungen für das Land Berlin wäre auch notwendig, um in diesem Ortsteil ein Quartier mit mietpreisdämpfender Wirkung und somit positiver Auswirkung auf den Mietspiegel dauerhaft zu sichern.“ 1994 waren die 700 Wohnungen der Künstlerkolonie von der landeseigenen Gehag veräußert worden. Nun will die Stadt das Areal zurückkaufen. Dafür muss Vonovia aber auch bereit sein, diesen Kauf einzugehen. Danach sieht es derzeit noch nicht aus.

Lange Geschichte

Die Geschichte des Kulturareals geht bis auf das Jahr 1926 zurück. Damals kauften die „Berufsgenossenschaft deutscher Bühnenangehöriger“ und der „Schutzverband deutscher Schriftsteller“ das Grundstück zwischen der Laubenheimer Straße und Breitenbachplatz und gründeten gleichzeitig die „Gemeinnützigen Heimstätten m.b.H. Künstlerkolonie“ (Gehag). Ziel war es immer, vor allem gemeinschaftliches Wohnen zu fördern und Kulturschaffenden im Bezirk einen festen Ort zum Wohnen und Arbeiten zu geben. Hohe Wohnqualität zu erschwinglichen Preisen war ein weiteres Ziel der Genossenschaften. Davon ist die Künstlerkolonie heute aber weit entfernt.

Datum: 12. Mai 2019, Text: Katja Reichgardt, Bild: iStock / Getty Images Plus/ Oleg Elkov

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Antrag der SPD-Abteilung Wilmersdorf Süd zur Künstlerkolonie und Breitenbachplatz

Künstlerkolonie und Breitenbachplatz weiter entwickeln:

Rekommunalisierung, Breitenbachplatzumbau und studentisches Wohnen jetzt

 

Die KDV Charlottenburg-Wilmersdorf möge beschließen, der Landesparteitag der SPD Berlin möge beschließen:

 

Der Senat von Berlin wird aufgefordert, in Verhandlungen mit dem Wohnungskonzern Vonovia mit dem Ziel einzutreten, die „Künstlerkolonie” in Wilmersdorf durch Rückkauf wieder in das Eigentum einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft zu überführen. Das bestehende Belegungsrecht der Bühnengenossenschaft ist dabei vollumfänglich zu erhalten. In diesem Zug sollen der Abriss der Autobahnbrücke über den Breitenbachplatz erfolgen und der Straßenraum einschließlich der Verkehrsflüsse neu geordnet werden.

Die frei werdenden Flächen, die durch Neuordnung der Verkehrsflüsse und eine Verschmälerung der Schildhornstraße entstehen, werden für die Errichtung von modernen Studentenwohnheimkonzepten durch die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft genutzt. Der Schwerpunkt soll dabei auf studentischem Künstlerwohnen liegen. Hierfür werden zur Belegung Kooperationsvereinbarungen mit den einschlägigen Berliner Hochschulen Universität der Künste (UdK), Hochschule für Musik “Hanns Eisler” und Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch” geschlossen.

 

Begründung:

 

Die Künstlerkolonie stand mit ihrer Gründung in den 1920er Jahren für genossenschaftlich organisiertes Wohnen von Künstlerinnen und Künstlern. Errichtet von der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, stellte sie bezahlbaren und lebenswerten Wohnraum für Kunstschaffende und ihre Familien bereit.

 

An diese Tradition wollen wir mit unserem Vorschlag anknüpfen und zugleich eine städtebauliche Sünde der „autogerechten Stadt“ beheben – durch einen Rückbau der Autobahn über den Breitenbachplatz. Mit dieser längst überfälligen Stadtreparatur schaffen wir Raum, um neues Wohnen ganz im Sinne der alten Künstlerkolonie zu ermöglichen.

 

Durch die hervorragende Verkehrsanbindung sowohl zur Freien Universität (FU) als auch zur UdK mit ihrem Hauptsitz an der Bundesallee, bietet sich der Standort Künstlerkolonie/Breitenbachplatz als Standort für studentisches Wohnen mit einem Schwerpunkt auf angehenden Kunstschaffenden an.

 


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Spaziergang vom Breitenbachplatz zum Künstlerfriedhof mit dem Berlin Stadtführer Walter Kreipe

Am “Muttertag” dem 12. Mai um 11 Uhr findet der nächste Kiez-Spazierigang statt.

