image_print
Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Walter Hasenclever

Walter Hasenclever, geboren am 8. Juli 1890 in Aachen, langjähriger Bewohner der Berliner Künstlerkolonie, starb am 21. Juni 1940 in einem südfranzösischen Internierungslager. Sein lyrisches Werk sowie sein 1916 uraufgeführtes Drama ‘Der Sohn’ machten ihn zu einem Exponenten des literarischen Expressionismus.

1917 erhielt er den Kleist-Preis, von 1924 bis 1930 lebte er als Journalist in Paris. Während dieser Zeit verfasste er eine Reihe von Schauspielen ( ‘Ein besserer Herr’, ‘Ehen werden im Himmel geschlossen’, ‘Napoleon greift ein’ u.a.), durch die er zeitweilig zum meistgespielten Dramatiker des deutschen Sprachraums avancierte.

1930 arbeitete er als Drehbuchautor Greta Garbos in Hollywood. 1933 wurden seine Werke in Deutschland verboten. Als Regimegegner auch physisch gefährdet, flüchtete er ins Exil, wo er angesichts der deutschen Kriegserfolge den Freitod wählte.

 

Franz Schoenberner, mit Hasenclever in der Ziegelei interniert,

erinnert sich an den letzten Abend:

»Hasenclever schien ruhiger und gefaßter als am Vor­tage. Es überraschte mich ein wenig, daß er uns mit so ungewöhnlicher Wärme und einer Art Feierlichkeit die Hände schüttelte, ehe er zu seinem Platz zurückkehrte. ( … ) Erst als ich in der Morgendämmerung aufwachte und plötzlich hörte, es sei nicht gelungen, Hasenclever aus dem Schlaf zu wecken, verstand ich, daß sein Gutenacht ein letztes Lebewohl gewesen war. ( … ) Das letzte, was wir taten, war, uns zu versichern, daß unser sterbender Freund jedenfalls nicht in die Hände der Nazis fallen sollte. Hauptmann G. versprach uns, daß Hasenclever in ein Militärlazarett in Marseille gebracht und unter falschem Namen als französischer Soldat registriert werden würde. Wie wir später erfuhren, war diese Vorsichtsmaßnahme unnötig. Er starb am selben Abend und fand den letzten, unverletzlichen Zufluchtsort in einem Kirchhof von Marseille.«

(Franz Schoenberner, Innenansichten eines Außenseiters. S.154-156)

 

Christoph Hein über Walter Hasenclever:

Fünfzig Jahre war Hasenclever alt, als er, in einem französischen Lager interniert, Selbstmord beging. Er war einer der wichtigsten Dramatiker und Lyriker des deutschen Expressionismus, seine Stücke wurden nach dem ersten Weltkrieg von vielen Bühnen aufgeführt. Dann wechselte die Mode, die expressionistischen Stücke verschwanden von den Spielplänen und Walter Hasenclever schrieb nun sehr erfolgreiche Unterhaltungskomödien. Mit Hitlers Machtantritt war auch diese Zeit für ihn beendet, er musste emigrieren. Als die Franzosen ihm keinen Schutz mehr boten, sondern den Wünschen und dem Druck des 3. Reiches nachgaben und ihn wie viele andere deutsche Antifaschisten festsetzten, um ihn auszuliefern, floh er nochmals, emigrierte er in den Tod.

Die Walter-Hasenclever-Gesellschaft wehrt sich gegen diese Auslöschung, setzt Zeichen gegen dieses Vergessen. Das ist umso verdienstvoller und ehrenwerter, als es nicht nur ein Signal gegen die Zeitmode ist, sondern auch Widerstand gegen einen Sieg von Hitler bedeutet, ein Widerstehen gegen die Barbarei, gegen den Versuch einer Auslöschung, die das 3. Deutsche Reich an der deutschen Kultur und den Künstlern mit nachhaltigem Erfolg vornahm (aus der Dankrede anlässlich der Entgegennahme des Walter-Hasenclever-Preises der Stadt Aachen am 26.10.2008)

 

 

WDR-Zeitzeichen über Walter Hasenclever

Aus Anlass des 125. Geburtstages von Walter Hasenclever hat der WDR am 21.6.2015 ein Zeitzeichen zu Walter Hasenclever gesendet.


Please follow and like us:
error
Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Mahnmal für die politisch Verfolgten auf dem Ludwig-Barnay-Platz

Am 15. März 1988 wurde auf dem Ludwig-Barnay-Platz eine Tafel am Mahnmal für

“Die politisch Verfolg­ten der Künstlerkolonie”

enthüllt. Neben zahlreichen Bewohnern der Kolonie und Freunden des Vereins sowie der 6.Klasseder Alt-Schmar­gendorf Grundschule nahmen der Stadtrat für Volksbildung Herr Ul­zen, der Baustadtrat Herr Kähler, der Stadtrat für Wirtschaft und Finanzen Herr Reinecke, die Abgeordnete der SPD Frau Helga Korthaase und der Vorsitzende der Bühnengenossen­schaft Herr Driskol an der V eranstal­tung teil.

Bei leicht einsetzendem Schneefall verlief die Gedenkstunde in getrage­ner Stimmung. Holger Münzer, Vor­sitzender des Vereins Künstlerkolo­nie e.V., begrüßte die Anwesenden mit Tucholskys “Blumen auf den Weg gestreut”. Das Neuköllner Blechbläserensemble unter der Lei­tung von Detlef Hillbricht spielte Musik Alter Meister, der Schauspie­ler Helmut Krauss sprach Texte aus “Die Verbrannten Dichter” (Theater “tribühne” 1978). Die Veranstaltung fand zum Gedenken an den 15. März 1933 statt, als faschistische Polizei die Künstlerkolonie in Wilmersdorf “endlich aushob”, wie im “Völki­schen Beobachter” zu lesen war. Bereits seit der Machtergreifung Ende Januar 1933 war es in der Künstlerkolonie zu Hausdurchsu­chungen und Verhaftungen gekommen.

Der Überfall am 15. März 1933 sollte den antifaschistischen Wider­stand in der Kolonie endgültig bre­chen, lebten doch hier zahlreiche be­deutende linke Künstler, Schriftstel­ler, Journalisten, Theaterleute, einige jüdischer Abstammung. Ernst Busch, Axel Eggebrecht, Manes Sperber, Hedda Zinner, Walter Za­dek und viele andere.

