Zum 80. Jahrestag des Kriegsausbruchs 1939 zeigt die Doku mithilfe von privatem und unveröffentlichtem Filmmaterial einen persönlichen Blick auf das Leben in NS-Diktatur und Krieg.
Auf Dachböden, in Kellern und Archiven, in Sammlungen von Familien und Einzelpersonen schlummert ein nahezu vergessener Schatz: Es sind die privat gedrehten Filme unserer Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern – eine Quelle von einmaligem Wert.
Dem Autor Jörg Müllner ist es gelungen, bei umfangreichen Recherchen bemerkenswerte Funde zutage zu fördern, etwa aus der Stadt Lahr im Schwarzwald. Dort beauftragte einst die Stadtverwaltung ortsansässige Filmer und Fotografen, den Alltag in Lahr vom Tag der Machtübernahme Hitlers bis zum Kriegsende zu dokumentieren. Die Filmaufnahmen – viele davon in Farbe – zeigen, wie das Städtchen immer mehr vom Nationalsozialismus vereinnahmt wird: Zu sehen sind Paraden und Aufmärsche mit Volksfest-Charakter, aber auch der Juden-Boykott und die zunehmende Bedrohung für die jüdischen Bürger in Lahr. Wie in einem Mikrokosmos zeigen die Bilder aus Lahr das Leben in der NS-Diktatur: Was dort im Kleinen geschah, ist auch im Großen geschehen.rivatfilme aus anderen Regionen Deutschlands zeigen die letzten friedlichen Tage vor Kriegsbeginn, etwa Aufnahmen des jungen Ehepaares Höse aus Leipzig von der Hochzeitsreise Ende August 1939 entlang der Oder. Während die jungen Leute ihre Flussfahrt in einem Faltboot genießen und in damals noch unzerstörten Städten wie Breslau und Stettin haltmachen, laufen die Kriegsvorbereitungen des NS-Regimes bereits auf Hochtouren.
Aber auch Kriegsszenen wurden von Amateurfilmern festgehalten. Erschütternde Aufnahmen zeigen zerstörte Städte wie Düsseldorf oder Mainz nach Bombenangriffen und das Überleben der Menschen in den Trümmern. Ein anderer Hobbyfilmer dreht seinen Einsatz beim Reichsarbeitsdienst, richtet seine Kamera aber auch auf die Ruinen von Warschau, als er 1940 einen Lkw in das von Deutschen besetzte Polen bringen muss. Die Aufnahmen zeigen die Zerstörungen nach den erbitterten Kämpfen, es gab 40 000 Tote. Als der Filmer beim Angriff auf die Sowjetunion als Funkaufklärer der 20. Panzer-Division im Einsatz ist, hat er wieder seine Kamera dabei. Seine Farbfilmaufnahmen führen Etappen des erbarmungslosen Vormarschs der deutschen Wehrmacht vor Augen, mit brennenden Dörfern und der leidenden Zivilbevölkerung.
Für die Dokumentation „Wir im Krieg“ wurden die teils über 80 Jahre alten Aufnahmen eigens noch einmal neu in 2K-Auflösung abgetastet und aufwendig bearbeitet.
Am 22.1.1945 starb in Jerusalem die deutsch-jüdische Dichterin Else Lasker-Schüler. Sie gehört zu den bedeutendsten Vertretern der avantgardistischen Literatur. In ihrer tiefen Religiosität lehnte sie jeden Dogmatismus ab und übernahm neben dem mystischen Judentum auch Elemente christlicher und muslimischer Traditionen auf. Sie wohnte in diesem Haus. Im 1. Stock befindet sich das Büro der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft.
In der Weimarer Republik setzte sie sich ein für die Abschaffung der diskriminierenden § 175 (Bestrafung von Homosexualität) und § 218 (Abort). Sie war stets für eine Aussöhnung zwischen Arabern und Juden, etwa bei einem Volksfest in der Altstadt von Jerusalem mit Karussells und Waffeln.
Sie ist jung, sie ist cool, sie ist Trend! Und das, obwohl sie vor einer gefühlten Ewigkeit gelebt hat (1869 in Wuppertal- Elberfeld geboren – 1945 gestorben in Jerusalem)!
Sie ließ sich nichts von ihren Eltern, spießigen Kaufleuten, oder den Männern sagen. Neben ihrer Ehe hatte sie Affären mit vielen Künstlern und Schriftstellern: Sie spielte mit den Männern. Das ist wahre Emanzipation, oder? Sie lebte lange Zeit in Berlin und zog dort durch die Kneipen und Szene-Cafés.
Von einem rassigen Südländer, von dem sie nicht einmal den Namen verriet, bekam sie einen Sohn, nicht vom langweiligen Ehemann. Diese Frau machte Skandale über Skandale! Ihre Liebesgedichte sind geil, andere Gedichte sind ein bisschen schwer zu verstehen, manchmal ergeben sie gar keinen richtigen Sinn. Aber das zählt auch nicht. Wenn du bei deinen Freunden echten Eindruck schinden willst, denke dir eine tiefere Bedeutung aus und sage immer: »Das ist so wahr, so wahr!«
In London und Paris laufen die echten Kenner mit T-Shirts ’rum mit der Aufschrift: »Ich habe zu Hause ein blaues Klavier / und kenne doch keine Note / Es steht im Dunkel der Kellertür / seitdem die Welt verrohte …«
Aber Else Lasker- Schüler hat nicht nur „Mein blaues Klavier“ gedichtet, sie hat auch gemalt. Ihre Bilder sind kunterbunt, die Figuren sind aus dem Orient oder anderen östlichen Gebieten. Das kommt daher, dass sie die Gegend da total geliebt hat und sich auch manchmal der Prinz Jussuf von Theben (Indianer, Abigail, Blauer Jaguar, Robinson, Tino von Bagdad u. v. mehr) nannte. Manchmal sind ihre Gedichte auch sehr traurig, deshalb nicht vor einer Party oder der Disco lesen, sonst nervst du da nur! Aber bei Liebeskummer wäre das doch supigut, da kann man ein bisschen Selbstmitleid haben. Die arme Else musste 1933 aus Deutschland ins Schweizer Exil fliehen, weil man ihre Verwandten nicht mochte. Sie ist dann 1945 gestorben, könnte echt deine Uroma sein … und war doch Madonna und Lady Gaga meilenweit voraus.
