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Der Schutzverband Deutscher Schriftsteller (SDS) in Paris

Exil in Paris und Hyères in den Jahren 1933 bis 1939

Rudolf Leonhard als „Ouartiermeister der Emigration” in Paris

Vergleicht man die Vielfalt und Intensität der politischen Aktivitäten Rudolf Leonhards, die er ab dem Frühjahr 1933 in Paris entwickelte, mit seinem zurückgezogen Leben bis zu diesem Zeitpunkt, so ist festzustellen, dass die Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 für den Dichter Rudolf Leonhard eine Zäsur in seinem Leben bedeutete, die ihn veranlasste sich wieder auf die politisch-literarische Bühne zu stellen.

Anders verliefen die Lebenswege seiner Kollegen TucholskyHasenclever und Friedrich Sieburg, die ebenfalls lange vor dem Beginn des Exil in Frankreich gelebt hatten. Tucholsky zog sich Ende 1932 völlig vom Literaturbetrieb zurück und stellte im März 1933 fest:

 

An einer etwa einsetzenden deutschen Emigrantenliteratur sollte [man] sich unter keinen Umständen beteiligen.”

 

Er war jedoch besorgt um seinen Freund Leonhard, dass dieser nicht Schaden nehme und sich hineinziehen lasse in politische Dinge, und er ihn dann nicht mehr zu Grabe trage könne, um anschließend … mit der Leiche noch einen Apéretiv zu nehmen.

Walter Hasenclever verfolgte aus Nizza entsetzt die Bücherverbrennung in Berlin. Trotz dieses starken Eindrucks blieb er der apolitische Dichter und schrieb an seinen Bruder:

Du weißt, ich habe es immer vermieden, mich mit Politik zu beschäftigen und möchte es heute weniger tun als je – und zwar [ … ] um meines Friedens willen! Ich lebe hier völlig zurückgezogen [ … ] mein ausschließliches Interesse gehört meinem Drama …

In den kommenden Exiljahren lebte der finanziell relativ gutausgestattete Hasenclever mal in London, mal bei seiner Schwester in Jugoslawien oder in der Nähe von Florenz. In keiner Weise engagierte er sich politisch.

Ein weiterer „AuslandsdeutscherFriedrich Sieburg, kannte Leonhardseit den frühen zwanziger Jahren aus Berlin; beide lebten seit Jahren in Paris. Dass Sieburg im ,,Excelsior” am 31.März 1933 erklärt hatte, er habe nach einem ausführlichen Gespräch mit Hitler den „besten Eindruck” vom Kanzler gehabt und nachdem er antisemitischeAusschreitung und die Pressezensur als ,,revolutionäre Übergangsmaßnahmen” verharmlost hatte, wirkte dies auf die Freunde und Kollegen im französischen Exil wie ein Schock. Der etwa vier Wochen später erschiene Aufsatz Leonhards in der von Henry Barbusse herausgegebenen Zeitschrift ,,Monde“, ist noch ganz von diesem Unverständnis getragen. Leonhard versucht in seinem Aufsatz die politische Wandlung Sieburgs nachzuzeichnen, schließt aber mit den bitteren Worten des enttäuschten Zeitgenossen:

,,Überlassen wir ihn seiner Selbstverachtung, die stets die Ergänzung seiner Eitelkeit und krankhaften Hofart war, jenes morbiden Schmerzes, den man so leicht in seinen unruhigen Zügen liest, falls man in Pariser Straßen seinen Weg kreuzt.“

In einem Gespräch beschrieb Rudolf Leonhard 1947 sehr emotionslos und knapp diesen einschneidenden biographischen Umschwung:

,, … ich war also Auslandsdeutscher. Aber eines Tages musste ich feststellen, dass ich Emigrant war: in Deutschland war eine neue Regierung gebildet worden. Ich konnte nicht mehr zurück. Bald darauf wurde ich ausgebürgert.”

 

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland änderte Leonhards Lebensbahn in ähnlich abrupter Weise, wie das Kriegsgeschehen des Weltkrieges. Der Emigrant Leonhard war nun einer den 25000 deutschen Flüchtlingen, die bis zum Juni 1933 in Frankreich eine erste Zuflucht gefunden hatten. Der Exilant Rudolf Leonhard hatte jedoch den Vorteil, seit fünf Jahren im Exilland Frankreich zu leben und zu arbeiten und die französische Sprache perfekt zu beherrschen. Bis 1934 wohnte Leonhard weiter in Hasenclevers Wohnung in Clamart und an Mittellosigkeit als einen finanziellen Dauerzustand war er seit Jahren gewöhnt.

Schon im April 1933 beteiligte sich Leonhard an der Gründung der ,,Ligue des Combattants de la Paix“. Zusammen mit Albert Einstein war er Präsident der deutschen Sektion.

Am 22. April 1933 sprach Leonhard über ,,La culture fasciste et La culture revolutionaire” im Pariser ,,Salle du Grand Orient’ und einige Wochen später war er Mitbegründer des „Comite d’Aide aux victimes dufascisme hitlerien“, das sich, indem es Vertreter vieler Hilfskommitees zusammenfasste, um die Gesamtheit der deutschenAüchtlinge kümmerte. Leonhard war hier zusammen mit Andre Breton, Henri Barbusse und Madeleine Paz im Vorstand des Komitees, aber auch als Mitglied des „Komitee zur Befreiung von Ernst Thälmann“.

Die neue Ordnung in Deutschland von Paris aus zu bekämpfen war das Ziel der Wochenzeitung „Die Aktion/ L’action“, die Rudolf Leonhard zusammen mit Maximilian Scheer (damals noch Walter Schlieper) ab Mai 1933 herausgab.

Leonhard, Schlieper, Alfred Kantorowicz und Vladimir Pozner gaben in den ersten zehn Monaten der „Aktion/L’action” ihr Gesicht. Das Redaktionskollegium arbeitete mit Leidenschaft und Freude für das Blatt:

 ,,Es waren hochgestimmte Nächte: wir hatten aufschreiben können, was wir dachten, wenigsten wichtiges davon; wir konnten es drucken, veröffentlichen.

Nach etwa zehn Monaten des Erscheinens wechselte die Zeitung nach den Angaben Scheers den Besitzer, und die gesamte Redaktion wurde von dem neuen Herausgeber ausgetauscht. Die Journalisten Georg Bernhard und Kurt Caro übernahmen nun die redaktionellen Arbeiten und setzten andere Schwerpunkte. Hatten Leonhard, Schlieper, Kantorowicz und Wladimir Pozner den Kampf und politische Aktionen gegen den NS-Staat in ihren Beiträgen gefordert, aber auch die Einheitsfront diskutiert, so berichteten die neuen Redakteure vom deutschen Emigrantenleben in Paris und führten eine Anzeigen-Rubrik ein, die auch private Nachrichten aufnahm.

Im Frühjahr 1934 wurde die letzte Nummer der „Aktion/L’action” ausgeliefert. Der Verlust dieser Zeitung schmerzte Leonhard noch Jahre später.

 

in das Ausland verlegt

Der Schutzverband Deutscher Schriftsteller (SDS) in Paris

Neugründung und Arbeitsweise des SDS

 

Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 in Berlin setzte für die deutschsprachigen Schriftsteller ein deutliches Zeichen der Bedrohung ihrer Arbeit und ihres Lebens durch die nationalsozialistische Regierung. Zwei Wochen später auf dem Internationalen PEN – Kongress, der vom 25. bis 28. Mai 1933 in Ragusa stattfand, war die deutsche PEN ­Gruppe (trotz der flammenden antifaschistischen Rede Ernst Tollers) in ,,Einklang mit der nationalen Erhebung” gebracht worden.

Die seit 1908 in Deutschland arbeitende gewerkschaftliche Interessenvertretung deutscher Autoren, der „Schutzverband Deutscher Schriftsteller“, war bereits am 11.März 1933 durch die Arbeitsgemeinschaft nationaler Schriftstellerunter der Führung von Hanns Heinz Ewers vereinnahmt worden. Am 31. Juli 1933 trat der Schutzverband Deutscher Schriftsteller dem „Reichsverband Deutscher Schriftsteller” bei.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich im Exilzentrum Paris Ende Mai 1933 deutsche Autoren trafen, um über eine Vertretung deutschsprachiger exilierter Schriftsteller zu diskutieren. Im „Gegen-Angriff’ lasen sich diese ersten Bemühungen schon sehr administrativ. Hier konnte man lesen, dass sich ein „ vorbereitendes Komitee eines (in Kürze zu bildenden) Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller– Ausland” gebildet hatte und alle Vertreter des „wahren, vom 3. Reich verfolgten Schrifttums” sollten sich anschließen.

Rudolf Leonhard wird von Alfred Kantorowicz als Initiator benannt:

„Wenn von der Sammlung der exilierten deutschen Schriftsteller in Paris und derBegründung des Schutzverbandes Deutscher Schriftstellerim Exil die Rede ist, muss man ihn wohl an erster Stelle nennen.”

 

In der kurze Zeit darauf folgenden Ankündigung der ersten Versammlung des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller SDS) am 9. Juni 1933 in der Pariser Mutalite hieß es:

 

Anna Seghers 1935 in Paris

 

,,Sind unsere Verträge mitverbrannt? Zur Lage sprechen: Botho Laserstein, Rudolf Leonhard, Gustav Regler. [ … ] Gäste willkommen. Für den Vorstand gez. Rudolf Leonhard, Willi Wohlfrad, David Luschnat, Anna Seghers.”

 

Zu diesem ersten SDS­ Abend ging auch der Freundeskreis um Klaus Mann. Mann selbst notierte etwas ernüchtert die Begebenheiten dieses ,,langbesprochenen Abends” in sein Tagebuch:

,,Zuerst Holitscher, Rudolf Leonhard, Magnus Hirschfeld (schöner alter Märchenonkel) u.s.w. gesprochen. Erst endlich reden. Leonhard, recht matt. Ein jüdischer Anwalt zur ,Rechtslage’ – hoffnungslos, kein neues Wörtchen. Am interessantesten Apfelüber die Lage. Dann meine Vorlesung der Benn Briefe; freundliche Aufnahme, ganz würdevoll deklamiert. Kischliest noch eine Antwort. Kurze Auseinandersetzung mit Wieland Herzfelde. [ … ] Spüre keine großen Resultate des Abends.”

 

Große Resultate waren auch auf den nächsten Versammlungen nicht zu erwarten, ging es den Organisatoren, in deren erster Reihe Leonhard stand, darum, die exilierten deutschsprachigen Schriftsteller zu sammeln. So war das Thema dieser ersten Versammlung „Sind unsere Verträge mitverbrannt ?” für viele Autoren nicht von so großer Bedeutung, wie die Frage, welche Veröffentlichungsmöglichkeiten sich für deutschsprachige Schriftsteller in Frankreich ergeben könnten. Zu diesem Problem sprach der französische PhilosophPaul Nizanin einer nächsten Versammlung, die möglicherweise von Rudolf Leonhard initiiert und vorbereitet worden war.

 ,,…Barbusse begleitet von Nizan kam zu uns, um uns in Frankreich zu begrüßen und, in schönster Kameradschaft, über unsere Lebens-, Kampf- und Arbeitsmöglichkeiten mit uns zu sprechen … “, berichtete rückblickend Rudolf Leonhard.

In der Versammlung am 30.Oktober 1933 wurde offiziell die Neugründung des „Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller – Ausland” in Paris bekannt gegeben. Als Erster Vorsitzender wurde Rudolf Leonhard gewählt, Alfred Kantorowicz wurde Generalsekretär und David Luschnat war bis Juni 1934 Sekretär und Schriftführer der Vereinigung.

 

Gedenktafel für die deutschen und österreichischen Flüchtlinge am Fremdenverkehrsbüro in Sanary-sur-Mer

 

Im Vorstand arbeiteten

Gustav Regler und Anna Seghers mit. Rudolf Leonhard hatte die Funktion des Ersten Vorsitzenden des (einige Quellen sprechen auch von Leonhard als Präsident) bis zum Verbot des SDS im Herbst 1939 inne.

So hatten die deutschsprachigen Autoren in Paris mit der Gründung ihrer Vertretung keinesfalls „einem von Goebbels beherrschten Verband das Recht zugestehen (können), die deutsche Literatur vor der Welt zu vertreten”, so Alfred Kantorowicz.

Trotz des leidenschaftlichen Kampfesgeist, den Kantorowicz hier zeigte, stellte Leonhardfünf Jahre nach der Neugründung des SDS ehrlich fest:

,,Es waren wohl anderthalb Dutzend Leute versammelt, und ich glaube wohl, dass keiner sich der Möglichkeit, die es für unser Unternehmen gab, wirklich voll bewusst war: wir hatten Mut und Willen, aber gar keine Übersicht.”

Der nun neugegründete SDS wies kaum personelle Kontinuitäten zur Berliner Gruppe des Schutzverbandes vor 1933. Heinrich Mann fasste die Umstände der Neugründung des SDS bündig zusammen:

„Der Schutzverband Deutscher Schriftsteller ist, infolge vorrübergehender Umstände, in das Ausland verlegt worden. Er bleibt, was er immer gewesen ist, die berechtigte Vertretung der deutschen Literatur.”

In dieser neugegründeten Interessenvertretung  „Schriftsteller aller sollten antinationalsozialistischen Richtungen [ … ]  und kameradschaftlich” zusammenarbeiten.

Der SDS wollte als gewerkschaftliche Vertretung der Schriftsteller Hilfe in Notlagen anbieten (was der SDS jedoch mit seinen geringen Mitteln kaum leisten konnte) und wichtiger Austauschplatz für deutschsprachige Autoren sein, die durch das Exil von ihrem Publikum und ihrem Sprachraum abgeschnitten worden waren. Da die von Heinrich Mann genannten „vorübergehenden Umstände” nicht wie erhofft vorübergehend waren, wurde innerhalb des SDS ein wichtiges literarisch-politisches Forum Austauschplatz geschaffen: die „Montagsabende“.

 

Die „Montagabende” des SDS als Spiegel

der Arbeiten des literarischen Exils in Paris

Diese Abendveranstaltungen, die immer auf einen Montag gelegt wurden, fanden zunächst einmal im Monat, sehr bald jedoch wöchentlich im „Café Mahieu” und später im Souterrain des „Café Mephisto” am Boulevard Saint-Germain statt.

 

Boulevard Saint-Germain

 

Leonhard beschrieb diese ersten Veranstaltungen humorvoll in seinem Rückblick: „Dann kamen die ersten Abende, im Hinterzimmer des Café Mahieu, dessen Bänke damals so unbequem gestellt waren, dass die Hälfte der Anwesenden nur mit schrecklichen und schmerzhaften Halsverrenkungen den Redner sehn konnte.”

Diese Abendveranstaltungen wurden zum Herzstück des Verbandes und waren Spiegel der Arbeiten des literarischen Exils. Der Verband verfügte nur über sehr geringe Mittel, denn die exilierten Autoren konnten aus ihren bescheidenen Einnahmen kaum die monatlichen Mitgliedsbeiträge entrichten:

„Wir erheben monatlich fünf französische Franken, ab 1. Januar 1935. Für eine Reihe unsere Mitglieder – den meisten geht es ja elend schlecht, dem Rest im besten Fall nur schlecht – ist sogar dieser Beitrag eine Belastung,”

 

klagte der Schatzmeister des SDS in einem Brief. Trotzdem bildete nicht die finanzielle Hilfe für die vertriebenen deutschsprachigen Autoren das Kernstück der Arbeit des SDS, sondern die Diskussionsforen. Aber auch diese waren oft finanziell gefährdet:

„Die wirtschaftliche Lage unserer Mitglieder ist so schlecht, dass wir die Mitgliedsbeiträge überhaupt nicht in Rechnung stellen können, und jede Veranstaltung bedeutet daher nicht nur ein Risiko, sondern eventuell eine Gefahr,” berichtet Leonhardüber den finanziellen Notstand des SDS 1938.

 

Die Arbeit des neugegründeten SDS war anders gewichtet als die des SDS bis zum Februar 1933 in Berlin:

,,Die rein gewerkschaftliche Arbeit spielt eine ganz geringe Rolle,”

resümierte Leonhard fünf Jahre nach der Gründung. Er begründet diese Entwicklung so:

 

,,… weil die Verengung des ,Marktes’ kaum Konflikte zulässt; freilich ist die Frage der Fortführung der Produktion und gar die Frage des Nachwuchses das, was uns am ernstesten belastet. Wir machen einige Versuche, wie den mit dem Heine Preis, ohne natürlich viel erreichen zu können.

 

Der Heinrich-Heine-Preis war ein Preis, der einmal im Jahr an deutschsprachige Nachwuchsautoren im Exil vergeben wurde. Rudolf Leonhard hatte ihn ins Leben gerufen. Mit dieser Ehrung war ein Preisgeld und Veröffentlichung der Preisträgerarbeit verbunden. Ende September 1935 wandte er sich an der Amsterdamer Allert de Lange Verlag um eine solche Veröffentlichungsgarantie zu erhalten. Er fragte an ob man „sich dem SDS gegenüber dazu verpflichten (könne), das mit dem Preis ausgezeichnete Werk jeweils – mit allen verlegerischen Pflichten – in Verlag zu nehmen … “. Der Verlag wollte sich jedoch nicht auf eine solche Vereinbarung einlassen, bot jedoch an, das eingereichte Manuskript “selbstverständlich ernsthaft” zu prüfen.

 

Heinrich Heine Preis

 

Erstmals wurde der Heinrich-Heine-Preis 1936 vergeben für den Roman „Die Fischmanns” von Henry William Katz. In der Jury lasen „die große Anzahl [ … ] zur Überprüfung eingereichter Manuskripte” neben Anna Seghers, Bruno Frank, Hans Sahl und Hans Marchwitza auch Rudolf Leonhard.

Der Roman konnte im Oktober 1937 bei Allert de Langein Amsterdam erscheinen, was den beiden nachfolgenden Preisträgern nicht mehr vergönnt war.

In den beiden folgenden Jahren erhielten Elisabeth Karr und Henryk Keisch den Preis.

Noch vor der offiziellen Gründung des SDS diskutierten Rudolf Leonhard, Hanns Eisler und Fritz Kortner im Juli 1933 über aktuelle Probleme des Films. Es folgten noch im selben Jahr eine große Zahl Autorenabende.

Hier lasen u.a. Anna Seghers, Egon Erwin Kisch und Theodor Plivier. Im folgenden Jahr 1934 wurden diese Autorenabende fortgesetzt mit Lesungen u.a. von Gustav Regler, Theodor Balk, Egon Erwin Kisch.

Die Vortrags- und die Diskussionsabende waren ein weiteres kommunikatives Standbein der „Montagsabende” im SDS. So sprach im gleichen Jahr Erwin Piscator über das politische Theater (am 16. Juni 1934).

,,Die Bedeutung des Moskauer Schriftstellerkongresses für die zeitgenössische Literatur”

wurde vor fast 400 Zuhörern erörtert (am 15. Dezember 1934). Es fanden u.a. Diskussionsabende zu den Themen „Der Reichsverband deutscher Schriftsteller und wir” (am 1. Juni 1934) oder „Die Aufgaben der Intellektuellen in der Emigration” (am 25.Mai 1934) statt.

Im folgenden Jahr 1935 findet sich auch Leonhards Name als Autor und Redner im Veranstaltungskalender des SDS. Er las aus eigenen Werken am 31.März 1935 und hielt am 23.Mai 1935 zur Geburtstagsfeier von Egon Erwin Kischeine Rede. Am 3 Juni 1935 sprach Leonhard auf der Versammlung „Victor Hugo, der große Emigrant” zu dessen 50. Todestag.

,,Wir tagen hier jede Woche 100 Teilnehmer stark; wir können mit der Arbeit im gegenwärtigen Augenblick sehr zufrieden sein. Es ist uns gelungen, in der Tat hier das literarische Zentrum für die deutsche Emigration zu bilden, ohne dass es bisher auch nur die geringsten Reibereien und zu anderen als sachlich fruchtbaren Intellektuellen Auseinandersetzungen gekommen ist,”

 

resümierte der Generalsekretär Kantorowicz nach knapp zwei Jahren SDS-Arbeit.

Rudolf Leonhard bereitete nicht nur die „Monatsabende’” vor, sondern er leitete auch einen großen Teil dieser Veranstaltungen. Henryk Keisch, 1933 ein „junger Emigrant vom Rhein”, der sich in Paris als Student eingeschrieben hatte, berichtet davon. Er erlebte Leonhard auf vielen ,,Montagsabenden” und beschreibt ihn in einem kurzen Essay:

,,Ein schmales Gesichtmit vorspringender Vogelnase, der kluge scharfe Blick auffallend blaue Augen, ein kahler Schädel, am Handgelenk ein dünnes Goldkettchen mit Medaillon, Pfeifenraucher. Wenn er aufstand und nach einem etwas anachronistisch-koketten Spazierstock mit Elfenbeinknauf griff, merkte man mit Staunen, dass er viel kleiner war, also man vermutet hatte. Er leitete die Abende mit Souveränität, Gewandtheit und rethorischer Eleganz. [ … ] Er kannte alle, hatte von allen alles gelesen, wusste jedem etwas Angenehmes zu sagen, die Diskussion anzuregen und aufs Wesentliche zu lenken, das Allgemeine mit dem Aktuellen, das Grundsätzliche mit dem Konkreten und Praktischen zu verknüpfen. Er war die Seele des Ganzen. Er wusste das wohl auch.”

 

Zudem versuchte Leonhard in diesen Jahren die Arbeit der Schriftstellervereinigung in der Exilpresse bekannt zu machen. In der Verbandsschrift „Der Deutsche Schriftsteller. Zeitschrift des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller” und in der „Neuen Weltbühne” erschienen seine Arbeitsberichte.