In seiner Gedenkrede zitierte Alexander Lon­golius (SPD) den jüdischen Schriftsteller Alfred Kantorowitz, der in der Künstlerkolonie gewohnt hatte, 1933 emigrieren mußte, und der die Ereig­nisse in der Künstlerkolonie nach der Machtübernahme in seinem “Deut­schen Tagebuch” beschreibt.

 

 

Im weiteren ging Alexander Longolius in ei­ner langen Passage der Frage nach der Aktualität faschistischen Gedan­kenguts und dessen Überwindung nach. Alexander Longolius:

“Der Angriff vom 15. März 1933 auf die Künstler­kolonie war nicht nur ein Angriff auf Kunst und Künstler, die Siegesmel­dungen nicht nur die Erleichterung über die Beseitigung des “Roten Loches“. Der 15. März war auch all­gemein ein Gewaltschlag gegen den hier praktizierten Widerstand. Widerstand von etwa 1.000 Bürge­rinnen und Bürgern. Sie waren ziem­lich allein -und haben dennoch so viel Wirkung und soviel Angst er­zeugt. Was hätten 10.000 bewirkt? 100.000? ( … )”

Wir denken heute auch über die Leichtigkeit nach, mit der sich der Naziterror ausbreiten konnte, und wir fragen uns, wie immun wir heute gegen Wiederholungen sind.

Lange habe ich ein Fragezeichen hinter die Überlegungen gesetzt, ob wir die deutsche Vergangenheit ernst genug durchdacht haben. Heute bin ich sicher, daß es das falsche Satzzei­chen ist. Das Klima einer sozialen Akzeptanz von rechtsradikalem Denken war in Teilen unserer Gesell­schaft immer da, und dies waren lei­der auch einflußreiche und mächtige Teile. Wie sollte es auch anders sein, wenn doch für manche unserer Land­leute der Übergang von der Nazizeit zur Republik so überaus nahtlos war. Wir enthüllen heute eine Mahntafel.An vielen Orten wird jetzt nach der Vergangenheit gesucht, der V ergan­genheit von Personen, Institutionen, Orten und ihrer Verstrickung in die faschistische Unterdrückung von Menschen und Ideen. Die Unlust an diesen Aktivitäten ist dabei meist stärker verbreitet als das Engage­ment der häufig jugendlichen Spu­rensucher.

Die Aufarbeitung der braunen Jahre ist 1988 nicht nur Aufgabe für Histo­riker, sie ist immer noch ein Auftrag an unseren politischen Alltag, denn sie ist bisher nicht gelungen.

Das heißt zunächst, Kenntnisse zu ermöglichen. Wenn Abiturienten nicht sagen können, wann der 2. Weltkrieg war, werden sie wohl auch das Jahr 1933 nicht richtig einordnen können. Wenn Lehrer keine Zeit haben, ausführlich über den Nazio­nalsozialismus zu reden, Ausstellun­gen zu besuchen oder auf aktuelle neonazistische Vorfälle an ihrer Schule einzugehen, wird man die Schüler verstehen müssen, die allzu spielerisch mit den traurigen Fakten dieser Zeit umgehen.

Das heißt weiter, die Ursachen für einen neuen Nazismus zu verhin­dern. Die Arbeitslosigkeit von Ju­gendlichen ist mehr als ein Problem des Arbeitsmarktes. Die Verweige­rung einer Lebensperspektive, diese Absage unserer Gesellschaft an jun­ge Bürger ist auch die Einladung an sie, politischen Verführern nachzu­laufen.

Und das heißt drittens, daß die Hoffä­higkeit von antidemokratischen und rechtsextremen Gedanken und Ver­haltensweisen in unserer Gesellschaft endlich verschwinden muß. Der Skandal des Majdanek-Prozes­ses, die Einstellung der V erfahren gegen die beamteten Mörder am Volksgerichtshof, Pensionszahlun­gen an aktive Förderer der N azidikta­tur – das sind Zeichen für ein Klima, in dem Nazis leben konnten. Warum dann nicht auch Neonazis?( … ) Vieles aber können wir tun: Wissen vermitteln, Betroffenheit dauerhaft erzeugen, Demokratie vorleben, To­leranz einüben und die Freiräume schaffen, die Menschen zur V erwirk­lichung ihrer Würde brauchen, auf die sie einen Anspruch haben.

Für Kunst und Künstler gilt dies in besonderem Maße. Freiraum. Beide Wortteile begrunden die Möglichkeit für Kunst zu wirken, überhaupt tätig zu sein. Der Vorbildcharakter der Künstlerkolonie ist auch heute unge­brochen. ( … )

Vieles wäre in der Geschichte unse­res Volkes anders verlaufen, wenn das Beispiel der Künstlerkolonie Nachahmer gefunden hätte. Vieles wäre anders gekommen, wenn die politische Aufmerksamkeit ihrer Bewohner mehr Echo bei Zuhörern, Zuschauern und Lesern gehabt hätte. Und vieles wäre anders geworden selbst nach der Befreiung 1945, wenn die Generation vor uns, 1948 hier diese Tafel enthüllt hätte. ( … ) Unsere Lektion heißt, Versäumtes nachzuholen, in Freiräumen, in Ni­schen unserer Gesellschaft nicht gleich Subversives zu sehen, die na­turnotwendige Rebellion der Kunst anzuerkennen und zu wünschen und so der dummen Engstirnigkeit jegli­cher Intoleranz entgegenzutreten.” (A. Longolius) Der Verein Künstlerkolonie Berlin e.V. plant, den 15.März als Gedenk­tag jährlich zu begehen, um die Erin­nerung an die politisch verfolgten Künstler der Kolonie wachzuhalten und an die Freiheit von Kunst und Kultur überhaupt zu mahnen.

© Künstlerkolonie Berlin e.V.

