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KURZBIOGRAFIE Alfred Kerr

(1867-1948)

Bamberger Str. 42
 
Schriftsteller, Theaterkritiker, Journalist

Vor 1933 galt Alfred Kerr als Berlins einflussreichster Theaterkritiker. 1933 wurden seine Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt, er selbst wurde ausgebürgert. Über Prag, Lugano, Zürich und Paris erreichten er und seine Familie London. Im Exil schrieb Kerr für neu gegründete deutschsprachige Zeitungen, arbeitete u.a auch für den von ihm mitbegründeten Freien Deutschen Kulturbund und den Deutschen [Exil] P.E.N. in London.

Während einer Vortragsreise durch Deutschland erlitt er einen Schlaganfall. Er starb in einem britischen Militärkrankenhaus in Hamburg.

Neben seinem großartigen Werk erinnern heute eine Stiftung und Preise an ihn, außerdem  Gedenktafeln an den ehemaligen Wohnorten in der Douglasstr. 10 (enthüllt 1971) und der Hohmannstr. 6 (enthüllt 1988) in Berlin-Grunewald.

Alfred Kerr, geboren als Alfred Kempner (25.12.1867 Breslau – 12.10.1948 Hamburg)
Julia Kerr, geborene Weißmann (1898–1965)
Michael Kerr (1921 Berlin – 2002 London)
Judith Kerr (14.06.1923 Berlin – 22.05.2019 London)

Seine Tochter Judith wurde in Deutschland vor allem durch ihre Jugendbücher bekannt, in denen sie die Flucht aus Deutschland und das Leben im Exil beschreibt.  Ihr wohl bekanntestes Buch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ diente der Filmemacherin Caroline Link als Vorlage für den gleichnamigen aktuellen Spielfilm, der zur Zeit in den Kinos zu sehen ist (siehe nachfolgende Filmbesprechung).

Das biografische Album zu Alfred Kerr ist Bestandteil der Ausstellungsinstallation „Wir waren Nachbarn − Biografien jüdischer Zeitzeugen“, die täglich außer freitags im Rathaus Schöneberg von 10 – 18 Uhr besucht werden kann. Der Eintritt ist frei.

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FILMBESPRECHUNG „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ – ein Film von Caroline Link

Viele Menschen kämpfen mit dem Problem, dass sie sich nur schwer entscheiden können. Wie viel schwerer fällt es diesen Menschen, in einer Notsituation die richtige Entscheidung zu treffen.

Die neunjährige Anna, Tochter des Theaterkritikers Kemper, muss im Februar 1933 die Wahl treffen, welches Kuscheltier sie mit auf eine Reise nehmen will. Den neuen Terrier, den sie erst zu Weihnachten geschenkt bekommen hat, oder das langjährige, geliebte rosa Kaninchen? Da ist noch nicht klar, dass aus der Reise ein lebenslanges Exil werden wird, denn dem Vater, der in seinen Texten immer vor den Nationalsozialisten gewarnt hat, droht nach der Reichstagswahl im März 1933 die Verhaftung. Bevor von der Familie, die jüdisch ist, die Pässe eingezogen werden, verlässt sie ihr Heimatland Deutschland. Anna nimmt den Terrier mit und bedauert diese Entscheidung schon bald.

Der Film „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ basiert auf der autobiografischen Geschichte von Judith Kerr und ihrem gleichnamigen Buch. Caroline Link, die gerade erst vor einem Jahr „Der Junge muss an die frische Luft“ präsentiert hat, hat den Stoff aufgegriffen. Dabei ist ein Film entstanden, der aus der Sicht eines anfangs neunjährigen Mädchens die Flucht einer Familie vor den Nationalsozialisten thematisiert. In teilweise betörend schönen Bildern werden die Stationen in der Schweiz, dann in Paris und schließlich auf der Fähre nach England gezeigt. Die Hauptdarstellerin Riva Krymalowski mit ihrer Selbstverständlichkeit und frischen Unbefangenheit verschmilzt mit der Rolle. Auch die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler überzeugen, wobei insbesondere die Rolle des Vaters durch Oliver Masucci deutlich männlicher angelegt ist als es der steife Alfred Kerr jemals gewesen war. Doch es handelt sich um einen Film als eigenständiges Medium und nicht um ein verfilmtes Buch oder gar ein verfilmtes Leben. Herausragend agieren Ursula Werner und Anne Bennent.
 
Der Film berichtet davon, wie willkürlich sich Leben entwickeln können und welchen Halt eine Familie bieten kann. Der Figur Anna gelingt es, schwierige Aufgaben und diverse Ortswechsel, verbunden mit immer anderen Sprachen und neuen Schulerfahrungen, zu meistern, unterstützt durch ihren Bruder und getragen von der Liebe ihrer Eltern. In dieser Hinsicht hat sie, wie auch Judith Kerr immer wieder betont hat, „Glück gehabt“. Ihr und ihrer Familie ist ein schlimmeres Leben in Deutschland erspart geblieben. Über die Gräuel, die sich im Heimatland abspielen, wird nur am Rande berichtet, – was eine Überfrachtung des Films verhindert.
 
Gerade angesichts der hohen Zahl von heute allein reisenden minderjährigen Flüchtlingen wird die Brisanz dieses Familienfilms deutlich.

Simone Ladwig-Winters

 


 

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