Ina Meenen (Leistungskurs Deutsch, Christianeum, Hamburg)
Else Lasker-Schüler – Dichterin der deutschen Moderne
Flüchtling. Versöhnerin
Geboren am 11. Februar 1869 in Elberfeld an der Wupper, gestorben am 22. Januar 1945 in Jerusalem
Von Hajo Jahn
„Der Fels ist morsch/ dem ich entspringe / und meine Gotteslieder singe.“ So beginnt das wahrscheinlich erste expressionistische deutsche Gedicht. Geschrieben von Else Lasker-Schüler. Titel: „Mein Volk“. Sie gilt als erste Dichterin der Moderne in Deutschland. Junge Fans von heute gefällt sie als allererste Performerin, lange vor Madonna und Lady Gaga.
Genial und einfach zugleich fasste sie nach dem Ersten Weltkrieg im Gedicht „Weltende“ das Elend der Zeit in den zwei Eingangszeilen zusammen, gültig nicht nur nach den Verbrechen des Holocaust, sondern für alle Diktaturen:
„Es ist ein Weinen in der Welt
als ob der liebe Gott gestorben wär“.
Wegen solcher Versformen lieben Komponisten in vielen Ländern die Weltbürgerin Else Lasker-Schüler. Sie erreicht dabei die Klasse von Heine und Rilke: Mehr als 350 Komponisten haben ihre Lyrik vertont, darunter Paul Hindemith. Wolfgang Schmidtke, Wuppertaler wie die Dichterin, hat 14 ihrer Poeme für die WDR-Bigband in Töne umgesetzt, „weil sie so unglaublich vielschichtig sind“. Warum, das schildert er im Else Lasker-Schüler-Almanach 2006 „Wo soll ich hin?“: „Da gibt es immer wieder Gefühle und Bilder, die Innerstes spiegeln und verträumt sind – und im nächsten Moment von der Außenwelt durchbrochen werden und ins Schmerzhafe umschlagen.“
Laien unter den Bewunderern von Else Lasker-Schüler schätzen ebenso wie Fachleute vom Range des Jazzmusikers Schmidtke ihre Lyrik, weil sich ihre Gedichte nicht oberflächlich genießen lassen. In ihnen kann sich der Rezipient nicht nur sonnen. Diese Texte enthalten dunkle Momente, Schmerz und Trauer, die zu einer zwischenmenschlichen Beziehung gehören wie der unterschwellige Erzählton von Else Lasker-Schüler. Sie konfrontiert in ihren Gedichten die Außenwelt mit der Seelenwelt
„Und da die Wahrheit ich berichte wenn ich dichte, lasst allen Zweifel außer Acht!“ Das ist zwar Prosa von Else Lasker-Schüler – aus ihrem letzten, dem dritten Theaterstück „IchundIch“ – , aber jeder Satz schwingt. Vielleicht ist es dieser Blues, der Übersetzer von Spanien über Russland bis China so fasziniert, um Texte der deutsch-jüdischen Dichterin in ihre Sprachen zu übertragen wie jetzt der Grieche Georgios Kartakis oder die (türkische) Tscherkessin Safiye Can.
Erster Antikriegsroman
Allzu gerne wird Else Lasker-Schüler weggeordnet in die apolitische egozentrische Phantasiewelt schrullig-romantischer Poeten, die sich dem Leben übergangslos in die Dichtung entziehen. Doch schrieb sie mit dem „Malik“ (1919) den Antikriegs- und Kaiserroman schlechthin und mit ihrem späten Drama „IchundIch“ (1941) eine Antifaschismus-Tragikomödie, welche Faust vor die Gretchenfrage der Deutschen Kultur angesichts des Grauens stellt. „IchundIch“ ist kühn, Chaplins und Lubitschs Faschismus-Satire ebenbürtig, Brechts und Becketts Theaterästhetik wegbegleitend und wegbereitend.
1932 erhielt sie die höchste deutsche Literaturauszeichnung, den Kleistpreis. Wenige Jahre zuvor hatte eine Zeitung dazu aufgerufen, an Kleists 150. Geburtstag sollte ein Ruf an die Nation erfolgen, „die allerärmste, die allerreichste Dichterin deutscher Sprache in ihrer Not nicht versinken zu lassen“ – das wäre 1961 gewesen und „die allerreichste Dichterin“ Lasker-Schüler 92 Jahre alt. Was als Lob gedacht war, dürfte sie als Hohn empfunden haben. Doch auch so kommt die Ehrung ziemlich spät. Mit bereits 63 Jahren ist Else Lasker-Schüler die älteste Preisträgerin in der Geschichte des Kleist-Preises. Immerhin: Sie hat sich gegen hochkarätige Kandidaten wie Hans Fallada, Rudolf Leonhard und Ernst Wiechert durchgesetzt. Gottfried Benn, ihr vielleicht geliebtester Geliebter, telegrafiert ihr am 11. November 1932: „Ein Glückwunsch der deutschen Dichtung.“
Flucht
Am 19. April 1933 muss sie flüchten. Hals über Kopf mit dem Zug aus Berlin. In die Schweiz.
Als größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte, wurde sie von Benn lange nach ihrem Tod gefeiert. Dieser Satz, schreibt ihr Biograf Jakob Hessing, klebt an seiner einstigen Geliebten wie eine Klette. Man hebt sie damit in den Dichterhimmel und schiebt sie zugleich weit von sich. Benn wusste genau, was in Zeiten des Kalten Kriegs gefragt war. Aus der Jüdin, die nicht in die deutsche Kultur passt, macht er die größte deutsche Lyrikerin – die so auch nicht zu den Juden passt. Denn die verstehen ihre exhibitionistische Art überhaupt nicht. Und dass sie für eine Versöhnung der Araber und der Juden eintrat, als die jüdischen Einwanderer noch glaubten, sie kämen in ein Land ohne Volk, macht sie für viele Israelis suspekt. Sie selbst sagt über sich:
„Bin entzückt von meiner bunten Persönlichkeit, von meiner Urschrecklichkeit, von meiner Gefährlichkeit, über meine goldene Stirn, meine goldenen Lider, die mein blaues Dichten überwachen. Mein Mund ist rot, wie die Dickichtbeere, in meiner Wange schmückt sich der Himmel zum blauen Tanz, aber meine Nase weht nach Osten, eine Kriegsfahne, und mein Kinn ist ein Speer, ein vergifteter Speer. So singe ich mein hohes Lied…ich schwöre es…bei dem Propheten Darwin, ich bin meine einzige unsterbliche Liebe.“
Als Dramatikerin wurde sie von Friedrich Dürrenmatt geschätzt, weil sie die Schönheit der deutschen Sprache in barbarischer (NS-)Zeit bewahrt habe. Und dennoch ist sie in ihrer deutschen Heimat nur einer kleinen Gemeinde von Kennern wirklich bekannt. Zumal Else Lasker-Schüler eine Dichterin ist, die konsequent die Trennung von Poesie und Leben verweigert hat.
