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Gedenken an Silja Lésny

Wer will, daß die Welt bleibt, wie sie ist, will nicht, daß sie bleibt.

                                                                                                                      Erich Fried

 

Ende Juli ist unsere liebe Freundin und Kollegin, die unvergessene
„Prinzessin Amarza“,

Silja Lésny

 

ganz still von uns gegangen.

Ihrem Publikum, das in Millionen zählte, hat sie ihren Traum von einer gerechteren Welt vermittelt, und immer war sie begeistert davon, wenn sie ihr Anliegen den Jungen und Allerjüngsten spielerisch nahebringen konnte.  Uns Freunden stand sie stets kritisch, aber liebevoll zur Seite.

Zahlreiche Spenden haben es ermöglicht, für sie eine würdige letzte Ruhestätte auf einem Friedhof mit Gräbern vieler verdienstvoller Berliner zu finden.

Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung fand am Donnerstag, dem 30. September 2010, um 12 Uhr auf dem Friedhof der Sophien-Gemeinde in Berlin-Mitte, Bergstraße Ecke Invalidenstraße, statt.

 

Für den Freundeskreis

Marlies Ludwig

Frank-Burkhard Habel



 

Wohl kaum eine andere Schauspielerin erlangte durch nur einen Kinofilm so große, auch internationale Berühmtheit wie Silja Lésny: Anfang der 1950er Jahre setzte Wolfgang Staudte für die DEFA aufwendig und opulent das Märchen “Die Geschichte vom kleinen Muck1) von Wilhelm Hauff mit Thomas Schmidt1) (1942 – 2008) als Titelheld in Szene. Nach der Ost-Berliner Premiere am 23. Dezember 1953 im Kino “Babylon” setzte “Die Geschichte vom kleinen Muck1) seinen Siegeszug in mehr als 60 Ländern fort. Bis heute gilt der legendäre Streifen als der erfolgreichste Kinderfilm bzw. als Highlight der DEFA-Produktionen. Mit der Figur der schönen und klugen Prinzessin Amarza, Tochter des Sultans (Alwin Lippisch), spielte sich auch Silja Lésny in die Herzen des Publikums – ihr Name bleibt bis heute untrennbar mit diesem Film verbunden.

Silja Lésny erblickte 11. Dezember 1923 als Gerda Lésny in Hamburg das Licht der Welt, über ihren familiären Hintergrund spann sie zu Lebzeiten einige Legenden, auch ihr Alter wusste sie stets geschickt zu verschleiern. Nach eigenen Angaben war sie javanisch-französischer Abstammung, was durch ihre exotisch anmutende Physiognomie hätte stimmen können. Der Vater sei ein javanischer Arzt gewesen, die Mutter Tänzerin bzw. Schauspielerin. Tatsache ist jedoch, dass sie als die uneheliche Tochter der Kassiererin Martha Lésny geboren wurde, ihr Großvater war Arbeiter in Hamburg, der Vater unbekannt. 1938 begann die damals 15-Jährige eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete nach ihrem Abschluss ab 1941 zunächst als Kaufmanns-Gehilfin. Daneben nahm sie Tanzunterricht und sammelte erste Bühnenerfahrungen als Choristin an der “Hamburger Staatsoper”, musste diese Tätigkeit jedoch 1946 aufgrund einer Arthrose-Erkrankung aufgeben und wandte sich nun auf Empfehlung der Ballettmeisterin Isabella Vernici (1915 –1986) der Schauspielerei zu. Vernici, dritte Ehefrau des Schauspielers und Regisseurs Volker von Collande2), vermittelte der jungen Lésny Unterricht bei ihrem Mann, weitere Stunden nahm sie unter anderem bei dem Hamburger Theaterleiter Helmuth Gmelin1)(1891 – 1959), der ihr allerdings wegen ihres asiatischen Typs vom Schauspielberuf abgeraten haben soll.


Doch Silja Lésny ließ sich nicht beirren, ab Ende der 1940er Jahre war sie an verschiedenen Bühnen in Hamburg tätig und wurde mit kleineren Aufgaben betraut. Sie spielte unter anderem in Stücken von Sartre, Giraudoux, Tennessee Williams, Hauptmann und Lorca.3) Dann zog es sie nach Berlin, stand dort noch als Gerda Lésny eine Zeit lang bei Boleslav Barlog am “Schillertheater” bzw. “Schlossparktheater” auf der Bühne.3)  


In Berlin kam sie auch mit der Filmszene in Berührung und konnte erstmals in Wolfgang Staudtes Melodram “Schicksal aus zweiter Hand4) (1949) einen winzigen Part ergattern. In Hans Deppes, ganz auf die Stars Mártha Eggerth und Jan Kiepura zugeschnittenen Operettenverfilmung “Das Land des Lächelns” (1952) gehörte sie als Kleindarstellerin ebenfalls zu Besetzung. Zudem war sie bei der DEFA für die Synchronisation tätig, lieh beispielsweise der Hauptdarstellerin Tatyana Konukhova in der sowjetischen Produktion “Mainacht” (1953, Maiskaya noch, ili utoplennitsa; Regie: Alexander Arturowitsch Rou) ihre Stimme.


Aufgrund des Volksaufstands in der DDR, der am 17. Juni 19531) von der Roten Armee blutig niedergeschlagen wurde, ging die Schauspielerin kurzfristig nach Großbritannien und war dort in einem Landschulheim tätig. In London lernte sie den Lyriker Erich Fried1) (1921 – 1988) kennen, mit dem sie bis an ihr Lebensende befreundet blieb; durch ihn kam sie auch in Kontakt mit anderen Schriftstellern, darunter dem späteren Literatur-Nobelpreisträger Elias Canetti1) (1905 –1994).
 
Zurück in Deutschland, geriet Silja Lésny, wie sie sich nun fortan nannte, mit der Rolle der Prinzessin Amarza in Staudtes DEFA-Klassiker “Die Geschichte vom kleinen Muck” dann über Nacht in aller Munde. Von der Kritik wird sie überwiegend positiv besprochen: “Ein Gesicht wird sich einprägen: das engelsreine Antlitz von Silja Lésny als gute Prinzessin Amarza.” (Märkische Volksstimme, Potsdam, 3.1.1954). Auch abwägende Stimmen mischen sich darunter: “Silja Lésny gibt als Amarza eine warme, kluge, liebenswerte Gestalt, von der man aber stellenweise auch eine differenziertere Darstellung gewünscht hätte. Einer so ausdrucksstarken und vielschichtig gespielten Szene wie der im Gemach des Magiers stehen Szenen mit Hassan gegenüber, die zu blaß und ohne die notwendige innere Spannung bleiben,.” (E. Zapff, Deutsche Filmkunst, Nr. 2, 1954). Obwohl sie bis dahin nicht glaubt, singen zu können, gelingt ihr ein Lied, das der Komponist Ernst Roters mit ihr einstudiert. “Amarzas Lied ist ganz groß herausgestellt worden, nicht nur in Ihrer Park-Szene, sondern auch in der Titel-Musik und während des Films im Palast, wenn der kl. Muck ihn zum ersten Mal betreten hatte.” (Ernst Roters an Silja Lesny, 17.11.1953).5)
 