Der Rundgang führt wieder durch die historische Künstlerkolonie, die dieses Jahr 91 Jahre alt wurde und endet dieses Mal auf dem Künstlerfriedhof in der Stubenrauchstrasse mit dem Besuch der letzten Ruhestätte von Marlene Dietrich.

Treffpunkt ist wie immer der nördliche Ausgang des U-Bahnhofs Breitenbachplatz auf der Mittelinsel vor dem Lateinamerika-Institut Neben vielen Informationen zur Geschichte der Berliner Künstlerkolonie und deren berühmten ehemaligen Bewohnern werden auch wieder viele Informationen zu den Gebäuden, der GDBA, zu aktuellen Bewohnern und der aktuellen Situation der Berliner Künstlerkolonie vermittelt.

Führen wird den Rundgang wieder der bekannte Berlin Stadtführer Walter Kreipe.

Erwachsene: 8,00 €, Schüler und Studenten: 5,00 €

Ihre Berliner Künstlerkolonie


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Che Guevara vom Breitenbachplatz

Manfred Maurenbrecher “Rotes Tuch”

 

Rente? Nö: „Rotes Tuch!“ So heißt das neue Album des Liedermachers Manfred Maurenbrecher. … Ein Hausbesuch.

von GUNDA BARTELS, in Der Tagesspiegel, 24.02.2015

 

Viel zu verstimmt. Das Klavier dient Manfred Maurenbrecher, Jahrgang 1950, zum Aufstützen und zur Dekoration seines Wilmersdorfer…FOTO: KITTY KLEIST-HEINRICH
 

Jetzt, wo sie von selber kommen, da lässt er sie frei – die Lieder. Das sei ihm noch nie passiert, staunt Manfred Maurenbrecher. Einfach so am Klavier sitzen, nichts zwingen, nichts sollen, nichts wollen und dann einfach so ernten. Die Töne, die Worte. Nur noch aufschreiben, nichts mehr ändern, fertig. Zwei von rund sechshundert Liedern, die der Liedermacher in den letzten 35 Jahren geschrieben hat.

Beide – und das kann kein Zufall sein – sind zärtliche Balladen, das eine gar ein rollender Walzer, getränkt mit Gelassenheit und bildhaft aufgeladen mit ozeanischer Melancholie. Gesungen mehr wie Achim Reichel, getextet mehr wie Reinhard Mey. „Aufbruch“ heißt die eine, die andere „Ein anderes Blau“. Zu finden auf dem neuen Album „Rotes Tuch“, nach dem auch Maurenbrechers Liveprogramm mit Band heißt, das morgen im Mehringhoftheater Premiere feiert.

Die erste Strophe vom „Anderen Blau“ geht so: „Der Maler an der Reling,/ das Meer vor sich im Frühling, / malte es schmutzig grau./ Man fragte ihn: Fehlt Farbzeug?/ Er lachte nur: Was quält euch?/ Das ist ein andres Blau.“ Ein Lob der subjektiven Wahrnehmung, der individuellen Sicht. Poesie made by Maurenbrecher, der sich eigentlich viel lieber Geschichtenerzähler am Klavier statt Liedermacher nennt.

Er will sie freilassen, die Lieder

Auf „No Go“, seinem Album von 2013, hatte er sich seiner angestammten musikalischen Ausdrucksform gerade noch mal umfassend vergewissert und wurde dafür prompt mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Nun will er sie freilassen, die Lieder. Perspektivisch jedenfalls. „Wenn ich so richtig alt bin, will ich diese Form nicht mehr auf der Bühne erfüllen.“ Er habe immer den Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch bewundert, wie der so ewig erzählen konnte. Und den Pianisten Friedrich Gulda, wie der von der Klassik kommend auf der Bühne losjazzte. Einfach noch mehr Musik machen, trotzdem das Wort nicht verlieren und beides auf der Bühne für sich stehen lassen, das könnte doch was sein. „Da will ich mal hinkommen.“ Er gestikuliert, er strahlt, dafür hat der vergnügte Mann scheint’s alle Zeit der Welt gepachtet. Im Mai wird Manfred Maurenbrecher 65 Jahre alt.