Das ewige Leben dem, der viel von Liebe weiß zu sagen. / Ein Mensch der Liebe kann nur auferstehen!/ Haß schachtelt ein!, / wie hoch die Fackel auch mag schlagen.“ Dieses „Herbst“-Gedicht ist nicht nur hochaktuell seit dem verbrecherischen Anschlag vom 11. September 2001 in New York und dem immer stärker werdenden Hass auf fremde Kulturen und Menschen, die unter Todesgefahren nach Europa, nach Deutschland kommen. Sondern dieses Zitat zeigt auch die gesamte Lebenseinstellung der Dichterin. Schriftsteller wie sie waren nicht selten auch die einzigen, welche die Wahrheit kannten, zur Sprache brachten und ihr Worte verliehen. Wahrheit und Freiheit sind zumeist Synonyme. Speziell im Expressionismus. Else Lasker-Schüler war die Dichterin des Expressionismus – und doch war sie weit mehr.
Krieg. Zerfall – heute, damals
Ähnlich dem Expressionismus in der bildenden Kunst befasste sich der Expressionismus in der Literatur mit den Themen Krieg, Großstadt, Zerfall, Angst, Ich-Verlust, aber auch mit Wahnsinn, Liebe, Rausch Natur und Weltuntergang. Else Lasker-Schüler dennoch lediglich auf den Expressionismus zu focussieren, hieße sie einengen. Im Expressionismus wird die bürgerliche Ästhetik durch eine ‚Ästhetik des Hässlichen‘ zurückgewiesen; – wie keine andere literarische Bewegung zuvor machen die Expressionisten das Hässliche, Kranke, Wahnsinnige zum Gegenstand ihrer Darstellungen. Das jedoch trifft bei ELS nur in Maßen zu. Andererseits hat sie den Expressionismus stärker geprägt als allgemein bekannt ist. Die junge Generation der Autoren drückte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem durch Lyrik und in Lyrik aus (Lasker-Schüler, van Hoddis, Benn). Deutlich wird die Abwendung von formalen Vorgaben. Die Idee des Konstruktivismus wird in der Negierung der vorgegebenen Strukturen vorweggenommen.
Obwohl auch diese Epoche – wie jede andere – fließende Übergänge besitzt und ihre Eingrenzung natürlich stark definitionsabhängig ist, hat sich in der Literaturwissenschaft das Schlagwort des ‚Expressionistischen Jahrzehnts‘ für die Blütezeit des Expressionismus zwischen 1910 und 1920 eingebürgert, geprägt von den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs. Während jedoch viele Autoren zunächst noch den Krieg verherrlicht hatten als eine erneuernde Kraft, die die bürgerliche Gesellschaft hinwegfegt, ändert sich das Kriegsbild bald durch die Schreckenseindrücke vieler Dichter, die selbst das Ausmaß der Vernichtung und des Elends als Soldaten an der Front erleben müssen. Bei Else Lasker-Schüler, die den Krieg nie gefeiert hatte, war der Tod ihres Freundes Franz Marc prägend. Marc hat sie verführt – zum Malen. Weil er ihr Talent erkannt hatte. Ihre Zeichnungen sind allerdings auch nicht ausgesprochen expressionistisch.
Ähnliches lässt sich von den Architekten und anderen Künstlern des Bauhauses sagen. Sie waren Avantgardisten. Wie Else Lasker-Schüler. In Weimar hat man das erkannt. Die erste Dichterlesung, die dort am 14. April 1920 stattfand, war die von Else Lasker-Schüler. „Eigene Dichtungen. Hebräische Balladen und andere Gedichte. Der Scheik. Abigail I. von Theben“ stand auf dem doppelseitigen Flugblatt, gezeichnet von Friedel Dicker-Brandeis, die später unter tragischen Umständen weltberühmt werden sollte: Sie war die Lehrerin jener Kinder in Theresienstadt, die nach ihrer Ermordung überlebt haben durch ihre Zeichnungen – angeregt von Friedel Dicker-Brandeis, die auch die ersten Else Lasker-Schüler-Lyrikvertonungen des Komponisten Viktor Ullmann gesungen hat. Die Partituren sind möglicherweise von den Nazis vernichtet worden. Ullmann und Dicker-Brandeis wurden ermordet – aufgehende Sterne am Kunsthimmel. Und der reichte weit über die Grenzen einer Kunstrichtung hinaus.
„Du! wir wollen uns tief küssen…/ Es pocht eine Sehnsucht an die Welt, /An der wir sterben müssen“, heißt es in dem Gedicht „Weltende“, das Herwarth Walden, wie zahlreiche andere Gedichte seiner Frau, vertont und später im ersten Jahrgang des „Sturm“ publiziert hat. Darunter „Ein alter Tibetteppich“. Für Karl Kraus eine „neunzeilige Kostbarkeit“. Der österreichische Schriftsteller hätte „den ganzen Heine“ für dieses Gedicht hergegeben. Welch ein Kompliment für die Dichterin.
In ihrem letzten, ungewöhnlicherweise auf Deutsch im englischen Mandatsgebiet Palästina herausgegebenen Buch „Mein blaues Klavier“, schreibt sie die Widmung: „Meinen unvergesslichen Freunden und Freundinnen in den Städten Deutschlands und denen, die wie ich vertrieben und nun zerstreut in der Welt – in Treue!“
Schon zum siebten Mal singen Perlen der Berliner Chorszene in lauschigen Neuköllner Hinterhöfen.
Zu den bewährten Höfen in der Karl-Marx-Straße sind zwei neue Veranstaltungsorte hinzugekommen, die auch noch gut zu Fuß erreicht werden können. Es erklingen wieder alte und neue Schlager, Gewerkschaftslieder, Tango und Bolero, Jazz und Pop, aber auch klassische Chormusik von Renaissance bis Moderne. Eine wunderbare Mischung also, die Überraschungen bereithält. Die HausbewohnerInnen und GastgeberInnen der Höfe sorgen für das leibliche Wohl.