Bedauerlicherweise konnte Silja Lésny ihren filmischen Erfolg nicht wiederholen, sie übernahm zwar neben ihrer Arbeit am Theater weitere Aufgaben vor der Kamera, musste sich jedoch mit mehr oder weniger kleinen Nebenrollen zufrieden geben. Als einen Höhepunkt betrachtet sie die Arbeit bei Gustaf Gründgens ab Mitte der 1950er Jahre am “Deutschen Schauspielhaus”, wenngleich sie auch hier nur kleine Rollen spielt. Sie beschäftigt sich intensiv mit Gründgens’ Leben und plant später ein Gründgens-Lesetheater-Programm, das sie aber nicht mehr verwirklichen kann.5)


Auf der Leinwand hatte sie 1956 eher unbedeutende Auftritte in den Streifen “Geliebte Corinna1) und “Nina” (mit Anouk Aimee und Werner Hinz), im Fernsehen spielte sie unter anderem in dem von Fritz Umgelter inszenierten Stück “Montserrat” (1957; → Die Krimihomepage), einer Geschichte, die zur Zeit der südamerikanischen Befreiungskriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts angesiedelt war. Abboniert auf exotische Rollen, zeigte sie sich mit Agnes Fink und Hanns Lothar in “Begegnung in Singapur” (1958; → Die Krimihomepage), wirkte in der “koreanischen Legende” mit dem Titel “Die schönste Blume” (1959) mit.


Doch ihre Filmkarriere war zum Erliegen gekommen, Silja Lésny verabschiedete sich für längere Zeit vom Schauspielerberuf und wandte sich  – veranlasst durch persönliche Kontakte – Forschungsreisen und der Archäologie zu. Sie assistiert dem Forscher Gustav Adolf Baron von Maydell, der 1955–1958 eine große Indien-Expedition unternimmt, und beteiligt sich an archäologischen Ausgrabungen (u.a. bei Pergamon mit Prof. Boehringer1)).5) Dann griff sie auf ihre ihre kaufmännische Ausbildung und ihre künstlerischen Erfahrungen zurück, war unter anderem bei der “Filmbewertungsstelle” in Wiesbaden als persönliche Mitarbeiterin des Intendanten Hellmuth Matiasek in Braunschweig tätig sowie am “Deutschen Theatermuseum München”. Dies alles geschah gegen den ausdrücklichen Rat von Erich Fried, der ihr am 2. November 1959 in einem Brief schrieb: “Du musst, musst, musst wieder spielen, filmen und Film- und Fernseharbeit machen. Nicht nur verdienst Du als Sekretärin allzu wenig (…), sondern Du gerätst bei Gründgens, im Fernsehen und überall in Vergessenheit oder doch in Dreiviertelvergessenheit.”6)
  
Ab den 1980er Jahren engagierte sich die inzwischen im Rentenalter angekommene Silja Lésny bei Filmforen und veranstaltete literarische Lesungen. Hier widmet sie sich besonders antifaschistischen Themen, dem Oeuvre von Erich Fried und Stefan Heym1), dem Leben von Varian Fry1). Sie stellt osteuropäische Dissidenten wie Václav Havel1) und Lew Kopelew1) vor. Auch Frauenliteratur liegt ihr am Herzen. Sie spricht u.a. Texte von Christa Kozik1) und lässt den Geliebten Bertolt Brechts Gerechtigkeit zuteil werden. In den 1990er Jahren synchronisiert Lésny gelegentlich ausländische Filme und tritt häufig als Märchenerzählerin auf.5)


In ihren letzten Lebensjahren hatte Silja Lésny mit erheblichen finanziellen Problemen zu kämpfen, da ihre Altersicherung nicht ausreichte. Wegen der hohen Lebenshaltungskosten verließ sie die bayerische Landeshauptstadt München und ließ sich mit Beginn des neuen Jahrtausends in Berlin nieder, lebte im Stadtteil Wilmersdorf. Als Zeitzeugin war sie in Diskussionen und TV-Talk-Shows eine gefragte Gesprächspartnerin und somit nie so ganz aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden. Auch in der MDR-Hommage “Abschied ist ein leises Wort” (2008), in der an verstorbene Prominente des Jahres erinnert wurde, wirkte sie mit. Als Gründungsmitglied der “Europäischen Kulturwerkstatt e.V.” (EKW) bzw. als deren Vizepräsidentin setzte sie sich bis zuletzt für die Förderung des künstlerischen Nachwuchses auf den Gebieten von Musik und Theater, seine Aus- und Weiterbildung sowie den bilateralen kulturell-künstlerischen Austausch im Rahmen der EU-Staaten ein. An kleinen Bühnen wie dem “Jüdischen Theater Bamah7) in Charlottenburg-Wilmersdorf und dem Kindertheater “Varia Vineta” in Berlin-Pankow spielte sie 2007 und 2008 letzte Rollen. Bis kurz vor ihrem Tod war sie mit ihren Leseprogrammen in Berlin, Wittenberge, Frankfurt (Oder) oder im “Friedrich-Wolf-Haus” in Lehnitz aufgetreten; aus wirtschaftlichen Gründen arbeitete sie zudem bis wenige Tage vor ihrem einsamen Ableben in einem Call-Center.

Am 5. August 2010 wurde die 86-jährige Silja Lésny von dem mit ihr befreundeten Filmpublizisten Frank-Burkhard Habel1) bzw. von Polizeibeamten tot in ihrer Berliner Wohnung aufgefunden. Das genaue Todesdatum ist ebenso unbekannt wie die Ursache, gestorben ist die einst als Prinzessin Amarza gefeierte Künstlerin vermutlich um den 24. Juli 2010, da sich im Raum eine ungelesene Zeitung mit diesem Datum befand → Nachruf in SUPERillu vom 7. September 2010. Die Trauerfeier mit anschließender Urnen-Beisetzung fand am 30. September 2010 auf dem Friedhof der “Sophienkirche” in Berlin-Mitte statt.