 

Geboren ist er in Wilmersdorf. Da wohnt er auch schon etliche Jahre wieder. In der Künstlerkolonie am Breitenbachplatz, die 1927 auf Initiative der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger und des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller entstand. Als preiswerter Wohnraum für brotlose Künstler und Denker. Die winterkahlen Bäume und Büsche lassen den Blick auf Gedenktafeln frei: Peter Huchel, Lyriker und Hörspielautor, Alfred Kantorowicz, Literaturwissenschaftler und Schriftsteller, Ernst Bloch, Philosoph. Bei Manfred Maurenbrecher hängt keine am Haus. Da gebührt dem promovierten Germanisten unter den wichtigsten deutschen Songwritern die alleinige Deutungshoheit.

„Das hier ist der Überblick“, sagt er und deutet mit der Hand aus dem Wohnzimmerfenster im vierten Stock. Und in Ostbrandenburg, wo wir seit 1992 ein Häuschen auf dem Dorf haben, das ist das Dickicht.“ Da schaue man aus dem Fenster direkt in Blumen und Büsche.

Er liebt ellenlange, politische Poeme

Die grenzenlos geträumte und die von der Realität begrenzte Welt, das sind Maurenbrechers Pole. Auf „Rotes Tuch“ frönt er wieder der Disziplin, die er sich von seinen verehrten Musikerkollegen Bob Dylan, Woody Guthrie oder Franz Josef Degenhardt abgeschaut hat: ellenlange Poeme. „Reportagen“ nennt Maurenbrecher diese mit wenig musikalischer Ausmalung vorgetragenen Wortkaskaden. Nummern wie „Kiewer Runde“ oder „Wer hat, der kriegt“ beschreiben präzise beobachtet und ebenso getextet verrottete politische und gesellschaftliche Zustände.

Das ist „Spoken Word“. Das macht so nur Maurenbrecher, den die junge Berliner Lesebühnen-Szene in den Neunzigern, als er die Reformbühne Heim & Welt mitgründete, ja auch prompt adoptierte. Eine für den Romanautor und Liederschreiber segensreiche Allianz, aus der die kabarettistischen Dauerbrenner „Mittwochsfazit“ und das jedes Jahr sieben Wochen hintereinander ausverkaufte „Jahresendzeitprogramm“ hervorgegangen sind.

Was es mit der Tenorblockflöte auf sich hat, die in seinem Arbeitszimmer steht? „Ich bin kein allzu schlechter Blockflötenspieler“, sagt er. Das heißt in seinem Sprech – ein guter. Auf dem Notenpult des E-Pianos steht ein Blatt mit einem noch unbetitelten Song über einen Shitstorm im Internet gleich neben Juli Zehs Roman „Die Stille ist ein Geräusch“. Eine Feststellung, die Maurenbrecher blind unterschreiben kann. Die Kombi hat aber weiter nichts zu bedeuten. „Ich vertone das Buch nicht, ich lese es nur.“

Was er dagegen gerade vertont, ist das Leben von Pete Seeger. Zumindest ein Teil davon. „Wie er in der McCarthy-Zeit von Berufsverbot bedroht war und das listig überwunden hat.“ Zusammen mit seinem Freund Diether Dehm, der für die gelegentlich vom „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“-Marxisten Maurenbrecher unterstützte Partei Die Linke im Bundestag sitzt. In Bonn soll das Musical rauskommen. Dieses Jahres noch. Was bei dem Roman, den Maurenbrecher gerade in der Mache hat, noch nicht ausgemacht ist. So leicht die Lieder zu ihm kommen, so sehr ringt er mit dem Literatendasein.

Das Handy klingelt. Schon zum zweiten Mal. Immer dieselben Anfangsakkorde. „Ein Song von der vorletzten Dylan-Platte.“ Maurenbrecher ist stolz auf den Klingelton. Er hat lange dran gebastelt. Den Song digital geschnitten, den Ton aufs Telefon gespielt. Das hätte man nun nicht geglaubt, dass er sich mit so was abgibt. Seeger ja, aber Techniktüftelei? So als Anhänger des gestrigen Kunstformats CD. Von „Rotes Tuch“ wird er wohl dreitausend Exemplare verkaufen, in den Achtzigern waren es fünfstellige Stückzahlen. „Mein Sohn ist 25, der hat zu Hause drei CDs.“ Maurenbrecher lächelt. Er tritt auf, er schreibt, er kommt zurecht. Der Titelsong „Rotes Tuch“ sei schließlich ein Plädoyer fürs riskante Leben, sagt er. Ordnung könne man eh keine herstellen, dann lieber angreifen. Das Albumcover ziert sein Konterfei, ironisch stilisiert, als Che Guevara vom Breitenbachplatz.

© Der Tagesspiegel


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