Dieser Artikel erschien erstmals 1988 anläßlich der Enthüllung der Gedenktafel


Please follow and like us:
error
Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Arthur Koestler

Es war finster in der Mitte unseres Jahrhunderts in Europa. “Humpelnd” und abgerissen “wie ein Landstreicher” war Arthur Koestler an die Peripherie Europas gejagt worden:

“Und dann sah ich sie, wenige Meter entfernt . . . die Männer in schwarzem Leder mit schwarzen Brillen, und die brennende rote, in der Hitze schlaff herunterhängende Fahne mit der schwarzen Spinne im weißen Kreis …. jetzt da ich krank, zerlumpt und schmutzig in der Tür lehnte und dem Einzug der Sieger zusah, begriff ich plötzlich, daß ein Mann töten kann, um seine eigene schmerzliche Nackheit zu bedecken.” (“Als Zeuge der Zeit”, Fischer 1986, S. 433 f.)

Im Kampf gegen die Faschisten, durch Stalin vom Kommunismus desillusioniert, so endet eine erste Station im Leben von Koestler. Er flieht nach Eng­land und wird von dort aus seine steile Karriere als Publizist fortsetzen, die so verheißungsvoll in Berlin vor der Machtergreifung der Nazis begann.

“Den Roten Stein der Weisen, gib zu! Den gibts doch nicht. Genosse,
auch du du hast ihn nicht gefunden.”

(Wolf Biermann)

Koestler ist 1905 in Budapest geboren. 1922 immatriku­liert er sich an der Wiener Technischen Hochschule, und ein Jahr später wird er Mitglied einer zionistischen Bur­schenschaft. Des Studiums überdrüßig, entschließt er sich, nach Palästina in einen Kibbuz zu gehen. Er verläßt, oder besser entflieht dem Studium der Ingenieur Wissen­schaft und trifft an einem Aprilabend 1926 in Hefziba ein. “Mein Kindheitstraum war Wahrheit geworden; ich war davongelaufen und hatte mir einen Spaten gekauft.” Das “davonlaufen” wird ihn sein Leben lang begleiten. Nach knapp einem Jahr härtester Arbeit gelingt es ihm, durch glückliche Umstände sich seine ersten Sporen als Journalist zu verdienei;i. Der Ullstein-Verlag, einer der größten Pressehäuser Deutschlands, war auf den jungen Mann aufmerksam geworden und engagierte ihn nach Berlin. 

Zweimal soll Berlin im Leben von Koestler eine bedeu­tende Rolle spielen, wenn auch unter völlig verschiede­nen Vorzeichen. Der erste Aufenthalt bekehrt ihn zum Marxismus, der zweite (1950) sieht ihn als Kämpfer gegen Stalinismus und Gewaltherrschaft. Das eine ist ohne das andere nicht zu verstehen.

Koestler macht im Ullstein Haus in kürzester Zeit Karrie­re. Es kann nicht ausbleiben, daß er als aufmerksamer Chronist auch selber Stellung bezieht. Das Jahr 1931 läßt ihm politisch kaum eine Wahl:

“Nach der Septemberwahl des Jahres 1930 hatte ich miterlebt, wie der liberale Mit­telstand seine Überzeugungen verriet und alle seine Grundsätze über Bord warf. Aktiver Widerstand gegen die braune Flut schien somit nur möglich, indem man sich entweder den Sozialdemokraten oder den Kommunisten anschloß. Ein Vergleich der Vergangenheit dieser beiden, ihrer Energie und Entschlossenheit, schloß die ersteren aus und begünstigte die letzteren.” (Fischer ’86, S. 113)

Seine Mitgliedschaft in der KPD wird im Verlag bekannt, und seine Entlassung war die Konsequenz.

“Nach dem Verlust meiner Stellung war ich frei von allen bürgerli­chen Fesseln … Ich gab meine Wohnung in dem teuren Bezirk Neu-Westend auf und zog in eine Wohnung am Bonner-Platz (gemeint ist die Bonner Straße, A. d. V.); das Haus wurde der ‘Rote Block’ genannt, da die Mieter, meistens mittellose Schriftsteller und Künstler, für ihre radikalen politischen Ansichten bekannt waren. Dort trat ich der kommunistischen Straßenzelle bei und durfte endlich das richtige Leben eines regulären Parteimitglieds führen …. Unsere Zelle hatte ungefähr zwanzig Mitglieder …. Wir hatten mehrere Literaten unter uns, zum Beispiel Alfred Kantorowicz und Max Schroeder, den Psychologen Wilhelm Reich … einige Schauspieler des Avantgardtheaters ‘Die Mausefalle’ …. ” (Fischer ’86, S.146)

Koestler geht in dieser Gemeinschaft völlig auf, und die Beschäftigung mit dem Marixmus berauscht ihn förm­lich:

“Ich stürtzte mich in die Aktivi­täten der Zelle mit derselben Begei­sterung und völligen Selbstaufgabe, die ich mit siebzehn Jahren beim Eintritt in der Wiener Burschen­schaft an den Tag gelegt hatte. Ich lebte in der Zelle, mit der Zelle, für die Zelle. Ich war nicht mehr allein; ich hatte das herzliche Kamerad­schaftsleben gefunden, nach dem ich mich gesehnt hatte; mein Wunsch, ir­gendwie dazuzugehören, war in Erfüllung gegangen.” (Fischer ’86, S. 149)

Hier wird deutlich, wie sehr ihn die stalinistische Wirklichkeit, die er dann auf seiner Reise 1932 durch die Sowiet-Union kennenlernen wird, treffen mußte, oder das politische Ränkespiel der Komintern innerhalb des spanischen Bürgerkiegs, wo er in mehrmo­natiger Einzelhaft von den Faschisten inhaftiert war; auch die ernüchternden Erfahrungen im Kampf gegen Hitler ­Deutschland in Paris, vor dem Einmarsch der Deutschen. 1937 tritt er aus der KPD aus.

Seinen Genossen schreibt er:

“Es gibt keine Unfehlbarkeit einer Person, einer Bewegung oder einer Partei. Toleranz dem Feind gegen­über ist ebenso selbstmörderisch wie Intoleranz dem Freund gegenüber, der das gleiche Ziel auf einem abwei­chenden Weg verfolgt.” Und ein Thomas Mann Zitat ergänzt seinen “Abschied”: “Auf lange Sicht ist eine schädliche Wahrheit besser als eine nützliche Lüge.”