Quellen: Wikipedia sowie
Frank-Burkhard Habel in: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 53
Siehe auch den Nachruf von Frank-Burkhard Habel
bei “Europäische Kulturwerkstatt e.V.” (EKW)
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) filmportal.de, 7) www.berlin.de
Quellen:
3) Artikel von F.-B. Habel nach Auskünften von Silja Lésny und Dokumenten aus dem Nachlass
bei der nicht mehr existenten Website defa-sternstunden.de 
5) CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 53
6) Frank-Burkhard Habel: Dokument aus dem Nachlass
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia)
  • 1949: Schicksal aus zweiter Hand (ungenannte Nebenrolle) → www.film.at
  • 1952: Das Land des Lächelns (ungenannte Nebenrolle) → Filmlexikon
  • 1953: Die Geschichte vom kleinen Muck (DEFA-Produktion; als Prinzessin Amarza)
  • 1956: Geliebte Corinna (ungenannte Nebenrolle)
  • 1956: Nina (ungenannte Nebenrolle) → Filmlexikon
  • 1957: Montserrat (TV; als Felisa) → Die Krimihomepage
  • 1958: Madame Butterfly (TV)
  • 1958: Begegnung in Singapur (TV; als Empfangsdame des Hotels) → Die Krimihomepage
  • 1959: Die schönste Blume (TV)
  • 1996: Die sieben Wunder der DEFA (Dokumentation; als Zeitzeugin)
  • 2005: Meine Mutter (Kurzfilm)
  • 2007: Wenn Wale weinen (Kurzfilm)
  • 2008: Abschied ist ein leises Wort (TV-Dokumentation; als Zeitzeugin)

© www.steffi-line.de

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100 Jahre Groß-Berlin-Gesetz – Die Metropole, die immer weiter wachsen muss

Bild: akg-images/Gebrüder Haecke

Das Groß-Berlin-Gesetz vom 1. Oktober 1920 machte aus einer überfüllten Stadt eine Metropole mit fast vier Millionen Einwohnern. Heute sagt der Stadtentwicklungsexperte des Senats, Jens-Holger Kirchner: Es ist Zeit, dieses Gesetz fortzuschreiben.

rbb: Herr Kirchner, Ortsteile wie Buckow, Buch oder Heinersdorf gehörten bis zum 1. Oktober 1920 nicht zu Berlin. Heute ist das vielen in der Stadt vermutlich gar nicht mehr bewusst.   

Jens-Holger Kirchner: Auch Pankow oder selbst Charlottenburg wären nicht in Berlin gewesen. Damals platzte die Stadt aus allen Nähten. Die Umlandgemeinden prosperierten, die konnten vor Kraft nicht laufen. Aber sie haben sehr wohl auch einen Beitrag geleistet für die städtische Infrastruktur von Berlin. Seien es die Rieselfelder, die Wasserversorgung oder eben die Krankenhäuser. Das sind so Sachen, an die man sich schon erinnern sollte, auch für die Zukunft.  

Pankow 1902 | Bild: Pharus Verlag Berlin

 

War das damalige Berlin also abhängig von seinem Umland?

Ja. Und heute heißt es: Berlin kann nicht ohne Brandenburg, aber Brandenburg ist ohne Berlin auch nix. Und bei den mitunter komplizierten Beziehungen zwischen beiden Ländern, zwischen der großen Stadt und den Umlandgemeinden, sind schon Parallelen zu ziehen zwischen damals und heute. Gucken Sie sich mal in den Umlandgemeinden die Rathäuser an. Der Kreistag und die Kreisverwaltung im Landkreis Barnim – das ist alles vom Feinsten.

Wir Berliner mit unserer notorischen Finanzknappheit waren da immer hochgradig neidisch. Aber es ist eine Illustration dessen, was im unmittelbaren Umfeld von Berlin passiert. Das heißt ja nicht umsonst “Speckgürtel”. Wie groß auch der Nutzen ist, den die Umlandgemeinden aus der Berlinnähe ziehen: Gemeinsames Handeln aber auch gemeinsames Denken für die gesamte Region sind das Gebot der Stunde.

Sie haben alle Ebenen der Berliner Verwaltung erlebt, vom Bezirk bis zum Senat. Wie hat das Groß-Berlin-Gesetz von damals die Verwaltung bis heute geprägt?

Es hat Berlins Grenzen beeinflusst, im doppelten Sinne. Einmal natürlich die Grenze zu Brandenburg, die immer noch in allen Planungen ausgewiesen ist. Und dann die Verwaltungsgrenzen, die ja auch manchmal Denkgrenzen sind. Gerade im Verkehr war es lange so, dass etwa der “Stadtentwicklungsplan Verkehr”  – jetzt heißt er “Stadtentwicklungsplan Mobilität und Verkehr” – weitgehend ohne Brandenburg stattgefunden hat. Obwohl die vielfältigen verkehrlichen Verflechtungen zwischen Brandenburg und Berlin virulent sind, das erleben die Bürgerinnen und Bürger jeden Tag. Trotzdem weiß bis heute niemand, wie eigentlich die Aufteilung der Verkehrsmittel für die Pendlerinnen und Pendler ist: Es gibt zwar Vermutungen. Aber wer nun wirklich unterwegs ist und womit – Straßenbahn, U-Bahn, Auto – das weiß keiner.

1920 – ein Jahr der Gegensätze

Bild: akg-images/Otto Haeckel

 

Er hat’s erfunden: Der damalige Oberbürgermeister Adolf Wermuth hat das “Groß-Berlin-Gesetz” auf den Weg gebracht.

Und wie sieht es konkret mit dem Verhältnis zwischen Bezirken und Landesregierung aus?

Es gab schon damals Konflikte ohne Ende, auch markige Sprüche wie “Es schütze uns des Kaisers Hand vor Großberlin und Zweckverband” [der Zweckverband Groß-Berlin bestand von 1912-21]. Das müssen also schon heftige Auseinandersetzungen gewesen sein. Das ist allerdings schon lange her, und spielte lange keine Rolle. Nach der Wende war dann der Unterschied Ost-West wichtiger, die Mauer in den Köpfen und die unterschiedlichen Standards, etwa in den Infrastrukturen. Doch seit zehn, fünfzehn Jahren ist nun wieder die wachsende Stadt Thema. Und es ist nicht bloß die Stadt, sondern die Metropolregion. Wie gesagt: Berlin ist ohne Brandenburg nix; Brandenburg ohne Berlin auch.

Rixdorf 1902, heute NeuköllnBild: Pharus Verlag Berlin

 

So dachten wohl auch 1920 viele Menschen. Aber trotzdem: Warum gab es diese Mega-Fusion, nach der Berlin plötzlich fast vier Millionen Einwohner hatte?

Aus Praktikabilitätsgründen. Wenn ich mir überlege, wie das damals alles organisiert war: Zigtausend Straßenbahnlinien, etliche Einzelunternehmen etwa bei der Wasserversorgung oder der Müllentsorgung. Das war für eine Metropole schwer zu organisieren. Dazu kam dann sicherlich auch ein fiskalischer Aspekt: Warum sollten die Bürger, die in Berlin arbeiten und vielleicht schon damals gutes Geld verdient haben, in Brandenburg Steuern zahlen? Das ist ja auch heute noch präsent, diese ganze Nutzung der Infrastrukturen durch die jeweiligen Bewohnerinnen und Bewohner des Nachbarlandes.  

Andererseits waren Städte wie Charlottenburg oder Spandau eigenständig und selbstbewusst. Sind das die Bezirke bis heute oder gibt es sowas wie eine “Groß-Berliner-Identität”?