 

Vier Jahre nach der Neugründung konnte Leonhard für die SDS-Mitglieder nicht ohne Stolz feststellen: Dass

„…trotz großer Schwierigkeiten materieller und ideeller Natur eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet [wurde.] [ … ] Die kulturpolitischen Aufgaben erstreckten sich in der Berichtszeit im wesentlichen auf drei Gebiete 1) Spanien, 2) Deutschland 3) die Emigration.”

Der Deutsche Schriftsteller. Zeitschrift des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller

 

Kleine Animositäten, wie sie wohl in jeder Künstlervereinigung auftraten, gab es auch im SDS: ,,Als Döblin einmal im Schutzverbande war, wurde er in der Diskussion von irgendjemand als ,Kollege’ Döblin angeredet oder bezeichnet. Darüber regte sich nachher jemand – ich glaube mich mit Bestimmtheit zu erinnern, das es Hermann Kesten war – der rief: ein Döblin sei kein Kollege! Unheimlich und kleinlich, unheimlich kleinlich dieses Bedürfnis, sich immer und überall als Genie und als einzigartig zu fühlen und zu sehn.”

Die Schwierigkeiten nahmen jedoch 1938 weitere Formen an. Leonhard skizzierte sie in seinem Rechenschaftsbericht über die SDS Arbeit von Anfang März 1938:

,,Das Leben und die Tätigkeit deutscher Schriftsteller ist von einigen Schwierigkeiten gekennzeichnet [ … ] Diese Schwierigkeiten waren die Affaire des Pariser Tageblattes und das Verhältnis zu den Vorgängen in Sowjetrussland. Für die Affäre des Pariser Tageblattes hatte der Vorstand des Schutzverbandesden Beschluss gefasst, dass die Sache ihn nichts angehe und dass er sich auch zu dem durch die Affaire entfesselten Streit mit Schwarzschild um so weniger zu äußern brauche, als niemand der Beteiligten Mitglied des Schutzverbandesist.

 

Immerhin hat diese Affaire zur Gründung einer anderen Schriftsteller-Organisation geführt, des Bundes für freie Presse und Literatur. Die meisten Schriftsteller, die dort Mitglieder sind, gehören zum Typus der leicht Verärgerten [ … ] die immer Angst haben, eingewickelt und erdrückt zu werden.[ … ] Die Mitglieder dieser Vereinigung, die dem Schutzverbandangehört haben, sind Mitglieder des Schutzverbandes geblieben; und der Schutzverbandist gewillt, sie unter keinen Umständen abzustoßen; wenn es, mit einem von ihnen oder mit allem zum Bruch kommt, soll er nicht vom Schutzverband ausgegangen sein.”

Diese drei aufgeführten Problemkreise beschäftigten den SDS – Vorsitzenden Leonhard und den Schriftsteller Leonhard in starkem Maße.

Bei der Klärung der Affaire „Pariser Tageblatt” wurde ein Untersuchungsausschuss des Verbandes Deutscher Journalisten in der Emigrationgebildet, der jedoch zu keinem eindeutigen Urteil zu diesem „Tageblatt – Putsch” kam.

Dieser Konflikt spaltete den Verband und achtzehn Mitglieder gründeten den „Bund Freie Presse und Literatur’‘ am 4 Mai 1937.

Gründungsanzeige des Bundes Freie Presse und Literatur 1937

 

Der neue Verband machte dem SDS Sorgen, weil er wie Heinrich Mann in einem Brief an seinen Neffen Klaus urteilte, keine anderes Ziel habe, als der Sprengung des „Ausschusses zur Bildung der Volksfront,” zu betreiben.

Die Prozesse in der Sowjetunion 1936 gegen Sinowjew und Kamenew u.a., 1937 der „Prozess der 17″ gegen Radek u.a. und der Prozess gegen Marschall Tuchatschewski waren in der Pariser deutsch-sprachigen Emigration ein viel diskutiertes Thema. Auch Leonhardbeschäftige es sehr. Als er schon in Hyères am Mittelmeer lebte notierte er in sein Tagebuch:

Früh kam Solinger [ … ] Wovon wir auch sprechen wir kommen auf dieSowjetunion; es ist zum Verzweifeln, wenn er und Erwin[Piscator] mir immer sagen ,X ist verhaftet’ und ,Y ist weggegangen'”. Er schrieb an seinen Freund Scheer nach Paris von dem literarischen Plan, einer Broschüre mit einem „Artikel ‘über das erste Buch von Gide (der geschrieben ist), einen über das zweite Buch, einen über die Moskauer Prozesse (für den ich besonders gute Argumente habe), den aus der Warte,eine Fortsetzung, einen über die wolgadeutsche Verfassung …. “, und er dachte in diesemSommer 1937 in Hyères über eine Broschüre mit dem Titel „Stalinphobie” nach und entwarf hierzu schon das Vorwort.

 

Im Januar des folgenden Jahres konnte er in der Pariser Tageszeitung einen Artikel zu Prozessen in Moskau veröffentlichen. In seinem Bericht vom Frühjahr 1938 betonte Leonhard neben diesen problematischen Themen im SDS, die den Verband erschütterten, dass der SDS in hervorragender Weise bei allen wichtigen Unternehmungen der „Gesamtemigration”, wie „Fünf Jahre Hitler” und bei der „Spanienarbeit (an der wir um so stärker beteiligt sind, als ich außer dem Vorsitz des Schutzverbandes auch den des Spanien Hilfskomitees führe)”, mitwirkte.

Erschwerend kam jedoch für diese breitgefächerte Arbeit des SDS hinzu, dass

,,… unsere besten Leute in Spanien sind, und dass wir Mühe haben, unsere Arbeit durchzuführen[ … ]es fehlt uns nicht nur an Leuten für die laufende Arbeit, sondern auch an Vortragenden,”

resümierte Leonhard.

Nicht nur Leonhard, auch Alfred Kantorowicz als Generalsekretär beteiligte sich als Organisator und Ideengeber an der intensiven Kleinarbeit, die der Verband forderte.”

Gedenktafel für Alfred Kantorowicz am Haus Kreuznacher Straße 48 in Berlin-Wilmersdorf


Entnommen der Dissertation von Frau Bettina Giersberg zu ”
Die Arbeit des Schriftstellers Rudolf Leonhard im französischen Exil 1933 bis 1945,
2005, TU Berlin

© mit freundlicher Genehmigung von Frau Dr. Bettina Giersberg
Leiterin des Museums des Landes Glarus
www.freulerpalast.ch

 

 


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Kulturaustauschstipendien des Landes Berlin – Comic/Graphic Novel: Paris

1 Stipendium à 6 Monate – November 2020 bis Ende April 2021

Zielgruppe / Ziele der Förderung

Das Stipendium ist für die künstlerische Entwicklung von professionell arbeitenden Künstlerinnen und Künstlern bestimmt. Der Auslandsaufenthalt soll ihnen ermöglichen, Verständnis und Kenntnis der Kultur des Gastlandes zu erwerben, Entwicklungen der Szene vor Ort zu studieren, Kontakte zu knüpfen, Ideen auszutauschen, Anregungen zu gewinnen und vor Ort ein künstlerisches Projekt zu realisieren. Hierfür stellt die ausländische Partnerinstitution eine Atelierwohnung zur regelmäßigen Aufnahme Berliner Künstlerinnen und Künstlern bereit.

Voraussetzungen

  • Die Künstlerinnen und Künstler sind durch ihre künstlerische Arbeit ausgewiesen und belegen dies mit entsprechenden Arbeitsproben.
  • Während des Auslandsaufenthalts besteht Präsenzpflicht vor Ort.
  • Die Bewerberinnen und Bewerber leben und arbeiten in Berlin.
  • Die Künstlerinnen und Künstler sind an keiner Hochschule immatrikuliert.
  • Ehemalige Kulturaustauschstipendiaten, deren Auslandsaufenthalt vor zwei Jahren endete, können sich erneut bewerben.

Umfang der Förderung

Das Stipendium beträgt monatlich 2.500 € pauschal und mietfreie Nutzung der Atelierwohnung im Ausland.

Während des Auslandsaufenthaltes betreut die Partnerinstitution die Berliner Künstlerinnen und Künstler und vermitteln auf Anfrage Kontakte zur lokalen Szene. Auch die Goethe-Institute stehen als Kontakt zur Verfügung. Die von der Partnerinstitution organisierten Veranstaltungen (offene Ateliers, Ausstellungen, Künstlergespräche) bieten den Berliner Künstlerinnen und Künstlern Gelegenheit, ihre Arbeit vor internationalem Publikum zu präsentieren.

Ausländische Partnerinstitution

Zeitraum der Ausschreibung

Die Stipendien werden in der Regel jeweils im Juni eines Jahres für Aufenthalte im darauffolgenden Jahr ausgeschrieben.

Antragsstellung

Beachten Sie bei der Antragstellung unbedingt die weiteren Hinweise im jeweiligen aktuellen Informationsblatt.

Nähere Infos

 


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Zwischen 1933 und 1945 in europäische Länder geflüchtete Schauspielerinnen

Der Anhang verzeichnet deutschsprachige, also vor 1933 vor allem in Deutschland und Österreich tätige  Schauspielerinnen, die nach dem aktuellen Stand der Forschung auf der Flucht vor nationalsozialistischer Verfolgung Schutz in europäischen Ländern suchten. Wahrscheinliche, aber nicht eindeutig belegbare Angaben sind mit (?) gekennzeichnet. Die Lebensstationen der Schauspielerinnen werden bis mindestens 1945 angegeben, soweit sie bekannt sind.

 

Abramowitsch, Ruth (Pseudon. Ruth Sorel; 1907 Halle/Saale – 1974 Warschau) 1933 PL, 1939 Südamerika, 1945 (?) CAN

Ache, Hilde (verh. Erxleben; 1914 Berlin – Berlin) 1934 SU, 1936 CSR, 1939 NL

Alpár, Gitta (urspr. Regina Kalisch; 1903 Budapest – 1991 Los Angeles) 1933 A, 1935 GB, 1939 USA

Alt, Camilla; A, 1938 CH, nach 1945 USA

Amann, Betty (Elisabeth; 1905 Pirmasens – 1990 Westport/Connecticut) 1933 GB, 1934 USA Ambrus, Irene (urspr. Irene Klopfer; 1904 o. 1906 Budapest – 1990 London) GB

Andermann, Eva; GB

Andersen, Irmgard (urspr. Irmgard Levy) NL, USA

Andersen, Lale (urspr. Liselotte Wilke, eigentl. Elisabeth Carlotta Helena Eulalia Wilke geb. Bun- nenberg, auch: Lale Beul, Lieselotte Beul), (1908 – 1972), 1933 CH, 1934 D

Angyal, Irene; NL

Ann, Anni (urspr. Anna Margarete Amalie Litschauer; 1910 Köln – ) F

Apel, Hjördis (Hjördis Hermine Apel, auch Hermine Apel, nach 1933 Hjördis Roubicek; 1906 Wuppertal) 1933 F, 1935 A, 1938 CSR, 1939 GB

Arndts, Angelica (1918 Berlin – 1996 Zürich) 1933 A, 1934 CH

Arno, Wally (1900) 1935 CH

Arpe, Nicole (geb. Nicoline Berta Käthe Karla Schatte; 1899 Wanzlitz – ) 1937 S Aschaffenburg, Grete; GB

Aschenbach, Kitty (Kitty Fried-Aschenbach; 1894 Berlin – nach 1971 CH) 1933 F, 1935 A, CSR; 1938 CH

Auer, Poras Thea (1906 Czernowitz) 1933 A, 1938 CH, 1939 F, 1940 CH Avory, Gloria;GB

Baeck, Grete (Grete Bäck) 1933 A, 1934 CSR, 1938 USA Baerwald, Therese (auch Baerwald-Carroll, Berlin – ) F, GB Bandler, Susi;GB

Baring, Else (Elisabeth Susanne Maria Baring; 1908 Jägerndorf – ) 1939 GB, AUS Barring, Evelyn; NL, GB

Barsony, Rosy (auch Rose; geb. Schustek; 1909 Budapest – 1977 Wien), 1933 A, HUN u.a., I Bassermann, Else (geb. Schiff; 1878 Leipzig – 1961 Baden Baden) 1933 A, 1939 USA Bauer, Gina;GB

Baum, Elli (geb. Brovo; 1885 Hamburg – 1948 New York) F, 1942 CH, USA

Bechmann, Trude (urspr. Gertrud Bechmann-Karafiat; 1904 Wien – 1982 Berlin) 1939 YUG, 1943 D (Sudetenland), 1945A

Becker, Maria (1920 Berlin) 1936 A, 1938 GB, 1939 CH Behrens-Steinfeld, Käte; CSR, GB

Bellak, Jola; GB Bera, Mizzi; F

Berend-Groa, Ilse (geb. Jastrow; Pseud. Ilse; 1885 Landsberg/Sachsen – 1972 Budapest) SU, 1945 HUN

Berger, Hedda (gest. vermutl. im KZ Theresienstadt) A

Bergmann, Liddy (auch Bergman, urspr. Karola Lydia Bergmann; 1904 Nürnberg – 1990 Tru- ro/GB) NL, GB

Bergner, Elisabeth (1897 Drohobycz/Galizien – 1986 London) 1932 GB, 1940 USA

Berliner, Trude (Gertrude Gabriele Berliner; 1904 Berlin – 1977 Pacific Beach/USA) 1933 CH,  A, 1934 NL, GB, Südamerika, 1936 CSR, 1938 NL, 1940USA

Berndt, Gretl (Grete Brend; 1907 Wien – ) 1933 CSR Bernelle, Agnes (geb. Bernauer; 1923 Berlin – ) 1936 GB

Berstl, Lisbeth (urspr. Hedwig Dorothea Lisbeth Koch; 1890 Leipzig – 1964 New York) 1936 GB Beschort, Martha (geb. Martha Anna Louise Reinhardt; auch Martha Beschort-Diez bzw. Diez-

Beschort; 1901 – ) 1935 CH Bicz, Steffi, GB

Binder, Sybille (1895 Wien – 1962 Düsseldorf) 1932 CH, 1937 A, 1938 GB Bode, Evi; F

Boguslawski, Else; SU

Bois, Ilse (vor 1901 – 1961 London) F, USA Borg, Trude; F

Borodin, Elfriede (Borodkin; Pseud: Doris Borodin; später Elfriede Silver; 1909 Berlin – 1992 Phoenix, Arizona/USA) 1933 CSR, 1939 USA

Bower, Edith; GB Bower, Gina; GB Brand, I.; F Braun, Edith; F

Brod, Fritta; 1933 CSR, 1938 GB

Brown, Vanessa (Vanessa Sandrich; urspr. Smylla Brind; 1928 Wien) 1936 F, 1938 USA Bruck, Elsbeth; 1934 CSR, 1939 GB

Brünell, Erna (auch Erna Brünel; 1908 Leipzig) 1938 CH Bucher, Barbara; F

Bühler, Christa; CSR Burg, Barbara; F

Burg, Hansi (Hansi Kittay; 1899 Wien – ) 1939 CH, GB Burr, Trude; F?, GB?, 1940 USA

Busch, Eva (geb. Eva Senta Elisabeth Zimmermann; nach Heirat der Mutter Klein; 1912 Berlin –

) 1933 NL, F, CH, 1937 USA, 1938 NL, 1939 F, 1941 – 1944 KZ Ravensbrück, 1945 F

Busch, Gustel (Gustl; 1900 im Rheinland – 1969 Hamburg) 1933 CH

Busch, Lydia (auch Lydia St. Clair; 1898 Wien – 1970 New Milford/USA) F, USA

Carlsen, Traute (urspr. Gertrud Rosalie Kempner; 1887 Dresden – 1968 Küstnacht) 1933 A, 1935 CH

Chatel, Brigitte (geb. Kaufmann; auch Brigitte Katz, Brigitte Alexander; 1911 Stuttgart – 1995 Mexiko-Stadt) 1933 F, 1942 Mexiko

Chiampietro, Christl; F

Clairy, Claire (Klara Gügel; 1901 Nürnberg – ) NL Collm, Maria (1901 Wien – ), F, USA

Conrad, Trude (Gertrude Conrad; Trude Conrad-Verder), 1936 S Corda, Felicitas, CSR

Costa, Ernestine (Ernestine Fortuin; Berlin – 1959 London), 1933 NL, GB Crone, Helen, 1933 CSR, 1939 GB

Cross, Lona (1900 – ), GB

Czamska, Maria (Marie Czamsky, auch Csamska, Maria Czanuska-Donath), GB, USA

Danegger, Mathilde (urspr. Mathilde Deutsch, Pseudonyme: Mathilde Novak, Mathilde Leusch), (1903 Wien – 1988 Ostberlin), 1933 CH

Darvas, Lili (1902 (1904) Budapest – 1974 New York), 1933 A, 1938 USA

Delvard, Marya (urspr. Maria Joséphine Billere, auch Biller; 1874 Réchicourt-le-Château, Loth- ringen – 1965 Pullach bei München) 1939 F

Demetriescu, Olga; S, BRD

Desni, Tamara (1911 oder 1913 Berlin – ) 1933 GB, 1940 San Domingo, 1945 GB Dewis, Lotte; NL

Dieck, Ilsabe (1890 – ) 1937 I, 1939 GB

Dietrich, Helene (Helene Maria Dietrich, auch Dietrich-Barnay; 1902 Oesede – 1958 Bremen) A, CSR, 1939 D

Diora, Olga; F, CSR

Dittmann, Dora (Dora Dittmann-Wolff) SU

Dorell, Alice (urspr. Droller; 1907 Mannheim – 1942 KZ Auschwitz) 1933 A, F, NL Dorette, Dora (eigentl. Dora Fischer; 1908 Jena – ) 1933 NL

Douglas, Anita (Wien) GB Dreyer, Gunny; F

Dupont, Gretl (geb. Gretl Scherk; 1894 – 1973 Los Angeles) GB, USA

Durieux, Tilla (urspr. Ottilie Godeffroy; 1880 Wien – 1971 Berlin/W.) 1933 CH, 1934 JUG, 1936

Italien, 1938 JUG, 1955 BRD

Durra, Lilli (Pseud. Lilli Hart; in GB auch Lilli Hard, Lily Dura; 1922 Berlin – ) 1939 GB

Ehn, Leonore (auch Leonore Ehn-Westphal; Leonore Freifrau von Zedlitz-Neukirch; 1888 Lan- genlois/Niederösterreich – 1978 Berlin) 1936 A, SU, 1938 D

Ehrlich, Charlotte (auch Lotte Bernd ?) F, NL, USA Eiselmeyer, Cläre; NL

Eisenbart van Perlstein, Hannelore (Johanna Elonore van Perlstein; auch Hannelore Eisenbart; 1918 – ) CH

Eisenheimer, Edith (Pseud. Edith Elmer; gest. London) 1939 GB

Eisinger, Irene (1903 Kosel/Schlesien – ) 1933 NL, A, 1934 CSR, 1938 GB

Eisler, Heidi (Adelheid Eisler; 1907 oder 1902 Berlin – ) 1933 CSR, A, 1938 ARG Elber, Luise; F

Elkins-Rosen, Ilse (urspr. Ilse Doris Karola Dammann; Pseud. Ilsa Damman; 1907 Hannover – ) 1933 F, 1940 Bras

Ellis, Lilian (urspr. Ellis Forchhammer; 1907 Frankfurt a.M. – 1951 Kopenhagen) 1936 USA (S/DK ?)

Elsner, Maria; CSR, GB Engel, Flora; GB

Engels, Mia; 1933 A, 1938 USA

Erlholz, Käthe (geb. Katharina Reinholz; 1876 Berlin – 1957 Amsterdam) 1933 A, CH, 1934 NL Ernst, Anni (auch Annie Ernst, Annie Ernst-Schröck; 1888 – 1963) A, CH, 1939 ARG  Eschbach, Gertrud;S

Faber, Lilly; F Fein, Alice; F

Fein, Maria (auch Maria Becker; 1892, 1894 oder 1899 Wien – 1965 Zürich) 1936 A, 1938 NL, F, 1942 CH

Feist, Wally (Valerie Feist); Lux.

Feldern, Cläre; NL Field, Ruth; GB

Fischer, Betty (1887 Wien – 1969 Wien) 1933 Lux. Fischer, Paola (auch Paula) S, GB

Förder, Käthe (Foerder; gest. 1935 oder 1937) NL Fothy, Elisabeth; 1933 A, 1934 CSR

Fournes, Louisrose (auch Luisrose; 1905 Wien – ) 1933 F, 1934 SU

Frank, Amy (urspr. Emilie Frank; auch Emmy Frank; verh. Rosenthal; 1896 Susice/Böhmen – 1980 Ostberlin) 1933 CSR, 1935 SU, 1937 CSR, 1939 GB

Frank, Dorothea (in GB: Dorothea Gotfurt) 1933 F, 1935 GB Frank, Lisl (Alice; 1911 Prag – 1944 Auschwitz ?) 1936 NL Frank, Ruth; CSR

Franke, Ingeborg (1912 Lankwitz – 1993 Weimar) 1933 F, SU, 1945 SBZ Freud-Marlé, Lilly (1888 – 1972 London) NL, CSR, 1939 GB

Freund, Nina (Irmgard Freund, Geb. Freiin von Kleist; 1902 Riga – ) 1933 CSR, 1939 GB, 1946 SBZ

Freund-Basch, Grete (urspr. Grete Freund; auch Gretel, Gretl; 1892 o. 1884 Wien – 1982 o. 1982 Wien) 1933 USA, 1936 GB, F, 1937 USA

Fried-Flockenbach, Lilly; S

Fries, Margarethe (seit 2. Ehe Friedl-Fries; 1911 Wien – ) 1938 CH, 1947 A Fröhlich, Olga Irene (Irèn) 1934 NL, 1935 Luxemburg, CH, BRD

Fry, Marion (auch Marion Frey) GB Fuchs, Hanna; CH (?)