Trotz dieser Erfahrungen weißt Koestler später darauf hin, wie wichtig die marxistische Schulung für sein Denken war, wie sie seine “kritischen Fähigkeiten” schärfte. Sie “lieferte einem eine Methode, mit der sich soziale Erscheinungen präziser und ‘konkreter’ anpacken ließen als mit den Mitteln der bürgerlichen Soziologie; … diente als eine Art Kompaß, der bei jedem Problem in jeder Lebensspähre wenn auch nicht die Lösung, so doch die Richtung andeutete, in der sie zu suchen war. Marx und Engels sind aus der Geschichte des menschlichen Wissen ebenso wegzudenken wie Darwin. Doch haben in den letzten hundert Jahren sowohl die Soziologie als auch die Genetik so viel Neues zutage gefördert, daß ein ‘orthodoxer Marxist‘ heute ebenso anachronistisch wirkt wie ein Biologe, der sich als ‘orthodoxer Darwinist’ bezeichnen wollte.” (Fischer ’86, S. 117)

Auf diesem Hintergrund muß man den kompromißlosen Kampf, den Koestler gemeinsam mit seinen Feunden, u.a. B. Russel und George Orwell, gegen den Stalinismus führte, sehen. Seine Roman “Sonnenfinsternis” und vor allem die politische Aufsatzsammlung “Vom Yogi zum Kommisar” sind Beleg für seine persönliche Erfahrungen und Auseinandersetzungen mit dem Stalinismus. Gerade dies gilt es neu zu entdecken!

© Gerd Frölich, Künstlerkolonie Berlin e.V.


Please follow and like us:
error
Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Les Milles: Vom Internierungslager zur Gedenkstätte

Auf den Spuren Lion Feuchtwangers in Südfrankreich

Text und Fotos: Rainer Heubeck

Der weltweit geschätzte Schriftsteller Lion Feuchtwanger war 55 Jahre alt, als er das zweite Mal in das Gefangenenlager Les Milles bei Aix en Provence eingeliefert wurde. Am 21. Mai 1940 um 5:02 Uhr betrat er das Lager – und erhielt dort die Nummer 187 zugeteilt. Lion Feuchtwanger verstand die Welt nicht so recht – angeblich sollte in dem Konzentrationslager eine „Siebung“ durchgeführt werden, um festzustellen, wer mit Nazideutschland sympathisiert und wer nicht. Doch dass Feuchtwanger als oppositioneller Schriftsteller aus Gegnerschaft zu den Nazis nach Frankreich emigriert war, das wussten eigentlich auch die französischen Behörden. „Die Internierung so vieler Leute, die sich einwandfrei als erbitterte Gegner der Nazis erwiesen hatten, war eine dumme, ärgerliche Komödie“, schrieb Feuchtwanger später.

Südfrankreich - Les Milles
© Rainer Heubeck

 

All das ist lange her – und doch hat es bis zum Jahr 2012 gedauert, bis das Camp des Milles, eine ehemalige Ziegelei, die von 1939 bis 1942 zuerst zum Gefangenen- und später zum Deportationslager wurde, offiziell zur Gedenkstätte erklärt und ausgebaut wurde. Kurz nach der Eröffnung, im Jahr 2013, waren Aktivitäten in der Gedenkstätte ein wichtiger Bestandteil des Programms der europäischen Kulturhauptstadt bzw. Kulturregion Marseille-Provence.

 

Südfrankreich - Les Milles - Deportationswaggon
© Rainer Heubeck

 

Mit Kultur sowie mit Unkultur hat die Geschichte des Lagers in der Tat zu tun – zahlreiche Künstler und Intellektuelle, darunter Schriftsteller, Maler, Juristen und Medizinnobelpreisträger, waren dort zeitweise gefangen. „Wir waren, die politischen Flüchtlinge aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei, die in Südostfrankreich wohnten, während des Krieges von den französischen Behörden eingesperrt worden in der großen verlassenen Ziegelei von Les Milles bei Aix in der Provence. Wir waren unser über tausend, einmal waren wir beinahe dreitausend, die Ziffer wechselte, ein großer Teil von uns waren Juden“, schrieb Lion Feuchtwanger, nachdem ihm später die Flucht in die USA gelungen war. „Ziegelstaub füllte unsere Lungen, entzündete unsere Augen“, berichtet Feuchtwanger in seinem in den USA verfassten Buch „Der Teufel in Frankreich.“ Professoren, Anwälte und Ärzte, so schildert er, seien in dem Lager interniert gewesen und hatten dort Ziegelstapel angelegt, die sie am nächsten Tag wieder abtragen mussten. „Die Arbeit war nicht eben schwer. Das Ärgerliche, Empörende daran war ihre vollkommene Sinnlosigkeit“, berichtete Feuchtwanger.

 

Südfrankreich - Les Milles - Feuchtwanger „Der Teufel in Frankreich.“

 

Der in München geborene Schriftsteller war nicht der einzige Intellektuelle aus Deutschland, der beengt im Strohlager in der staubigen Ziegelei seine Nächte verbringen musste. Auch der Maler Max Ernst, Oswald Hafenrichter und Max Bellmer, die Schriftsteller Walter Hasenclever, der sich im Lager schließlich das Leben nahm, Alfred Kantorowicz, Friedrich Wolf, Franz Hessel und Golo Mann, der als Kriegsfreiwilliger nach Frankreich gegangen war, um gegen die Deutschen zu kämpfen, und viele andere wurden in das Lager eingesperrt.

Die Ziegelei, so berichtet Odile Boyer, die Geschäftsführerin der Les Milles-Gedenkstätte, sei in den 30er Jahren stillgelegt worden, weil sie nach der Wirtschaftskrise von 1929 in Schwierigkeiten geraten war. Les Milles, so Boyer, ist das einzige noch erhaltene und zugängliche französische Internierungs- und Deportierungslager aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die im September 2012 eröffnete Gedenk-, Kultur- und Bildungsstätte, die sich als Erinnerungsstätte gegen das Vergessen versteht, soll insbesondere jungen Leuten vermitteln, wie es zu einem Genozid kommen kann – aus diesem Grund befasst sich die Ausstellung nicht nur mit historischen, sondern auch mit aktuellen Beispielen.