Die Senatsverwaltung für Kultur und Europa gewährt im Jahr 2020 – vorbehaltlich verfügbarer Mittel – Zuwendungen zur Förderung von Kunst-, Medien-, und Kulturschaffenden, die ihre bisherigen Aufenthaltsländer aufgrund der dortigen politischen Situation verlassen haben oder verlassen müssen.
Berliner Kulturakteur/innen können sich um die Durchführung von maximal einjährigen Fellowships bewerben, um Kunst-, Medien- oder Kulturschaffende der Zielgruppe, beim Einstieg in die professionelle Ausübung ihrer künstlerischen Tätigkeit in Berlin zu unterstützen.
Mit dem Förderprogramm „Beratung, Unterstützung und Vernetzung für transnationale Kunst-, Medien- und Kulturschaffende“ werden Projekte gefördert, die der beruflichen Integration dieser Zielgruppe in Berlin dienen.
Die Victor-Gollancz-Volkshochschule Steglitz-Zehlendorf bereitet sich auf die Lange Nacht der Volkshochschulen am 20. September 2019 vor.
Zur Feier des 100-jährigen Jubiläums der Volkshochschulen richten Volkshochschulen in der gesamten Bundesrepublik erstmals eine gemeinsame Lange Nacht aus. Auch die VHS Steglitz-Zehlendorf ist dabei und öffnet ab 18 Uhr ihre Türen im Haus der Weiterbildung in der Lichterfelder Goethestraße. Hier können sich die Gäste auf ein vielfältiges Angebot aus den Programmbereichen freuen, das zum Mitmachen, Genießen, Nachdenken und Feiern anregt.
Ein Jubiläum lebt von geteilten Erinnerungen, von Anekdoten und Geschichten. Deshalb ruft die Victor-Gollancz-Volkshochschule Wegbegleiter und Zeitzeugen auf, Ihre Erinnerungen in Form von Texten, Bildern oder auch Dokumenten mit der VHS und den Teilnehmenden des Jubiläums zu teilen. Einsendungen richten Sie bitte unter dem Stichwort „100 Jahre VHS“ an Anneke Krueger per E-Mail oder per Post: VHS Steglitz-Zehlendorf, Markgrafenstr. 3, 14163 Berlin und für telefonische Rückfragen: (030) 90299-5179
Veranstaltungsort: Lange Nacht der Volkshochschulen an der Victor-Gollancz-Volkshochschule Steglitz-Zehlendorf im Haus der Weiterbildung, Goethestraße 9-11, 12207 Berlin Datum: 20. September 2019, 18 – 24 Uhr
Walter Zadek, der vor den Nazis geflohene Journalist aus dem Berlin der Weimarer Republik, hat seit vielen Jahren seine Begegnungen mit den Überlebenden der Emigration in Europa, den USA und in Israel dazu genutzt, ein Panorama der deutschen Emigration aufzuzeichnen. Aus bisher unveröffentlichten Texten und Selbstaussagen, die Walter Zadek aufs Tonband genommen hatte, aus Briefen und Zeugnissen von Verwandten und Freunden der Autoren ist dieser Band entstanden. Er gibt Zeugnis vom Leben auf der Flucht, von Armut und Elend der Emigration. Bei weitem nicht alle haben wieder eine neue Heimat Schriftsteller gefunden oder und sind Dichtergar in die alte Heimat zurückgekehrt. Die Emigration der Schriftsteller haben die Deutschen nach 1945 kaum nachvollzogen, die lebenslange Trauer der Emigration nie begriffen.
„Vor allem aber erhob sich noch die sprachliche Barriere, schwer die gerade für den ausgewanderten Schriftsteller unüberwindbar schien. Nur schwer und langsam wuchs uns die hebräische Sprache zu und wir in sie hinein. Nur ganz wenigen ist es gelungen, in dieser alten und erneuerten Sprache des eigenen Volkes literarisch produktiv zu werden. Thomas Mann hat aus seiner Exilerfahrung darauf hingewiesen, daß ein Schriftsteller ein Mensch sei, dem es schwererfalle, sich auszudrücken als anderen Leuten … Aber auch das Land der Herkunft blieb für uns, die wir Deutschland nach 1933 verlassen mußten, verfremdet. Nach über zwanzig Besuchen in der Bundesrepublik und längeren Aufenthalten in deutschen Städten bekenne ich dankbar, daß sich dort vieles entscheidend gewandelt hat und ich mich als gern gesehener Gast empfinden durfte. Aber als Gast, dessen Legitimität gerade in seiner Rückverbindung zu Israel gesehen wird. So bleibt es unser Schicksal, in dem Land unserer Auswanderung nicht mehr und im Land unserer Einwanderung nicht ganz heimisch zu sein“. (Schalom Ben-Chorin)
Walter Zadek geb. 1900 in Berlin war Bewohner der Künstlerkolonie in Berlin und wohnte in der Bonner Strasse 3. Er begann 1919 als Buchhändler und Antiquar, 1924 Redakteur des «UHU», dem ersten deutschen Magazin, 1925 Ressortchef beim« Berliner Tageblatt», 1930 Leiter der « Zentralredaktion für deutsche Zeitungen», 1933 Verhaftung und Flucht, ab1933 Israel. Lebt in Holon bei Tel Aviv (Winter) oder Frankfurt! Main (Sommer). Herausgeber diverser Bücher
Unter Bestien
Am Freitag, dem 20. Januar 1933, kommt es in Berlin vor dem Eingang zum Untergrundbahnhof Breitenbachplatz zu einem kleinen Handgemenge. Ich höre, wie ein untersetzter Herr seiner Begleiterin zuruft: «Schande, daß man dies Judenzeug immer noch ausstellen darf!» Damit weist er auf einen Zeitungsautomaten hin, in dem das Berliner Tageblatt steckt. Ich sage daraufhin zu meiner Frau: «Wollen wir mal das Judenzeug kaufen?»
Vor der Eingangssperre haben die Antisemiten auf mich gewartet. Als ich den engen Durchgang betrete, werde ich von dem kräftigen Mann derb hineingestoßen. Ich wehre mich, wenn auch durch die Dauerverletzung einer Hand behindert, auf ähnliche Weise. Die anschließende Prügelei wird durch Bahnbeamte abgebrochen. Auf dem Weg zum Vorsteher, der die Namen aufnehmen soll, schlägt der Angreifer nochmals hinterrücks nach mir, trifft jedoch das Gesicht meiner Frau. Der Bahnvorsteher läßt sich unsere Ausweise zeigen. Der Nazi hat den holländischen Namen Bloemendaal. Ich weise mich als Leiter der «Zentralredaktion für deutsche Zeitungen» aus.
