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Die Schriftstellerin Nina George über die Veränderungen der Lebensbedingungen für Autorinnen und Autoren

Wie haben sich die Bedingungen von Künstlerinnen und Künstlern in den vergangenen 30 Jahren und im Zuge der Digitalisierung geändert? Das zeichnete Nina George in ihrem Eröffnungsvortrag zur Tagung „Digitale Kultur / Kultur des Digitalen“ mit einer Zeitreise, Fakten und Daten aus den wesentlichen Kunstbereichen in Düsseldorf nach.

Dieser folgende Auszug mit Bezug auf die Buchbranche ist mit freundlicher und exklusiver Genehmigung der Autorin im Syndikat-Jahrbuch sowie auf BUCHSZENE.DE einsehbar.

Ihr seid doch die Stradivaris unter den Arschgeigen.

2001 veröffentlichte Stephen King seine nur als E-Book erhältliche Novelle „Riding the Bullett“, sie kostete 2,50 Dollar, wurde in zwei Tagen eine halbe Million Mal geladen; ein Großteil gratis bei amazon.com. Nach zwei Tagen wurden die ersten illegalen Kopien herumgereicht und die Computer-Zeitschrift PC Welt brüstete sich, einen Weg zum Ausdrucken des 2,50-Dollar-Werkes gefunden zu haben. Auch andere Computerzeitschriften begannen mit ihren praktischen Leitfäden, wie ihre Leser im Internet an Umsonst-Kulturwerke kommen können. Illegal? Ist doch egal. Hier ein höfliches: „Ihr seid doch die Stradivaris unter den Arschgeigen“ fürs Protokoll und für Matthias Hornschuh, der es mag, wenn ich öffentlich ausfallend werde.

Die Technik diktiert den Wert der Kultur.

In der Buchbranche sanken die vertraglich vereinbarten Erlöse für die elektronische Buchverwertung; 2008 – also noch vor Einführung von Tablets und leistungsstarken Smartphones mit Lese-App – lagen sie bei 25 % auf den Verkaufspreis für die Autoren, inzwischen sind es 20 % des so genannten Nettoverlagserlöses – Kaufpreis minus Rabatte minus Kosten, die der Distributeur zwar nicht aufschlüsselt, aber in Rechnung stellt. Die Technik diktiert den Wert der Kultur.

Mein Steuerberater weinte sehr. Bezahlen musste ich trotzdem.

Bei einem meiner Experimente in den 37 Märkten, in die ich zurzeit Lizenzen verkaufe, erhielt ich bei einem Flatrate-Modell 1 Cent pro Download. Mein Steuerberater weinte sehr. Bezahlen musste ich ihn trotzdem in voller Höhe. Debütautorinnen erhalten heute im Schnitt zwischen 0 und 1500 Euro Vorschuss. Jeder zweite Vorschuss spielt sich nicht ein.

Die Einkommen von Schriftstellern haben
sich in zehn Jahren halbiert.

In den USA und Großbritannien haben sich die Einkommen der Schriftstellerinnen in zehn Jahren halbiert. Als Gründe werden sinkende Vorschüsse, Flatrate Kannibalisierung und Piraterie angegeben.

  • „Google investierte im Jahr 2011 31 Mio. Dollar in Lobbying gegen den Schutz geistigen Eigentums und gegen Urheberrecht.“
  • „80 Mio. User bedienten sich bis 2001 und pickten sich ihre Lieblingssongs aus dem Peer-to-peer-Netzwerk.“
  • „15 Mio. urheberrechtlich geschützte Bücher von 35.000 Verlagen, 40 Universitätsbibliotheken und in 400 Sprachen, die GoogleBooks eingescannt und veröffentlicht hat.“
  • „Debütautorinnen erhalten heute im Schnitt zwischen 0 und 1500 Euro Vorschuss. Jeder zweite Vorschuss spielt sich nicht ein.“

7 % des weltweiten Piraterie-Traffics sind E-Books und Scans.

Sieben Prozent des weltweiten Piraterie-Traffics sind E-Books und Scans, es geistern rund zwei Millionen Werke auf illegalen Portalen umher, dazu kommen noch 15 Millionen urheberrechtlich geschützte Bücher von 35.000 Verlagen, 40 Universitätsbibliotheken und in 400 Sprachen, die GoogleBooks eingescannt und veröffentlicht hat – und dabei das Europäische Urheberrecht ignoriert (die Klage gegen Google wurde 2015 zurückgewiesen). Ein beliebtes Weihnachtsgeschenk ist ein E-Book-Reader wie ein Kindle oder Tolino, aufgefüllt mit eintausend illegal kopierten E-Book-Dateien. Frohes Fest allerseits.