Fuchs, Maria (auch Maria Voss; 1898 Pudzin (?) – ) B

Fuchs, Olga (Olga Fuchs-Fabian, Olga Malzmann-Fuchs, in USA Olga Fabian; Wien – ) 1933 A, CH (?), 1938 USA

Gaal, Franziska (Franciska Zilverstrich, auch Franziska Silberstein; 1901 o. 1895 Budapest –1972 New York) 1933 A, 1937 USA, 1940 Ungarn, 1946 USA

Gaby, Madeleine; NL

Gade, Maria (urspr. Marianne Kuhn, auch Marie Gade, Marie Gade-Brand, 1912 Prag – ) CSR Gang, Gretl; GB

Gebauer, Olly (1908 Wien – 1937 o. 1938 Wien) F, A Geiringer, Trude; GB

Georg, Rita (urspr. Rita Josef; 1900 Berlin – Kanada) 1933 F, NL, USA

Gerhard, Jula (urspr. Julia Benedek, auch Julia Gerhard-Benedek; 1881 – 1953 Zürich), CH Gersdorff, Elisabeth von; S

Gerson, Dora (Dorothea Gerson; 1899 Berlin – 1943 KZ Auschwitz) 1933 NL

Gert, Valeska (geb. Gertrud Valesca Samosch; 1892 Berlin – 1978 Kampen/Sylt) 1934 GB (bis 1939 hält sich G. in versch. europ. Staaten, wiederholt auch in D auf, Lebensmittelpunkt ist jedoch GB) 1939 USA, 1947 CH, 1948 D/West

Gessner, Adrienne (geb. Geiringer; 1896 Maria Schutz/Semmering – 1987 Wien) 1938 CH, F, 1939 USA, 1946 A

Giehse, Therese (urspr. Therese Gift, auch Gieße; 1898 München – 1975 München), 1933 CH, 1954 BRD

Glass, Claire; GB

Glücksmann, Laura (Larka Glyksmann; 1885 Lemberg – in einem KZ) 1938 (?) B Goddard, Renée (urspr. Renate Scholem; 1923 Berlin – ) 1934 GB, 1979 BRD Goldsand, Hilde;GB

Goldstein, Maja;NL

Gordon, Christine (Christa Abbel, geb. Habelova) 1936 F, 1937 CSR, 1939 USA, 1950er I  Goslar, Lotte (1907 Dresden – 1997 Great Barrington, Mass./USA) 1933 CSR, NL, CH,1935, CSR, 1936 USA

Gradenwitz, Renate (ab 1944 Renate Garden; 1922 Hamburg – ) CH, 1947 ARG

Grautoff, Christiane (Pseud. C. Tournur; 1917 Berlin – 1974 Mexico-City) 1934 CH, GB, 1936 USA, 50er Jahre Mex

Gregor, Nora (urspr. Eleonora Gregor; 1901 Görz, A – 1949 Vina del Mar/Chile) 1937 CH, 1938 F, 1939 ARG, 1944 Chile

Grohs, Sylvia (1918 Wien – ) 1938 CH, NL, 1947 USA Grünfeld, Alexandra; GB

Grüning, Ilka (Gruning; 1878, 1968 o. 1976 Wien – 1964 Hollywood) 1936 F, ca. 1938 USA Haas, Dolly (Dorothea Clara Eleonore; 1910 Hamburg – 1994 New York) 1935 GB, 1936 USA Haas, Hansi,GB

Hartnack, Anneliese (Anneliese Sophie Hartnack; 1906 o. 1911 Hamburg – ) 1939 CH, 1954  BRD

Hartwig, Grete; GB

Harvey, Lilian (urspr. Lilian Pape; 1907 London – 1968 Cap d’ Antibes/F) 1933 USA, 1935 D, 1939 F, 1940 CH, USA, BRD, F

Hase, Annemarie (Annemarie Haase, urspr. Hirsch; 1900 Berlin – 1971 Berlin) 1936 GB, 1947 Berlin

Hassel, Lotte (Lotte Hassel-Braun), 1933 CH, 1939 BOL, 1949 Uruguay Heger, Grete (Margarete Heger, 1916 Wien – ) 1936 CH, 1947 A

Hein, Julia; GB Heller, Alice; GB

Herbert, Erika (Herbert-Burczik) NL Herbert, Hilde; NL

Herder, Leonora; GB Herrmann, Else; GB Hersch, Traude; GB Hessen, Frieda von; NL

Hirth, Nelly (auch: N. Hirsch, geb. Hochstim, in USA Nell Hyrt; 1906 Wien – ca. 1987) GB (?), USA

Hodann, Traute (Gertrud) 1933/34 F, 1934 DK, S Hofberger, Li; S

Hofer, Johanna (urspr. Stein; 1896 Berlin – 1988 München) 1932 CH, D, 1933 A, 1934 GB, 1938 USA, 1948 BRD

Hoffmeister-Rhone, Lilly (urspr. L. Rosenthal) GB, USA Hollmann, Maria (Holmann) CH, ARG

Horwitz-Ziegel, Mirjam (1882 Berlin, andere Quellen: 1888 oder 1989 London – 1967 Lütjensee

bei Hamburg) 1934 A, 1936 D

Hruby, Margarete (1897 Wien – 1966 Ottobrunn) CSR, F, GB, USA, BRD Ippen, Hedi (Hedda; 1924 Wien – ) GB, CH

Jacobi, Liselotte (auch Lieselotte Jacoby) NL Jäger, Lotte (Charlotte Frank) F, GB, USA Jeßner, Hannelore (1917 Hamburg – ) NL

Jeßner (-Thompson), Lotte; vor 1937 GB, 1948 USA Jörsch, Herta; UDSSR

Johannsen-Wagner, Else (1894 Hamburg-Bergedorf – ) 1934 GB Juer, Marianne; GB

Kadmon, Stella (1902 Wien – 1989 Wien) 1938 YUG, 1939 Pal, 1947 A

Kann, Lilly (Lily/Lili/Louise Kann;1893 Peitz, Niederlausitz – 1978 Richmond, GB) 1939 GB Kant, Ira; (geb. in Wien) NL

Kantorowicz, Frieda (Friedel K., Friedel Ferrari; 1905 – vor 1978 DDR) 1933 F, 1937 (?)E, 1938 F, 1941 USA, 1946 BRD / Berlin

Karoly, Lilly (urspr. Natalie Klausner 1885 – 1971 Wien), 1939 YUG, 1945 A

Kennedy, Helen (Kennedy-Kallina) GB

Kertes, Susi (urspr. Suzanne Kertesz;, 1914 Györ, Ungarn – 1948 Lachen, CH) CH Kießler, Hedy (H. Kieslerova, ab 1938: Hedy Lamarr; 1914 Wien – ) 1937 GB, USA Klebinder, Brigitte; GB

Klupp, Maja (Maja Latté; 1894 – 1961 München) F, 1945 Berlin Koch, Alice (geb. in Budapest, gest. in Minsk) A

Koch, Lotte (Luise Charlotte Koch; 1913 Brüssel – ) CH, D Köppler, Gerda (G. Koeppler; 1913 Berlin – ) GB

Körner, Helene (Helene Cohn; 1897 Düsseldorf – 1966 Düsseldorf) taucht in PL unter Kohlmey, Gerda, 1933 CSR, GB

Kolman(n), Trude (urspr. Gertrude Kohlmann; 1904 Nürnberg – 1969 München) 1935 A, 1938 CSR, 1939 GB, 1950 BRD

Konschewska, Helene (1902 – 1968 Rottach-Egern, Bayern) 1933 E

Konstantin, Leopoldine (urspr. Leopoldine Eugenie Amalie K; 1886 Brünn – 1965 Hitzing bei Wien) 1935 A, 1938 USA, 1948 A

Krahn, Maria (Maria Hinrich, Maria Prager; 1896 Köln – 1977 Gelsenkirchen) 1942 I, 1949 BRD Kraus, Hilde Maria (1904 Wien – ) 1933 CSR

Krauss, Hansy von (auch Krauss-Lederer; 1913 Wien – ) 1936 CH Kristian, Liselotte (Liselotte Souza) GB

Krüger, Irma (1910 Rüstingen b. Oldenburg – ) 1935 F

Kürer, Vilma (in USA: Kurer; 1914 Melk – ) 1937 CSR, PL, USA

Küter, Charlotte (1900 Berlin – 1983) 1933 CSR, 1939 GB, 1946 Ostberlin Kun, Magda (1912 Szaszergen, HUN – 1945 London) 1935 GB

Kupfer, Marianne (geb. Ehmcke 1899 Bares, YUG – ) F, GB, D Kuthan, Gerti (Gertie) GB

Kyser-Linden, Inge (urspr. Inge Linden) A

Lach, Alice (1893 Wien – 1969 Zürich) 1938 F, CH Lamarr, Hedy, siehe Kiesler, Hedy

Langen, Hertha von, NL

Langen, Lilly (1901 Worms – 1993 Bern) 1933 CSR, 1936 CH Langhoff, Renate (1904 [?] Zürich – 1963 Berlin Ost), CH Lehmann, Anni; 1933 A, 1934 CSR

Lehmann, Susanne, CH Leiko, Maria; SU

Lenya, Lotte (1898 Wien – 1981 New York) 1933 CH, F; 1935 USA Lergens, Hilde; GB

Ley-Piscator, Maria (urspr. Frederike V. Czada; 1900 Wien) 1933 F, 1938 USA Liebant, Ursula; S

Liebermann, Mischket (1905 Galizien) 1929 SU, 1949 DDR Lieven, Lotte (Lotte van der Lieven); CH

Lieven, Tatjana (1910 Leningrad – 1978) GB

Lion, Margo (auch Margueritte Barbe Helene Lion; 1904 Konstantinopel – 1989 Paris) 1932 F Lipinskaja, Dela; GB, USA

List, Edith; NL, GB

Litten, Margarete (urspr. Margot Amalie Loewenberg, verh. Sussmann; 1906 Berlin – 70er Jahre Ost-Berlin) 1933 A, F, 1937 GB, 1947 SBZ

Lode, Margarethe (auch Grete Lode; 1902 – 1952) 1932 SU, 1945 SBZ

Loebinger, Lotte (1905 Kattowitz, Polen – ) 1933 PL, 1934 SU, 1950 DDR

Loewen, Betty (urspr. Betty Löwenkopf; 1909 Dozwiniacz) 1934 F, Pal (?), 1936 CSR, 1939 GB, 1947 BRD

Loewenberg, Hilde (urspr. Hildegard Stefanie Paula Freiin von Zedwitz) 1934 I, 1939 Ecu Löwenstein, Ruth; GB

Lorenz, Erna (1902 Königsberg – 1957 od. 1958 Gießen) 1933 A, 1934 D, 1939 GB, ca. 1946

Südamerika, 1948 BRD Lorm, Eva Maria; A, CSR

Lorm, Sidonie (urspr. Sidonie Lustgarten; 1887 Friedeck/Mähren) F

Losch, Tilly (auch Ottilie Ethel Losch; 1903 Wien – 1975 New York) GB, 1935 USA Lotar, Eva (1917 Berlin) CSR, 1938 CH

Lovski, Celia (Cäcilie Lvovsky; 1897 Wien [?] – 1979 oder 1975 Los Angeles) 1933 A, 1934  USA

Lutz, Ellen; NL

Maaß, Margit (1902 Berlin – 1990 London) GB (?) Majus, Lilli; NL, GB

Mandic, Vera; CSR (?)

Mann, Erika (1905 München – 1969 Zürich) 1933 CH, 1936 USA, nach 1945 CH

Mannheim, Lucie (1899 Berlin – 1979 Braunlage/Harz) 1933 CSR, A, 1934 GB

Manschinger, Greta (1899 Wien – 1971 Wien) 1938 CSR, GB; 1940 USA Marlind, Harriet (Harriet Martin, auch Clasme Martin; 1979 Frankfurt a.M.) GB Mannheim, Lucie (1899 Berlin – 1976 Braunlage) 1933 CSR, Ö, 1934GB

Martens, Valerie von (urspr. Valerie Pajer Edle von Maiersperg; Valerie von Pajer-Mayersberg; 1894 Lienz – 1986 Riehen) 1939 USA, 1946 CH, späterLichtenstein

Massary, Fritzi (geb. Friederike Massaryk, auch Masareck; 1882 Wien – 1969 Los Angeles) 1933 A, 1938 GB, 1939 USA

Mayen, Elisabeth, CH Medac, Lotte; NL Medak, Eva-Maria; CSR

Meisels, Klara (auch Klara Meyzels, urspr. Klara Fridhofer; 1895 oder 1896 Lemberg – 1960 London) 1938 CSR, GB

Mendelssohn, Eleonora von (1900 bei Berlin – 1951 New York, Freitod) 1933 A, 1936 USA Mirelmann, Rosa; SU

Mirowska, Vera; F

Moholy-Nagy, Sibyl (1903 Dresden – 1971 New York) 1934 NL, 1935 GB, 1937 USA Molnar, Lili Marion ( – gest. 1950) CSR, GB

Monasch, Charlotte Luise; Lux

Mosheim, Grete (Grete Mohsheim [?]; 1905 Berlin – 1986 New York) 1934 GB, 1938 USA, 1952 BRD

Mosner, Ellen (urspr. Ellen Moses ?) GB Motulsky, Erika; F

Motz, Koka (vermutlich identisch mit Koka Brand; geb. Wien) GB, A Mühsam, Ruth; F

Müller, Grete; 1933 CSR; URUG

Münzner, Melanie (auch Melanie Münsner, gest. 1981 Chur/CH) 1932 CH Nachum, Rita (1912 Hamburg) 1939 GB

Nargo, Vera (auch Veronika Nargo) 1933 A, CSR, USA; 1936 GB, 1937 Südamerika; 1938 F Neff, Margarete (auch Marie Neff; 1888 Wien – ) 1935 A, 1938 USA

Neher, Carola (1900 München – 1942 Sol-Ilezk/SU) 1933 CSR, SU Nels, Anna; SU

Neufeld, Claire (auch Cläre; 1895 Wien – ) 1933 A, 1936 GB, 1937 USA Neumann, Elisabeth (1900 Wien – 1994 Wien) 1933 A, 1939 USA, 1949 A

Nevill, Käte (urspr. Käte Levin; 1892 Breslau – 1972 Gauting bei München) 1933 (?) I, 1951  BRD

Nikisch, Nora (geb. Leipzig) CSR, USA

Nikolajewa, Eugenia (auch Genia Nikolajewa; 1904 Petersburg – ) 1937 GB, 1938 USA Nolden, Li (Lia Nolden; geb. 1900 – ) SU, 1937 B, GB

Norbert, Hanne (auch Hannah Norbert-Miller) GB

Norden, Marya (auch Lörk-Norden) CSR (?), 1936 (?)Wien Nowack, Friedel (1901 – 1988) A, 1938 CH, 1947 SBZ

Oppenheimer, Lotte (urspr. Lotte Müller, Künstlername Lotte Reller, später Müller-Oppenheimer; 1911 Hamburg) 1939 GB, später 11 Jahre in USA, dann GB

Ordeyne, Molly (auch Mollie Ordeyna, urspr. Fingerhut; 1910 London – ) 1935 GB

Ostfelden, Maria von (urspr. Maria Foitik Edle von Ostfelden; 1896 Stanislau/Galizien – 1971 Zürich) 1936 A, 1939 CH

Oswald, Marianne (auch Marianne Lorrain, urspr. Alice Marianne Collien; 1903 oder 1901 Sarre- guemines/Lothringen – 1985 Limeis-Brevannes/F) 1933 F, 1939 (?) USA, 1945 F

Otte, Paula; F

Palfi, Lotte (geb. Mosbacher; auch Palfi-Zilzer oder Palfi-Andor; 1903 Bochum – 1991 New York) 1933 F, CSR, NL (?), 1937 E, GB,USA

Palmer-Pichler, Irene (geb. Peiser, auch Irene Palmay, nach 1945 Irene Pardor; 1919 Wien – )  1933 F, 1937GB

Palmer, Lilli (urspr. Lilli Marie Peiser; 1914 Posen/PL – 1986 Los Angeles) 1933 F, 1934 G B, CH, A, GB; 1946 USA, 1960 CH

Pankau-Speyer, Mia (eigtl. Mia Pankau; auch Mia Speyer; 1895 Friedland/Westpreußen) NL Pauli, Hertha (auch Ernestine Pauli; 1909 Wien – 1973 New York) 1933 A, 1938 F, 1940 USA Paulsen, Dora (Feodora Anna Pauline Pollen; 1898 Berlin – 1970 Amsterdam) 1933 CH, 1934 NL Pesch, Erika; CH, SBZ

Petruschka, Gina (auch Gina Friedmann; 1909 Leipzig – 1985 New York) 1938/39 (?) CH, 1948 Israel, 1950 USA

Press, Dinora (1915 Berlin – ) 1934 CH, 1935/36 A Rademacher, Nelly; 1934 CH

Rainer, Luise (1901, 1910 oder 1910 Düsseldorf) 1935 USA, 1939 GB, 1942 USA, 1956 GB

Raky, Hortense (1918 Berlin – ) 1938 CH, 1946 A, 1956 DDR, 1961 BRD, A

Ramlo, Gertrud (bis 1932 Gertrud Kugel; auch Udi Ramlo; 1913 Wien – ) 1938 CH, 1945 A Rares, Sascha (urspr. Dorothea Stefanie Rares; 1901 Cernowitz – ) GB

Rares, Sybil (Sybille Rares) wahrscheinlich über A, CSR, P, 1938 GB Rauchwerg, Ilse; GB

Raymond, Ivonne; GB Redlich, Gerda (1905 Berlin)F

Reiter, Annie; 1933 CSR, 1935 A, USA Renn, Katharina (geb. Berlin – ) CH

Resée, Therese (Resl, geb. Steiner, ab 1944 Angeloff; 1916 Dresden – 1985 München) CSR, 1939 D, 1945 SBZ, BRD

Richter, Annette (1902 – 1988 Wien) 1939 GB, 1946 A

Richter, Ellen (1893 Wien – 1969 Düsseldorf) CH, 1940 USA; BRD Ritter, Hilde; CSR

Rodker, Joan (geb. ? London – ) 1934 CSR, SU) Rösner, Lola; L

Roland, Ida (1881 Wien – 1951 Nyon/CH) 1938 CH, 1940 USA, 1946 CH

Rosen, Iren; NL, CSR

Rosen, Trude (auch Greta Rozan/Rozen oder Gertrude Rosenstock; 1912 Wien – ) 1933 A, 1934 CSR, 1937 GB, USA

Rosovski, Mira; 1937 GB, USA Roth, Trude; F, USA

Rotha, Wanda (urspr. Wanda Rotter; 1905 Wien – 1982 London) 1933 CSR, A, D, 1937 GB Rova, Martha; GB

Rüthel-Schaber, Else (1899 Köln – 1938 Brünn) CSR

Ruffner, Josa (1898 Wien – ) 1934 A, 1938 D, GB, 1939 F, 1941 USA, 1956 GB

Sagan, Leontine (geb. Schlesinger, verh. Fleischer; 1889 Budapest oder 1885 Wien – 1974 Preto- ria/Südafrika) 1932 GB, 1939 Südafrika, 1943 GB, 1950er Südafrika

Salzer, Marcella (gest. 1968 London) 1934 NL, GB, USA Schefranek, Liesl (Elisabeth Schefranek) GB

Schell von Noe, Maragethe (urspr. Margarte Noé von Nordberg; 1905 Wien – 1995 Kärnten) 1938 CH

Schell, Maria (1926 Wien) 1938 CH, 1959 BRD Schick, Hertha; F, USA

Schlamme, Martha (1925 Wien – 1985 Jamestown/USA) 1938 GB, 1948 USA Schlichter, Hedwig (Hedy Crilla; 1898 Wien) 1933 F, 1939 ARG

Schliesser, Elli (1911 Berlin – 1947 Dresden, Freitod) 1933 CSR, 1937 F, 1940 D Schloß, Sybille (1910 München – ) 1933 CH, 1935 (?) USA

Schmalenbach, Roswitha (auch Roswitha Selmuth; 1923 Göttingen) 1932 CH Schmitz, Hanne (Hanni Rodenberg; 1910 Kön [?] – 1944 Moskau) SU

Schneuer, Gerda (Gerda Raatz; 1903 Hamburg – 1978 Ostberlin) 1933 SU, 1945 SBZ

Schönfeld, Adele (Adele Schönfeld de Saint-Georges; 1888 Frankfurt a.M. – 1953 London) 1939 GB

Schoop, Hedi (1903 Zürich – ) 1933 F, USA Schreiber, Else; GB, 1939 USA

Schumacher, Loni; F

Schwanneke, Ellen (1907 Berlin – 1972 Zürich) 1933 A, 1935 CH, 1936 A, 1938 USA, 1948 CH

Schwartz, Kitty Renee (1926 Wien) 1937 CH, 1938 Chile

Seidl, Lea (Caroline Mayer-Seidl; 1895 Wien – 1987 London) GB Sello-Christian, Myriam; CH