Ich besaß Arbeitsräume in der nahe gelegenen «Künsterkolonie». Das waren mehrere große Häuserblocks, erbaut für Mitglieder des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller, der Bühnengenossenschaft und anderer Künstlerverbände. Also ein Sammelbecken freigeistiger, meist linksgerichteter Menschen und damit ein Dorn im Auge jedes Nationalsozialisten. In meiner Wohnung hatte, schon seit ich Ressortchef am Berliner Tageblatt gewesen war, alle vierzehn Tage eine Art jour stattgefunden, an dem sich Dichter, Politiker, Musiker usw. gegenseitig an- und aufregten, darunter Maler des Bauhauses, Mitarbeiter der Weltbühne, Schauspieler von Reinhardt u. a.
Als ich nach der abendlichen Prügelei heimkehre, sehe ich vom Fenster aus, daß der Gewaltmensch mir nachgegangen war und die Anschrift aufzeichnet. Noch ahne ich nicht, daß dies der Auftakt zu meiner sehr frühen und dadurch lebensrettenden Emigration werden wird.
Zwei Monate später, am 15. März 1933, werden die Wohnblocks der «Künstlerkolonie» von Polizei und SA-Leuten umstellt. Ich werde durch sieben schwerbewaffnete Jungen des «Kommando zur besonderen Verwendung» mißhandelt und mit blutendem Gesicht die Treppe hinuntergestoßen. Halb bewußtlos höre ich: «Das ist der Kerl, der den alten Mann geschlagen hat.» Und dann: «Wirst du Judenschwein wohl schneller laufen!» Trotz meiner Betäubung erinnere ich mich: «Auf der Flucht erschossen» und taste mich nun wirklich langsamer die Stufen hinunter. Einen so raschen Triumph möchte ich Herrn Bloemendaal nicht gönnen.
Unten werde ich auf einen Polizeiwagen hinaufgestoßen. Das ist ja eine Literatenversammlung: Vor mir sitzt der Schriftsteller Manes Sperber, hinter mir der im Osten geehrte Autor Theodor Balk, alias Dr. Fodor, alias Dr. Dragutin. Einer der Uniformierten höhnt: «Hast woll Neesebluten jehabt, wa? Wisch dir mal det Jesicht ab!» Das Bild des Wagens mit den feixenden Bestien erscheint am 16. März 1933 neben einem verlogenen Bericht in den Naziblättern.
In die Gruppenzelle des Polizeipräsidiums am Alexanderplatz wird gleich danach der heute in der DDR führende Theaterfachmann Curt Trepte hineinbefördert. Kein Jude. Zum Beweis, wie «verhört» wird, entblößt er seinen Hintern. Er strahlt blau und braun von Hieben. Ich bitte einige Polizeikommissare, die oft Beiträge für meine Zeitungskorrespondenz eingesandt hatten, um Rücksprache. Keiner von ihnen rührt sich.
Nach ein paar Tagen trennt man die konsularisch beschirmten Ausländer von uns schutzlosen Deutschen. Ich werde in das Zuchthaus Spandau abgefahren. Wieder öffnet sich eine Massenzelle, gefüllt mit einer geistig regen Gesellschaft. Beherrschaft von dem kommunistischen Abgeordneten Heuck, einem mächtigen Burschen, Pferdehändler, der später in seinem Wahlkreis Kiel von Nazischergen niedergemacht werden wird. Fast dreißig andere begrüßen den Neuzugang.
Eines Nachmittags bringen zwei Wärter den greisen Justizrat Broh herein, nur mit einer Decke auf dem nackten Kröper, um Druck zu vermeiden, denn er ist am ganzen Leib braun und schwarz geschlagen. Mit Brandstellen, wo die Sadisten ihre Zigaretten ausgedrückt hatten. Den Kopf voller Krusten, weil sie ihm die Haare büschelweise mit Zangen ausgerissen hatten. Er sollte büßen, daß er als Jude linke Leute gegen die Nazis vor Gericht vertreten hatte.
Ausbruch
April 1933. Ich werde herausgerufen: mit Sachen! Im Direktorzimmer: «Sie sind entlassen!» Der neue Vorsitzende des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller (SDS), Hanns Heinz Ewers, nazistischer Erbe von Tucholsky und Arnold Zweig, hat seinen Einfluß zeigen wollen und sich für den ihm unbekannten Kollegen verwendet.
Unvorbereitet erscheine ich zu Hause. Meine Arbeitsräume sind verwüstet. Mein Paß ist im «Alex» beschlagnahmt. Ein deutschnationaler Anwalt versucht, ihn vom Staatsanwalt herauszubekommen. Aber eines Vormittags, wieder befragt, flüstert er mir leise zu: «So schnell und so weit wie möglich!» Ich begreife: Die Wiederverhaftung steht bevor.
Am selben Abend verschwinde ich mit meiner Frau in einem D-Zug nach Westen. Beide nur mit einer Aktentasche bewaffnet, wenige Mark im Beutel. Schon auf dem Bahnhof Zoo waren zwei allzu unauffällige Herren in das leere Nebenabteil zugestiegen. Man hatte uns also nie aus den Augen verloren.
Köln. Sechs Uhr früh. Ein begabter Reporter hatte in einem seiner Beiträge für meinen Zeitungsdienst von den Schleichwegen der Schmuggler im Westen berichtet. Aus dem Bett geholt, behauptete er, nichts Genaueres zu wissen. Seit der Machtergreifung verleugnen fast alle nichtjüdischen Bürger ihre «rassisch belasteten» Freunde und Arbeitgeber. Unaufgefordert schaltet jeder sich gleich. Von echten Überzeugungen keine Rede. Zivilcourage, Rückgrat, Gesinnungstreue – wie wenige haben sie damals bewiesen, werden sie jemals beweisen.
Auf dem Amt der Zionistischen Organisation in Berlin hatte uns ein Unbekannter eine andere Anschrift in Köln genannt. Durch die noch schlafenden Straßen der Stadt trotten wir zum bezeichneten Haus.
Als wir uns umdrehen, tauchen hinten, in weiter Feme, gerade die zwei unauffälligen Herren aus dem Nebenabteil der Eisenbahn auf!
Ich krieche unter die Treppe. Meine Frau läutet an der Wohnungstür. Wie? Was will sie? Man verstehe sie nicht. Niemals hätten sie mit so etwas zu tun gehabt. Welche Zumutung! Da bricht die überforderte Bittstellerin in Tränen aus. Man nimmt sie herein, reicht ihr Kaffee, nennt ihr den Fluchtweg. Er hätte kaum einfacher sein können.
