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Der Rote Block – Szenen aus der Geschichte der Künstlerkolonie Berlin-Wilmersdorf (1927-1947)

Die noch heute existierende Künstlerkolonie Berlin ist eines der ruhigsten und geschichtsträchtigsten Straßenviertel der Deutschen Hauptstadt. Zugleich ist es dem breiten Publikum eher unbekannt. Gelegen im Bezirk Wilmersdorf, wurdedie Künstlerkolonie von 1927 bis 1930 erbaut und finanziert auf Initiative der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger und des Schutzverbands deutscher Schriftsteller. Mit der Künstlerkolonie sollte für die oft in prekärenVerhältnissen lebenden Künstlerinnen und Künstler Berlins bezahlbarerWohnraum geschaffen werden. Vom Volksmund erhielt sie deswegen auchbald den Spitznamen Hungerburg. Von den Hunderten Bewohnern der Künstlerkoloniesind noch heute viele Namen nicht bekannt. Andere jedoch sehr wohl. Die Katalonische Autorin Anna Tortajada ( Nahid, meine Afghanische Schwester , Palästina – die Symphonie der Erde ) hat sich nun des Künstlerviertels neuangenommen. Wohl recherchiert und mit politischem und sozialem Biss erzähltsie in ihrem neuen Werk Der Rote Block entlang der Lebenswege bekannterKünstlerinnen und Künstler die fiktive Geschichte eines jungen Liebespaares inBerlin. In der Begegnung von Else und Fritz, wie auch in den Leben der Bewohnerinnen und Bewohner der Künstlerkolonie, stoßen der Wunsch nach finanzieller, künstlerischer und weiblicher Unabhängigkeit immer stärker auf die sich wandelnden politischen Verhältnisse. Der dokumentarisch-szenische Romanentfaltet sich dabei vor den Augen der Leserschaft wie ein Filmdrehbuch überdas Leben und Überleben von der Weimarer Republik hinein in den Nationalsozialismus- und über sein Ende hinaus in die neue Freiheit.
 
Vorwort
 
Anmerkung der AutorinEs gibt überraschend wenige Menschen in Berlin, die diesen Teil der Geschichte ihrer Stadt kennen oder überhaupt etwas davon gehöö rt haben. Wer aber von außen kommt und die Künstlerkolonie Berlin-Wilmersdorf entdeckt, wundert sich darüber, dass kaum etwas von dieser sozialen Initiative der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger (GDBA) und des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller (SDS) in den sogenannten Goldenen Zwanziger Jahren bekannt ist. Vor allem von all diesen Künstlern und ihrem Widerstand gegen den Nationalsozialismus vor und während des Zweiten Weltkrieges.Die vielen hundert Bewohner der Künstlerkolonie waren überwiegend politisch links positioniert und gegen den wachsenden Faschismus in Deutschland und auch in Europa sehr engagiert. Daher der Name, den Rechtsradikale der Kolonie gaben: Der rote Block. Sie wurden schon vor Hitlers Machtergreifung als politische Gegner verfolgt. Danach wurden viele ausgebürgert, inhaftiert oder ermordet, wenn sie nicht rechtzeitig untertauchen oder ins Exil fliehen konnten. Eigentlich wurden die ersten Konzentrationslager Anfang der 1930er Jahre für solche politischen Gegner erbaut, bevor das NS-Regime begann, die eigenen Bürger jüdischen Glaubens als Sündenböcke zu verfolgen, zu deportieren und in großer Anzahl zu töten. Der Widerstand der Künstler, auch im Exil, ist nicht anerkannt worden. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass viele, als sie nach dem Krieg zurückkehren konnten, sich im gerade entstandenen sowjetischen Sektor niederließen oder arbeiteten.Die Quellen für diesen Roman sind überwiegend die Bewohner der Künstlerkolonie selber, die Tagebücher, Romane, Memoiren, Artikel, Autobiographien und andere Texte über ihre Zeit und Erlebnisse schrieben. Die Adressbücher von damals bestätigen, dass sie dort gewohnt haben. Viele waren allerdings nur für kurze Zeit dort gemeldet oder als Untermieter gar nicht registriert.Der rote Block ist ein Roman in Szenen über die Entstehung und das Leben in der Künstlerkolonie. Der besondere Fokus liegt auf dem politischen Engagement ihrer Bewohner sowohl im Rahmen der Weimarer Republik als auch im Kampf gegen den Faschismus in Deutschland und im Spanischen Bürgerkrieg, als Vorstufe des Zweiten Weltkrieges. Erstaunlich viele der Freiwilligen bei den Internationalen Brigaden in Spanien, die dort für die Republik gegen die Putschisten kämpften, kamen in der Tat aus der Künstlerkolonie. Nur einige der ersten Bewohner der Künstlerkolonie kommen namentlich im Text vor, aber auch manch andere, die nach dem Zweiten Weltkrieg dort eine Wohnung erhielten, ganz im Sinne der Gründer der Kolonie. Die echte Kunst stellt einen Dialog mit dem Betrachter her. Sie spricht die Gesellschaft an, hält ihr einen Spiegel vor. Kunst ist deshalb immer politisch. Es gibt dennoch in der Kunstgeschichte auch Dürreperioden, wenn Künstler sich anpassen oder nichts zu sagen haben. Das war damals nicht der Fall. In einer Zeit, in der man sich fragen konnte, wo das politische Engagement der Kunst bleibt, ist es gut zu wissen, mit welcher Überzeugung und unter Lebensgefahr ein Teil der Künstler bei uns gegen den Faschismus und für die Demokratie gekämpft haben. Die Anerkennung ihres Kampfes ist in Berlin und in Deutschland noch nachzuholen. Es gibt noch viel zu forschen, zu lernen und weiterzuerzählen über die Künstlerkolonie Berlin-Wilmersdorf und ihre Bewohner, die politisch wie künstlerisch wichtig für die Berliner Geschichte sind. Dieses Buch ist nur ein kleiner erster Versuch, diese Geschichte wieder ins allgemeine Bewusstsein zu bringen.
 
Anna Tortajada

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