Sering, Maja (auch Amalie Singer) 1933 CSR, GB Shurley, Kitty; GB

Silberstein, Emmy (1891 Berlin – ) 1934 DK, 1943 S, 1945 DK

Solveg, Maria (Maria Matray; 1907 Berlin – 1993 München) 1934 F, GB, USA, 1953 BRD Sondheimer, Lotte (1907 Frankfurt a.M – ) F, vermutlich nach Auschwitz deportiert

Sonja, Magda (auch Magda Sonja-Vesela, Magda Sonja Weiß; 1895 Wien – 1957 )  1933  A, 1936USA

Spira, Camilla (1906 Hamburg – 1997 Berlin) 1938 NL, 1945 USA, 1947 D/West

Spira, Steffi (1908 Wien – 1995 Berlin) 1933 CH, F, 1941 MEX, 1947 SBZ

Staffl, Jelli (auch Jelly Hein-Staffel) F, GB

Stavenhagen, Ruth (1929 Frankfurt a.M.) NL, 1943 MEX Steier, Trude; SU

Stein, Irma Carla; 1933 A, USA

Stein, Lotte (urspr. Lotte Philipp-Stein; 1894 Berlin – 1982 München) 1934 CSR, 1939 USA, 1949 BRD, 1952 USA, 1953BRD

Steiner, Cäcilie; GB Steiner, Susi; GB Steiner, Sylvia; GB

Sterler, Hermine (auch Hermine Sternberg; 1894 Bad Cannstadt – 1982 ) 1933 A, 1939  GB, USA, 1950BRD

Steuermann, Rose (auch Rose Gielen-Steuermann; um 1900 – ) 1935 CH (?), 1937 A, 1940 Ar- gentinien, 1948 A

Steward, Marianne (urspr. Marianne Schünzel; 1923) 1933 GB, USA

Strasde, Maria (auch Marina Strasda; Riga – 1949 Berlin) 1933 F, 1945 SBZ Strzelewitz, Gertrud; SU

Sulzbach, Beate (1896 Posen – ) 1938 GB Taal, Marion; NL

Terwin-Moissi, Johanna (1884 Kaiserslautern – 1962 Zürich) 1941 CH, 1950 BRD

Thiele, Hertha Margarethe (1908 Leipzig – 1984 Berlin) 1937 CH, 1949 DDR, 1951 CH, 1966 DDR

Thimig, Ottilie Helene (Pseud. Helene Werner, 1889 Wien – 1974 Wien) 1933 A, 1937 USA, 1946A

Thomas, Ruth (1911 – 1970 Columbus/USA) F, USA

Triesch, Irene (auch Irene Trienk; 1877 Wien – 1964 Bern) 1933 GB, 1960 CH Ullmann, Lisa (1907 Berlin – ) 1933 GB

Valetti, Lisl (urspr. Elisabeth Vallentin) 1933 A, 1935 CSR, 1936 GB, 1938 USA Valetti, Rosa (urspr. Rosa Vallentin; 1876 oder 1878 Berlin – 1937 Wien) 1933 A Vallentin, Edith (geb. Wolf; 1903 Berlin – ) 1933 CSR, 1935 SU, 1945 SBZ

Varon, Miriam (1919 Moskau) 1938 F, 1939 ROM, PAL, 1946 USA, 1960 Israel, 1964 Südamerika, 1972 USA

Vita, Helen (geb. Helen Elisabeth Reichel; 1928 Hohenschwangau) 1939 CH, 1945 F, 1947 CH, 1951 (?) BRD

Waern, Inge (auch Inge Waeru; 1918 Mallenthin, D) CSR, S Wald, Friedl (1906 Brzozow/Galizien – 1978 Basel) 1938 CH

Walden, Elfriede; 1936 CH

Walla, Marianne (1905 Wien – 1980 Schottland) GB

Wallburg, Charlotte (geb. Ahnert, auch Lotte Ahnert, Lotte Wallburg; 1909 Kassel – ) 1934 A,  NL

Wangenheim, Inge (geb. Ingeborg Franke; 1912 Lankwitz b. Berlin – 1993 Weimar) 1933 F, SU, 1945 SBZ

Warnholtz, Elisabeth (ab 1946 Eliska Frejkova; 1907 Hamburg – ) 1939 GB, 1945 CSR Wartenberger, Anni (1915 Hamburg – 1995 ) 1935 F, 1953 BRD

Wedekind, Kadidja (Kadidja Epiphania Mathilde Franziska Wedekind, Pseud. Anna Schmid) 1938 USA, 1949 BRD, 1955 CH, 1957 USA, 1962BRD

Wegner, Maria; F

Weigel, Helene (1900 Wien – 1971 Berlin) 1933 CH, DK, 1939 S, 1940 FIN, 1941 USA, 1947 CH, 1948 SBZ

Weiler, Margrit (auch Margrit Wyler; 1906 Wien – 1986 München) 1937 CH, 1938  USA, 1947 (?) BRD

Weißmann, Gerda (Gerda Klein-Weißmann) GB

Werbezirk, Giesela (1875 Pressburg – 1956 Hollywood) 1938 I, CSR, USA Werner, Jenny; GB

West, Maria (auch Maria Loew, geb. Korwill; 1900 Wien – ) DK

Winkelstern, Marianne (1913 Berlin – 1966 Süd-England) ca. 1934 GB, USA, 1939 GB Winters, Gina; GB

Wörne, Hilde (auch Wörner-Lichtenstein; 1895 – ) 1933 NL Wolff, Hertha (Wolf) F. 1934 PAL

Wrede-Hartmann, Martha (auch Marta Hartmann-Wrede) 1933 A, 1934 SUI, 1937 CSR Wünsche, Marion; 1938 SUI

Zehner, Susi; GB

Zinner, Hedda (1904 oder 1905 Lemberg – 1994 Berlin) 1933 A, CSR, 1935 SU, 1945 SBZ Zorina, Vera (urspr. Eva Brigitta Hartwig; 1917 Berlin – ) 1933 GB, 1938 USA

Zweig, Hanna (Hannelore Zweig; 1893 Aachen) F, USA

A Österreich, ARG Argentinien, B Belgien, BRAS Brasilien, BRD BR Deutschland, CAN Kana- da, CH Schweiz, CSR Tschechoslowakei, D Deutschland, DDR Deutsche Demokratische Repu- blik, DK Dänemark, E Spanien, ECU Ecuador, F Frankreich, FIN Finnland, GB Großbritannien, HUN Ungarn, I Italien, JUG Jugoslawien, L Luxemburg, MEX Mexiko, NL Niederlande, P Portu- gal, PAL Palästina, PL Polen, ROM Rumänien, S Schweden, SBZ Sowjetisch Besetzte Zone, SU Sowjetunion, URUG Uruguay, USA Vereinigte Staaten von Amerika, YUG Jugoslawien


Benutzt wurden v.a. die folgenden Lexika: Trapp, Friedjof / Mittenzwei, Werner / Rischbieter, Werner / Schneider, Hansjörg(Hrsg.): Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933- 1945. Bd.1:Verfolgung und Exil deutschsprachiger Theaterkünstler. Bd. 2: BiographischesLe- xikon der Theaterkünstler. München 1999; Krohn, Claus-Dieter / zur Mühlen, Patrick von / Paul, Gerhard / Winckler, Lutz (Hrsg.): Handbuch der deutschsprachigen Emigration 1933- 1945. Darmstadt 1998; Strauss, Herbert A. / Röder, Werner (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945. München, New York, London, Paris1983


Entnommen aus © Jung, Christina; Pohl, Astrid; Zimmermann, Sandra; Styn, Gaby:

Zwischen 1933 und 1945 in europäische Länder geüchtete Schauspielerinnen.

In: AugenBlick Marburger Hefte zur Medienwissenschaft. Heft 33: Flucht durch Europa. Schauspielerinnen im Exil 1933-1945 (2002), S. 131–140. 


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Ankauf von Kunstwerken zeitgenössischer bildender Künstlerinnen und Künstler aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin in 2019

Ankauf von Kunstwerken zeitgenössischer bildender Künstlerinnen und Künstler aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin in 2019

Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa erwirbt Werke zeitgenössischer bildender Kunst von 21 Berliner Künstler*innen (17 Einzelkünstler*innen und 2 Künstlerinnenpaaren) und übereignet diese den Berliner Sammlungen für zeitgenössische Kunst.

Der Stiftungsrat der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin bewilligte auf seiner letzten Sitzung am 19. Juni 2019 eine Zuwendung in Höhe von 250.000,00 Euro. Die aus diesen Mitteln auf Vorschlag der Förderkommission Bildende Kunst getätigten Ankäufe stellen für die Berliner Museen und Sammlungen, die über keine eigenen Ankaufsetats verfügen, eine Möglichkeit dar, frühzeitig jüngere und innovative künstlerische Positionen für ihre Bestände zu erwerben. Darüber hinaus können vorhandene Sammlungen durch Werke renommierter Künstlerinnen und Künstler zu ergänzen. Ziel ist es, einen repräsentativen Querschnitt über das aktuelle Berliner Kunstschaffen auf hohem künstlerischem Niveau zu erreichen.

In der Förderkommission Bildende Kunst sind die Stiftung Berlinische Galerie, die Stiftung Stadtmuseum, das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, der Neue Berliner Kunstverein mit seinem Videoforum sowie das Georg-Kolbe-Museum vertreten.

Erworben werden Werke für unterschiedliche Institutionen von folgenden Künstlerinnen und Künstlern:

 

Künstlerin/Künstler

Institution

Slawomir Elsner

Kupferstichkabinett

Jürgen Kellig

Kupferstichkabinett

Paco Knöller

Kupferstichkabinett

Britta Lumer

Kupferstichkabinett

Hanns Schimansky

Kupferstichkabinett

Bente Stokke

Kupferstichkabinett

Beate Terfloth

Kupferstichkabinett

Pauline Boudry / Renate Lorenz

Neuer Berliner Kunstverein

Candice Breitz

Neuer Berliner Kunstverein

Antje Ehmann, Eva Stotz

Neuer Berliner Kunstverein

Clarissa Thieme

Neuer Berliner Kunstverein

Hito Steyerl

Neuer Berliner Kunstverein

Zora Mann

Stiftung Berlinische Galerie

Kurt Buchwald

Stiftung Stadtmuseum

Betina Kuntzsch

Stiftung Stadtmuseum

Frank Schirrmeister

Stiftung Stadtmuseum

Karl-Ludwig Lange

Stiftung Stadtmuseum

Christiane Möbius

Stiftung Stadtmuseum

Trak Wendisch

Stiftung Stadtmuseum

Kontakt: Daniel Bartsch – Pressesprecher 

mail: daniel.bartsch@kultur.berlin.de

mobil : +49 (0) 170 916 74 41

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Auf dem weißen Rößl zum Alexanderplatz – Camilla Spira und ihre Schwester Steffie

Camilla Spira und ihre Schwester Steffie

Die Spira-Schwestern stellen als Zeuginnen des Zwanzigsten Jahrhunderts die Unterschiedlichkeiten von Exilerlebnissen in ein besonderes Licht. Aus der selben Familie stammend, sind ihre Geschichten, wie sie verschiedener kaum sein können.

Camilla Spira wird am 1. März 1906 in Hamburg, Steffie am 02. Juni 1908 in Wien geboren. Ihre Eltern sind der in Deutschland bekannte Opernsänger Fritz Spira, aus einer jüdischen Familie in Wien gebürtig, und die aus Dänemark stammende Protestantin Lotte Andresen, die später als Filmschauspielerin arbeiten wird.

Der charmante Vater mit dem Wiener Akzent, der Erfolge am Theater und im Kabarett feiert, läßt seinen Töchtern eine unkonventionelle Erziehung angedeihen. Er ist jemand, der öfter sein Geld verspielt und gelegentlich verlangt, auf der Stelle mit den Kindern spontan zu verreisen, gleichgültig, ob gerade Ferien sind oder nicht.

Es ist die Mutter, die dann die Lehrer becirct und aus der Schule holt, um diese Familientage zu ermöglichen. So bunt und abwechslungsreich sieht der Familienalltag bei den Spiras aus. Der Vater ist in seinen Aktionen und Entscheidungen unberechenbar bis jähzornig, die Mutter organisiert den Rest, ohne jedoch ihr Bedürfnis nach Amusement zu vernachlässigen. Darüber hinaus ist Lotte Andresen diejenige, die die Töchter anleitet, einige schauspielerische Szenen im privaten Kreis vorzuführen, und so gestalten sie einen Großteil ihrer Freizeit mit Verkleidungen und Sketchen.

Die Schauspielerkinder wachsen zusammen in der Koblenzer Strasse in Berlin auf. Camilla, die ältere, wird zärtlich „Millachen“ gerufen. Sie ist bis ins hohe Alter hinein stets auf ihr Äußeres bedacht, und legt Wert auf Anstand und Etikette. Steffie hingegen ist das krasse Gegenteil ihrer Schwester. Es macht ihr nie etwas aus, mit dem Hinweis auf das gesittete Auftreten Camillas zurechtgewiesen zu werden. Wie ihre Kleidung aussieht, ist ihr „von jeher wurscht“, und sie kommt als Kind wesentlich besser als Camilla damit zurecht, durch die abenteuerlichen Eskapaden, in die sie der Vater hineinzieht, auch einmal neben der Normalität einer bürgerlichen Familie zu leben.

Camilla und Steffanie Spira, sechs und vier Jahre alt

Bereits als Fünfzehnjährige sagt Camilla Spira, so berichtet ihre Schwester, „Also weißt du, ich werde nur ganz reich heiraten, damit mir so etwas nicht passiert.“ So unangenehm ist ihr schon als Kind die wirtschaftlich unsichere Situation der Familie, welche sich auch darin zeigt, daß man gelegentlich beim Einkaufen anschreiben lassen muß.

Um Malerin werden zu können, stellt Camilla Spira schon mit 13 Jahren eine Mappe zu sammen, mit der sie sich bei der Akademie der Künste in Berlin bewirbt. Es wird ihr zwar Begabung attestiert, aber um aufgenommen zu werden, ist sie zu jung. Statt dessen organisiert ihr Vater ihr über Beziehungen einen Platz in der legendären Max Reinhardt Schule für Schauspiel. Nachdem sie sechs Monate dort verbracht hat, bekommt sie ihr erstes Engagement am „Wallner Theater“ in Berlin. Hier spielt sie unter anderem die klassischen Rollen der Emilia Galotti und Minna von Barnhelm. Ihre Auftritte sind sehr überzeugend und erhalten gute Kritiken.

1924 wird Camilla am „Theater in der Josefstadt“ in Wien engagiert, das zu den Reinhardt Bühnen gehört. Vollkommen konzentriert und leidenschaftlich widmet sie sich ihrem Beruf und lebt dafür, zu lernen und eine gute Schau- spielerin zu sein. Beinahe ermüdend empfindet sie dagegen die Umwerbungen von Hermann Eisner, dem Rechtsreferendar, den sie auf einem Ball kennenlernt. Ernüchternd sagt sie rückblickend über diese Beziehung: „Ich war des Neinsagens müde und wir heirateten schließlich zwei Jahre nachdem wir uns kennengelernt hatten.“ Ihrem Lebensstil folgend feiert das Paar 1927 in Berlin eine gutbürgerliche jüdische Hochzeit. Aber eigentlich will Camilla Spira ihr Leben lang für das Theater leben.

Camilla in jungen Jahren

Camilla in jungen Jahren

Im selben Jahr kommt Sohn Peter zur Welt, was sie aber keinesfalls dazu bringt, ihrer Arbeit weni- ger Bedeutung beizumes- sen. Von 1925 an ist sie für zwei Jahre am „Deutschen Theater“ in Berlin tätig, bis sie von 1927 bis 1930 an den Barnowsky Bühnen engagiert wird. Die drei Jahre danach arbeitet sie mit großem Erfolg an der „Volksbühne“. Die doppelte Begabung von schauspielerischem Talent und hoher Musikalität macht ihre Qualität aus und bringt ihr große Po- pularität ein.

Ab November 1930 spielt sie ein Jahr lang die Rößl-Wirtin in Zum Weißen Rößl vom Wolfgangssee und bezieht ein sehr gutes Einkommen. Dieses Stück, welches später auch verfilmt wird, macht sie in ganz Deutschland berühmt. Sie lebt in großem Stil mit Haushälterin und komfortabler Wohnung in Berlin. Die Filmbranche hat schnell Notiz von ihr genommen und so reißt die Serie von Produktionen, in denen sie mitwirkt, bis 1933 nicht ab. Sie spielt in Fritz Langs Das Testament des Doktor Mabuse und 1932 in Morgenrot (Regie Gustav Ucicky) mit.

Camilla Spira verstrickt sich tief in ihre Arbeit, ist diszipliniert und konzentriert. Sie begründet viele Jahre später mit ihrer Begeisterung darüber, in ihrem Beruf ihre Erfüllung gefunden zu haben, den Mangel an persönlichem Interesse am politischen Tagesgeschehen. Sie hat zunächst die Nationalsoziali- sten nicht als gefährlich empfunden. Sie erzählt 1991, daß sie erst davon Notiz genommen habe, als die nationalsozialistische Gesetzgebung ihr 1933 verbietet, öffentlich aufzutreten, weil sie Halbjüdin ist. Erlaubt bleibt ihr noch, vor jüdischem Publikum zu spielen. Die Absurdität des antisemitischen Konzepts der Nationalsozialisten wird deutlich, als ihr einen Tag vor ihrem Berufsverbot zur Uraufführung von Morgenrot und im Beisein der NS-Führungsriege ein Lorbeerkranz mit Schleppe überreicht wird, auf der steht: „Der Darstellerin der Deutschen Frau — Die Ufa.“.

Entrüstet bezeichnet Camilla Spira die Geschwindigkeit, in der diese Ereignisse aufeinander folgen als irrsinnig und unglaubwürdig. Es geht für sie alles viel zu schnell, um die Realität erfassen zu können.

Fünf Jahre lang verharrt sie noch mit ihrer Familie in Berlin, liest gelegentlich vor befreundetem Publikum in kleinem Kreis und zehrt von den Einkünften durch die Rößl-Wirtin. Tochter Susanne kommt 1937 zur Welt. Dann hat Camilla Spira es geschafft, ihren Mann zur Ausreise zu überreden. Mit der Linie Amsterdam fährt die Familie Spira-Eisner nach New York. Dort an- gekommen werden sie sogleich als einwanderungsverdächtige Personen eingesperrt. Es ist der Hilfe einflußreicher jüdischer Emigranten in Amerika zu verdanken, daß das Ehepaar aus dem Gefängnis freikommt. 14 Tage nach ihrer Ankunft in Amerika kehren sie diesem Land wieder den Rücken, weil es ihnen von vornherein nicht gefällt und sie als „Unerwünschte“ behandelt werden. Entgegen allen Ratschlägen und im Gegensatz zu fast allen Exilwegen deutscher Flüchtlinge, reist die Familie Spira-Eisner zurück nach Europa mit Ziel Amsterdam. Hermann Eisner kann als Jurist in den Niederlanden arbeiten und Camilla spielt Kabarett, hält sich mit Privataufführungen finanziell über Wasser und geht mit dem weißen Rößl am Wolfgangssee auf Tournee. Die Zeit des Exils ist endgültig eingeläutet und sollte bis 1947 währen.

 

Camilla Spira, gezeichnet von Emil Orlik 1926

1908 geboren und mit sieben Jahren eingeschult, ist Steffie Spira genauso leb haft interessiert an szenischen Darstellungen wie Camilla. Sie liebt es, sich zu verkleiden und genießt das durch den Vater verursachte etwas andere Familienleben. Nie, so sagt sie in einem Interview, sei sie an dem Punkt angelangt, ihre Schwester zu beneiden. Immer habe sie ihren eigenen Weg gefunden, auch, oder gerade weil sie ihre Individualität stets in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hat. In Kinderjahren wird dieses Anliegen durch einen politisch links orientierten Onkel, der im Haushalt verkehrt, bei Steffie verwurzelt. Später drückt sich diese Prägung, das eigene Handeln immer in der Verantwortung zur Gesellschaft zu sehen, in der ausschließlichen Ensemblearbeit aus. Sie ist keine Schauspielerin, die mit ihrem Talent hausiert und sich alleine im Rampenlicht stehen sehen will. Sie legt sehr viel Wert darauf, die eigene Arbeit in der Gruppe des Ensembles zu diskutieren und kritisch zu beleuchten.

So, wie Camilla Spira anfänglich versucht, das Malen zu ihrer Profession zu machen, ist es bei Steffie der Tanz, dem ihre frühe Leidenschaft gehört:

Schon als Kind wollte ich nichts als tanzen. Mein Vater sagte: „Schön, aber das Geld für den Tanzunterricht mußt du dir selbst verdienen.“ Bald nachdem ich eingeschult worden war, durfte ich Unterricht in rhythmischer Gymnastik nehmen, dann eine Ballettschule besuchen, und mein Vater verschaffte mir die er sten Engagements. So fuhr ich abends in das Theater in der Königgrätzer Straße. In dem Stück von Bernauer ‚Die wunderlichen Geschichten des Kapellmeisters Kreisler’ hatte ich im ersten Akt zu tun.

Mit 15 Jahren führt Steffie Spiras Weg in eine Tanzschule nach Dresden zu Mary Wigman. Ihr Traum vom Tanzen scheint berufliche Wirklichkeit werden. Doch während eines Aufenthalts mit der Familie in Wien 1924, als Camilla im Theater in der Josefstadt ihre erste Premiere hat, passiert das Unglück: Steffie stürzt beim Laufen über eine Baumwurzel und zieht sich einen Sehnen- und Kapselriß zu. Das Ende der Tanzkarriere stellt sich ein, bevor sie begonnen hat. Da sie es schon als Kind liebte, mit ihrer Schwester Camilla szenische Darstellungen einzuüben, steht für sie fest, nun Schauspielerin zu werden.