 

Südfrankreich - Les Milles - Ausstellung
© Rainer Heubeck

 

Die Geschichte des Lagers gliedert sich in drei Epochen – von September 1939 bis Juni 1940 waren in dem Camp, das unter französischer Militärhoheit stand, vor allem Deutsche interniert, die in die unbesetzten Gebiete Frankreich emigriert waren, darunter zahlreiche Intellektuelle und Künstler. Von Juni 1940 bis Juni 1942 in der Zeit des Vichy-Regimes wurde das Lager von der französischen Polizei geführt, diese internierte hier vor allem Regimegegner und Ausreisewillige. Darunter auch der Ungar Laszlo Radvanyi, der Mann der deutschen Schriftstellerin Anna Seghers. Er verbrachte das Jahr 1940 im Lager Vernet Ariege am Rande der Pyrenäen. Anschließend wurde er nach Les Milles verlegt, wo er mehrere Monate interniert war.

 

Südfrankreich - Les Milles
© Rainer Heubeck

 

Von August 1942 bis zum 10. September, noch bevor die Deutschen auch diesen Bereich Frankreich besetzt hatten, begann das traurigste Kapitel des Lagers. In dieser Zeit wurden in Les Milles vor allem Juden interniert, die kurz darauf über Drancy bei Paris in die NS-Vernichtungslager deportiert worden sind. Unter ihnen auch zahlreiche jüdische Frauen und Kinder aus Marseille. Siebzig Jahre, nachdem der letzte Deportationszug in Les Milles abgefahren war, wurde endlich die Gedenkstätte eröffnet. „Wir haben 29 Jahre daran gearbeitet, die ehemalige Ziegelei in eine Gedenkstätte umzuwandeln.1983, als wir anfingen, kämpften wir vor allem mit ideologischen Vorbehalten, in den letzten zehn Jahren waren es vor allem praktische und finanzielle Schwierigkeiten, denen wir uns stellen mussten“, berichtet der Soziologe Alain Chouraqui, der das Gedenkstättenprojekt mit initiiert hat. Insgesamt 10.000 Menschen, so Odile Boyer, waren zwischen 1939 bis 1942 in der ehemaligen Ziegelfabrik interniert, rund 2000 Juden wurden von ihr aus in den fast sicheren Tod geschickt.

 

Südfrankreich - Les Milles
© Rainer Heubeck

 

In der Gedenkstätte Les Milles finden sich zahlreiche Informationstafeln, auch die früheren Schlafräume der Internierten können besichtigt werden. Den Gefangenen gelang es in der Zeit von 1939 bis 1940, als das Lager noch kein Deportationslager war, im Lager eine Art kulturelles Leben aufrecht zu erhalten, sie spielten Theater, malten Fresken und Karikaturen. An den Wänden verschiedener Räume sind noch Überreste davon erhalten. Eine Reihe von Bildern wurde von den Häftlingen sogar im Auftrag der Lagerverwaltung erstellt – diese wollte sich ihren Wachraum mit karikaturähnlichen Wandmalereien ausschmücken lassen.

In dieser Lagerphase war Les Milles zwar ein Internierungslager, in dem die sanitären Verhältnisse zum Teil unzumutbar war. Es war jedoch kein Lager, in dem Menschen gequält und geschunden wurden. Feuchtwanger schrieb später, er habe in Les Milles nie etwas erlebt, „das man als Grausamkeit oder auch nur als schlechte Behandlung hätte bezeichnen können. Niemals wurde geschlagen oder gestoßen oder auch nur geschimpft.“ Feuchtwanger beklagte hingegen eine Mischung aus Schematismus und Schlamperei, aus Gedankenlosigkeit und Herzensträgheit, aus Konvention und Routine.

Südfrankreich - Les Milles - Wachraum mit karikaturähnlichen Wandmalereien
© Rainer Heubeck

 

Wer verstehen will, wie der Alltag im Lager damals war, der findet diesen in Feuchtwangers Buch „Der Teufel in Frankreich“ ausführlich dargestellt. Feuchtwanger schreibt von Nächten, in denen an Schlaf kaum zu denken war, vom „Gegrunze, Gestöhne, Gegähne und Gerülpse“ am Morgen, vom Wettlauf um den Platz an der Latrine und am Wassertrog – und von bis zu 100 Menschen, die in der Schlange standen, um die Toiletten benutzen zu können. „Es gab kein Wasser, man konnte sich vor dem Kot nicht retten und nicht von den dicken Schwärmen von Fliegen“, erinnerte sich Feuchtwanger.

 

Südfrankreich - Les Milles - Gedenkstätte
© Rainer Heubeck

 

Wer die Region Marseille-Provence besucht, für den bietet es sich an, auch die Gedenkstätte „Les Milles“ zu besuchen. Sie ist ein Mahnmal dafür, dass Kultur und Zivilisation keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern stets brüchig und bedroht sind. Dies zeigt die Ausstellung in der Gedenkstätte eindrucksvoll am Beispiel der Genozide an den Armeniern, den Juden, den Sinti und Roma und an den Tutsis in Ruanda. Les Milles soll künftig auch regelmäßig zum Veranstaltungsort werden. „Die kulturelle Auseinandersetzung mit dem Thema ist für uns ein zusätzlicher Ansatz, neben dem rationalen und dem wissenschaftlichen“, erläutert der Soziologe Alain Chouraqui. Wichtig ist ihm dabei, die Gedenkstätte nicht als Kulisse für beliebige Events zu nutzen, sondern Veranstaltungen anzubieten, die helfen, die Mechanismen, die zu Gewalt und Genozid führen, besser zu verstehen.

 

Reiseinformationen zu Les Milles

Kontakt

Site-Mémorial du Camp des Milles, 40, chemin de la Badesse, CS 50642 13547 Aix-en-Provence Cedex 4, Tel. +33 442391711, Fax +33 442243468, www.campdesmilles.org

Literaturtipp

Gausmann, Angelika: Deutschsprachige Bildende Künstler im Internierungs- und Deportationslager Les Milles von 1939 bis 1942. Verlag: Möllmann, Ch, ISBN: 978-3-931156-17-6, 33,00 Euro

Weitere Infos

Tourismusbüro Bouches-du-Rhône : www.visitprovence.com

Französische Zentrale für Tourismus: http://de.rendezvousenfrance.com/

 

Reisemagazin schwarzaufweiss


Please follow and like us:
error
Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Damals war’s……Sanary-Sur-Mer

Sanary wurde im Jahr 1035 als San Nazari gegründet. Der ursprüngliche, provenzalische Name wurde 1890 in Sanary-sur-Mer geändert.