Nö. [lacht] Ich habe noch nie erlebt, dass sich irgendwer in einem Bezirk als Berliner fühlt. Das sind immer Kreuzberger oder Charlottenburger oder Spandauer. Spandau ganz besonders, die “freie Havel-Republik”. Da wird natürlich ein bisschen Folklore betrieben. Aber ich finde das ja nicht schlecht: selbstbewusste Bezirke, selbstbewusste Landkreise, selbstbewusste kommunale Ebene. Sie sind der Ausdruck eines positiv besetzten bürgerlichen Engagements.

Aber das Groß-Berlin-Gesetz ist doch dann in diesem Punkt gescheitert: Das eine, große Berlin gibt es nicht.

Das sehe ich anders. Vielfalt ist unsere Stärke. Da muss man einfach auch souverän sein und sagen: Nee, das Berliner Stadtmodell ist nicht die eine Mitte, wo sich alles zentral fokussiert. Wir haben ja auch ein anderes, förderalistisches Staatsverständnis. Und ich finde nicht, dass das Gesetz gescheitert ist, sondern man sollte es mal langsam weiterschreiben.

Was heißt “weiterschreiben”?

Zum Beispiel, dass es nicht mehr “Bernau bei Berlin” sondern “Bernau von Berlin” heißen sollte. Weil die Siedlungsstrukturen in den nächsten Jahrzehnten noch weiter wachsen werden und fließend ineinander übergehen. Wenn sie in Mahlsdorf unterwegs sind, wissen sie irgendwann nicht mehr, ob sie in Hönow sind oder in Hoppegarten. Oder nehmen Sie Falkensee und Spandau. Solche Beispiele gibt es viele. Da sollte man ernsthaft darüber nachdenken, ob diese Stadt nicht auch, was die Gebiete betrifft, weiter wächst. Die Fusion zwischen Berlin und Brandenburg war ja mal so eine Überlegung. Es gibt doch genügend verwaltungs- und kommunalpolitische Ansätze. Weil alle erkannt haben, dass diese Grenzen künstlich sind. Es würde viel einfacher sein, wenn man diese Grenzen auch überschreitet, was Verwaltung, Planung und vor allen Dingen die Realisierung gemeinsamer Projekte betrifft.

Die Verkehrswegeplanung zum Beispiel könnten sie wesentlich einfacher machen. Stellen Sie sich mal vor, heute wollen sie eine U-Bahn nach Brandenburg bauen. Da schlagen alle die Hände über dem Kopf zusammen. Damals, vor hundert Jahren, war das üblich. Was die Planung von Infrastruktur angeht, die ja der Siedlungsentwicklung vorausgehen muss, wäre das wesentlich einfacher.

Sie würden also ein “Update” zum Groß-Berlin-Gesetz von 1920 machen, mit weiteren Eingemeindungen?

Nicht bloß Eingemeindungen, das hört sich so nach Okkupation an. Sondern man muss für diese Region das Beste suchen, auch zum Nutzen der Gemeinden rund um Berlin. Das ist das Gebot der Stunde. Und da sind natürlich hundert Jahre Groß-Berlin nicht bloß ein guter Anlass, sondern auch ein guter Zeitpunkt.

Die Stadterweiterung 1920 sollte allerdings auch stärker zentralisieren. Wäre es einfacher, wenn Berlin nur noch aus dem Roten Rathaus regiert werden würde?

Nein, ohne Bezirke geht es nicht. Die haben ihre Aufgaben. Was ich mir wünsche – und auch deswegen ist so eine Debatte wichtig – ist, dass wir mal aus diesem Loch rauskommen, in dem sich Berlin gerne befindet: Da schimpfen die Bezirke über die Senatsverwaltung und umgekehrt. Es ist eine gemeinsame Stadt, jeder hat seine Rolle.

Wir brauchen vermutlich sogar mehr als zwölf Rathäuser, wenn die Stadt weiter wächst. Ich bin immer ein großer Freund von Anpassungen an Gegebenheiten. Diese Bezirksfusionen geschahen seinerzeit unter völlig anderen Voraussetzungen, damals hieß es, die Stadt schrumpft. Das ist heute nicht mehr so. Pankow mit über 400.000 Einwohnern ist fast schon zu groß, weil die Verwaltung gar nicht mit gewachsen ist.  

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Sebastian Schöbel.

Sendung: Inforadio, 31.12.2019

© RBB Inforadio

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Frank Hildebrandt – Buchvorstellung Gedankenspiele

Im Rahmen unseres Januar Künstler Stammtisches konnten wir
Frank Hildebrandt begrüßen der Werke aus seinem Buch Gedankenspiele vorstellte. 

Gedankenspiele nimmt den Leser mit auf eine Gedankenreise, auf der alte und immer wieder neue Fragen gestellt werden: Was ist der Mensch? Wie sollen wir leben? Was ist gut und wie erkenne ich das Gute? Wo beginnt meine Freiheit und wo ist sie zu Ende, da sie auf die der anderen trifft? Eine der zentralen Fragen dabei ist es, wie Menschen in einen Dialog miteinander treten können und was es bedeutet, sich selbst und einander Fragen zu stellen.

Das Buch nähert sich dem Kern der Dinge in einer einfachen, klaren Sprache.PortraitFrank Hildebrandt, Jg. 1949, lebt in Berlin. Neben seiner pädagogischen Arbeit schrieb er Essays und Gedichte zu allen Fragen des menschlichen Daseins. Er sieht sich auf der Suche nach seinem ‚wahren Selbst‘, wie er es gern als Autodidakt formuliert.

2015 erschien sein Essay „Zwischen Entfremdung und Selbstbestimmung – die ABGETRENNTE Realität“.

 

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Literarischer Lesesalon 2020

 

 

Die Künstlerkolonie am Breitenbachplatz- erbaut 1927-1929 als soziales Projekt für Kulturschaffende besteht aus drei Häuserblocks rund um den heutigen Ludwig-Barnay-Platz und wurde bereits kurz nach ihrer Fertigstellung zum Wohnort bedeutender Persönlichkeiten des Kulturlebens der Weimarer Republik und bildete ein ganz spezielles Bohemé in Berlin Wilmersdorf welches weltweit Strahlkraft hatte.

Ort: Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. Laubenheimer Str. 19, 14197 Berlin

 

Anmeldung: GCJZ Berlin, E-Mail: gcjz.berlin@t-online.de / Telefon: 030 – 821 66 83

 

Referenten: Alwin Schütze oder Christian Sekula, Vorstand des Künstlerkolonie Berlin e.V.

 

Eintritt frei

 

Veranstalter: Künstlerkolonie in Berlin e.V. in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.