Von 99 Cent behält Amazon 70 %
– und das Recht auf ewige Nutzung.

Wer denkt, super, geh doch ins Selfpublishing: Die beliebtesten Bücher bei Amazon kosten zwischen 99 Cent und 2,99 Euro. Das ist jene Preiskategorie, in der Amazon 70 Prozent der Erlöse für sich behält. Und das Recht auf ewige Nutzung. Ja, ewig. Es leben die AGB in Augenstreuschrift. Natürlich, es gibt sie, die erfolgreichen Selfpublisher oder die gewieften Hybrid-Autorinnen. Aber auch ihnen schnürt Amazon das Einkommen nach und nach ab, mindert die Ausschüttung für gelesene Seiten, ignoriert Betrüger und Plagiatoren, und promotet inzwischen mehr seine eigenen Verlagslabels als Selfpublisher.

Mehr Zeit mit Selbstbewerbung im Netz als mit Schreiben.

Debütantinnen wissen, dass sie, in Zeiten, in denen jedes Jahr 400.000 deutschsprachige Werke erscheinen – ja, 400.000: traditionell verlegte, selbstverlegte, wiederaufgelegte – zwecks Sichtbarkeit mehr Zeit mit Selbstbewerbung im Netz zu tun haben werden als mit Schreiben. Werbung ist für sie eine existierende Währung, während es für mich nur eine faule Ausrede ist.

150 Euro wollte Lufthansa für mein Hörbuch bezahlen.

Als die Lufthansa mich neulich fragte, ob ich mein Audible-Hörbuch nicht 25 Millionen Gästen jährlich auf Langstreckenflügen zur Verfügung stellen wollte, fragte ich nach den Konditionen. 150 Euro. Pauschal. Einmalig. Weil: Es sei ja Werbung für mich. Wenn ein Hörbuch mit acht Stunden Länge auf einem Flug von zwölf Stunden gehört wird. Meiner Argumentation, dass ich dann gerne unbegrenzte Freiflüge hätte, weil: Das sei ja Werbung für Lufthansa, wollten sie seltsamerweise nicht folgen.

Kaum 5% der Autoren leben ausschließlich von ihren Büchern.

Wenn sie ins Selfpublishing gehen, zahlen sie Cover-Art, Lektorat, Typo, Satz und ISBN, einen digitalen Videotrailer und plagen sich mit Fake-Rezensionen ihrer Konkurrentinnen herum, die auf Amazon Verrisse texten. Sie wissen, dass kaum fünf Prozent unserer Zunft, egal ob Verlagsautorin oder Indie, ausschließlich vom Veröffentlichen den Alltag zahlen kann, und dass die meisten einen Hauptberuf haben, das Finanz-Modell „Ehepartner“ oder schreibnahe Zusatztätigkeiten wie Lehren und Übersetzen ausüben.

Ja, es gibt im Selfpublishing Perlen zu entdecken.

Selfpublishing professionalisiert sich, ja, und jüngst habe ich Perlen entdeckt, wie das Tagebuch einer Ärztin der Flüchtlingshilfe, oder das ultimative Thermomix-Rezeptebuch. Auch genießen neunzig Prozent aller Autoren und Autorinnen, die Kommunikation digital – mit Kollegen, mit Leserinnen, sie recherchieren mit dem Finger auf der Google-Map-Karte und lieben das Prokrastinieren bei Facebook. Früher war eben auch nicht alles lustiger.

Die E-Book-Distributor funkt alle Nutzerdaten an den Server.

Debütantinnen wissen allerdings auch, dass bei jedem Onlinekontakt mit dem Distributor eines E-Books, das Lesegerät Nutzerdaten an den Server funkt. Der Flatrate-Anbieter readfy weiß z.B., dass die Zielgruppe für ihre erotischen SM-Schmonzetten Männer über 59 und Frauen zwischen 21 und 29 ist. Ob man sich das so intensiv vorstellen will, ist eine andere Sache. Der US-Verlag Coliloquy verkauft Erkenntnisse aus Leserdaten an Autorinnen zurück. Welche Eigenschaften schätzen sie an Protagonisten? Heldinnen, die sowohl stark als auch sensibel sind, langhaarig und langbeinig, und männliche Protagonisten, die groß sind, dunkel, grünäugig und moderat behaart auf der Brust. Das ist ganz wichtig: Haare auf dem Kopf ja, Haare auf der Brust: nein.