Zurück in Berlin spricht sie bei Ilka Grüning und Lucie Höflich vor, die sie aber nicht sofort als Schülerin annehmen wollen und sie noch drei Monate vertrösten. Seinem ungeduldigen Charakter entsprechend meldet Fritz Spira seine Tochter ohne große Überlegungen in der Schauspielschule der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger an. Von jetzt an muß Steffie Spira auf eigenen Beinen stehen.

Bis zu diesem Tag war ich für dein Gesicht und überhaupt für dich ver-antwortlich, jetzt schau zu, wie du dein Leben selber gestalten wirst.”

Diese Aussage ihrer Mutter hat Steffie ernst genommen und in die Tat umgesetzt.

Keine Ermahnungen, keine Vorbilder wurden gegeben. ‚Du selber’ – das war der Auftrag. Ich habe ihn ernst genommen.“

In der Schauspielschule der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger lernt Steffie Spira Günter Ruschin kennen.

Steffi Spira 1929 in Berlin

Über diese Begegnung sagt sie: „Bis heute kann ich mir darüber keine Rechenschaft ablegen, warum ich vom ersten Moment an das Gefühl hatte: Das ist der Mensch, der zu mir gehört.“ Günter Ruschin ist engagierter Schauspieler und überzeugter Kommunist. Mit ihm zusammen läßt Steffie Spira sich durch die Genossenschaft zur Schauspielerin ausbilden und erhält 1925 ihr erstes Engagement bei Viktor Barnowsky in Berlin. 1926 tritt sie in die Gewerkschaft der Schauspieler ein. Drei Jahre später spielt sie auf der Volksbühne am Bülowplatz in Shakespeares Was ihr wollt und im selben Jahr in Bertolt Brechts Mann ist Mann.

In Abgrenzung zu bürgerlichen Bühnen gründet sich 1931 aus vielen ar- beitslosen Schauspielerinnen und Schauspielern die „Truppe 31“ um Gustav von Wangenheim herum. Das Kollektiv bringt szenisches Kabarett auf die Bühne und experimentiert mit dem Stück Mausefalle, in dem die vielen Mitwirkenden bestens bekannte Situationen der Arbeitslosigkeit auf der Bühne thematisieren. Das Theater war schon immer ein Mittel für Steffie Spira, etwas zu verändern. Engagiert, beruflich wie privat, weiß sie, daß sie in diesem Ensemble das richtige Medium gefunden hat.

„Diese langweilige Gesellschaft, diese langweilige Welt wollten wir verändern“

Mit 23 Jahren wird Steffie Spira KPD-Mitglied und zieht in die Künstlerkolonie am Laubenheimer Platz in Berlin, wo u.a. Erich Mühsam und Rudolf Leonhard wohnen. Im selben Jahr heiratet sie Günter Ruschin. Der Kreis, in dem sie lebt, ihre Nachbarn, Arbeitskollegen und Freunde sind alle politisch gleich orientiert.

„Links zu sein war zu dieser Zeit in Schauspielerkreisen eine Selbstverständlichkeit. In Parteien organisierte Kollegen aber gab es nur wenige.“

Mit der „Truppe 31“ wird am 04. Februar 1933 Wer ist der Dümmste? am Kleinen Theater unter den Linden aufgeführt. Dieses Stück wird zwei Tage nach dem Reichstagsbrand am 29. Februar 1933 verboten.

Seit dem Reichstagsbrand wird der Terror gegen die Kommunistische Partei immer größer. Steffie Spira ist nicht nur Schauspielerin, sondern auch aktives Parteimitglied der KPD. In den Nächten kleben die Genossen Spira und Ruschin Partei-Plakate und tarnen sich bei Bedarf als küssendes Liebespaar. Unter ihrem Bett in der Künstlerkolonie liegen zusammengerollte rote Fahnen.

Vorsorglich haben Steffie Spira und Günther Ruschin immer wieder außerhalb ihrer Wohnung übernachtet, aber am 15. März 1933 wird das Paar bei einer Razzia in der Künstlerkolonie verhaftet. Obwohl der Kontakt zu Camilla Spira nicht sehr intensiv ist, profitiert Steffie Spira davon, eine so berühmte Schwester zu haben. Der Polizist, der Steffie Spira abführt, weiß, daß sie die Schwester der berühmten Schauspielerin Camilla Spira ist, die zu dem bereits sehr populär ist. Der Polizist gibt ihr Geleit bei der Verhaftung, führt sie an einer Gruppe SA-Leute vorbei und bewahrt sie so vor der politisch begründeten Verhaftung. Sofort nach diesem Erlebnis kauft sich Steffie Spira in Berlin eine Fahrkarte nach Zürich, setzt sich in den nächsten Zug und verläßt das Land mit nichts als ihrem Paß und einer Tasche in den Händen, ohne zu wissen, was aus ihrem Mann wird. Ihre Wahl fällt auf die Schweiz, weil dieser Fluchtweg nach Absprache mit ihren Genossinnen und Genossen am besten im Rahmen der in- ternationalen Solidarität organisiert ist. An diesem Punkt ihres Lebens, zu Be- ginn der Flucht vor der Naziherrschaft, ist Steffie Spira in ein starkes solidarisches Umfeld gebettet, welches sich aus Genossen, Freunden und Verwandten zusammensetzt.

Der Gedanke, Deutschland zu verlassen, ist ihr nicht neu. Als Halbjüdin und Kommunistin ist sie schon lange darauf vorbereitet, eines Tages durch Flucht eventuell ihr nacktes Leben retten zu müssen. In Zürich weiß Steffie, daß sie zunächst bei einem befreundeten Ehepaar Unterschlupf finden kann.

In ihrer Autobiographie schreibt sie über die Solidarität deutscher Exilanten:

Im März 1933 in Zürich ankommen, die Bahnhofstraße hinuntergehen, eine Te lefonzelle betreten und bei Carl und Grete anrufen, sagen: „Ich bin hier!“ , und als Antwort hören: „Komm, wir erwarten Dich!“ – nur wer in der tiefsten Ungewißheit gelebt hat, wer das Leben nicht mehr allein, sondern bloß mit Hilfe an- derer Menschen bestehen konnte, nur der weiß, was Freundschaft bedeutet. Für immer seien Hubachers bedankt.

Im Mai 1933 öffnen sich die Zellentüren für Günter Ruschin in Moabit. Niemand weiß so recht, warum er wieder gehen kann. Genossen, Eltern und Freunde haben sich bemüht, ihn freizubekommen, da er doch keine zentrale Rolle in der KPD spiele. Am 28. Mai 1933 um 21:00 Uhr fährt Günter Ruschin mit dem Zug nach Zürich. Um 22:00 Uhr steht die SA bei seinen Eltern vor der Tür, um ihn wieder abzuholen. Tatsächlich erweist sich die Freilassung als Irrtum. Der Ehemann Steffie Spiras ist gerade noch durch den noch nicht lückenlos funktionierenden Bewachungsapparat geschlüpft und kann Deutschland 1933 legal verlassen. Das wohlbetuchte Ehepaar Hubacher gewährt den Ruschins sowie anderen Genossinnen und Genossen Logis in ihrer Wohnung in Zürich. Dort werden Theater- und Kabarettstückchen entworfen und ausgear- beitet und man denkt darüber nach, wie es weitergehen kann ohne Einkommen. Zunächst kann bei einer Tournee Adele Sandrocks ausgeholfen werden und gelegentlich kommt ein Lustspiel zur Aufführung. Doch längerfristige Perspektiven bietet die Schweiz nicht. Steffie Spira und Günter Ruschin wandern im Sommer 1933 über den Jura nach Frankreich.

Seit dem Moment, als sowohl Steffie als auch Camilla Spira ihrer Ausbildung nachgehen, driften ihre Wege auseinander. Beide haben Erfolge und entwickeln sich völlig unabhängig voneinander zu namhaften Schauspielerinnen. Steffie als Verfechterin des politisch engagierten Ensembletheaters, Camilla als gefeierte Darstellerin vorwiegend im populären Musikfilm und Operetten-Genre.

Die Spur ihrer Eltern kann nur bedingt verfolgt werden. Lotte Andresen-Spira reist 1933 zu ihrer Tochter Steffie nach Paris, um ihr bei der Geburt des Enkelsohnes Tomas zur Seite zu stehen. Zwischen 1934 und 1937 werden die Eltern geschieden, nachdem Fritz Spira seine Frau davon überzeugte, daß dies in Anbetracht ihrer Mischehe der beste Schritt sei. Lotte Spira arbeitet weiter als Schauspielerin, u.a. als Neben- und Kleindarstellerin im Film. Beide sterben im Jahr 1943, die Mutter in Berlin, der Vater im KZ Ruma (Jugoslawien).

Camilla Spira verbringt die Zeit des Exils in den Niederlanden. Zehn Jahre ist sie durch die Naziherrschaft gezwungen, sich von ihrer Heimat fernzuhalten.

Niederlande

Die Niederlande sind zwischen 1933 und 1939 neben Wien, Prag, Zürich und Paris ein wichtiges Zentrum der Emigration. Dorthin strömen viele Flüchtlinge aus Deutschland. Politisch zeichnen sich die Niederlande zu dem Zeitpunkt durch eine mehr als hundert Jahre währende Neutralitätspolitik aus. Juden sind seit 1796 gleichberechtigt und sichtbaren Antisemitismus gibt es kaum. Die Kirchen haben großen, gesellschaftspolitischen Einfluß und bestehen tolerant nebeneinander.

Der größte Handelspartner Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre ist Deutschland. Nach dem 1. Weltkrieg sind von den Niederlanden 140 Mio. HFL an die deutsche Industrie als Kredit gezahlt worden, und Investitionen von Firmen wie Philips oder UniLever unterstützen die deutsche Wirtschaft in ihrer Entwicklung. Das führt zu sehr engen Handelsbeziehungen, die in beiderseiti- gem Interesse bestehen. Noch 1933 wird die Ernennung Hitlers zum Reichs- kanzler zunächst positiv aufgenommen und politisch genutzt, da er die strikte Vorgehensweise gegen die „Welle des Bolschewismus“ ankündigt. Der Nationalsozialismus wird von den handeltreibenden Niederländern in seiner Gefähr- lichkeit unterschätzt.

1933/34 verfestigt sich die niederländische Politik der Nicht-Intervention im Hinblick auf Deutschland. Die Hoffnung macht sich breit, daß, wer sich still verhalte, nicht mit Aggressionen zu rechnen habe. Die Niederlande hoffen darauf, Deutschland mit den Rohstoffen aus ihren Kolonien zufrieden zu stellen und ihre Unabhängigkeit in dieser Weise erkaufen zu können. Dieser Plan scheitert, weil die Weltwirtschaftskrise, die die Kaufkraft aller Länder mindert, auch Deutschland erfaßt. Sie bedeutet vor allem die „Beschneidung des außen- politischen Spielraums der niederländischen Regierungen“, weil die aus den Kolonien angebotene Ware von Deutschland nicht mehr angemessen bezahlt werden kann. Zusätzlich steht der Millionenkredit aus dem ersten Weltkrieg noch offen. Die Gefahr steigt, statt mit einer Bezahlung mit einer Besetzung durch den Aggressor Deutschland rechnen zu müssen.

Die Außenpolitik entfernte sich immer mehr von einer Selbständigkeitspolitik und ist ab 1935 eher als eine Non-Interventionspolitik zu bezeichnen. Als kleiner Nachbarstaat des Dritten Reiches gerieten die Niederlande immer mehr unter den wirtschaftlichen Einfluß dieses Staates.

Die Niederlande sind für Emigranten aus dem Dritten Reich durch ihre geographische Nähe und die günstigen Einreisebestimmungen ein sehr beliebtes Ziel. Die Sprachbarrieren sind wesentlich geringer als in romanischen Ländern. Die Anbindung nach Übersee ist vorhanden, um in die USA oder nach Lateinamerika zu gelangen. Ebenfalls wäre eine schnelle Rückkehr nach Hause möglich, sobald wieder politisch akzeptable Zustände in Deutschland herrschen.

Zwischen 1933 und 1940 überschreiten Zehntausende Flüchtlinge die deutsche Grenze zu den Niederlanden. Es sind Kommunisten, Sozialisten, Künstler, Wissenschaftler und Juden oder sie gehören einer weiteren Bevölkerungsgruppe an, der die NS-Herrschaft es unmöglich macht, im Deutschen Reich weiter- zuleben. Hervorzuheben ist die internationale Verbundenheit der linken Partei- en, die tatsächlich fast weltweit funktioniert.

„Die KPD-Flüchtlinge hielten sich meist illegal im Land auf, organisierten sich in kleinen Zellen und wurden von ihren holländischen Parteigenossen intensiv unterstützt.“

Repressalien innerhalb der Niederlande gegenüber den deutschen Flücht- lingen beginnen erst, als der von Deutschland ausgehende politische Druck auf den kleinen Nachbarn größer wird. Die Unterstützung der Emigranten durch die niederländische Regierung darf zu dem Zeitpunkt nicht zu deutlich werden, da dies wiederum als ein Ausdruck der Feindschaft gegenüber dem Deutschen Reich interpretiert werden könnte.

Deutschsprachiges Kulturleben in den Niederlanden

Das allgemeine, kulturelle Leben in den Niederlanden ist in den dreißiger Jahren ähnlich organisiert wie in Deutschland heute. Alle Theater werden hin- sichtlich des Hauses und des ständigen Ensembles von den jeweiligen Kommunen mitfinanziert. Es sind Stadttheater, die an Privatunternehmen verpachtet und von diesen geführt werden. Deutsche Tourneeensembles führen Opern, Operetten und Theaterstücke auf. Dadurch, daß nur die ständigen Schauspieler vor Ort von den Kommunen getragen werden, ist es von erheblicher Wichtig- keit, als fahrendes Ensemble Zuschauerzahlen zu garantieren. Anders ist kein Auftritt zu erhandeln. Zwar werden für längere Zeit von den niederländischen Theatern deutschsprachige Stücke mit ins Programm genommen, aber die deut- schen Immigranten als Publikumsklientel sind trotz Theaterinteresses keine Garanten für volle Häuser auf lange Sicht. Die Folgen sind fahrende Ensembles,die zwar finanziell sehr schlecht gestellt sind, ihren Angehörigen aber immerhin Beschäftigung bieten.

Die Emigranten-Kabaretts „Ping Pong“ und die „Pfeffermühle“ um Erika Mann formieren sich. Im Juli 1933 erlassen die Niederlande das Verbot jeglicher politischer Betätigung deutscher Emigranten. Zuwiderhandlungen werden mit Abschiebung bestraft. Das Kabarett „Pfeffermühle“ wird für unerwünscht erklärt und so wird vielen engagierten Künstlern der Unterhalt und die Existenz entzogen.

Seit 1934 existieren in den Niederlanden Aufnahmebeschränkungen für Verfolgte aus Deutschland. Im Frühjahr 1938 schließt das Land seine Grenzen. Die Familie Eisner-Spira erhält, gerade aus den USA kommend, noch eine Einreiseerlaubnis in die Niederlande. Hermann Eisner arbeitet als Jurist und Sohn Peter geht zur Schule. Als im Mai 1940 deutsche Truppen Richtung Rotterdam ziehen, um den Hafen zu besetzen, versuchen die Eisner-Spiras 1940 erneut, das Land per Schiff zu verlassen. Rotterdam steht aber schon in Flammen, so daß sie dort nicht einmal den Zug zu verlassen können. Er rollt genauso wieder zurück nach Amsterdam, wie er gekommen ist.

Durch die deutsche Besetzung der Niederlande sind seit Oktober 1940 Kunstschaffende verpflichtet, einen Abstammungsnachweis vorzulegen. Camilla Spira tritt im Kulturbund in der „Hollandsche Schowburg“ in Molnars Spiel im Schloß und in Die Fee auf. Darüber hinaus betätigt sie sich am Kabarett des jüdischen Kulturbundes, welches 1940 in Amsterdam von Werner Le- vie für und von Emigrantinnen und Emigranten gegründet wird. Sie spielt mit Max Ehrlich, Kurt Gerron und Willy Rosen Szenen von Brecht und Tucholsky. Der Kulturbund existiert bis zu den Massendeportationen 1943.

Im Mai 1941 sind alle kulturellen Bereiche gleichgeschaltet und werden zensiert. Seitdem die Besatzungsmacht 1941 zentrale Kulturkammern eingeführt hat, können jüdische Künstler nur noch vor jüdischem Publikum in einem abgetrennten Viertel in Amsterdam auftreten.

„In diesem jüdischen kulturellen Ghetto wurden keine Unterschiede mehr zwischen Deutschen und Niederländern gemacht.“

Die deutsche Besetzung der Niederlande führt zur Verhaftung Hermann Eisners und Camilla Spiras. Im Internierungslager Westerbork gibt Camilla mindestens eine Vorstellung der Rößl-Wirtin, weil der Lagerkommandant es ihr auferlegt. Camilla Spira gehört zum ersten Programm der „Gruppe Bühne.

Die „Gruppe Bühne“ ist ein aus den Insassen des Lagers Westerbork zusammengestellte Theatergruppe, die im Lager für kulturelle Unterhaltung sorgen muß. Im Oktober 1943 wird Camilla Spira mit wenigen anderen freigelassen. Stark beteiligt daran ist ihre Mutter Lotte Andresen-Spira, die in Deutschland glaubhaft beteuert, daß der Jude Fritz Spira nicht Camillas Vater sei. Dank die ser Behauptung kann Camilla in die Wohnung nach Amsterdam zurückkehren.

Für die Jahre 1943 bis 1945 gibt es keine Informationen über die Familie von Camilla Spira. Vermutlich ist die Familie in den Niederlanden untergetaucht. Nach Kriegsende dauert es zwei Jahre, bis das Ehepaar nach Berlin zurückkehrt. In den Trümmern der alten Hauptstadt beginnt Camilla Spira 1947 am „Theater am Schiffbauer Damm“, dem späteren „Berliner Ensemble“, zu arbeiten. Dort spielt sie in Der zerbrochenen Krug mit. 1948 ist sie sogar an mehreren Bühnen West-Berlins tätig. Camilla Spira kann wie wenige andere an ihre Popularität vor dem Nationalsozialismus anschließen. Die Filmschaffenden nehmen ebenfalls bald wieder Notiz von ihr. Sie dreht mit Curd Jürgens 1955 Des Teufels General und stellt 1959 die Frau des Staatsanwalts Schramm in Rosen für den Staatsanwalt dar. Sie spielt Theater im Osten und Westen der Stadt. Sie entscheidet sich aber, mit ihrem Mann im Westteil Berlins zu leben.

1952 verliebt sie sich in den Kameramann Franz Hofer und lebt fortan teilweise mit ihm als Geliebten in der Nähe Münchens, teilweise bei ihrer Familie in Berlin. Zu einer Scheidung von Hermann Eisner kommt es nicht. Nachdem beide Männer im Abstand von drei Jahren sterben, will Camilla Spira auch ihrem Leben ein Ende setzen, jedoch findet Franz Hofers Bruder sie gerade noch rechtzeitig und kann sie vor der Wirkung der tödlichen Dosis Schlaftabletten retten.

Frankreich

Die durch die Weltwirtschaftskrise hervorgerufene hohe Arbeitslosigkeit in Frankreich ist eine der Ursachen dafür, daß weder die Bevölkerung noch die französischen Behörden dem Emigrantenstrom aus Deutschland ab 1933 freundlich gesinnt sind. Frankreich, das Land, das laut Heinrich Mann dem Kontinent die Menschenrechte geschenkt hat, zeigt wenig Interesse am politi- schen Geschehen in Deutschland. Das stete Anwachsen des Flüchtlingsstroms zieht schnell eine sich verschärfende Anwendung der bestehenden Asylgesetze nach sich. Unter anderem wird plötzlich größerer Wert darauf gelegt, zwischen verschiedenen, für die Einreise nach Frankreich notwendigen Papiere genau zu unterscheiden und die betreffenden Personen zu überprüfen. Es gibt die carte d’identité, die dem Personalausweis gleicht, die Aufenthalts- genehmigung, welche bei Verlassen des Landes, z. B. um Verwandte nachzu- holen, die Wiedereinreise sicherstellt, und das Ausweisungspapier. Das Ausweisungspapier ist für die Flüchtlinge aus Deutschland von fataler Bedeu- tung, weil es das legale Betreten Frankreichs endgültig verbietet. Es ist nicht anzunehmen, daß Steffie Spira und ihr Ehemann Günther Ruschin in Besitz irgendeines der hier erwähnten Schriftstücke waren. Die Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich überschreiten sie zu Fuß, der Zöllner nimmt kaum Notiz von ihnen.

Das Ziel ist Paris. Scheinbar ohne größere Schwierigkeiten nimmt die schwangere Steffie diesen Gewaltmarsch auf sich und erreicht, zum Teil auf Wander- und Waldwegen, die französische Hauptstadt. Im November bringt Steffie Spira ihren Sohn Tomas zur Welt. Um ihr bei der Geburt beizustehen, reist Lotte Andresen-Spira, Steffies Mutter, aus Deutschland an und bringt et- was Geld für die junge Familie mit.

Die französische Regierung ist bemüht ein neutrales Verhalten gegenüber den Flüchtlingen an den Tag zu legen. Dies gelingt aber nur bedingt. Die Ausstellung einer carte d’identité zum Beispiel ist der Willkür der Behörden unterworfen. Kaum ein Exilant kann den dafür erforderlichen Nachweis erbringen. Dies liegt daran, daß die Heimat oft Hals über Kopf verlassen werden muß und selten vorher die Möglichkeit besteht, die nötigen Papiere zu beantragen. Eine politische Unterstützung der antifaschistisch engagierten Exilanten durch französische Behörden oder Organisationen bleibt nahezu gänzlich aus. Das brisante Thema des Widerstands gegen den Faschismus ist von offizieller Seite mit einem Tabu belegt, um Ruhe in der Außenpolitik zu erhalten.