 

-> www.kueko-berlin.de, www.gcjz-berlin.de

 


DONNERSTAG, 30. APRIL, 18.30 UHR

Dr. EUGEN OHLISCHLAEGER

 

Schriftsteller, Komponist, Jurist, Kritiker, Journalist,
Drehbuchautor, Liederdichter, Hörspielautor

 

Geboren am 4. November 1898 im Rheinland. Evangelisch. Schrieb mit sechs Jahren das erste Märchen, mit 15 das erste Lied, mit 22 Jahren das erste Chanson für Gerti Kutschera in der “Bonbonniere” von Hans Gruss in München, mit 23 die ersten Satiren für “Jugend” und Simplizieslmus sowie die ersten Gedichte für sein Auftreten bei Kati im “Simpl” und bei “Papa Bonz”, Schwabing, mit 25 die ersten Buchkritiken und Feuilletons für das “Berliner Tageblatt”, mit 28 die erste Hörfolge “Glocken” mit Walter Gronostay„ für W. Blschoff, Breslau und für diesen das erste Hörspiel “Das Wasser steigt”, für Intendant Dr. Flesch die ersten Reportagen des Berliner Rundfunks aus Moabit. Arbeitete während seiner Schulzeit als Bergmann im Kohlenpott. Nahm am Ersten Weltkrieg (Frankreich) teil, Studierte von 1919 bis 1922 Jura in Jena, München  und Würzburg. Promovierte zum Dr. Jur. anschließend Bankbeamter, Kunstseide-Vertreter, Getreidehändler, Pressechef des Hotels Russischer Hof, Berlin, Redakteur der Zeitschriften des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Redakteur der Redaktionen des Verlages Ullstein, Theater-, Film-,und Variete-Kritiker der “B.Z. am Mittag”, der “Berliner Morgenpost” und des “Tempo”. Pressephotograph seit 1918 Gerichtsreporter des RIAS und SFB 1954/56. Reiseleiter Busch-Reisen Berlin-Paris, Schriftsteller, Komponist und Pressephotograph…..

 


DIENSTAG, 12. MAI, 18.30 UHR

DINAH NELKEN

 

Drehbuchautorin und Schriftstellerin

 

Dinah Nelken, eigentl. Bernhardine Ohlenmacher-Nelken, geb. Schneider war eine deutsche Schriftstellerin und Drehbuchautorin. Dinah Nelken stammt väterlicherseits aus einer alten Berliner Handwerkerfamilie, mütterlicherseits von Hugenotten, die in Berlin sesshaft wurden. Der Vater war Schauspieler. Sie besuchte ein Lyzeum, bildete sich autodidaktisch weiter. In den 1920er Jahren hatte sie ihre ersten Erfolge mit Kurzgeschichten und Feuilletons für die Berliner Presse und Texten für das von ihr mitbegründete politisch-literarische Berliner Kabarett „Die Unmöglichen“. Ende der 1920er Jahre zog sie in die Künstlerkolonie Wilmersdorf und schrieb dort 1932 den Schlüsselroman Eineinhalb Zimmer Wohnung (1932) über eine typische Wohnung in der Künstlerkolonie. 

 


 

DIENSTAG, 11. AUGUST, 18.30 UHR

HELENE JACOBS

 

Widerstandskämpferin

 

Jacobs war im Dritten Reich Sekretärin eines jüdischen Patentanwaltes und seit 1934 Mitglied der Bekennenden Kirche. Sie schloss sich einer Gruppe um den Juristen Franz Herbert Kaufmann an, die seit 1940 half, dass jüdische Verfolgte untertauchen und das Land verlassen konnten. Jacobs versteckte aus christlich-sozialer Motivation heraus einige Menschen in ihrer Wohnung, bis sie 1943 denunziert und anschließend zu Zuchthaus verurteilt wurde. In der Bundesrepublik Deutschland arbeitete Jacobs als Beamtin im Entschädigungsamt in West-Berlin und wurde dort 1963 strafversetzt, weil sie sich zu sehr für die Antragsteller eingesetzt hatte.

Jacobs war seit der Gründung 1949 Mitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin. Sie wurde von der Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt. Sie verstarb 1993 und wurde auf dem Waldfriedhof Dahlem beigesetzt. Ihr Grab ist seit 2004 als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet.

 


 

DIENSTAG, 20. OKTOBER, 18.30 UHR

STEFFIE SPIRA

 

Schauspielerin

 

Steffie Spira war die Tochter des Schauspielerehepaars Lotte und Fritz Spira. 1924 besuchte sie eine Schauspielschule und erhielt 1925 ihr erstes Engagement. 1926 arbeitete sie bei der Gewerkschaft der Schauspieler. Ab 1928 spielte Spira bei der Berliner Volksbühne. 1931 trat sie in die KPD ein und wurde dort Mitbegründerin der Theater-Truppe 1931. Verheiratet war sie seit 1931 mit dem Regisseur Günter Ruschin. 1933 emigrierte sie in die Schweiz. In 14 Jahren Exil erfolgte Theaterarbeit in Paris und dem Kabarett „Die Laterne“ sowie Brecht-Uraufführungen. Nach der Trennung von ihrem Mann wurde sie im Gefängnis in La Roquette und dem Frauenlager Camp de Rieucros inhaftiert, von wo aus die Flucht der Familie nach Mexiko erfolgte. Dort engagierte sie sich unter anderem im Heinrich-Heine-Klub.

1947 kehrte sie auf einem sowjetischen Frachter nach Deutschland zurück und spielte ab 1948 am Deutschen Theater unter Wolfgang Langhoff, vorwiegend in der Volksbühne in vielen großen Rollen (beispielsweise auch die Mutter Wolffen in „Der Biberpelz“ von Gerhart Hauptmann) und am Theater am Schiffbauerdamm. Im ersten Ernst Thälmann-Film Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse (1954, Regie Kurt Maetzig), der das offizielle Geschichtsbild der SED noch kurz vor der Entstalinisierung widerspiegelt, spielt sie die Clara Zetkin.

Am 4. November 1989 hielt sie auf dem Berliner Alexanderplatz während der Alexanderplatz-Demonstration eine Rede vor rund einer halben Million Menschen und sprach sich gegen die Arroganz der Macht und für die Freiheit ihrer Nachkommen aus: „Ich wünsche für meine Urenkel, dass sie aufwachsen ohne Fahnenappell, ohne Staatsbürgerkunde und dass keine Blauhemden mit Fackeln an den hohen Leuten vorübergehen!“

Steffie Spira starb mit 86 Jahren. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin. Ihr Sohn Thomas Ruschin arbeitet als Synchronregisseur. Ihre Schwester Camilla Spira war ebenfalls Schauspielerin.


 

DIENSTAG, 24. NOVEMBER, 18.30 UHR

 

Zum 71. Jahrestag der GCJZ Berlin

KNUD CHRISTIAN KNUDSEN

 

Verleger, Bildhauer und Mitbegründer der Berliner Gesellschaft

für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit  

Knud Knudsen gehörte zu der Künstlerkolonie und war der Vormieter in der Geschäftsstelle der GCJZ Berlin, die ebenfalls in der Künstlerkolonie ansässig ist. 1949 wurde er der erste Mitarbeiter und Literarischer Direktordes gegründeten Deutschen Koordinierungsrats der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und Mitbegründer der Berliner GCJZ.