Die Hälfte der Buchläden schließt,
Bezos verdient 260 Mio. täglich.

In England schließen die Hälfte der Buchläden. Jeff Bezos verdient 260 Millionen Dollar am Tag. Die GAFA-Connection, Google, Apple, Facebook und Amazon, setzen zusammen mehr um als die ersten dreißig DAX-Unternehmen. Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender nutzen unsere Arbeit, von Fernsehkomponistinnen, Hörfunkjournalisten, Fotografen, Kameramännern, Dokumentationsfilmern, Synchronsprechern – ohne die Nutzung zu dokumentieren oder zu vergüten.

Audible zwingt Hörbuchverlage in die Flatrate.
Das schadet Sprechern.

Sprecher für Hörbücher haben immer weniger Jobs für weniger Geld, da der Gigant Audible, eine Amazon-Tochter, 98 Prozent des digitalen Vertriebs hält und Verlage zwingt, Hörbücher in die Flatrate, sein Abomodell, zu geben und damit seine Marktmacht auszubauen. Als ich jüngst dagegen protestierte, verlangte der zwischengeschaltete Hörbuchverlag fünfzig Prozent meines Vorschusses zurück. Die Erpressung Amazons wurde unmittelbar an mich weitergegeben.

Als Journalistin erhalte ich noch
25 bis 50 % des Honorars von 2003.

Am selben Tag erhielt ich einen Brief einer Leserin aus Indien. Er war sehr zärtlich. Ich genieße die virtuelle Nähe zu Menschen, die mich lesen. Egal auf welchem Weg. Als freie Journalistin erhalte ich nur noch zwischen 25 und 50 Prozent dessen an Texthonorar, was noch 2003 üblich gewesen ist. Ich beendete meine Kolumne beim Hamburger Abendblatt 2011; mein Nachfolger erhielt 0 Euro, da, Zitat der Redaktion, eine Kolumne mit Bild doch „Werbung“ für ihn sei.

Alle sind betroffen: Journalisten, Kritiker, Blogger, Fotografen.

Journalisten, die Anfang des Jahrtausends mit der Hälfte des Printhonorars entlohnt wurden, wenn ihre Texte online erschienen, erhalten heute für die Online-Verwertung: nichts. Selbständigkeit für Journalisten, Literaturkritikerinnen, Fußballblogger ist eine Option, natürlich: nur funktionieren die Bezahlmodelle nicht breitflächig, weder freiwilliges Zahlen der Leser, noch Crowdfunding. Aber sie machen sich einen Namen. Sie stärken ihr Profil – Sichtbarkeit und unbezahlte Eigenleistung werden so zur Ersatzwährung, zur Investition in eine ungewisse Zukunft. „Fotografen der freien Tageszeitungen dürfen froh sein, wenn ihr Name unter einem Bild steht und sie fünfundzwanzig Euro erhalten.“ (Sie wissen schon: ist doch Werbung). Fotografien, die bei Facebook erscheinen, dürfen laut AGB geteilt werden, so wurde eine Aufnahme meines Kollegen Leander Wattig von dem Panorama der Lutherstadt Wittenberg auf der Facebook-Fanseite der AFD Sachsen verwendet, ohne dass er gefragt worden wäre.

Warum ist es so wenig Konsens, für digitale Kultur zu bezahlen?

Unsere Werke werden benutzt, aber ihre Schöpferinnen gelten als lästig. Autorinnen und Künstler werden als „Besitzstandswahrer“ (Malte Spitz) verunglimpft, als „Urheber-Rechts-Extremisten“ (Leonard Dobusch), als Copyright-Faschisten und Urheberrechts-verschärfungs-Lobbyisten. Julia Reda zitierte nach einem Besuch bei ihrem inhaftierten Freund Peter Sunde, dem Pirate-Bay-Gründer, dessen Aussage, Gefängnis sei „ein bisschen wie Urheberrecht“. Reda wurde zur Haupt-Berichterstatterin über eine Änderung des Europäischen Urheberrechts. Ja, insgesamt ist die Debattengrundlage eher suboptimal. Und schaut man in die Öffentlichkeit, sieht man, wie wenig sexy und Konsens es ist, für digitale Kultur zu bezahlen. Als ich 2017 in Berlin Steglitz bei Saturn einen neuen Fernseher kaufen wollte, empfahl mir der Geiz-ist-geil Verkäufer einen Sony. Mit eingebautem Zugang zu Google Chrome. Und der praktischen Voreinstellung mit Zugang zu der Piraterie-Plattform Kinox.to. Mit Suchfunktion. Sie können sich meiner Replik vorstellen – und das mir erteilte Hausverbot erscheint mir im Nachhinein durchaus schlüssig.