Die deutschen Einreisewilligen sind schlecht über die notwendigen Formalitäten informiert, da das primäre Ziel die schnelle Ausreise aus Deutschland ist und nicht die legale Einreise nach Frankreich. Die Emigranten vermeiden es, mit französischen Behörden in Kontakt zu treten, denn nur die wenigsten fin- den sich im französischen Behördendschungel der dreißiger Jahre zurecht. Viele sind der Sprache nicht mächtig genug, um sich zuversichtlich auf den Gang durch die Ämter begeben zu können. Eindringlich beschreibt Steffie Spira in ihren Memoiren die prekäre Situation der Exilanten:

Nur wer es durchmachen mußte, ein „Objekt“ zu sein, abhängig von der Freundlichkeit der Behörden, wer bald zu dieser, bald zu jener Stelle laufen mußte, um am Ende doch die so notwendigen Papiere zu bekommen, nur der
weiß, was Ungewißheit bedeutet.

Anlaß für diese Sätze in ihren Memoiren ist die Ausbürgerung, die 1936 gegen Steffie Spira und ihren Mann verhängt worden ist.

Im Oktober 1934 wird die Debatte um das Ausländerrecht in Frankreich angeheizt, als der Außenminister Barthou und der jugoslawische König Alexander I. von einem jugoslawischen Ustascha-Faschisten erschossen werden. Als Folge dieses Attentats erhalten Exilanten allgemeines Arbeitsverbot. Im kulturellen Bereich ist das Verbot weniger von Belang, da die Sprachbarrieren viel zu groß sind, als daß Exilanten in nennenswertem Umfang auf dem französischen Arbeitsmarkt konkurrieren zu können.

Paris ist zu diesem Zeitpunkt zu einem Sammelbecken kreativ arbeitender Deutscher geworden. Viele Künstler und Künstlerinnen haben sich, begünstigt durch verwandtschaftliche Verhältnisse oder kollegiale Kontakte, dorthin ori- entiert. Man kennt sich untereinander, und so werden vor allem persönliche Beziehungen zu bereits emigrierten Menschen genutzt, um aus Deutschland he- rauszukommen. Unterstützung aller Art, von der Organisation der Unterkünfte bis hin zur Zusammenarbeit mit dem Ziel, eigenes kulturelles Leben im Aus- land zu gestalten, ist für den Großteil der aus Deutschland geflüchteten Künstlerinnen und Künstler eine ausgesprochen große Hilfe.

Seit April 1935 gibt es jedoch eine „Quotenregelung“ in Frankreich, die vorschreibt, daß bei künstlerischen Produktionen 50 % des Ensembles aus französischen Staatsbürgern bestehen müssen.

Vom 21. bis 25. Juni 1935 findet auf dem „Ersten Internationalen Schrift- stellerkongreß zur Verteidigung der Kultur“ eine Solidaritätskundgebung statt. Die französischen Intellektuellen bieten eine Plattform, sich mit den vom NS-Regime verfolgten Kulturträgern aus Deutschland auszutauschen. Weitreichende Folgen hat dieses Forum aber nicht. Zu stark sind die Einschränkungen von politischer Seite im Kulturbereich.

Seit 1938 werden in Frankreich die Exilanten als Sicherheitsrisiko betrachtet. Politischen Flüchtlingen werden die Rechte entzogen und im August 1939 beginnen die ersten Verhaftungen links engagierter Deutscher, die späterin Internierungslager gebracht werden.

Das Ehepaar Spira-Ruschin wird am 1. September 1939 verhaftet. Zur Familie gehört der kleine Sohn Tomas, der in Frankreich geboren wurde. Zum Zeitpunkt der Verhaftung seiner Eltern befindet er sich mit anderen Kindern auf dem Land. Viele für Kinder eingerichtete Institutionen werden wegen des drohenden Kriegsausbruchs aus den Großstädten weg in ländliche Gebiete verlegt. Steffie Spira kommt ins Gefängnis La Roquette und wird von dort aus ins Frauenlager Riencros bei Mende transportiert. In dieser Zeit hat Steffie Spira ununterbrochen Kontakt zu Genossinnen, und der Zusammenhalt der Partei ist sehr stark. Seit sie Deutschland verlassen hat, verwendet sie ununterbrochen Energie darauf, sich Arbeitsmöglichkeiten im schauspielerischen Bereich zu schaffen. Darüber hinaus bemüht sie sich, anderen Genossinnen und Genossen zu helfen, Kontakte zu erhalten und im Widerstand zu arbeiten. Dadurch entsteht der Eindruck, sie habe nie wirklich in Not, in einem Überlebenskampf gesteckt. Sicher sind Angst und Unruhe die ständigen Begleiter der Familie, aber niemals geht der Antrieb verloren, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, ganz gleich, wie schwierig die Lebenssituation auch ist. Die Unterstützung ehemaliger Arbeitskollegen oder Parteigenossen hilft ihr an vielen Stationen ihres lan- gen Fluchtweges.

Die Situation der Künstlerinnen und Künstler in Frankreich

Steffie Spira und ihr Mann Günter Ruschin haben das Glück, durch parteiinterne Kontakte in ein Paris zu kommen, in dem schon seit längerer Zeit eine Gruppe deutscher Künstler lebt. Man unterstützt sich gegenseitig, Jobs werden vermittelt, und die Idee einer deutschsprachigen Bühne wird innerhalb dieser Gemeinschaft verschiedenster Arbeitsuchender entwickelt. „Am Anfang war es sehr schwierig, sich in Paris zurechtzufinden.“ Auf Initiative Rudolph Leonhards wird der Schutzverband deutscher Schriftsteller (SDS) im Exil gegründet. Der Schriftsteller Rudolph Leonhard lebt schon seit 1927 in Frankreich. Ehrenpräsident des SDS wird Heinrich Mann, weitere Mitglieder sind Anna Seghers, Egon Erwin Kisch, Recha Rothschild, Joseph Roth, Hermann Kesten, Max Schroeder, Theo Balk, Bodo Uhse, Kurt Stern, Arthur Koestler, Gustav Regler, Alfred Kantorowicz und viele andere. In einem Café in Paris werden montags abends Veranstaltungen unterschiedlicher Art organisiert. Steffie Spira beteiligt sich an diesen Abenden, liest aus unveröffentlichten Manuskripten von Schriftstellern oder rezitiert. Diese Beschäftigung erleichtert die Phase des Einlebens in Paris, weil Steffie Spira bekannte Gesichter an diesen Abenden wiedersehen und neue Kontakte knüpfen kann.

Es bestand ein guter Zusammenhalt zwischen Genossen und Freunden. Wir hatten enge Verbindungen miteinander und konnten schnell etwas auf die Beine bringen. Hauptsächlich Leonhard und Regler stellten Kontakte zu französischen Schriftstellern her.

So eine Vorgehensweise ist notwendig, um einerseits Perspektiven zu erschließen, die den Zusammenhalt der Gruppe stärken, andererseits um Einnahmequellen für den Lebensunterhalt zu schaffen. Unterstützung seitens des Gastlandes gibt es nicht. Wollte ein Schauspieler oder eine Schauspielerin im erlernten Beruf arbeiten, mußte die Plattform dafür selbst geschaffen werden.

Als geschlossenes Ensemble versucht Gustav von Wangenheims Truppe 31 im Frühjahr 1933 in Paris Fuß zu fassen. Zum Beispiel findet im Juli 1933 eine Lesung von Friedrich Wolfs Professor Mamlock statt, da eine Aufführung sich nicht verwirklichen läßt. Die Gruppe muß sich im Sommer 1933 wegen materieller Schwierigkeiten und politischer Repressionen gegen in Deutschland verbliebene Angehörige auflösen. Die meisten Mitglieder reisen nach Moskau. Die in Paris Bleibenden gründen um Steffie Spira herum 1934 die Kabarettgruppe „Die Laterne“.

Auch wir Schauspieler – anfangs nur wenige, dann etwa 25 an der Zahl- organisierten uns. Zuerst nannten wir uns Gruppe deutscher Schauspieler. Im Frühjahr 1934 gründeten wir das Kabarett Die Laterne, das in der Rue de Seine auftrat, im Saal des Monsieur Duncan, eines Bruders von Isadora Duncan.

Die Laterne“ hat es als einzige Kleinkunstgruppe kontinuierlich von 1934 bis 1938 geschafft, als konstantes Ensemble aufzutreten. Es macht eindeutig politisches Kabarett. Darüber hinaus gelingt eine Uraufführung Brechts: Die Gewehre der Frau Carrar, unter der Regie Slatan Dudows. Steffie Spira spielt Frau Perez. Es muß als großer Erfolg gewertet werden, daß überhaupt einmal in Frankreich ein deutsches Theaterstück zur Aufführung gebracht werden konnte. Es folgen Szenen aus Brechts Furcht und Elend des Dritten Reiches unter dem Titel 99%. Diese Phase, in welcher immerhin allen beteiligten Künstlern und Künstlerinnen ein Einkommen durch eigene Arbeit und eine Perspektive für die Zukunft beschieden ist, bleibt durch die politischen Gege- benheiten nur von kurzer Dauer. Keiner deutschen Schauspielerin gelingt es, auf einer französischen Bühne wirklich Fuß zu fassen. Das Kabarett ist und bleibt die einzige Bühne, auf der deutsche Exilanten aus der Schauspielszene längerfristig arbeiten können. „Die Laterne“ bietet 60-80 Sitzplätze, so daß durch Kollektivarbeit tatsächlich ein wenig Einkommen erwirtschaftet werden kann. Stücke von Brecht und Arnold Zweig werden auf die Bühne gebracht, und endlich ist eine Möglichkeit geschaffen, wieder schauspielerisch zu arbeiten. Die Texte werden von Henryk Kreisch, Erich Berg und George Raimund verfaßt oder vom Kollektiv erarbeitet. Die Musik schreibt Jo Cosma, das Bühnenbild übernimmt Heinz Lohmar, der in Paris viele Kontakte knüpft und sich beinahe sogar an der Weltausstellung 1937 beteiligt hätte. Dies scheitert an der Intervention der deutschen Botschaft in Frankreich. Das Publikum setzt sich vornehmlich aus deutschen Emigranten zusammen und aus Mitgliedern der deutschen Botschaft – eine brisante Mischung.

Mit Hilfe dieser Aktionen und Beschäftigungen findet sich die Familie Spira-Ruschin mehr oder weniger in ein „normales“ Leben ein. Als hauptsächliche Einnahmequelle kann das Projekt „die Laterne“ zwar nicht betrachtet werden, jedoch vermittelt es für kurze Zeit dem Ehepaar die Befriedigung, sich selbst eine Art Lebensgrundlage geschaffen zu haben. Darüber hinaus sind die mei- sten emigrierten Künstler gezwungen, Gelegenheitsjobs aller Art anzunehmen, um überhaupt in die Nähe eines Existenzminimums zu gelangen. Durch die näherrückende Gefahr des Krieges gegen Deutschland werden die Lebensverhältnisse der in Paris lebenden Deutschen immer komplizierter. Das kollektive Leben kann zwar relativ „normal“ gestaltet werden, jedoch ist weder die Dauer des Aufenthalts, noch die persönliche Sicherheit gewährleistet.

Weitere Rollen Steffie Spiras bis zu ihrer Verhaftung im September 1939 sind zum Beispiel: Die Frau in Der Spitzel, die Haushälterin in Rechtsfindung, die Köchin in Das Kreidekreuz. In einer Dramatisierung von Joseph Roths Hiob wirkt sie im Theater „Pigalle“ am 03.07.1939 mit.

In den letzten Wochen des Augusts 1939 werden in Frankreich die ersten Kommunisten verhaftet. Die außenpolitische Situation hat sich so zugespitzt, daß Frankreich sich vor Spionage schützen muß, kommunistisch orientierte Ausländer in Gewahrsam nimmt und später in Internierungslagern sammelt. Am 03.09.1939 erklärt Frankreich Deutschland den Krieg. Der Hitler-Stalin- Pakt wird am 23.09.39 unterzeichnet. Alle sich in Frankreich aufhaltenden deutschstämmigen Männer werden von jetzt an in Lager gebracht. Ab Mai1940 werden auch Frauen in Frankreich interniert. Das Waffenstillstandsabkommen zwischen Deutschland und Frankreich wird am 22.06.1940 geschlos- sen. Kurz darauf folgt die Besetzung des nördlichen Teils Frankreichs durch deutsche Truppen. Im unbesetzten Teil gründet Marschall Philippe Petain 1940-1944 ein autoritäres Regierungssystem mit Sitz in Vichy, das mit dem nationalsozialistischen Deutschland zusammenarbeitet. General Charles de Gaulle bildet 1940 eine Exilregierung in London, die den Krieg gegen Deutschland fortsetzt.

Zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Teil Frankreichs wird am 27. September 1940 eine Demarkationslinie gezogen. Die Flüchtlinge im okkupierten Frankreich sind nun der Gestapo ausgeliefert. Die Juden werden zu Tausenden in Lager gebracht, von wo sie später in osteuropäische Konzentra- tionslager deportiert werden. Die Vichy-Regierung auf der anderen Seite dieser Linie faßt die Nichtfranzosen ebenfalls in Lagern zusammen, so daß es den Verfolgten hier ähnlich ergeht. 1942 besetzen die deutschen Truppen ganz Frankreich. Aus französischen Internierungslagern werden Deportationslager. Allein aus Gurs werden mehr als 4000 Juden über Drancy nach Auschwitz deportiert.

Bei den Internierungen der sich in Frankreich aufhaltenden Exilanten wird von den französischen Behörden 1939 nach „Berechtigung“ des Aufenthalts sortiert. In die Sammellager kommen Nichtfranzosen mit carte d’identité. In die Gefängnisse kommen die Menschen, denen der Aufenthalt verweigert wur- de und Straflager werden für Menschen mit Ausweisungsbefehl errichtet. Der Grund für die Verhaftung des Ehepaares Spira-Ruschin ist seine Aktivität in der KPD.

Aus den Sammellagern, die zunächst noch keine lebensbedrohliche Gefahr bedeuten, werden diejenigen Männer wieder entlassen, die fronttauglich sind. Die Entlassung kann forciert werden, indem zum Beispiel Verbindungen zu französischen hochgestellten Personen belegt werden, oder eine Ehe mit französischen Staatsbürgern nachweisbar ist. Ebenfalls sehr schnell dürfen die Menschen gehen, die versichern, Frankreich auf dem schnellsten Weg den Rücken zuzukehren. Nach langer Trennung von Mutter und Kind wird Tomas Spira-Ruschin 1941 wieder seiner Mutter zugeführt, die aus dem Lager Le Rieucros Anfang des Jahres entlassen wird mit der Auflage, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Auch Günter Ruschin, der einige Zeit im La ger Le Vernet verbracht hat, kommt frei, und es ist möglich, Ausreisevisa zu organisieren, so daß die Familie offiziell nach Lissabon zu reisen vermag.

Der erste Reiseversuch nach Übersee allerdings scheitert, weil alle Visaanträge von den USA 1941 zurückgestellt werden, mit dem Vermerk: „Kommunisten unerwünscht“ Unsere Nervosität steigerte sich, als sich herausstellte, daß unsere Visa für die USA zwar angewiesen waren, das amerikanische Konsulat in Marseille sie uns aber noch immer nicht aushändigen durfte. Es war fünf Minuten vor zwölf, hatte doch SS-Standartenführer Kund uns im Lager Rieucros und den Männern im Lager Le Vernet schonungslos angekündigt, daß alle jene nach Auschwitz deportiert werden würden, die Frankreich bis zum Oktober 1941 nicht verlassen hätten. Ende August teilte uns das USA-Konsulat mit, daß alle Visaanträge „zurückgestellt“ worden seien. Da sprang der unvergessene, von allen Emigranten hochgeschätzte Gilberto Bosques in die Bresche, der mexikanische Konsul in Marseille. Wir alle, denen die Auslieferung nach Deutschland drohte, bekamen Visa für Mexiko. Er sei bedankt!

Jedoch reicht ein Visum für Mexiko alleine nicht aus, denn auf dem Weg dorthin werden die Länder Spanien, Portugal, die Dominikanische Republik und Kuba durchreist, und man braucht zumindest Transitvisa und zusätzlich auch noch Geld für die Fahrt. Auch in dieser Situation sind es wieder alte Parteifreunde und Bekannte, die weiterhelfen. Sieben Wochen später kann die Reise auf der Serpa Pinto ab Lissabon angetreten werden. Steffie Spira entbindet während der Reise von Paris nach Lissabon auf dem Bahnhof von Madrid 1941 von einer kleinen Tochter. Die Strapazen der Hochschwangeren lösen eine vorzeitige Geburt im achten Monat aus. Das Kind hat keine Überlebenschance. Steffie nimmt das Baby zwar mit ins Hotel in Madrid, wo sich die Familie Ruschin bei jüdischen Besitzern eingemietet hat, es stirbt aber nach zwei Tagen.

Von Madrid aus geht die Reise weiter über Lissabon nach Mexiko. Dort ist das Leben zwar anders als in Europa, aber weitaus angstfreier. Die Familie bezieht eine Wohnung in Mexiko Stadt. Ihren Lebensunterhalt erwirtschaften sie durch Gelegenheitsjobs. Steffie arbeitet als Hausangestellte bei einem ursprünglich aus Deutschland stammenden Ehepaar. Darüber hinaus gibt es für sie und Günther Ruschin auch immer ein paar Betätigungsfelder im Heinrich Heine Club. Hier arbeiten viele Emigranten aus Deutschland wieder zusammen. Namen wie Anna Seghers und Egon Erwin Kisch sind zu nennen. Gelegentlich wird von Bekannten und Freunden irgend etwas vermittelt, was Einkünfte verspricht. Auf diese Art und Weise hält sich die Familie Spira-Ruschin über Wasser und kann ein einigermaßen angenehmes, gleichwohl bescheidenes Leben führen, bis sie 1947 wieder nach Deutschland zurückkehrt.

Diese Rückkehr ist klar an das Ziel Berlin ge- bunden, wo Steffie Spira sehr bald an der „Volks- bühne“ in der Kastanienallee ein Engagement erhält. Das „Theater am Schiffbauer Damm“ macht ihr ebenfalls zu Beginn 1948 ein attraktives Angebot. Ihre schauspielerische Tätigkeit läßt sich wie die ihrer Schwester ebenfalls auf der Bühne ohne größeren Bruch fortsetzen, was damit zusammenhängt, daß Steffie Spira Parteimitglied, Widerstandskämpferin und gut ausgebildete Schauspielerin ist. Für sie und ihre Familie ist es selbstverständlich, in der sowjetisch besetzten Zone zu leben. Sie spielt 1949 die Kommissarin in Der Moskauer Charakter, 1952 Polina in Die Feinde, 1953 die Heiratsvermittlerin in Gogols Die Heirat, 1953 Martha Lühring in Der Teufelskreis – die lange Reihe ihrer Rollen ließe sich fortsetzen. In den siebziger Jahren kreiert sie eigene Abende mit den Titeln Vorstellungen über Vorstellungen und Frauen an der „Volksbühne am Luxemburgplatz“. Sie gilt als die erfahrenste und etablierteste Schauspielerin Ost-Berlins.

Steffie Spira und ihre Schwester Camilla

 

Camilla und Steffie Spira 1990

1991, 84-jährig, läßt sich Camilla Spira zusammen mit ihrer Schwester auf der Bühne in Baden-Baden feiern, trägt Heine-Gedichte vor und gestaltet einen Auftritt mit ihrer Schwester. In der Fernsehproduktion des Südwestfunks über die beiden Schwestern wird deutlich, wie gegensätzlich und vergleichsweise betagter Camilla ihrer Schwester Steffie gegenüber ist.

Noch immer adrett geschminkt und sich während des Interviews sehr telegen in Szene setzend, gibt sie offen zu, daß sie sich an viele Dinge aus ihrer Lebensgeschichte nicht mehr erinnert. Sie bezeichnet sich und Steffie als sehr unterschiedlich und äußert ihre Überzeugung, mit dem Medium Theater niemals politisch etwas verändern zu können. Sie hat ihre Arbeit als Auftrag angesehen, die der Unterhaltung dient, und nicht ideologischen Zielen. Am 28. August 1997 stirbt mit Camilla Spira eine Zeitzeugin des Jahrhunderts.

Ganz im Gegensatz dazu steht Steffie Spira, die immer etwas bewirken will mit ihrer Arbeit. Sie bezeichnet ihre Schwester als

„Ton in des Töpfers Hand – mit wem du lebst, dessen Sinn und Inhalt erlebst du auch. Selbständig bist du nie gewesen, heute fängst du an, langsam es zu sein.“

Als hochbetagte Frau, Kommunistin und anerkannte Schauspielerin der DDR steigt sie am 09. November 1989 auf dem Alexanderplatz aufs Podest und hält eine Rede vor über 500 000 Zuhörern. Bis ins hohe Alter weiß sie der Gesellschaft etwas mitzuteilen, was dazu beitragen könnte, dem harmonischen Zusammenleben ein Stück näherzukommen. Auch hier stellt sie sich als Indivi- duum wieder zurück und verleiht der Gesellschaft eine Stimme, tritt für die Bewegung zur demokratischen Erneuerung der DDR ein. Der Elan und die Stimme dieser Frau versiegen am 10. Mai 1995. Nachklang und Wirkung findet die Stimme bis heute.