Im 12. Jahrhundert gab es an dem heutigen Hafen einen Konvent der Abtei Saint-Victor in Marseille, der dem Heiligen Saint Nazaire gewidmet war. Ende des 13. Jahrhunderts wurde der unter dem heutigen Namen bekannte „Tour Romane“, der als Wehrturm diente, gebaut. 1436 errichtete König René I. eine kleine Garnison, auf dessen Turm es, als Zeichen des königlichen Privilegs, ein Taubenhaus gab. Heute ist der Turm in eine Gruppe von Gebäuden, dem „Hotel de la Tour“, integriert, das während der Herrschaft der Nationalsozialisten deutsche Emigranten beherbergte. Seit 1990 befindet sich in den Gebäuden das Museum Frédéric Dumas.

 

 

Schon 1907 hatte der Dichter André Salmon die Provence und die Küste zwischen Marseille und Toulon entdeckt und sich in Sanary niedergelassen. Dazu gesellte sich der mit dem Ehepaar Salmon befreundete Maler Moise Kisling. Der Maler Rudolf Levy verbrachte die Sommermonate in Sanary-sur-Mer. Er schätzte vor allem die Schlichtheit der Bewohner und die herrliche Landschaft. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten sich viele Maler und Schriftsteller aus ganz Europa hier und in der Nähe angesiedelt, unter ihnen Aldous Huxley und Julius Meier-Graefe mit seiner Partnerin Anne-Marie Epstein, die die ersten deutschen Emigranten empfingen.

 
 
1987 gestiftete Gedenktafel für die deutschen und österreichischen Flüchtlinge

 

In den Jahren nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland hielten sich in der kleinen Stadt am Mittelmeer viele deutsche Emigranten auf. Die Stadt gilt seither als wichtiges Exilzentrum. Zu den berühmtesten Exilanten zählten

Bertolt Brecht, Ferdinand Bruckner, Franz Theodor Csokor, Albert Drach, Lion und Marta Feuchtwanger, Bruno Frank, Walter Hasenclever, Franz und Helen Hessel, Alfred Kantorowicz, Hermann Kesten, Egon Erwin Kisch, Arthur Koestler, Annette Kolb, die Brüder Golo und Klaus Mann, ihre Eltern Katja und Thomas Mann und dessen Bruder Heinrich Mann, Ludwig Marcuse, Erwin Piscator, Anton Räderscheidt, Joseph Roth, Franz Werfel und Alma Mahler-Werfel, Friedrich Wolf, Arnold Zweig und Stefan Zweig.

Während des Zweiten Weltkrieges war Sanary auch Aufenthaltsort von Jacques-Yves Cousteau, neben Émile Gagnan Miterfinder des modernen Atemreglers. Er besaß dort ein «Villa Baobab» genanntes Haus, wo er seine Erfindung vor dem Zugriff der deutschen Besatzer schützen konnte. 1943 wurden die ersten Tauchversuche gemeinsam mit Philippe Tailliez in Bandol durchgeführt. Später bildeten diese beiden Tauchpioniere zusammen mit Frédéric Dumas, der seit seiner Kindheit in Sanary wohnte, ein bekanntes Trio mit dem Spitznamen Les Trois Mousquemers. Dumas erfand viele Tauchgerätschaften (Unterwasserharpune, Tauchmaske, Tarierweste etc.)

Weiterführende Literatur

 

  • Manfred Flügge: Wider Willen im Paradies. Deutsche Schriftsteller im Exil in Sanary-sur-Mer (= Aufbau-Taschenbücher 8024). Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-7466-8024-7.
  • Manfred Flügge: Das flüchtige Paradies: Künstler an der Côte d’Azur. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2008, ISBN 3-7466-8160-X
  • Gerd Koch (Hrsg.): Literarisches Leben, Exil und Nationalsozialismus. Berlin – Antwerpen – Sanary-sur-Mer – Lippoldsberg (= Wissen & Praxis. Bd. 64). Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-86099-264-3.
  • Martin Mauthner: German Writers in French Exile. 1933–1940. Vallentine Mitchell, London u. a. 2007, ISBN 978-0-85303-540-4.
  • Magali Laure Nieradka: Die Hauptstadt der deutschen Literatur“. Sanary-sur-Mer als Ort des Exils deutschsprachiger Schriftsteller (= Formen der Erinnerung. Bd. 44). V & R Unipress, Göttingen 2010, ISBN 978-3-89971-792-1(Zugleich: Dissertation (Universität Heidelberg) 2009).
  • Pierre-Paul Sagave: Sanary, Hauptstadt der deutschen Literatur im Exil (1933-1940). Bericht eines Zeitzeugen, in: Markus Behmer (Hrsg.): Deutsche Publizistik im Exil 1933 bis 1945 : Personen, Positionen, Perspektiven ; Festschrift für Ursula E. Koch. Münster : Lit, 2000, S. 58–71
  • Ville de Sanary sur Mer (Hrsg.): Sur les pas des Allemands et des Autrichiens en exil à Sanary, 1933–1945. Ville de Sanary-sur-Mer, Sanary 2004, ISBN 2-9506150-2-3 (Dreisprachig: französisch – deutsch – englisch. Gute Zusammenfassung und Kurzporträts vieler auch weniger bekannter Exilanten in der Region).
  • Ulrike Voswinckel, Frank Berninger: Exil am Mittelmeer. Deutsche Schriftsteller in Südfrankreich von 1933–1941. Allitera–Verlag, München 2005, ISBN 3-86520-113-X.
  • Heinke Wunderlich, Stefanie Menke: Sanary-sur-Mer. Deutsche Literatur im Exil (= Heinrich-Heine-Institut. Archiv, Bibliothek, Museum. Bd. 5). Unter Mitarbeit von Gisela Klemt, Thomas Lambertz und Heidemarie Vahl. Metzler, Stuttgart u. a. 1996, ISBN 3-476-01440-1.
 

© Wikipedia


Please follow and like us:
error
Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

24 denkmalgeschützte Litfaßsäulen in Berlin

Das Landesdenkmalamt Berlin hat die in Berlin bisher vorhandenen 2.548 Litfaßsäulen auf ihren Denkmalwert überprüft: „24 dieser Säulen genießen Denkmalschutz und bleiben als Zeugnisse der Berliner Stadtgeschichte an Ort und Stelle erhalten“, teilt Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut mit. Hintergrund für die aufwändige Recherchearbeit war die Neuordnung des Werbemarktes in Berlin.