Es ist der 23. April 1933. Wir fahren weiter nach Aachen. Gehen hinein in die Stadt. Vorsichtshalber steigen wir an verschiedenen Haltestellen in die Straßenbahn Nummer sieben. Umsonst, alles umsonst! Auf der Plattform stehen bereits die beiden schweigsamen Herren. An der Kreuzung Couvenstraße springe ich ab, renne zu einem bestimmten Taxistand hinüber. Gerade ist noch ein Platz frei. Kaum sitze ich, rattert der Wagen los. Ich zahle bis zum Endpunkt, lasse jedoch unterwegs halten, steige links heraus statt rechts: Gerettet!
Denn diese Straße ist ein kurzes Stück lang staatenlos. Niemandsland. Links liegt Holland, der Platz Kerkrade. Rechts das deutsche Städtchen Herzogenrath. An der Hauptstraße befindet sich eine holländische Grenzsperre. Steigt man aber hundert Meter davor aus, gelangt man auf einem Kohlenweg um die Schranke herum sofort in den blumenreichen, sauberen Ort hinein.
Wo steckt meine Frau? Sie sollte doch im nächsten Auto folgen. Unruhig sehe ich in einen Laden, erstehe die ersten holländischen Zigaretten. Als ich heraustrete, schleicht mein blasses Weib vorüber und bricht bei meinem Anblick ohnmächtig zusammen. Da sie mich am Treffpunkt nicht gesehen hatte, glaubte sie mich von den beiden Herren abgefangen.
Das zertretene Angelspiel
Eine Berliner Kindheit nach 1945
Klartext-Verlag, Essen 2003
Dirk Cornelsen beschreibt die Folgen eines tragischen und dramatischen Kinderschicksals bei Kriegsende die er auch als Bewohner der Berliner Künstlerkolonie gemacht hat und erzählt sehr persönlich und trotz zum Teil tragischer Erlebnisse oft witzig von einer Berliner Kindheit und Jugend in den Jahren 1946 bis 1955.
Letzte Hoffnung – Ausreise: Die Ziegelei von Les Milles 1939-1942. Vom Lager für unerwünschte Ausländer Hentrich und Hentrich Verlag Berlin; 1999
Mit dem Buch von Doris Obschernitzki kommt endlich die ganze Wahrheit über das Lager Les Milles in Frankreich zutage. Mit diesem Ort des Schreckens hatte sich noch keiner so ausführlich auseinandergesetzt wie diese in Aix-en-Provence lebende Historikerin. Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist die aufgefundene Lagerkartei. Fünf Jahre hat sie in Detektivarbeit die Fakten und Personen recherchiert. So finden sich dort auch einige Bewohner der Berliner Künstlerkolonie wieder (Kantorowicz, Hasenclever…).
Der Kaiser vom Alexanderplatz Bäßler Verlag, 2015
Horst Pillau erzählt die Geschichte des Kneipenwirts Wilhlem Kaiser, genannt Kaiser Wilhelm, dessen Einsatz und Erfindungsgeist in den letzten Kriegswochen 1945 unter Beweis stellen, dass man auch in schweren Zeiten das Leben mit Humor meistern kann. Den Gästen seiner ‚Kaiserstuben‘ und seinen Freunden steht er mit Rat und Tat zur Seite und versorgt sie in kargen Zeiten mit Waren des Schwarzmarktes. Auch den Menschen, mit denen er nicht befreundet ist, hilft er, wobei sich die Hilfe später als ganz anders erweist als sie sich vorgestellt haben.
Künstlerkolonie Wilmersdorf: Berliner Orte be.bra Verlag, 2016
Die Künstlerkolonie in der Nähe des Breitenbachplatzes ist seit den 1920er¬Jahren Heimstatt für viele Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle. Der Liedermacher Manfred Maurenbrecher wohnt dort seit Jahrzehnten begibt sich in diesem Buch auf eine historische Spurensuche, die viel über das Zusammenleben der Bewohner und den Zusammenhang zwischen Architektur und Lebensform verrät. Der Spaziergang durch die Geschichte der Künstlerkolonie ist dabei zugleich ein Streifzug durch das bürgerliche West-Berlin.
Künstlerkolonien
Ein Führer durch Deutschland, die Schweiz, Polen und Litauen
Nicole Bröhan, parthas Verlag Berlin, 2017
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden als Reaktion auf die Industrialisierung der Städte zahlreiche Künstlerkolonien auf dem Lande. Für die Anziehungskraft, die diese Orte auf viele Künstler ausübten, gab es eine Reihe von Gründen: Hier war es weit billiger, neben den Wohnräumen noch ein Atelier zu unterhalten, und auch die Lebenshaltungskosten waren niedriger, da man bei den benachbarten Bauern Lebensmittel erwerben konnte. Zudem war es möglich, einer etwas freieren und unkonventionellen Lebensweise nachzugehen, da man weniger unter Beobachtung stand. Dazu kam die Möglichkeit des regelmäßigen Austauschs mit Gleichgesinnten und die besseren Voraussetzungen, wenn man sich als Gruppe oder stilbildende Richtung gemeinsam vermarktete. Nicht selten entstanden so aus einer gemeinsamen Planung Gruppenausstellungen. Man denke nur an das bayerische Murnau und den Kreis um Gabriele Münter, Wassily Kandinsky und Frank Marc, die mit der Künstlergemeinschaft »Blauer Reiter« für Furore im Kunstbetrieb sorgten.
Nicole Bröhan präsentiert anschaulich und informativ alle sehens- und besuchenswerten Künstlerkolonien im deutschsprachigen Raum, von Ahrenshoop im östlichen Norden bis Sils Maria in den Schweizer Bergen.
Wider Willen im Paradies: Deutsche Schriftsteller im Exil in Sanary-sur-Mer Verlag: Aufbau TB, (1996)
Es war ein Paradies wider Willen, in dem sich deutsche und österreichische Schriftsteller und Maler auf der Flucht vor den Nazis in Sicherheit wähnten: Das südfranzösische Fischerdorf Sanary-sur-Mer am Mittelmeer bot bis zu Kriegsbeginn dutzenden Künstlern und Intellektuellen eine vorübergehende Bleibe. Ob Thomas Mann, Bertolt Brecht oder Lion Feuchtwanger – sie alle lebten in Sanary entweder für einige Wochen oder Jahre. Nun will der zu einer Stadt ausgewachsene Ort an die berühmten Gäste erinnern.