Literatur

Dittrich, Kathinka/Würzner, Hans (Hrsg.): Die Niederlande und das deutsche Exil 1933-1945. Königstein 1982.
Hilchenbach, Maria: Kino im Exil. München 1982.
Mittag, Gabriele: Die Sünde und Schande der Christenheit hat ihren Kulminationspunkt erreicht.
O. Ort u. Jahr.
Raabe, Katharina: Deutsche Schwestern. Reinbek 1998.
Spira-Ruschin, Steffie: Trab der Schaukelpferde. Freiburg 1990.
Trapp, Frithjof/Mittenzwei, Werner/Rischbieter, Henning/Schneider, Hansjörg (Hrsg.): Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933-1945. 2 Bde. Bd. 1: Verfolgung und Exil deutschspra- chiger Theaterkünstler. München 1999.
Villard. Claudia: Exiltheater in Frankreich. In: Trapp, Frithjof/Mittenzwei, Werner/Rischbieter, Henning/Schneider, Hansjörg (Hrsg.): Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933- 1945. 2 Bde. München 1999.
http://kultur-netz.de/kueko/bewohner/spira.htm

Fernsehdokumentation

„So wie es ist, bleibt es nicht“ – Die Geschichte von Camilla und Steffie Spira. Fernsehdokumen- tation von Marlet Schaake und Horst Cramer. WDR/SWF 1991.

Schaake/Cramer: „So wie es ist bleibt es nicht“. Fernsehdokumentation 1991.

Filmographie Camilla Spira.

– Freies Volk, R: Martin Berger, 1925
– Der Stolz der Kompagnie (Alternativtitel: Die Perle des Regiments), R: Georg Jacoby, 1926
– Wir sind vom k.u.k. Infanterie-Regiment, R: Richard Oswald, 1926
– Die lustigen Musikanten, R: Max Obal, 1930
– Die Faschingsfee, R: Hans Steinhoff, 1930/31
– Mein Leopold, R: Hans Steinhoff, 1931
– Skandal in der Parkstrasse, R: Franz Wenzler, 1931/32
– Die elf Schill’schen Offiziere, R: Rudolf Meinert , 1932
– Gehetzte Menschen, R: Friedrich Fehér, 1932
– Grün ist die Heide, R: Hans Berendt, 1932
– Ja, treu ist die Soldatenliebe, R: Georg Jacoby, James Bauer, 1932
– Das Testament des Dr. Mabuse, R: Fritz Lang, 1932/33
– Morgenrot, R: Gustav Ucicky, 1932/33
– Der Judas von Tirol, R: Franz Osten, 1933
– Die Nacht im Forsthaus (Alternativtitel: Der Fall Roberts), R: Erich Engels, 1933
– Sprung in den Abgrund, R: Harry Piel, 1933

– Die Buntkarierten, R: Kurt Maetzig, 1948/49
– Semmelweis – Retter der Mütter, R: Georg C. Klaren, 1949/50
– Epilog (Alternativtitel: Das Geheimnis der Orplid), R: Helmut Käutner, 1950
– Die lustigen Weiber von Windsor, R: Georg Wildhagen, 1950
– Drei Tage Angst, R: Erich Waschneck, 1952
– Der fröhliche Weinberg, R: Erich Engel, 1952
– Pension Schöller, R: Georg Jacoby, 1952
– Emil und die Detektive, R: Robert A. Stemmle, 1954
– Roman eines Frauenarztes, R: Falk Harnack, 1954
– Himmel ohne Sterne, R: Helmut Käutner, 1955
– Der letzte Mann, R: Harald Braun, 1955
– Des Teufels General, R: Helmut Käutner, 1955
– Vatertag, R: Hans Richter, 1955
– Zwei blaue Augen, R: Gustav Ucicky, 1955
– Fuhrmann Henschel, R: Josef von Baky, 1956
– Liebe (Uragano del Po; Alternativtitel: Vor Rehen wird gewarnt, Angelina), R: Horst Hächler , 1956
– Made in Germany, R: Wolfgang Schleif, 1956 Der tolle Bomberg, R: Rolf Thiele,
– Der Czardas-König. Die Emmerich-Kalman-Story, R: Harald Philipp, 1958
– Nachtschwester Ingeborg, R: Geza von Cziffra, 1958
– Vater, Mutter und neun Kinder, R: Erich Engels, 1958
– Freddy, die Gitarre und das Meer, R: Wolfgang Schleif, 1959
– Freddy unter fremden Sternen, R: Wolfgang Schleif, 1959
– Rosen für den Staatsanwalt, R: Wolfgang Staudte, 1959
– Vertauschtes Leben, R: Helmut Weiss, 1961
– Affäre Blum, R: Robert A. Stemmle, 1962
– Das Mädchen und der Staatsanwalt, R: Jürgen Goslar, 1962
– Musikalisches Rendezvous, R: Gottfried Kolditz, 1962
– Mamselle Nitouche, R: (?),1963
– Piccadilly null Uhr 12, R: Rudolf Zehetgruber, 1963

Die zahlreichen TV-Auftritte können nicht komplett angegeben werden

– Serie “Großer Mann, was nun?” (TV) , 1967
– Serie: “Der Kommissar: Das Ungeheuer”, R: Dietrich Haugk (TV), 1969
– Serie “Motiv Liebe: Goldener Käfig” (TV), 1972
– Serie “Die Powenzbande”,R: Michael Braun (TV), 1973
– Heinrich Zille, R: Rainer Wolffhardt (TV), 1977
– Wanderung durch die Mark Brandenburg, R: Eberhard Itzenplitz (TV) 1986

Filmographie Steffie Spira

– Des Haares und der Liebe Wellen, R: Walter Ruttmann, 1929
– Die Brücke, R: Artur Pohl, 1948/49
– Der Untertan, R: Wolfgang Staudte, 1951
– Schneewittchen, R: Gottfried Kolditz, 1961
– Florentiner 73, R: Klaus Gendries, 1971
– Die große Reise der Agathe Schweigert, R: Joachim Kunert, 1972
– Neues aus der Florentiner 73,R: Klaus Gendries, 1974
– Die Schüsse der Arche Noah, R: Egon Schlegel, 1982
– Blonder Tango, R: Lothar Warneke, 1985
– Fahrschule, R: Bernhard Stephan, 1985/86
– Die Schauspielerin, R: Siegfried Kuhn, 1988
– Apfelbäume,R: Helma Sanders


Entnommen aus

Styn, Gaby: Auf dem weißen Rößl zum Alexanderplatz. Camilla Spira und ihre Schwester Steffie. In: Augen-Blick. Marburger Hefte zur Medienwissenschaft. Heft 33: Flucht durch Europa. Schauspielerinnen im Exil 1933-1945 (2002), S. 108–130. DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/1539.


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WIE KANN MAN BERLINS KÜNSTLER IN DER STADT HALTEN?

ART CITY LAB 2 – NEUE RÄUME FÜR DIE KUNST

Berlin. Wie arbeitet eine Wohnungsbaugesellschaft mit einer Initiative oder einem privaten Entwickler zusammen? Wie schließt man die Lücke zwischen Finanzierungsbedarf und Förderprogrammen? Wie können Orte für Kunstproduktion positiv ins Quartier wirken?

Der Atelierbeauftragte für Berlin und raumlaborberlin haben zusammen mit der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, dem privaten Entwickler Artprojekt und TTI in einem kooperativen Prozess mit Künstler*innen, Nachhaltigkeitsbanken, Genossenschaften, Senatsverwaltungen, Abgeordneten, Wissenschaftler*innen und Planer*innen diese Fragen entwickelt und diskutiert.

Ergebnis: Es gibt innovative Ansätze, wie konstruktiv in neuen Allianzen zusammengearbeitet werden kann, Kunstproduktionsstandorte langfristig und stabilisierend in die Bezirke wirken können. Beispiele sind das Haus der Statistik, das ZK/U oder ExRotaprint. Es etabliert sich eine Akteurslandschaft von alternativen Geldgebern und Entwicklern, die aber konkrete Schnittstellen zu Fördergebern des Landes und darüberhinaus benötigen.

Zentrale Erkenntnisse und Forderungen der Publikation:

Um dauerhaft Orte künstlerischen Arbeitens in der Stadt zu sichern, neu zu schaffen und in Quartiere zu integrieren, ist erforderlich:

heterogene Akteur*innen zu vernetzen und handlungsfähig zu machen,
Umsetzungswissen in zentralen Stellen zu bündeln und bestehende Beratungsstellen zu stärken,
für eine Selbstverpflichtungen von privaten Immobilienunternehmen zu werben (3% für bezahlbare Kunst und Kulturflächen in innerstädtischem Neubau),
eine Quote für Kunst und Kulturflächen auch in landeseigenen Objekten vorzusehen,
sowie positive Einzelbeispiele in eine konzertierte Gesamtstrategie einzubinden (SteP Kultur, Entwicklungsplan Kunst, usw.).

Hintergrund: In der Studie Art City Lab aus dem Jahr 2014 wurde von raumlaborberlin in Kooperation mit dem berufsverband bildender künstler*innen berlin (bbk berlin e.V.) und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt die Schaffung von bezahlbaren neuen Räumen für die Produktion von Kunst untersucht.

Aktuell suchen von mindestens 8.000 Bildenden Künstler*innen in der Stadt etwa die Hälfte bezahlbare Ateliers. Tendenz steigend, da pro Jahr rund 350 bezahlbare Ateliers verloren gehen. Diesem Bedarf stehen „nur“ 936 geförderte Ateliers und Atelierwohnungen gegenüber. Die Situation ist dramatisch, die Zeit drängt! Es drohen Tendenzen wie in London oder New York, wo Künstler*innen weitgehend in Randgebiete verdrängt werden.

Für Art City Lab 2 wurden 2018 in zwei Workshops am Hafenplatz in Kreuzberg innovative Konzepte und konkrete Umsetzungsvorschläge überprüft, um zu klären, wie bezahlbarer Raum für Kunstproduktion und Wohnen in der Stadt entwickelt werden kann – sowohl im Neubau wie im Bestand. Die daraus entstandene Publikation fasst die Ergebnisse zusammen und soll den weiteren Diskurs anregen.

Zitate
Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen:
“[…] mit zunehmender Bautätigkeit werden auch die Flächen immer knapper und damit die Konkurrenz um Grundstücke immer größer. […] Berlin braucht aber die Kreativschaffenden, auch im Zentrum. Denn nur durchmischte Stadtquartiere sind lebendig.”

 

Markus Terboven, Gewobag:
“Damit die Integration von neuen, bezahlbaren Standorten für Ateliers und andere künstlerische Nutzungen gelingt, müssen wir herausfinden, wo in der Stadt noch interessante, ungenutzte Flächen vorhanden sind. Und wir müssen analysieren, wie wir belastbare Organisations- und Finanzierungsstrukturen schaffen können […].”

Thomas Hölzel, Artprojekt:
“Aus der persönlichen Sorge heraus, Kunst und Künstler*innen irgendwann nur noch im Speckgürtel anzutreffen, sie ganz aus dem Stadtbild zu verlieren, haben wir uns bei Artprojekt dazu entschieden, in unseren zukünftigen Stadtprojekten eine feste Quote von drei Prozent für bezahlbare Ateliers unterschiedlicher Größe und Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen.”

Dr. Martin Schwegmann, Atelierbeauftragter für Berlin:
„Die Frage nach der Produktion bezahlbarer Räume für Arbeiten und Wohnen, auch für Kunst und Kultur, ist das bestimmende Thema, soll Berlin auch in Zukunft in seiner Vielfalt erhalten bleiben. Dafür sind eine Diversifizierung der Akteurslandschaft und die Bildung neuer schlagkräftiger Netzwerke notwendig. Hilfe zur Selbsthilfe und die Sicherung bestehender Standorte müssen politisch priorisiert werden!“

Andrea Hofmann und Christof Mayer, raumlaborberlin:
“Essentiell bei allen Diskussionen und Verhandlungen über neue Kooperationen ist, das eigentliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: die langfristige Sicherung von lebendigen Standorten zur Kunstproduktion.”

Was ist ART CITY LAB 2?

Ein Netzwerk/Plattform von Nutzer*innen, Planer*innen und Bauträger*innen sowie Finanzierungsorganisationen, welche neue, bezahlbare Räume für die Kunst schaffen wollen.
Ein Methoden-/Werkzeugkasten, um neue Räume für die Kunst zu entwickeln, zu bauen und zu betreiben
Ein Rahmen für Wissensproduktion von Texten, Karten, Visualisierungen, Anforderungs- und Förderungskatalogen, mit Publikationen, wie ARTCITYLAB 2 (ISBN 978-3-945659-14-4), erschienen im August 2019
Anlass und Impuls der gemeinsamen Beschäftigung und Schaffung von neuen Räumen für die Kunst.
Art CL2 soll in Pilotumsetzungen konkret werden!


PODIUMSDISKUSSION

Am 13.08.2019, ab 18.30 Uhr, Hafenplatz 6, 10963 Berlin findet anlässlich der Veröffentlichung von Art City Lab 2 eine Podiumsdiskussion statt.

Podium:

Dr. Alexandra Gräfin von Stosch , Artprojekt
Dr. Hans-Michael Brey, Stiftung Berliner Leben der Gewobag
Katalin Gennburg, Sprecherin für Stadtentwicklung, Tourismus und Smart City, die LINKE (AGH)
Grit Schade, Leiterin Wohnungsbauleitstelle, SenStW (angefragt)
Andrea Hofmann, raumlaborberlin

Moderation: Dr. Martin Schwegmann, Atelierbeauftragter für Berlin

Themen Art City Lab 2 – neuer Raum für Künstler*innen
1. Wie kann neuer Raum für Künstler*innen geschaffen werden – z.B. in neuen Allianzen (z.B. Genossenschaft – Wohnungsbaugesellschaft)
2. Mit welchen ggf. neuen Instrumenten kann dies gestützt und gefördert werden?
3. Wie kann dies auch noch positiv fürs Stadtquartier sein?

Autor: Der Atelierbeauftragte von Berlin und raumlaborberlin
in Kooperation mit: Artprojekt & Gewobag.


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Damals war’s … Else Lasker-Schüler

 

Am 22.1.1945 starb in Jerusalem die deutsch-jüdische Dichterin Else Lasker-Schüler. Sie gehört zu den bedeutendsten Vertretern der avantgardistischen Literatur. In ihrer tiefen Religiosität lehnte sie jeden Dogmatismus ab und übernahm neben dem mystischen Judentum auch Elemente christlicher und muslimischer Traditionen auf. Sie wohnte in diesem Haus. Im 1. Stock befindet sich das Büro der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft.

In der Weimarer Republik setzte sie sich ein für die Abschaffung der diskriminierenden § 175 (Bestrafung von Homosexualität) und  § 218 (Abort). Sie war stets für eine Aussöhnung zwischen Arabern und Juden, etwa bei einem Volksfest in der Altstadt von Jerusalem mit Karussells und Waffeln. 

Sie ist jung, sie ist cool, sie ist Trend! Und das, obwohl sie vor einer gefühlten Ewigkeit gelebt hat (1869 in Wuppertal- Elberfeld geboren – 1945 gestorben in Jerusalem)!

Sie ließ sich nichts von ihren Eltern, spießigen Kaufleuten, oder den Männern sagen. Neben ihrer Ehe hatte sie Affären mit vielen Künstlern und Schriftstellern: Sie spielte mit den Männern. Das ist wahre Emanzipation, oder?  Sie lebte lange Zeit in Berlin und zog dort durch die Kneipen und Szene-Cafés.

 

Von einem rassigen Südländer, von dem sie nicht einmal den Namen verriet, bekam sie einen Sohn, nicht vom langweiligen Ehemann. Diese Frau machte Skandale über Skandale! Ihre Liebesgedichte sind geil, andere Gedichte sind ein bisschen schwer zu verstehen, manchmal ergeben sie gar keinen richtigen Sinn. Aber das zählt auch nicht. Wenn du bei deinen Freunden echten Eindruck schinden willst, denke dir eine tiefere Bedeutung aus und sage immer: »Das ist so wahr, so wahr!«

In London und Paris laufen die echten Kenner mit T-Shirts ’rum mit der Aufschrift: »Ich habe zu Hause ein blaues Klavier / und kenne doch keine Note / Es steht im Dunkel der Kellertür / seitdem die Welt verrohte …«

Aber Else Lasker- Schüler hat nicht nur „Mein blaues Klavier“ gedichtet, sie hat auch gemalt. Ihre Bilder sind kunterbunt, die Figuren sind aus dem Orient oder anderen östlichen Gebieten. Das kommt daher, dass sie die Gegend da total geliebt hat und sich auch manchmal der Prinz Jussuf von Theben (Indianer, Abigail, Blauer Jaguar, Robinson, Tino von Bagdad u. v. mehr) nannte. Manchmal sind ihre Gedichte auch sehr traurig, deshalb nicht vor einer Party oder der Disco lesen, sonst nervst du da nur! Aber bei Liebeskummer wäre das doch supigut, da kann man ein bisschen Selbstmitleid haben. Die arme Else musste 1933 aus Deutschland ins Schweizer Exil fliehen, weil man ihre Verwandten nicht mochte. Sie ist dann 1945 gestorben, könnte echt deine Uroma sein … und war doch Madonna und Lady Gaga meilenweit voraus. 

Ina Meenen (Leistungskurs Deutsch, Christianeum, Hamburg) 

 


 

Else Lasker-Schüler – Dichterin der deutschen Moderne

Flüchtling. Versöhnerin

Geboren am 11. Februar 1869 in Elberfeld an der Wupper, gestorben am 22. Januar 1945 in Jerusalem

Von Hajo Jahn

„Der Fels ist morsch/ dem ich entspringe / und meine Gotteslieder singe.“ So beginnt das wahrscheinlich erste expressionistische deutsche Gedicht. Geschrieben von Else Lasker-Schüler. Titel: „Mein Volk“. Sie gilt als erste Dichterin der Moderne in Deutschland. Junge Fans von heute gefällt sie als allererste Performerin, lange vor Madonna und Lady Gaga.

Genial und einfach zugleich fasste sie nach dem Ersten Weltkrieg im Gedicht „Weltende“ das Elend der Zeit in den zwei Eingangszeilen zusammen, gültig nicht nur nach den Verbrechen des Holocaust, sondern für alle Diktaturen: 

„Es ist ein Weinen in der Welt 

als ob der liebe Gott gestorben wär“.

Wegen solcher Versformen lieben Komponisten in vielen Ländern die Weltbürgerin Else Lasker-Schüler. Sie erreicht dabei die Klasse von Heine und Rilke: Mehr als 350 Komponisten haben ihre Lyrik vertont, darunter Paul Hindemith. Wolfgang Schmidtke, Wuppertaler wie die Dichterin, hat 14 ihrer Poeme für die WDR-Bigband in Töne umgesetzt, „weil sie so unglaublich vielschichtig sind“. Warum, das schildert er im Else Lasker-Schüler-Almanach 2006 „Wo soll ich hin?“: „Da gibt es immer wieder Gefühle und Bilder, die Innerstes spiegeln und verträumt sind – und im nächsten Moment von der Außenwelt durchbrochen werden und ins Schmerzhafe umschlagen.“

Laien unter den Bewunderern von Else Lasker-Schüler schätzen ebenso wie Fachleute vom Range des Jazzmusikers Schmidtke ihre Lyrik, weil sich ihre Gedichte nicht oberflächlich genießen lassen. In ihnen kann sich der Rezipient nicht nur sonnen. Diese Texte enthalten dunkle Momente, Schmerz und Trauer, die zu einer zwischenmenschlichen Beziehung gehören wie der unterschwellige Erzählton von Else Lasker-Schüler. Sie konfrontiert in ihren Gedichten die Außenwelt mit der Seelenwelt

„Und da die Wahrheit ich berichte wenn ich dichte, lasst allen Zweifel außer Acht!“ Das ist zwar Prosa von Else Lasker-Schüler – aus ihrem letzten, dem dritten Theaterstück „IchundIch“ – , aber jeder Satz schwingt. Vielleicht ist es dieser Blues, der Übersetzer von Spanien über Russland bis China so fasziniert, um Texte der deutsch-jüdischen Dichterin in ihre Sprachen zu übertragen wie jetzt der Grieche Georgios Kartakis oder die (türkische) Tscherkessin Safiye Can.

Erster Antikriegsroman 

Allzu gerne wird Else Lasker-Schüler weggeordnet in die apolitische egozentrische Phantasiewelt schrullig-romantischer Poeten, die sich dem Leben übergangslos in die Dichtung entziehen. Doch schrieb sie mit dem „Malik“ (1919) den Antikriegs- und Kaiserroman schlechthin und mit ihrem späten Drama „IchundIch“ (1941) eine Antifaschismus-Tragikomödie, welche Faust vor die Gretchenfrage der Deutschen Kultur angesichts des Grauens stellt. „IchundIch“ ist kühn, Chaplins und Lubitschs Faschismus-Satire ebenbürtig, Brechts und Becketts Theaterästhetik wegbegleitend und wegbereitend.