Die gesamte Dokumentation der Tagung sowie der komplettem Vortrag von Nina George ist abrufbar als PDF unter:

https://www.kulturrat-nrw.de/wp-content/uploads/2019/04/Dokumentation_web_090419.pdf

 

©2019 BUCHSZENE.DE ist eine Marke der Buchwerbung der Neun GmbH, München

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Landesparteitag der SPD zur Künstlerkolonie

Der SPD Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf hatte für den Landesparteitag der SPD einen Antrag eingebracht, als SPD Berlin den Senat aufzufordern in Verhandlungen mit der Vonovia einzutreten für einen Rückkauf der Wohnanlage der beschlossen wurde.

Wir werden den Fortgang beobachten und berichten.

 

 

LPT-II-2019-Antragsbuch-komplett

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Grünflächen am Ludwig-Barnay-Platz

Auf Initiative der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen wurde unser Antrag in der Sitzung der BVV CW am 24. Oktober 2019 beschlossen, das der Ludwig-Barnay-Platz eine bessere Grundpflege, neue Bänke und Papierkörbe erhält.

Die Gartenanlage wird mittelfristig neu gestaltet werden können. Wir danken Ansgar Gusy und allen Fraktionen der BVV CW.

 


D A N K E 

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Künstlerkiosk am Ludwig-Barnay-Platz

Unser Antrag den Bündnis 90 / Die Grünen in die BVV CW eingebracht haben, zur der Initiative den Kiosk für die Künstlerkolonie am Ludwig-Barnay-Platz als Ort der Kunst zu nutzen, wurde in der BVV CW am 24. Oktober 2019 beschlossen. Wir danken insbesondere Dagmar Kempf, Ansgar Gusy und Christian Wapler und allen anderen Fraktionen der BVV CW.

D A N K E 

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Berliner Senat einigt sich beim Mietendeckel

Nach wochenlangen Debatten und einem Verhandlungsmarathon am Freitag hat der Koalitionsausschuss einen Kompromiss beim Mietendeckel gefunden. Die Mieten sollen für fünf Jahre eingefroren werden – Mietsenkungen sind nur unter gewissen Umständen möglich.

In Berlin sollen die zuletzt stark gestiegenen Mieten fünf Jahre lang eingefroren werden. Darauf hat sich der Koalitionsausschuss bei seiner rund sechsstündigen Sitzung am Freitagabend verständigt. “Grünes Licht im Roten Rathaus, habemus #Mietendeckel!”, twitterte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Bündnis90/Die Grünen).

Das Gesetz soll die Mieten für rund 1,5 Millionen Wohnungen, die vor 2014 gebaut wurden, deckeln. Anfang 2020 soll es rückwirkend zum 18. Juni 2019 in Kraft treten – dem Tag, an dem der Senat erste Eckpunkte dazu beschlossen hatte. Geplant sind neben dem eigentlichen Mietenstopp weitere Maßnahmen.

Mietsenkung soll kommen – ohne Einkommensbindung

Neben der in Berlin geplanten Deckelung der Bestandsmieten sind bei Neuvermietungen auch Obergrenzen abhängig von Baujahr und Lage der Wohnung vorgesehen. Mieter sollen in bestimmten Fällen zudem die Möglichkeit haben, die Wohnkosten auf diese Obergrenzen zu senken. Das teilten der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sowie Vertreter von Linken und Grünen nach der Einigung im Koalitionsausschuss mit.

So soll mit dem neuen Gesetz eine Miettabelle festgeschrieben werden. Auf Grundlage der Mieten von 2013 legt sie Obergrenzen fest. Die Tabelle wird noch berechnet, sie orientiert sich an dem Eckpunktepapier, das der Senat am 18. Juni vorgestellt hat. Die ursprüngliche Idee, für Mietsenkungen das Einkommen als Bemessungsgrenze heranzuziehen, wurde allerdings verworfen.