Knudsen ist Sohn des Theaterwissenschaftlers Hans Knudsen. Er studierte von 1935 bis 1941 an der Berliner Universität Zeitungswissenschaften und Kunstgeschichte bis zur Promotion. Parallel zum Studium machte er eine Ausbildung zum Pressezeichner, sodass er im Zweiten Weltkrieg von 1940 bis 1945 als Kriegszeichner eingesetzt wurde. Sein Christian Verlag hatte zuerst den Sitz in Berlin-Wilmersdorf und zog 1949 nach Bad Nauheim, wo Knudsen künftig hauptsächlich lebte und arbeitete. Er verlegte im Rahmen der Reeducation der westlichen Alliierten zunächst Bücher, in denen die Ansichten der Sieger zu verschiedenen Lebensbereichen dargelegt wurden, sowie Schilderungen der USA und Großbritanniens. 1949 wurde er der erste Mitarbeiter und Literarischer Direktor des gegründeten Deutschen Koordinierungsrats der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

In den Folgejahren arbeitete Knudsen als freier Bildhauer, ab 1954 auch in seinem Sommersitz auf Ibiza. Er hielt im In- und Ausland Vorlesungen. Seine Werke stehen oft im Öffentlichen Raum.

Verheiratet war Knudsen mit Doris, geb. Formella, die seinen Verlag bis 1978 weiterführte.

 

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Zentrum für Jazz und improvisierte Musik in der Alten Münze

Das Abgeordnetenhaus hatte im Mai 2018 beschlossen, die Alte Münze als Kultur- und Kreativstandort zu sichern und zu entwickeln. In einem ersten Schritt sollte in einem partizipativen Verfahren ein Konzept für die Nutzung und entsprechende Herrichtung des Gebäudekomplexes erarbeitet werden.

Mit dem Abschluss des Beteiligungsverfahrens liegt das Nutzungskonzept vor. Es wurde am 21. Oktober 2019 im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses vorgestellt. Die Ergebnisse sind hier abrufbar: https://www.berlin.de/alte-muenze/downloads/.

Im Laufe des Beteiligungsverfahrens konkretisierten sich drei Konzepte für die zukünftige Nutzung von Haus 4 mit seinem Erweiterungspotenzial, die auf bereits bestehenden Konzepten und Ideen basieren. Die Prüfung dieser Konzepte ist durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa nunmehr abgeschlossen. Aus kulturfachlicher Sicht wird die Entwicklung einer Ankerinstitution für den Jazz befürwortet, da hier besondere Bedarfe für eine strukturelle Stärkung der Szene vorliegen.

Das Konzept basiert auf den Ergebnissen eines seit 2017 unter Moderation der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und unter Teilnahme der Senatsverwaltung für Kultur und Europa konsensual geführten Dialogprozesses zwischen Szenevertreter*innen auf Bundes- und Landesebene. Es wurde gemeinsam von der Deutschen Jazzunion, der IG Jazz Berlin und dem Musiker Till Brönner entwickelt und geht zurück auf die Idee des „House of Jazz“ von Till Brönner und einem Eckpunktepapier der IG Jazz Berlin für ein Haus der Musik des 21. Jahrhunderts.

Entstehen soll nun ein Zentrum für Jazz und improvisierte Musik mit internationaler Strahlkraft, eine neuartige Institution, die fest in der bundesdeutschen Szene und der Stadt Berlin verankert ist und sich gegenüber anderen Sparten der freien Musikszenen, darunter z.B. die zeitgenössischen Musikgenres, experimentelle Popmusik oder transkulturelle Musik öffnet.

Kultursenator Klaus Lederer: „Der Jazz braucht eine Ankerinstitution, nicht nur in Berlin, sondern bundesweit. Und dass so etwas, wenn das kulturpolitische Interesse da ist, in Berlin umgesetzt wird, ist besonders sinnvoll.“

Die Jazzszene in Berlin ist divers und international hoch anerkannt, dabei aber vor allem dezentral organisiert. Sie präsentiert sich vor allem in kleinen, privatwirtschaftlich organisierten Spielstätten, die keine oder kaum öffentliche Förderung erhalten. Die Dezentralität und gleichzeitige Vernetzung der Szene soll durch die Schaffung einer neuen Institution gestärkt werde und der Kunstform Jazz in Berlin eine Verankerung geben, die seiner heutigen Bedeutung als Kunstform national wie international gerecht wird. Das Konzept wird nun mit den Beteiligten, weiteren Expertinnen und Experten sowie im Austausch mit Akteurinnen und Akteuren der freien Musikszenen weiterentwickelt.

Rückfragen: Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Telefon: daniel.bartsch@kultur.berlin.de

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1989 – Lieder unserer Heimat

DDR-Feeling in Bild & Ton.
Ein Zeichentrickfilm aus Leipzig

Aufarbeitung einmal anders. Der Leipziger Comic-Zeichner Schwarwel hat zu diesem Zweck einen Zeichentrickfilm realisiert und mit eigenen Songs betextet, um DDR-Alltagssituationen nahe zu bringen, die zur Friedlichen Revolution ’89 und zum Mauerfall führten.

 

Herausgekommen ist eine ungewöhnliche Zeitreise in Form von animierten Musikvideos. Dabei widmen sich die einzelnen Episoden vielfältigen Aspekten, sie werden sehr persönlich und in weiten Teilen autobiografisch erzählt. Dazu gehören die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands, der Kalte Krieg sowie die Themen: Kindheit und Jugend in der DDR, Musik, Jugendkultur, Sport, Doping, Schießbefehl, Haft, Stasi und Überwachung, Opposition und Widerstand und last not least Friedliche Revolution, Mauerfall und Wiedervereinigung.

Nachfolgend beschreibt der Filmemacher sein multimediales 1989-Projekt “Lieder unserer Heimat”, das sein Team 2019 im Leipziger Verlag Glücklicher Montagveröffentlicht hat. Der Verlags-Name legt auch einen Bezug zum 9. Oktober 1989 nahe – jene entscheidende Montagsdemonstration in Leipzig mit 70.000 Teilnehmenden, vor denen der SED-Staat kapitulierte. Die “Staatsorgane” verzichteten damals angesichts der couragierten Menschenmasse auf den geplanten Einsatz von Gewalt um die Friedliche Revolution zu zerschlagen. Die Demonstrationen nahmen nunmehr landesweit ihren Lauf, führten zu Rücktritten, Reformen und Reiserecht. Die Mauer löste sich auf, elf Monate später kam es zur Wiedervereinigung. Geschichte im Schnellzugtempo.

“Ein Musik-Episoden-Film”

“Dies ist ein Musik-Video-Episoden-Film, der Jugendlichen einen ganz besonderen Zugang zu DDR-Alltag und Geschichte ermöglichen soll. Möglichst nicht als staubtrockene Historienerzählung à la „Opa erzählt wieder vom Krieg“.

Daher haben wir aus der Erfahrung früherer Animationsfilme einen anderen, frischen Stil gesucht, eine ziemlich lehrreiche Vergangenheit nahe zu bringen und dabei auch eine Brücke in unser gemeinsames Heute zu schlagen. Unser Ziel ist, für all jene, die „damals im Osten“ nicht dabei waren, einen besseren, „privateren“ Zugang zu schaffen, diese rätselhafte DDR und ihren öden Diktaturalltag zu verstehen, ob in der Schule, an der Grenze oder zu Hause. Es geht jedoch auch darum, den damals Jugendlichen beim Mut-Wachsen zuzusehen um etwas gegen dieses nervende DDR-Grau zu unternehmen.