Die denkmalwerten Litfaßsäulen stehen in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf (6), Kreuzberg-Friedrichshain (5), Mitte (4), Pankow (3), Reinickendorf (3), Steglitz-Zehlendorf (2) und Treptow-Köpenick (1). Sie sind Teil von Denkmalbereichen, etwa Siedlungen und Wohnprojekten wie an der Karl-Marx-Allee oder der Reichsbanksiedlung Schmargendorf, oder Gartendenkmalen wie dem Mexikoplatz.

Findet man vom Anfang des Jahrhunderts noch vereinzelte Blechsäulen, wurden die Säulen schon vor dem 2. Weltkrieg aus Beton hergestellt. Manchmal handelt es sich um ehemalige Transformatorensäulen, die umgestaltet und auch versetzt wurden. Das Herstellungsdatum lässt sich meist nur annähernd schätzen, da es keine Bauunterlagen dazu gibt. Die älteste der denkmalgeschützten Litfaßsäulen ist vermutlich die am Hackeschen Markt (Blechsäule, um 1900). Die jüngste datiert von 1987 und gehört als historisierender Nachbau zur Ausstattung des zeitgleichen Nikolaiviertels in Berlin-Mitte.

 


Please follow and like us:
error
Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Ateliers ausgeschrieben

Das Atelierbüro des Kulturwerks des bbk berlin GmbH hat mit Datum vom 11.07.2019 insgesamt 6 Ateliers aus dem Arbeitsraumprogramm (Atelieranmietprogramm) ausgeschrieben.

Das Angebot richtet sich an alle in Berlin lebenden professionellen Bildenden Künstlerinnen und Künstler.

Die Besichtigungstermine der Ateliers finden am 24. Juli 2019 statt.

Bewerbungsschluss ist der 06. August 2019.

Die nächste Ausschreibung erscheint voraussichtlich am 10. September 2019. Die dazu gehörenden Besichtigungen werden voraussichtlich am 17. und 18. September 2019 stattfinden.

Alle Details der Ausschreibung können den Webseiten des Kulturwerks des bbk berlin GmbH http://www.bbk-kulturwerk.de oder bei der Senatsverwaltung für Kultur und Europa http://www.kultur.berlin.de: entnommen werden.

 

Geförderte Atelierangebote – Update 11. Juli 2019

Die nächste Ausschreibung erscheint voraussichtlich am 10. September 2019

 

sechs Ateliers

Für nähere Informationen (u.a. Grundrisse, Daten, Termine) bitte nachstehende Links nutzen!

Wilhelminenhofstr. 83-85 in 12459 Berlin (Oberschöneweide) – ein Atelier
Deadline: 06.08.2019
Im dritten OG eines denkmalgeschützen Industriegebäudes befinden sich insg. 22 Ateliers. In einem Teilabschnitt der Etage liegen 6 Ateliers, die…

Schönstedtstraße 13  in 12043 Berlin (Neukölln) – ein Atelier
Deadline: 06.08.2019
Das Atelierhaus liegt zentral zwischen Karl-Marx-Straße und Sonnenallee, U Rathaus Neukölln. Vom Erdgeschoss bis zum 4.OG befinden sich…

Langhansstr. 7, Atelierhaus in 13086 Berlin (Weißensee), ein Atelier
Deadline: 06.08.2019
Im Komponistenviertel, ganz in der Nähe vom Antonplatz, befinden sich in der Langhansstraße acht Künstlerateliers. Das Atelierhaus liegt in…

Hans-Schmidt-Straße 4, Atelierhaus in 12489 Berlin (Adlershof) – drei Ateliers
Deadline: 06.08.2019
Das seit 1994 bestehende  Atelierhaus (Haus 6) mit 59 Ateliers ist fussläufig vom S-Bhf. Adlershof gut erreichbar. Die Ateliers sind im EG, 1.…

 

aktuelle Atelierausschreibung (PDF)


Please follow and like us:
error
Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Neues vom Breitenbachplatz 07 2019

Liebe Bezieher des Newsletters Breitenbachplatz,

 
es gibt über ein paar Neuigkeiten zu berichten. Eine gute Nachricht: In zwei seit Monaten leeren Ladengeschäften ist neues Leben eingezogen:
 
– In der ehemaligen Weinstube Breitenbachplatz 12 neben dem Santa-Café eröffnet an diesem Wochenende das österreichische Heurigen-Lokal „Nussbaumerin“. Es handelt sich um einen Ableger des Restaurants „Nussbaumerin“ in der Leibnizstraße, das zuletzt vom Guide Michelin mit dem „Bip Gourmand“, der Vorstufe für einen Stern ausgezeichnet wurde. Es soll neben österreichischem Wein „Schmankerln“ vom Tafelspitz bis zum Kaiserschmarr`n geben.
 
– Direkt daneben hat die Berliner Sparkasse ein SB-Center eingerichtet. Damit steht jetzt erstmals wieder ein Geldautomat rund um die Uhr zur Verfügung, denn der Postbank-Automat an der Kreuznacher Straße ist nur während der Öffnungszeiten des Postbank-Centers zugänglich.
 
Und wie geht es weiter mit dem Breitenbachplatz? Nachdem das Abgeordnetenhaus, wie berichtet, direkt vor der Sommerpause den Abriss der Brücke und die Verbesserung der Aufenthaltsqualität inklusive Tempo 30 beschlossen und die Bürgerbeteiligung bei der Machbarkeitsstudie festgeschrieben hat, bereiten wir uns als Bürgerinitiative darauf vor, die Anwohnerinteressen einzubringen. Mehr demnächst. Erfreulich ist jedenfalls, dass die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf direkt vor den Sommerferien zwei unserer seit Jahren vorgetragenen Forderungen übernommen hat, nämlich
 
– die Reduzierung des Autoverkehrs um den Platz auf eine Fahrspur, damit – analog zum Südwestkorso und der Englerallee – die rechte Spur den Radfahrern vorbehalten sein kann. Gefordert wird vom Land auch die Rückverlegung der Bushaltestelle Schorlemerallee auf Höhe des südlichen U-Bahn-Ausgangs. Link: ogy.de/bxlk
 
– die EInrichtung eines Zebrastreifens zur sicheren Überquerung auf Höhe des Medizinischen Versorgungszentrums Orthopädie am südlichen U-Bahn-Ausgangs. Link: ogy.de/zq3p
 
Zur Erinnerung: Jeden Mittwoch ab 17 Uhr spielen wir Boule auf dem Platz. Einfach kommen! Wenn sich Gruppen zu anderen Zeiten zusammenfinden wollen, können auch sie gegen 20 Euro Pfand im Santa-Café einen Satz Kugeln ausleihen.
 