 

Wuchermiete” beginnt ab 120 Prozent

Stattdessen können Mieten dann gesenkt werden, wenn sie die in der Miettabelle stehenden Grenzen übersteigen. Die Miete darf maximal 20 Prozent über der Obergrenze liegen, alles darüber gilt als Wucher. Dabei soll die Lage des Gebäudes berücksichtigt werden.

Maßnahmen zur Modernisierung sollen weiterhin möglich sein, dürfen allerdings ohne Genehmigung nur in Höhe von einem Euro pro Quadratmeter umgelegt werden. Für darüber hinausgehende Kosten sollen Förderprogramme genutzt werden.

Besonders niedrige Mieten können auf maximal fünf Euro je Quadratmeter angehoben werden. Ab dem Jahr 2022 soll zudem ein Inflationsausgleich von 1,3 Prozent pro Jahr möglich sein.

 

Mietgesetz kann erst mit Senatsbeschluss in Kraft treten

Zunächst muss der Senat den Gesetzentwurf allerdings noch beschließen. Danach muss noch das Abgeordnetenhaus darüber abstimmen. Auch für andere Großstädte in Deutschland könnte das Modell, mit dem Berlin rechtliches Neuland betritt, interessant sein.

Wochenlang schienen die Positionen zum geplanten Mietendeckel-Gesetz innerhalb des rot-rot-grünen Regierungsbündnisses unvereinbar. Auch ein mehr als sechsstündiges Ausschusstreffen am Donnerstag brachte keinen Durchbruch. Schwierig war es bis zuletzt: Der Koalitionsausschuss am Freitag wurde mehrfach für interne Beratungen unterbrochen. Nun ist der Kompromiss gefunden.

Senat wollte Mietendeckel bereits Mitte Oktober beschließen

Ursprünglich hatte der Senat bereits am 15. Oktober das neue, von der Wohnungswirtschaft viel kritisierte Mietendeckel-Gesetz beschließen wollen. Doch das Feilen an den Details zog sich deutlich länger hin als zunächst erwartet und drohte zur ernsten Belastungsprobe für Rot-Rot-Grün zu werden. Der Beschluss nach der Einigung im Koalitionsausschuss könnte nun am kommenden Dienstag (22. Oktober) gefasst werden.

Hintergrund für die Mietendeckel-Pläne ist der angespannte Wohnungsmarkt in der Hauptstadt. In manchen Stadtteilen haben Normalverdiener kaum noch eine Chance, eine bezahlbare Bleibe zu finden.

Die Mieten für freie Wohnungen haben sich innerhalb von zehn Jahren laut  Bundesbauministerium auf durchschnittlich 11,09 Euro je Quadratmeter nettokalt im Jahr 2018 verdoppelt. Der Mietanstieg in Berlin ist damit stärker als anderswo in Deutschland. Das sorgt für aufgeheizte Diskussionen in der Stadt, eine Initiative hat sogar ein Volksbegehren für die Enteignung großer Wohnungskonzerne angestrengt.

Sendung:  Inforadio, 18.10.2019, 20:00 Uhr

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Kampf um Sichtbarkeit. Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1900 – Alte Nationalgalerie

Kampf um Sichtbarkeit

 

Vor 100 Jahren durften Frauen erstmals an der Berliner Kunstakademie studieren. Doch wie schafften sie es, sich vor diesem Umbruch in der Kunstwelt zu etablieren?

Die Ausstellung „Kampf um Sichtbarkeit. Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919“ geht dieser Frage nach und rückt die Frauen und ihre Kunst in den Fokus

von Karolin Korthase

Anna Dorothea Therbusch: Selbstbildnis, 1782

 

Müssen Frauen nackt sein, um ins Metropolitan Museum of Art zu kommen? Diese Frage stellten Ende der 1980er Jahre Aktivistinnen der feministischen Gruppe „Guerrilla Girls“ auf einem Plakat. Die Guerrilla Girls, die noch immer aktiv sind, wollten damit auf das eklatante Missverhältnis von weiblicher und männlicher Kunst in den Museen hinweisen. In den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch in puncto  Geschlechtergerechtigkeit viel getan.