1932 erhielt sie die höchste deutsche Literaturauszeichnung, den Kleistpreis. Wenige Jahre zuvor hatte eine Zeitung dazu aufgerufen, an Kleists 150. Geburtstag sollte ein Ruf an die Nation erfolgen, „die allerärmste, die allerreichste Dichterin deutscher Sprache in ihrer Not nicht versinken zu lassen“ – das wäre 1961 gewesen und „die allerreichste Dichterin“ Lasker-Schüler 92 Jahre alt. Was als Lob gedacht war, dürfte sie als Hohn empfunden haben. Doch auch so kommt die Ehrung ziemlich spät. Mit bereits 63 Jahren ist Else Lasker-Schüler die älteste Preisträgerin in der Geschichte des Kleist-Preises. Immerhin: Sie hat sich gegen hochkarätige Kandidaten wie Hans Fallada, Rudolf Leonhard und Ernst Wiechert durchgesetzt. Gottfried Benn, ihr vielleicht geliebtester Geliebter, telegrafiert ihr am 11. November 1932: „Ein Glückwunsch der deutschen Dichtung.“

Flucht

Am 19. April 1933 muss sie flüchten. Hals über Kopf mit dem Zug aus Berlin. In die Schweiz.

Als größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte, wurde sie von Benn lange nach ihrem Tod gefeiert. Dieser Satz, schreibt ihr Biograf Jakob Hessing, klebt an seiner einstigen Geliebten wie eine Klette. Man hebt sie damit in den Dichterhimmel und schiebt sie zugleich weit von sich. Benn wusste genau, was in Zeiten des Kalten Kriegs gefragt war. Aus der Jüdin, die nicht in die deutsche Kultur passt, macht er die größte deutsche Lyrikerin – die so auch nicht zu den Juden passt. Denn die verstehen ihre exhibitionistische Art überhaupt nicht. Und dass sie für eine Versöhnung der Araber und der Juden eintrat, als die jüdischen Einwanderer noch glaubten, sie kämen in ein Land ohne Volk, macht sie für viele Israelis suspekt. Sie selbst sagt über sich:

„Bin entzückt von meiner bunten Persönlichkeit, von meiner Urschrecklichkeit, von meiner Gefährlichkeit, über meine goldene Stirn, meine goldenen Lider, die mein blaues Dichten überwachen. Mein Mund ist rot, wie die Dickichtbeere, in meiner Wange schmückt sich der Himmel zum blauen Tanz, aber meine Nase weht nach Osten, eine Kriegsfahne, und mein Kinn ist ein Speer, ein vergifteter Speer. So singe ich mein hohes Lied…ich schwöre es…bei dem Propheten Darwin, ich bin meine einzige unsterbliche Liebe.“

Als Dramatikerin wurde sie von Friedrich Dürrenmatt geschätzt, weil sie die Schönheit der deutschen Sprache in barbarischer (NS-)Zeit bewahrt habe. Und dennoch ist sie in ihrer deutschen Heimat nur einer kleinen Gemeinde von Kennern wirklich bekannt. Zumal Else Lasker-Schüler eine Dichterin ist, die konsequent die Trennung von Poesie und Leben verweigert hat.

Das ewige Leben dem, der viel von Liebe weiß zu sagen. / Ein Mensch der Liebe kann nur auferstehen!/ Haß schachtelt ein!, / wie hoch die Fackel auch mag schlagen.“ Dieses „Herbst“-Gedicht ist nicht nur hochaktuell seit dem verbrecherischen Anschlag vom 11. September 2001 in New York und dem immer stärker werdenden Hass auf fremde Kulturen und Menschen, die unter Todesgefahren nach Europa, nach Deutschland kommen. Sondern dieses Zitat zeigt auch die gesamte Lebenseinstellung der Dichterin. Schriftsteller wie sie waren nicht selten auch die einzigen, welche die Wahrheit kannten, zur Sprache brachten und ihr Worte verliehen. Wahrheit und Freiheit sind zumeist Synonyme. Speziell im Expressionismus. Else Lasker-Schüler war die Dichterin des Expressionismus – und doch war sie weit mehr.

Krieg. Zerfall – heute, damals

Ähnlich dem Expressionismus in der bildenden Kunst befasste sich der Expressionismus in der Literatur mit den Themen Krieg, Großstadt, Zerfall, Angst, Ich-Verlust, aber auch mit Wahnsinn, Liebe, Rausch Natur und Weltuntergang. Else Lasker-Schüler dennoch lediglich auf den Expressionismus zu focussieren, hieße sie einengen. Im Expressionismus wird die bürgerliche Ästhetik durch eine ‚Ästhetik des Hässlichen‘ zurückgewiesen; – wie keine andere literarische Bewegung zuvor machen die Expressionisten das Hässliche, Kranke, Wahnsinnige zum Gegenstand ihrer Darstellungen. Das jedoch trifft bei ELS nur in Maßen zu. Andererseits hat sie den Expressionismus stärker geprägt als allgemein bekannt ist. Die junge Generation der Autoren drückte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem durch Lyrik und in Lyrik aus (Lasker-Schüler, van Hoddis, Benn). Deutlich wird die Abwendung von formalen Vorgaben. Die Idee des Konstruktivismus wird in der Negierung der vorgegebenen Strukturen vorweggenommen.

Obwohl auch diese Epoche – wie jede andere – fließende Übergänge besitzt und ihre Eingrenzung natürlich stark definitionsabhängig ist, hat sich in der Literaturwissenschaft das Schlagwort des ‚Expressionistischen Jahrzehnts‘ für die Blütezeit des Expressionismus zwischen 1910 und 1920 eingebürgert, geprägt von den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs. Während jedoch viele Autoren zunächst noch den Krieg verherrlicht hatten als eine erneuernde Kraft, die die bürgerliche Gesellschaft hinwegfegt, ändert sich das Kriegsbild bald durch die Schreckenseindrücke vieler Dichter, die selbst das Ausmaß der Vernichtung und des Elends als Soldaten an der Front erleben müssen. Bei Else Lasker-Schüler, die den Krieg nie gefeiert hatte, war der Tod ihres Freundes Franz Marc prägend. Marc hat sie verführt – zum Malen. Weil er ihr Talent erkannt hatte. Ihre Zeichnungen sind allerdings auch nicht ausgesprochen expressionistisch. 

Ähnliches lässt sich von den Architekten und anderen Künstlern des Bauhauses sagen. Sie waren Avantgardisten. Wie Else Lasker-Schüler. In Weimar hat man das erkannt. Die erste Dichterlesung, die dort am 14. April 1920 stattfand, war die von Else Lasker-Schüler. „Eigene Dichtungen. Hebräische Balladen und andere Gedichte. Der Scheik. Abigail I. von Theben“ stand auf dem doppelseitigen Flugblatt, gezeichnet von Friedel Dicker-Brandeis, die später unter tragischen Umständen weltberühmt werden sollte: Sie war die Lehrerin jener Kinder in Theresienstadt, die nach ihrer Ermordung überlebt haben durch ihre Zeichnungen – angeregt von Friedel Dicker-Brandeis, die auch die ersten Else Lasker-Schüler-Lyrikvertonungen des Komponisten Viktor Ullmann gesungen hat. Die Partituren sind möglicherweise von den Nazis vernichtet worden. Ullmann und Dicker-Brandeis wurden ermordet – aufgehende Sterne am Kunsthimmel. Und der reichte weit über die Grenzen einer Kunstrichtung hinaus.

„Du! wir wollen uns tief küssen…/ Es pocht eine Sehnsucht an die Welt, /An der wir sterben müssen“, heißt es in dem Gedicht „Weltende“, das Herwarth Walden, wie zahlreiche andere Gedichte seiner Frau, vertont und später im ersten Jahrgang des „Sturm“ publiziert hat. Darunter „Ein alter Tibetteppich“. Für Karl Kraus eine „neunzeilige Kostbarkeit“. Der österreichische Schriftsteller hätte „den ganzen Heine“ für dieses Gedicht hergegeben. Welch ein Kompliment für die Dichterin.

In ihrem letzten, ungewöhnlicherweise auf Deutsch im englischen Mandatsgebiet Palästina herausgegebenen Buch „Mein blaues Klavier“, schreibt sie die Widmung: „Meinen unvergesslichen Freunden und Freundinnen in den Städten Deutschlands und denen, die wie ich vertrieben und nun zerstreut in der Welt – in Treue!“


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Berlin im Film der Zwanziger Jahre

Vor über 100 Jahren eröffnete der Filmpionier Karl August Geyer
mit seiner Kino-Kopier-Gesellschaft in Rixdorf bei Berlin
das erste deutsche Filmkopierwerk

Vor 100 Jahren eröffnete der Filmpionier Karl August Geyer mit seiner Kino-Kopier-Gesellschaft in Rixdorf bei Berlin das erste deutsche und weltweit das zweite Filmkopierwerk nach den Éclair-Studios in Paris. Damit setzte auch ein Wandel in der Struktur der Filmwirtschaft ein – weg von der Manufaktur hin zum industriellen System der Filmwirtschaft von heute. Die Geyer-Werke waren an der Produktion vieler Klassiker wie „Große Freiheit Nr. 7“, den „Sissi“-Filmen oder an Autorenfilmen von Werner Herzog („Aguirre der Zorn Gottes“, „Nosferatu: Phantom der Nacht“) und Wim Wenders („Der amerikanische Freund“, „Paris,Texas“) beteiligt. Aber auch in den letzten Jahren arbeitete man für internationale Erfolge wie Tom Tykwers „Lola rennt“ oder den Oscar-Gewinner „Das Leben der Anderen“.

Obwohl die Arbeit mit Filmmaterial noch einen großen Teil des Umsatzes ausmacht, hat die CinePostproduction-Gruppe mit ihren fünf Standorten in Deutschland rechtzeitig in die Diversifikation und in die rein digitale Produktion investiert. Für diesen Bereich entwickelt man sogar eigene innovative Lösungen, wie eine gesicherte Übertragung von Arbeitsmustern auf das iPad.

Anfangs kümmerten sich die Filmproduzenten meist alleine um Produktion und Vertrieb. Neben dem Drehen von Kurzfilmen übernahmen sie selbst die Perforierung, Entwicklung und Kopierung des Filmmaterials und verkauften die fertigen Filme direkt an die Kinobesitzer. Im Laufe der Zeit wurden die Filme jedoch nur noch für einen gewissen Zeitraum an die Kinos verliehen. Aufgrund der geringeren benötigten Zahl an Filmkopien rentierte es sich für die Produzenten nicht mehr, alle technischen Geräte für die Filmkopierung vorzuhalten. Diesen Umstand erkannte der Kamerakonstrukteur Karl August Geyer und legte sich mit seiner Kino-Kopier-Gesellschaft ein zweites Standbein zu. Allerdings blieb bis zum Ende 2. Weltkriegs die Maschinenbau-Abteilung ein wichtiger Bestandteil des später Geyer-Werke AG genannten Konsortiums. So entwickelte Geyer etwa Aufklärungskameras für das Militär, eine 16mm Kamera sowie einen Projektor für Filmamateure.

Blick in den Kopierraum der Geyer-Werke Anfang der 1920er Jahre (Bild: CinePostproduction GmbH)

 

Das Kopierwerk gewann aber speziell während der Nazi-Zeit an Bedeutung, da das Propagandaministerium die Produktion der Wochenschauen bei Geyer in Berlin zentralisierte. Hinzu kamen die Filme von Leni Riefenstahl. Zusätzlich experimentierte man mit verschiedenen Farbverfahren und baute 1940 eine eigene Kopiermaschine für den deutschen Agfacolor-Farbfilm.

Gegen Ende des 2. Weltkriegs wurde das 1914 bezogene Stammhaus in Berlin-Neukölln durch alliierte Luftangriffe teilweise zerstört und ein Sohn des Firmengründers getötet. Den Wiederaufbau startete Karl August Geyer zunächst 1949 in Hamburg-Rahlstedt, bevor man 1953 das Berliner Kopierwerk wieder in Stand setzen konnte.

Ab den sechziger Jahren setzte die Firma auf Diversifikation und Expansion: In Berlin wurde eine Videopostproduktion und ein Synchronstudio aufgebaut und 1967 eine Dependance in München eröffnet. 1988 übernahm man das Kopierwerk und die Videoabteilung der Bavaria Film, elf Jahre später auch ihr Tonstudio.

Während Mitbewerber wie das Filmkopierwerk in Potsdam-Babelsberg im letzten Jahr Insolvenz anmelden mussten, setzt die CinePostproduction Gruppe seit gut zwanzig Jahren zusätzlich auf die digitale Filmproduktion. 1991 fing es mit einem ersten Avid-Schnittplatz für den Carl Schenkel Film „Knight Moves“ an, inzwischen besitzt man deutschlandweit 20 digitale Schnittplätze und sechs digitale Grading-Suiten mit Baselight- und Lustre-Systemen. Vor kurzem wurde in Berlin ein Saal zusätzlich mit Equipment für stereoskopisches 3D (S3D) ausgestattet. Als größtes deutsches Produktionshaus ist man Betatester für diverse Produkte von Autodesk und Colorfront.

 

Während früher die Prüfung und Ergebniskontrolle des gedrehten Materials nur im Kopierwerk selber möglich war, eröffnet die digitale Arbeitsweise neue Möglichkeiten, die man bei CinePostproduction frühzeitig genutzt hat. So war man nach eigenen Angaben im August 2008 weltweit das erste Kopierwerk, das eigene RED-Kameras zusammen mit eigenen Digital Image Technicians (DIT) für die Produktion der RTL-Serie „Brains“ zur Verfügung stellte. Aus dieser Arbeit hat sich eine eigene Prüfsoftware namens COSS entwickelt, die man inzwischen auch für die ARRI-Kameras der Alexa-Serie adaptiert hat. Darüber hinaus war CinePostproduction der erste Dienstleister, der mit der COPRA-App eine Anwendung für das iPad vorgelegt hat. Damit können sich freigeschaltete Benutzer die aktuellen Muster der Dreharbeiten auf ihr iPad laden und betrachten.

Zusätzlich unterhält das Unternehmen einen umgebauten Unimog, der mit einer mobilen Gradingstation ausgestattet ist, um knifflige Fragen der Schärfe und Beleuchtung vor Ort zu klären. Ein ähnliches Konzept will man demnächst auch für den S3D-Bereich anbieten, in dem man einen LKW-Trailer mit einer mobilen S3D-Projektion ausrüstet.


Filme als Beispiele der Zeit


Die Stadt der Millionen. Ein Lebensbild Berlins

Der 85-minütigen UFA – Film von 1925 ist der erster abendfüllende Film über die Stadt. Gezeigt werden in mehreren Akten neben den bekannten Sehenswürdigkeiten auch das gewerbliche Leben, die Vergnügungsstädten und das Nachtleben in der Stadt. Dabei kommt auch der Humor nicht zu kurz.


Berlin – Symphonie einer Großstadt

Der Film von 1927 stellt wohl das bedeutendste cineastische Werk über das Berlin jener Zeit dar. Eine experimentelle Collage im expressionistischen Stil von Walther Ruttmann.


Menschen am Sonntag

Dieser mit Laienschauspielern gedrehte Film von 1930 des Regisseurs Billy Wilder zeigt das Leben  von vier jungen Erwachsenen, wie diese den alltäglichen Arbeitsalltag an einem Sonntag zu entfliehen versuchen. 


Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?

Ein sehr ernster Film, der die Hoffnungslosigkeit vieler junger Arbeitssuchenden in der Weimarer Republik zeigt. Der Druck, dem diese jungen Menschen durch äußere Verhältnisse wie auch durch die Familie (“wer Arbeit sucht, der findet auch welche…”) ausgesetzt sind, war teilweise derart groß, dass mitunter nur der Weg in den Freitod blieb… Das Drehbuch entstand unter Mitwirkung Bertold Brechts, Regisseur war der Bulgare Slatan Dudow. Dieser sog. proletarische Film war in starkem Maße politischen Repressionen ausgesetzt. “Kuhle Wampe” bedeutet übrigens “leerer Bauch” – ein passender Titel für die Nöte der Arbeitslosen in der Weimarer Republik.


Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens

Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1922 von Friedrich Wilhelm Murnau in fünf Akten. Der Stummfilm ist eine – nicht autorisierte – Adaption von Bram Stokers Roman Dracula und erzählt die Geschichte des Grafen Orlok, eines Vampirs aus den Karpaten, der in Liebe zur schönen Ellen entbrennt und Schrecken über ihre Heimatstadt Wisborg bringt. Nosferatu gilt als einer der ersten Vertreter des Horrorfilms und übte mit seiner visuellen Gestaltung einen großen Einfluss auf das Genre aus. Zugleich gilt das Werk mit seiner dämonischen Hauptfigur und seiner traumartigen, gequälte Seelenzustände spiegelnden Inszenierung als eines der wichtigsten Werke des Kinos der Weimarer Republik. Der Film sollte nach einem verlorenen Urheberrechtsstreit 1925 vernichtet werden, überlebte aber in unzähligen Schnittversionen und ist heute in mehreren restaurierten Fassungen verfügbar.


Große Freiheit Nr 7

Große Freiheit Nr. 7 ist ein deutscher Spielfilm unter Regie von Helmut Käutner mit Hans Albers und Ilse Werner in der Hauptrolle. Er wurde während des Zweiten Weltkriegs von Mai bis November 1943 im Deutschen Reich und dem damaligen Protektorat Böhmen und Mähren von Helmut Käutner gedreht. Es ist der erste Agfa-Farbfilm der Terra Film. Er durfte nach der Zensur vom Dezember 1944 in Deutschland nicht gezeigt werden und wurde erst 1945 von den Alliierten freigegeben. Er gehört zu den Terra-Film-Filmklassikern mit vielen seinerzeit bekannten Liedern.


Die wilden Zwanziger – Berlin und Tucholsky

Das Berlin der Zwanziger Jahre ist groß, jung und anonym. So grau die politische Wirklichkeit der Weimarer Republik ist, so glanzvoll sind ihre Kunst, Kultur und Wissenschaft. Vor allem die Kunst dient als Sprachrohr, um die Missstände der Zeit anzuprangern, was sie aufs Engste mit der Politik verknüpft. In diesen Jahren zählt Kurt Tucholsky zu den bedeutendsten Publizisten. Die Dokumentation gibt Einblicke in das Leben und Wirken des Journalisten, Satirikers und Lyrikers. Die Reihe “Die wilden Zwanziger” führt in den kommenden beiden Wochen außerdem nach Paris und Wien.


Die wilden Zwanziger – Paris Ein Fest fürs Leben

In den 20er Jahren strömen junge Abenteurer und Inspiration-Suchende aus der ganzen Welt an die Seine. Auf den Spuren ihres Mythos bewegt sich der Film durch die Stadt, begleitet von der Musik der „verrückten Jahre“ und geführt von zweien, die Teil des Spektakels waren. Da ist der französische Surrealist Louis Aragon, Schriftsteller und Dichter. Aragon war ein unermüdlicher Nachtschwärmer, ein Stammgast in Cafés, Bars und Bordellen und Mitbegründer des Surrealismus. Seine Erlebnisse verarbeitete er unter anderem in seinem 1926 veröffentlichten Roman „Der Pariser Bauer“, die Innenansichten eines Parisers. Ihm zur Seite stellt der Film die Perspektive eines Mannes, der von außen kommt, ab 1921 in Frankreich lebt und aus dem Paris der 20er Jahre ein Stück Weltliteratur macht.

Es ist der junge US-Amerikaner Ernest Hemingway, der „Paris – ein Fest fürs Leben“ schrieb. Selbst heute, fast 100 Jahre später, faszinieren und inspirieren die „années folles“ eine junge Künstlergeneration. Der Pianist Alexandre Tharaud spürte für ein Musikalbum dem Sound jener Jahre nach. So, wie er heute spielt, klang es damals in Clubs wie dem legendären „Le Boeuf sur le Toit“ („Der Ochse auf dem Dach“). Hier trifft sich in den 20er Jahren die Pariser Szene: Georges Simenon, Coco Chanel oder Jean Cocteau, der neben Größen wie Darius Milhaud und Maurice Ravel höchstselbst mit den kongenialen Pianisten Jean Wiener und Clément Doucet swingt. Der Film durchstreift dieses „Swinging Paris“. „Wenn du das Glück hattest, als junger Mensch in Paris zu sein, dann trägst du die Stadt für den Rest deines Lebens in dir“, wird Ernest Hemingway später über Paris schreiben.


Die wilden Zwanziger – Wien Ein Tanz am Abgrund

Die 20er Jahre sind heute ein Mythos, denn die explosive Stimmung jener Jahre setzte eine enorme Kreativität frei. So auch in Wien. Die Erschütterungen des Ersten Weltkriegs sind für jedermann sichtbar, die politische Situation ist mehr als unsicher, der Crash an der Wiener Börse 1924 steht exemplarisch für die wirtschaftliche Krise und die Arbeitslosenzahlen steigen. Nichtsdestotrotz sorgt diese Stimmung in der Donaumetropole für eine ganz besondere, bisher wenig beachtete Aufbruchstimmung. Die gegenwärtigen Konflikte lösen vor allem eines bei den Menschen aus: Sie wollen leben und sich amüsieren. Psychoanalyse und intellektueller Pessimismus rücken ebenso ins Zentrum der Stadt wie Musik und soziale Revolutionen.

Wien wird europaweit führend in der Architektur kommunaler Wohnungsbauten – die Geburtsstunde des sogenannten Roten Wiens. Auch außerordentliche Denker gehen aus dieser Zeit hervor. Der Musiker Arnold Schönberg, einflussreiche Frauen wie die Fotografin Trude Fleischmann und die Journalistenlegende Karl Kraus sind nur einige davon. Kraus’ Blick auf die Stadt war höchst zynisch – für ihn war Wien eine „Versuchsstation des Weltuntergangs“. Während die Metropole also einerseits tanzt, regiert auf der andern Seite der Blues. Anhand von Originalaufnahmen und Experteninterviews erzählt der Dokumentarfilm von jenen aufreibenden Jahren und ergründet, warum die 20er Jahre in Wien gerade wieder eine neue Popularität erleben.


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