Wie berichtet, haben wir uns mit fünf anderen Bürgerinitiativen zum „Netzwerk Menschengerechte Stadt“ www.menschengerechte-stadt.de zusammengeschlossen. Das Netzwerk wird in nächster Zeit die Überdimensionierung der Bundesallee zum Thema machen. Am 8. August ab 17 Uhr findet zum Auftakt eine „lange Tafel“ auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz in Friedenau statt.
 
Für Kurzentschlossene noch ein Kulturtipp: Am 14. Juli um 16 Uhr erinnert die Künstlerkolonie am Breitenbachplatz mit einem Konzert an die Künstler, die 1927  bis zur Verfolgung durch die Nazis ab 1933 hier lebten. Details: www.kueko-berlin.de
 
Noch viele schöne Sommertage wünscht
 
Initiative Brreitenbachplatz
Ulrich Rosenbaum


Please follow and like us:
error
Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Projekt “Mapping the Lives” In diesen Berliner Häusern wohnten die Opfer der Nazis

Roderick Miller wollte wissen, ob in seinem Haus in Neukölln Verfolgte des Nazi-Terrors wohnten. Die Recherche ließ ihn nicht mehr los. Mit dem Projekt “Mapping the Lives” hat Miller fast allen Opfern der Nazis im Dritten Reich einen digitalen Stolperstein gelegt.

 

“Der Junge hat im selben Haus gewohnt. Er ist jeden Tag durch denselben Flur gegangen, hat denselben Boden und dieselbe Haustür gesehen. Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl”. Roderick Miller steht vor seinem Haus in der Hobrechtstraße in Berlin. In der Hand hält er ein Foto von dem Jungen, der im dritten Reich im selben Haus gewohnt hat, wie Miller jetzt.

Gert Kahan, 1925 geboren, verfolgt, weil er Jude war. Als er 15 Jahre alt war, wurde sein Vater in Dachau ermordet. Seine Mutter wurde über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Gert schaffte es, 1941 mit 16 Jahren nach Palästina zu fliehen. Später emigrierte er nach Kanada.

Ein Foto von Gert Kahan, der von den Nazis verfolgt wurde und 1942 nach Palästina und dann Kanada floh. (Quelle: rbb)
Gert Kahan war 16 als er vor den Nazis fliehen musste. Seine Eltern wurden im KZ umgebracht. | Bild: rbb

Miller hat diese Informationen aus Gedenkbüchern und Daten aus dem Bundesarchiv zusammengetragen. Nicht nur für sein Haus, sondern für fast jedes in Berlin und ganz Deutschland. Auf der digitalen Stadtkarte “Mapping the Lives” [mappingthelives.org] hat er die jüdischen Schicksale mit schwarzen Punkten markiert. So kann jeder recherchieren, wer in seinem Haus oder der Nachbarschaft gewohnt hat.

“Als ich 2004 nach Berlin kam, habe ich die Stolpersteine bemerkt und ich wollte auch wissen, wer in meinem Haus gewohnt hat”, sagt Miller. Die Suche war nicht leicht. Miller konnte nicht einfach nach der Adresse suchen, sondern musste das Berliner Gedenkbuch mit zehntausenden Namen durchgehen. So entstand die Idee für das Projekt Mapping the Lives, die digitalen Stolpersteine. 

Portrait-Aufnahme von Roderick Miller, der das Projekt "Mapping the Lives" leitet. (Quelle: rbb)
Roderick Miller hat das Projekt “Mapping the Lives” gegründet. | Bild: rbb

“Wir wohnen in denselben Häusern, das schafft eine Verbindung”

“Ich wollte, dass es leicht möglich ist, zu sehen, wer in welcher Straße gewohnt hat”, sagt Miller. Viele wüssten nicht über das Ausmaß der Verfolgung Bescheid. “Aus fast jedem zweiten Haus wurde jemand vertrieben”, sagt Miller. “Ich finde es wichtig, dass die Menschen, die heute hier wohnen, das verstehen. Wir wohnen in den gleichen Häusern wie damals, das schafft eine Verbindung, das vergisst man nicht.”

Hinter jedem schwarzen Punkt stecken Lebensgeschichten

Auf dem Ausschnitt einer Stadtkarte sind die von den Nazis im dritten Reich verfolgten Opfer eingetragen. (Quelle: rbb)
Hinter den schwarzen Punkten sind Biografien und Fotos hinterlegt. | Bild: rbb

Daten basieren auf Volkszählung von 1939

Auf der Karte, die es auch als App geben soll, sind nicht nur Verfolgte jüdischen Glaubens vermerkt. Miller und seine Kollegen des gemeinnützugen Vereins “Tracing the Past” wollen alle bekannten Opfer des NS-Regimes, die aufgrund ihrer Nationalität, Religion, politischer Überzeugung, sexueller Orientierung, sozialer Ausrichtung, körperlicher oder geistiger Behinderung oder als Widerstandskämpfer verfolgt wurden, dokumentieren. So wollen sie die zwischen 1933 und 1945 existierenden Wohngegenden in ganz Europa nachbilden. Die Arbeit am Projekt wird durch Spenden finanziert.

Die Daten für Deutschland basieren auf der durch Hitler angeordneten Volkszählung von 1939, ergänzt durch Informationen aus dem Bundesarchiv. “Fast alle Akten sind von Nazi-Behörden erstellt worden”, sagt Miller, damit müsse man vorsichtig umgehen. Auf Todesurkunden aus Konzentrationslagern stünde beispielsweise “Herzschwäche”, obwohl die Opfer ermordet wurden. Die Ergebnisse aus der Volkszählung seien allerdings fast die einzige Möglichkeit um die Adressen zu recherchieren.

Sendung: Abendschau, 12.07.2019, 19:30 Uhr

© RBB


Please follow and like us:
error