 

Ralph Gleis, Leiter der AltenNationalgalerie, und die Kuratorin Yvette Deseyve im Depot

 

Auch in der Alten Nationalgalerie, die Kunst aus dem 19. Jahrhundert zeigt – einer Zeit, in der Frauen nur auf Umwegen und mit viel Durchhaltevermögen künstlerisch tätig sein konnten –, sind nur knapp zwei Prozent der Werke von Frauen. „Einige Malerinnen wie Sabine Lepsius oder Caroline Bardua werden zwar seit langem in der Dauerausstellung präsentiert, aber Künstlerinnen machen insgesamt nur einen Bruchteil der Sammlung aus“, erklärt der Kunsthistoriker Ralph Gleis, der die Alte Nationalgalerie seit 2017 leitet. Gerade im  internationalen Bereich gebe es große Sammlungslücken: „Protagonistinnen des französischen Impressionismus sucht man bei uns bisher vergeblich.“ Insgesamt 83 Werke von 33 Malerinnen und 10 Bildhauerinnen aus dem „langen 19. Jahrhundert“, von der französischen Revolution und dem Klassizismus bis zum Ersten Weltkrieg und dem Expressionismus, gehören heute zur Sammlung der Nationalgalerie.

Viele dieser teilweise stark restaurierungsbedürftigen Werke lagerten bislang im Depot. Für die Ausstellung „Kampf um Sichtbarkeit. Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1900“ wurden sie aus dem Dornröschenschlaf geweckt und wieder ausstellungsfähig gemacht. Yvette Deseyve, Kuratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Bereich Skulptur und Plastik in der Alten Nationalgalerie, erzählt: „Wir stellen mindestens ein Werk von jeder Künstlerin aus, um zu zeigen, wie vielfältig die Kunst von Frauen im langen 19. Jahrhundert war.“

Erstaunlich ist, wie viele Werke

von Künstlerinnen in Vergessenheit

gerieten und wie wenig

über ihre Erfolge bekannt ist

Die Frauen mussten steinige Wege beschreiten, die individuell extrem verschieden waren, weiß Deseyve: “Diese spannenden Geschichten hinter den insgesamt 60 ausgestellten Werken wollen wir darstellen.“

Der ungarischstämmigen Künstlerin Vilma Parlaghy gelang es zum Beispiel, dank exzellenter Kontakte und einer perfektionierten Selbstinszenierung zur Malerfürstin aufzusteigen. Ihr größter Förderer war Kaiser Wilhelm II., den sie sieben Mal porträtierte.

Parlaghy wurde mehrfach auf Ausstellungen mit Medaillen ausgezeichnet und war 1902 das erste weibliche Jurymitglied der Großen Berliner Kunstausstellung. Ein historisches Foto zeigt ihren mondän eingerichteten Salon, den sie im New Yorker Plaza Hotel unterhielt.

Wie männliche Kollegen und Kunstkritiker mit Malerinnen wie Parlaghy umgingen, bezeugt ein Zitat aus der Feder des Malers Arthur von Ramberg: „Jedenfalls kann Vilma Parlaghy für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, kein malendes Frauenzimmer, sondern ein berufener Bildnismaler — und nur dem Geschlechte nach ein weiblicher — zu sein.“ Lob und Herabwürdigung liegen hier nah beieinander. „Die Aussage, dass eine Frau wie ein Mann male, ist ein durchgängiger Topos in der männlich dominierten Kunstkritik und galt als das höchste Lob, das Künstlerinnen zur damaligen Zeit zugestanden wurde“, erläutert Ralph Gleis. Weit verbreitet war auch die Annahme, dass Künstlerinnen nicht von sich aus kreativ sein konnten und bestenfalls gute Nachahmerinnen männlicher Kunst waren. Umso erstaunlicher ist, wie unbeirrt und erfolgreich manche Frauen trotz des Gegenwindsihrer Berufung folgten.

 

Dora Hitz: Kirschenernte, vor 1905

 

Dorothea Therbusch, eine erfolgreiche Malerindes 18. Jahrhunderts, die sieben Kinder hatte und erst in ihren Vierzigern in vollem Umfang künstlerisch tätig sein konnte, wurde an der Pariser Académie Royale zunächst mit der Begründung abgelehnt, das von ihr eingereichte Bild sei zu gut, um von einer Frau stammen zu können. Spätergelang ihr die Zulassung nicht nur an derAcadémie in Paris, sondern auch an der Akademie der bildenden Künste in Wien,wo sie als erste Frau überhaupt ihr Studium aufnehmen konnte. In der Ausstellung „Kampf um Sichtbarkeit“ wird unter anderem ein kleines Selbstbildnis der Künstlerin zu sehen sein, auf dem sie sich mit auffälligem Augenglas als belesene Kennerin der Künste inszeniert.