Auch die Freiheit zu trampen, konnte sehr schnell beendet sein. Für Punks gab es beispielsweise zeitweise "Berlin-Verbot".Auch die Freiheit durch die DDR zu trampen, konnte sehr schnell beendet sein. Für Punks gab es beispielsweise zeitweise “Berlin-Verbot”. (© Schwarwel)
 

Herausgekommen ist ein Trickfilm, der das Leben (nicht nur der Heranwachsenden) in einer Diktatur wie der des SED-Regimes in der DDR nachvollziehbar macht. Frustration, Enge, Bevormundung. Eben Monotonie und Grau trotz vieler Farben, die es natürlich ebenfalls gab.

Ich selbst bin in Leipzig aufgewachsen, wo es viele Nischen gab, aber trotzdem keinen ausgedehnten Freiraum. Gleich nach dem Mauerfall bin ich nach Berlin-Kreuzberg gezogen – das damals irgendwie als nahezu grenzenloser Selbstverwirklichungsort für Jugendliche galt, vor allem für diejenigen, denen Kunst, Punk und Musik viel bedeuteten.

"Sie wollen dass ich schrei' und nicht mehr singe". Schwarwel-Erinnerung an Verhör bei der DDR-Geheimpolizei Stasi.“Sie wollen dass ich schrei’ und nicht mehr singe”. Schwarwel-Erinnerung an Verhör bei der DDR-Geheimpolizei Stasi. (© Schwarwel)

 

Nicht nur träumen, sondern Träume umsetzen.

Aber wie?



Denn Jugendliche wollen nicht nur vielfarbig träumen, sondern auch Träume umsetzen können, die Welt eben nicht nur schwarzweiß sehen (und hören), sondern auch vielfarbig erleben und Frei-Räume genießen. Diese Sehnsucht zeigt dieser Film.

Er will in Bild und Songs ein von uns und anderen erlebtes Lebensgefühl anschaulich machen, wie es sich anfühlt, wenn dieser Frei-Raum zur Selbstverwirklichung fehlt oder zu eng ist. Umso mehr macht das nachvollziehbar, woraus sich der Frust 1989 nährte, der so viele hier bei uns vor 30 Jahren in Leipzig und anderswo auf die Straße führte. Weil dieser beschränkte Alltag zwar einerseits kreativ gemacht hat, aber andererseits einfach nur frustrierte, wenn man nicht gerade alltagsblinder Vollblutideologe war.



Der Musik- und Zeichentrickfilm "1989 - Lieder unserer Heimat" ist keine leichte Kost. Aber erleichternd für die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern um DDR-Alltag zu rekonstruieren.Der Musik- und Zeichentrickfilm “1989 – Lieder unserer Heimat” ist keine leichte Kost. Aber erleichternd für die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern um sich in den DDR-Alltag junger Leute einzufühlen. (© Schwarwel)
 

Kurzum: Für unser Empfinden lässt sich Geschichte am leichtesten erlebbar machen und vermitteln, indem wir uns einfühlen können in Erzähltes, Gesehenes, Gehörtes und Gelesenes. Wenn uns das gelingt, können wir Rückschlüsse ziehen auf unser eigenes Leben im Hier und Jetzt. Wir können uns damit auseinandersetzen, was Vergangenheit mit uns und unserem eigenen Leben zu tun hat und was wir daraus mitnehmen können. Genau das möchte unser Film und unsere damit verbundenen Bücher, welche Animation, Comic, Illustration und kurze vertiefende Aufsätze verbinden.

Dies ist einfach der Versuch, Geschichtsunterricht einmal anders anzubieten, auch kombiniert mit Musik. Bislang verläuft unsere Erfahrung damit sehr gut. Unser halbstündiges Video am Stück oder portionsweise einzelne Kapitel daraus zeigen wir öfters an Schulen und diskutieren dann darüber. Und wir merken: Es funktioniert als Einladung zum Dialog und Nachdenken und weckt Interesse an Geschichte. Schülerinnen und Schüler reagieren, wollen mehr wissen, fragen und setzen sich mit den Inhalten auseinander.

 Und sie vergleichen das Gesehene mit ihrem Alltag in der Gegenwart.
 

Wenn man dieses Echo erlebt, weiß man, die Arbeit hat sich gelohnt und unser Ansatz zeigt Wirkung. In diesem Sinne: Wir wünschen viel Spaß beim Anschauen und Anhören und freuen uns, wenn ein, zwei Denkanstöße hängenbleiben. Das gehört für uns bei Kunst dazu.”

Sandra Strauß und Schwarwel

© www.bpb.de

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Repräsentative Befragung zur Gesundheit und Lebensqualität von Menschen ab 60 Jahren im Bezirk im Januar 2020 – „Wie möchten Sie in Charlottenburg-Wilmersdorf älter werden?

Unter dem Motto „Wie möchten Sie in Charlottenburg-Wilmersdorf älter werden?“ führt die Abteilung Soziales und Gesundheit des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf im Januar 2020 eine Befragung von Menschen ab 60 Jahren durch. Ziel dabei ist es zu erfahren, welche Bedürfnisse, Interessen und Wünsche ältere Menschen im Hinblick auf wohnortnahe Beratungs- und Versorgungsangebote haben. Dazu zählen barrierearme Wohnanlagen, lebendige und unterstützende Nachbarschaften, Sport- und Freizeitmöglichkeiten, ehrenamtliches Engagement, Mobilität und die Situation von pflegenden Angehörigen.

Für die Befragung werden etwa jede*r zehnte Einwohner*in ab 60 Jahren, d.h. 10.000 Menschen im Bezirk, zufällig aus dem Einwohnermelderegister gezogen. Die ausgewählten Personen erhalten einen Fragebogen mit einem bereits frankierten Rückumschlag. Die Rücksendung der ausgefüllten Fragebögen erfolgt anonym, das heißt niemand kann zurückverfolgen, von welcher Person die Antworten kommen.
Nach Abschluss der Befragung werden alle Antworten gesammelt und nach wissenschaftlichem Standard ausgewertet. Sie dienen als Grundlage dafür, in den kommenden Jahren die bezirklichen Beratungs- und Versorgungsangebote so zu gestalten, dass ein aktives, selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft ermöglicht wird.

Falls Sie selbst einen Fragebogen erhalten haben, möchten wir Sie herzlich bitten, sich an der Befragung zu beteiligen. Bitte ermutigen Sie auch angeschriebene Verwandte und Freunde ihren Fragebogen zurückzusenden. Denn durch ihre Antworten erfahren wir, welche Angebote in Charlottenburg-Wilmersdorf fehlen oder nicht gut zu erreichen sind.