Am Anfang war Gewalt:
Die deutsche Revolution 1918/19 und der Beginn der Weimarer Republik Mark Jones, Propyläen Verlag; 2017
Der Historiker Mark Jones schildert die dramatische Gründungsphase der Weimarer Republik erstmals als eine Geschichte der Gewalt. Er zeigt, wie eine anfangs friedliche Revolution in einer Reihe von Tabubrüchen endet, einschließlich des Mordes an Frauen und Kindern durch Soldaten der sozialdemokratisch geführten Regierung. Diese Erfahrung wurde für das weitere Schicksal Deutschlands prägend – bis hin zur entfesselten Gewalt des NS-Regimes. Anhand neu erschlossener Archivquellen, darunter zahlreiche Berichte von Zeitzeugen, führt Mark Jones den Leser an die Orte der staatlich legitimierten und ausgelösten Gewaltexzesse dieser Zeit und lässt die Stimmen der Täter, ihrer Opfer und deren Familien lebendig werden.
Revolution und Fotografie Berlin 1918/19
von Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (Herausgeber)
Verlag Dirk Nishen. 1989
Die Revolution von 1918/19:
Der wahre Beginn unserer Demokratie
Wolfgang Niess, Europa Verlag, 2017
Der Aufstand beginnt bei der deutschen Hochseeflotte, als Matrosen sich weigern, trotz der bereits feststehenden Kriegsniederlage zu einem letzten Gefecht gegen die britische Royal Navy auszulaufen. Er verbreitet sich in wenigen Tagen über das ganze Deutsche Reich und erreicht am 9. November 1918 Berlin. Hunderttausende Arbeiter demonstrieren, die Garnisonen schließen sich an, der Reichskanzler gibt die Abdankung des Kaisers bekannt, die Monarchie bricht zusammen, die Republik wird ausgerufen. Ziel der Revolutionsbewegung ist nicht die Diktatur des Proletariats. Sie will den preußischen Militarismus und die Reste des Kaiserreichs in Verwaltung, Justiz, Schulen und Universitäten beseitigen und eine von Grund auf demokratische Gesellschaft schaffen. Die Angst vor einer bolschewistischen Weltrevolution verhindert schließlich, dass der vorhandene Spielraum zu einer wirklichen Entmachtung der etablierten Kräfte genutzt wird, aber die erste Demokratie in Deutschland ist erfolgreich installiert. Wolfgang Niess schildert so lebendig wie sachkundig die friedliche und erfolgreiche Revolution, der wir die erste deutsche Republik verdanken. Zudem macht er deutlich, warum sie bis heute weitgehend verkannt, instrumentalisiert oder vergessen wurde. Die Zeit ist reif, sie als größte Massenbewegung in der deutschen Geschichte zu würdigen.
Meine Geschichte der DDR Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2008
Wolfgang Leonhard, ehemaliger Bewohner der Berliner Künstlerkolonie und Autor des Bestsellers «Die Revolution entlässt ihre Kinder», ist der letzte Überlebende der legendären «Gruppe Ulbricht». Mit ihr kehrte er 1945 aus dem Moskauer Exil in die spätere DDR zurück, um den Sozialismus aufzubauen. Vier Jahre später floh er jedoch enttäuscht in den Westen. In diesem Buch beschreibt er auf ganz persönliche Weise den Aufstieg und Fall eines Staates. Zugleich zeichnet er ein authentisches Bild führender DDR-Persönlichkeiten, mit denen er gut bekannt war, unter ihnen Wilhelm Pieck, Walter Ulricht, Erich Honecker und Markus Wolf. Ein lebendiger Bericht eines Zeitzeugen, der Geschichte geschrieben hat.
Nur der junge König Lear hat noch was zu lachen…
Aus dem Innenleben der Theater- und Bühnenwelt
von Gerta Stecher (Autor), Cleo P Kurze (Illustrator), Gabriele Lattke (Illustrator), Burkhard Baltzer, trafo, 2007
Die in diesem Band veröffentlichten Texte sind Arbeiten aus den letzten fünf Jahren, sie spiegeln den Werdegang in den jeweiligen Kunstinstitutionen deutschlandweit wieder. Es sind Reportagen, Prosatexte, Features und Interviews, die ich für die Zeitschrift Kunst & Kultur, die nmz (Neue Musikzeitung) und für Rundfunksender wie DeutschlandRadio Berlin produziert habe. In diesem Journalistenberuf, zumal als ‚Freie‘, kann man sich das Privileg leisten, Themen zu bearbeiten, denen man sich auch außerhalb der Arbeitszeit mit Hingabe widmet. So steht für mich der Kunstbereich, und hier besonders die Welt von Theater und Bühne, ganz vorn an (gefolgt von der Welt Lateinamerikas sowie der des Landes Brandenburg).
Die (entfachte) Wissbegier des neugierigen, theater- und konzertliebenden Lesers hoffe die Autoren fürs erste stillen zu können!
Auslieferung auf Verlangen: Die Rettung deutscher Emigranten in Marseille 1940/41 FISCHER Taschenbuch; 2009
Mehr als tausend von der Gestapo verfolgte deutsche Emigranten, unter ihnen die Schriftsteller Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger, Heinrich und Golo Mann, Franz Werfel, Walter Mehring und Siegfried Kracauer, der Hitler-Biograph Konrad Heiden und der Maler Max Ernst, wurden 1940/41 in Marseille von Varian Fry, dem Repräsentanten des amerikanischen Emergency Rescue Committee (ERC), mit Geld, Pässen und Visa ausgestattet und illegal aus Frankreich herausgeschleust.
Die Bedeutung des Komitees und die Dringlichkeit einer raschen Hilfe für die Verfolgten wurden schlagartig klar, als am 22. Juni 1940 das deutsch-französische Waffenstillstandsabkommen bekannt wurde: Im Artikel 19 verpflichtete sich die Vichy-Regierung, „alle in Frankreich sowie in den französischen Besitzungen befindlichen Deutschen, die von der deutschen Reichsregierung namhaft gemacht werden, auf Verlagen auszuliefern“. Das südliche, noch nicht von deutschen Truppen besetzte Frankreich, war damit für die deutschen Emigranten zu einer Falle geworden.