 

Maria Slavona: Häuser am Montmartre, 1898

 

Es ließen sich noch zahllose weitere beeindruckende biografische Werdegänge mutiger Künstlerinnen erzählen. Erstaunlich ist jedoch, wie viele Werke weiblicher Urheberschaft im Laufe der Zeit in Vergessenheit gerieten und wie wenig überhaupt über die Netzwerke und Erfolge der Künstlerinnen zur damaligen Zeit bekannt ist.

„Wir wollen mit der Ausstellung zeigen, welchen Beitrag die mutigen Künstlerinnen zum Kunstgeschehen ihrer Zeit geleistet haben“, sagt Yvette Deseyve. Ihrer Ansicht nach gibt es in diesem Bereich noch immer viel zu forschen.

Das Konzept der Ausstellung sieht zwei thematische Blöcke vor: Neben einem chronologischen Rundgang, der einen Zeitraum von 140 Jahren abdeckt, wird es einen weiteren Raum mit Querschnittsthemen geben,  in denen verschiedene Teilaspekte im Kampf um Sichtbarkeit beleuchtet werden.

Was ist erhalten und was nicht? Was macht eigentlich Sichtbarkeiten aus? Welche Möglichkeiten gab es für die Frauen, im Kunstbetrieb und im Ausstellungswesen präsent zu sein? Ein Booklet und eine umfangreiche deutsche und englischsprachige Publikation samt Künstlerinnenbiografien runden die Werkschau ab.

Sicher werden einige Werke nach der Schau einen Platz in der Dauerausstellung bekommen. Darüber hinaus wünscht sich Ralph Gleis für die Alte Nationalgalerie aber, dass zukünftig Sammlungslücken bewusst geschlossen werden können, um den Blick auf das 19. Jahrhundert auch aus der Perspektive der Malerinnen und Bildhauerinnen weiter zu vervollständigen.

Die Restaurierung zahlreicher Werke für die Ausstellung wurde durch die grosszügige Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ermöglicht.


Kampf um Sichtbarkeit.

Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1900

Alte Nationalgalerie,

11.10.2019 bis 8.3.2020

Kuratorinnenführung / Do / 18 Uhr /

7.11., 5.12.2019 / 4 € zuzüglich Eintritt

Ausstellungsgespräch

für Kinder 6–12 Jahre /

Sa / 15 Uhr / 2.11., 7.12.2019

 

© Stiftung Preußischer Kulturbesitz

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Förderverein für den Breitenbachplatz gegründet

Am 3. September 2019 wurde vom Amtsgericht Charlottenburg der „Verein zur Unterstützung der Initiative Breitenbachplatz e.V.“ ins Berliner Vereinsregister eingetragen. Der mit der erforderlichen Zahl von Mitgliedern gegründete Verein will die Bürgerinitiative beim Fundraising und überall dort unterstützen, wo eine Rechtsform für die Arbeit zur Entwicklung des Platzes hilfreich ist. Das gilt insbesondere für die Begleitung der mit dem Beschluss des Abgeordnetenhauses angekündigten Machbarkeitsstudien zum Brückenrabriss durch fachlich kompetente Stellungnahmen und für die Durchführung von Anwohnerveranstaltungen. Nachdem sich der Kreis der Aktiven der Initiative Breitenbachplatz gegen die Umwandlung in einen e. V. ausgesprochen hatte, wurde das Modell des im Hintergrund wirkenden, schlanken Fördervereins gewählt. Mit dabei sind auch zwei Vertreter der Anwohnerinitiative Schorlemerallee sowie ein Vorstandsmitglied des Vereins Künstlerkolonie e.V.

In der Gründungsversammlung wurden (auf dem Foto von rechts nach links) gewählt: Ulrich Rosenbaum (Vorsitzender), Lutz Pietschker (stv. Vorsitzender), Angelika  Biermann (Schatzmeisterin) und Irene Liebau (Schriftführerin). Silke Hebert fungiert als Revisorin.

Satzung

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