Welche baulichen Veränderungsmaßnahmen wären in Ihrer Wohnung notwendig, falls Sie einmal nicht mehr so mobil sind? Wie informieren Sie sich über Sport- und Freizeitmöglichkeiten? Welche unterstützenden Angebote wünschen Sie sich als pflegende Angehörige oder Angehöriger? Wie möchten Sie selbst versorgt werden, wenn Sie einmal auf Unterstützung angewiesen sind? Für welche ehrenamtlichen Tätigkeiten können Sie sich begeistern? Ihre Antworten auf diese Fragen helfen uns, konkrete Maßnahmen für einen lebenswerten und altersgerechten Bezirk zu entwickeln. Herzlichen Dank!

Ansprechpartnerin:
Falls Sie Rückfragen haben oder mehr Informationen zur Befragung benötigen, steht Ihnen die Koordinatorin der Altenhilfe und Geriatrie gerne zur Verfügung.

Name: Frau Dr. Claudia Diederichs
Telefonnummer: 030-9029-14323 (montags bis freitags zwischen 9.00 Uhr und 15.00 Uhr)
Email: claudia.diederichs@charlottenburg-wilmersdorf.de
Anschrift: Rathaus Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 100, 10585 Berlin

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Isolde und Hans Christian Cars‘ „Mauerflieger“ erzählt eine wahre Geschichte

Eine große Liebe, getrennt von der Berliner Mauer

Als Isolde und Hans Christian sich 1965 im Zug nach Budapest begegnen, sind sie sich von Anfang an sympathisch. Aus dieser Zufallsbekanntschaft entwickelt sich über die Zeit wahre Zuneigung und dann Liebe. Selbstverständlich möchten die beiden jungen Studenten ein gemeinsames Leben aufbauen, doch das scheint unmöglich. Sind sie sich in Einstellung, Persönlichkeit und Empfindung sehr nahe, so trennt sie doch leider die Berliner Mauer. Isolde stammt aus Ost-Berlin, Hans Christian aus Schweden. Durch die Augen des damals jungen Paares lassen uns die heute seit langem glücklich Verheirateten die Zeit des kalten Kriegs erleben und erfahren, was man alles zu tun bereit ist, wenn man nur einen festen Willen hat.

Isolde und Hans Christian Cars‘ “Mauerflieger” ist wirklich so passiert

Isolde und Hans Christian Cars „Mauerflieger“ erzählt eine wahre Geschichte. Ich mochte sehr an diesem Tatsachenbericht wie spannend alles war, obwohl man beim Lesen des Klappentextes eigentlich schon wusste wie es ausgeht. Doch zum einen ist die Geschichte dieser Liebe ist aufregend. Zum anderen verfügt das schreibende Paar über Wortwitz und die Fähigkeit, spannend zu erzählen. Mitunter wirkt die Story so unglaublich, dass man nur noch staunen kann.

Sie mussten für ihre Liebe Umwege und Gefahren auf sich nehmen

Unterstützt von Originaldokumenten, schildern Isolde und Hans Christian welche Umwege und Gefahren sie auf sich nehmen mussten, um jenseits des Eisernen Vorhangs heiraten zu können. Was dabei besonders prägnant zu Tage tritt, sind nicht nur die Widrigkeiten, die sich durch die strenge Kontrolle seitens der DDR-Regierung ergaben, sondern ebenso das Misstrauen, das auf der Seite der Bundesrepublik aufkam, als es Isolde über die Grenze schaffte und die deutsche Staatsbürgerschaft beantragte. Die Atmosphäre der Unsicherheit und der Feinseligkeit, die da auf beiden Seiten herrschte, wird von „Mauerflieger“ anschaulich durch die Zeit transportiert und lässt mich umso dankbarer dafür sein, dass Deutschland schon lange nicht mehr geteilt ist.

Spannend wie ein Thriller und romantisch wie eine Lovestory

Geschildert aus beiden Sichtweisen, liest sich dieser Tatsachenbericht sowohl als Thriller, als auch als Liebesroman. Die Angst der beiden, die aufkommt, als sie ihre Flucht angehen, ist genauso fesselnd beschrieben, wie die emotionalen Teile, die sehr berühren. Was ich dabei am beeindruckendsten fand, war wie sehr es der DDR-Regierung anscheinend gelungen war, die Bürger in Unwissenheit zu halten. Isolde schildert sehr glaubwürdig, wie es war, in Ost-Berlin zu leben: Sie machte sich kaum Gedanken über die Mauer – bis sie sie zu überwinden suchte. Hans Christian erzählt die Geschichte aus Sicht der westlichen Seite, die die DDR-Regierung als unmenschlich empfand. Dass alles nicht nur Schwarz und Weiß ist und war, ist wohl die wichtigste Weisheit, die uns diese gelungene Liebesgeschichte schenken kann.

Isolde und Hans Christian Cars

Mauerflieger

ISBN 978-3-426-21456-5

240 Seiten, € 18,00

Knaur

© Buchszene.de

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KURZBIOGRAFIE Alfred Kerr

(1867-1948)

Bamberger Str. 42
 
Schriftsteller, Theaterkritiker, Journalist

Vor 1933 galt Alfred Kerr als Berlins einflussreichster Theaterkritiker. 1933 wurden seine Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt, er selbst wurde ausgebürgert. Über Prag, Lugano, Zürich und Paris erreichten er und seine Familie London. Im Exil schrieb Kerr für neu gegründete deutschsprachige Zeitungen, arbeitete u.a auch für den von ihm mitbegründeten Freien Deutschen Kulturbund und den Deutschen [Exil] P.E.N. in London.

Während einer Vortragsreise durch Deutschland erlitt er einen Schlaganfall. Er starb in einem britischen Militärkrankenhaus in Hamburg.

Neben seinem großartigen Werk erinnern heute eine Stiftung und Preise an ihn, außerdem  Gedenktafeln an den ehemaligen Wohnorten in der Douglasstr. 10 (enthüllt 1971) und der Hohmannstr. 6 (enthüllt 1988) in Berlin-Grunewald.

Alfred Kerr, geboren als Alfred Kempner (25.12.1867 Breslau – 12.10.1948 Hamburg)
Julia Kerr, geborene Weißmann (1898–1965)
Michael Kerr (1921 Berlin – 2002 London)
Judith Kerr (14.06.1923 Berlin – 22.05.2019 London)

Seine Tochter Judith wurde in Deutschland vor allem durch ihre Jugendbücher bekannt, in denen sie die Flucht aus Deutschland und das Leben im Exil beschreibt.  Ihr wohl bekanntestes Buch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ diente der Filmemacherin Caroline Link als Vorlage für den gleichnamigen aktuellen Spielfilm, der zur Zeit in den Kinos zu sehen ist (siehe nachfolgende Filmbesprechung).

Das biografische Album zu Alfred Kerr ist Bestandteil der Ausstellungsinstallation „Wir waren Nachbarn − Biografien jüdischer Zeitzeugen“, die täglich außer freitags im Rathaus Schöneberg von 10 – 18 Uhr besucht werden kann. Der Eintritt ist frei.
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