Varian Fry, Organisator des Hilfskomitees in Marseille, berichtet von seiner legalen und illegalen Arbeit und den Fluchthilfeaktionen, die stets unter den Augen deutscher Spitzel, misstrauischer amerikanischer Konsulatsbeamten und Vichy-Polizisten getan werden mussten. Er schildert den Aufbau der Organisation und die Rettung der Emigranten, schreibt über die Zusammenarbeit mit prominenten Helfern (wie Andre Gide), mit Kreisen der Marseiller Unterwelt und erzählt vor allem von den zahllosen Verfolgten, von ihren Ängsten, ihrem entwürdigenden Anstehen vor Polizeipräfekturen, ihrem Gefühl des Ausgeliefertseins, dem „staatenlos im Nirgendwo“ (Walter Mehring).
„Auslieferung auf Verlangen“ ist eine Kulturgeschichte der besonderen Art. Seine Authentizität ist von vielen Zeitzeugen bestätigt worden.
„Fremd ist die Stadt und leer…“: Fünf deutsche und österreichische Schriftsteller im Londoner Exil 1933-1945.
Robert Neumann, Stefan Zweig, Alfred Kerr, Karl Otten, Max Herrmann-Neisse von Richard Dove (Autor), Hellmut Roemer, Parthas Verlag, 2007
Unter den 70 000 Flüchtlingen, die in Großbritannien vor dem Naziterror Zuflucht suchten, waren bedeutende Repräsentanten der deutschen Literatur die auch ehemalige Bewohner der Berliner Künstlerkolonie gewesen sind. Richard Dove, Professor für deutsche Literatur in London, hat fünf von ihnen genauer betrachtet: den international erfolgreichen Schriftsteller Stefan Zweig, den berühmten Berliner Theaterkritiker und Essayisten Alfred Kerr, den Lyriker und Schriftsteller Max Herrmann-Neiße, den radikal pazifistischen Journalisten und Romancier Karl Otten und den Wiener Romancier und literarischen Parodisten Robert Neumann.
Die fremde Sprache, die die Emigranten nur allmählich (manche nie wirklich) zu beherrschen lernten, und die tief greifenden Unterschiede zwischen dem politisch-kulturellen Klima in Großbritannien und dem Kontinent waren die Hauptursachen für das ständige Gefühl des Verlorenseins. Der Autor arbeitet diese Unterschiede sehr eindrücklich heraus: den Isolationismus der Briten, ihre einseitige Bevorzugung englischsprachiger Literatur, ihre Ablehnung der experimentellen Moderne. Und schließlich ließ auch das alltägliche Umfeld, die fremde Riesenstadt London, die reservierte, als kalt empfundene Höflichkeit ihrer Einwohner, die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat immer wieder aufbrechen und brachte ergreifende literarische Zeugnisse hervor: „Fremd ist die Stadt und leer.“.
Wie die fünf Autoren unter diesen Umständen überlebten – oder daran zerbrachen, was sie schrieben, wie sie sich nach Ausbruch des Krieges am Kampf gegen den Faschismus beteiligten und wie die Überlebenden auch nach Kriegsende dem Exil nicht wirklich entkamen, das hat der Verfasser zu einer materialreichen, interessanten und einfühlsamen „kollektiven Biographie“ verwoben, die man mit Spannung liest und nicht ohne Erschütterung aus der Hand legt.
Steffie Spira, Kore Verlag, 1998
Der wahrscheinlich wichtigste Auftritt ihres Lebens war nicht auf der Bühne, sondern auf einer Tribüne. Am 4. November 1989 sprach Steffie Spira auf dem Berliner Alexanderplatz für eine bessere, eine demokratische DDR. „Den Kohl“, erklärt sie unumwunden, „hatte ich mir damals nicht vorgestellt“. Aber, sagt sie auch, „die Menschen haben sich das selber ausgesucht.“
Heute wird die engagierte Schauspielerin 85 Jahre alt. Zwar ist fast in Erfüllung gegangen, was die Jubilarin damals unter Beifall vorschlug: Aus Wandlitz machen wir ein Altersheim (ein Rehabilitations-Zentrum ist schließlich auch nicht schlecht). Aber der allgemeine politische Drive in Deutschland hat dazu geführt, daß Steffie Spira ihr Engagement „zurückschraubt“. Wer soll das einer Seniorin ihres Alters auch verdenken. ‚Ihre Ideale aber hat sie nicht aufgegeben. Der Kommunismus, meint sie, „ist immer noch die beste Idee.“ So läßt sie es sich auch nicht nehmen, ein „stilles“ Mitglied der PDS zu sein.
Die in Wien Geborene hatte ihr erstes Engagement am Berliner Hebbel-Theater. Ab 1931 arbeitete sie in der antifaschistischen . Schauspieler-Truppe Gustav von Wangenheims. 1933 mußte sie emigrieren. Zunächst ging sie nach Paris, 1939 über Marseille nach Mexiko. Auch im Exil war sie schauspielerisch tätig. Als sie 1947 zurückkehrte, engagierte sie Fritz Wisten, der Intendant des Theaters am Schiffbauerdamm. Sie spielte, ab 1954 unter Wisten dann auch an der Volksbühne, unter anderem die Mutter Wolffen in Hauptmanns „Biberpelz“ (1947), die Polina in Gorkis „Feinde“ (1952), Frau Hassenreuter in Hauptmanns „Ratten“ (1956). Ihre Figuren prägte sie stets mit der ihr eigenen gewinnenden Herzhaftigkeit, einer originären Mischung von Wiener Charme und Berliner Witz.
In ihrer Autobiographie „Trab der Schaukelpferde“ aus dem Jahre 1988 hat sie die Stationen ihres Lebensweges festgehalten. Jetzt hat sie sich wieder zu Wort gemeldet. Unter dem Titel „Rote Fahne mit Trauerflor“ veröffentlichte sie Tagebuchnotizen aus den Jahren 1954/71 und 1988/90. Die Begegnung mit Erfahrung und Erkenntnis eines betagten Menschen, der sich auch in schicksalhaften Zeiten treu blieb und bleibt, tut gut.
GERHARD EBERT, 1993, Neues Deutschland
Die Flucht der Dichter und Denker: Wie Europas Künstler und Intellektuelle den Nazis entkamen Verlag Ueberreuter, C.; 2017
Eine Flüchtlingsgeschichte…bei der man alle Akteure kennt. Sie waren weltberühmte Schriftsteller und gefeierte Dirigenten, Nobelpreisträger, Universitätsprofessoren, Juden und Christen, Politiker und Zeitungsredakteure, die ein gemeinsames Schicksal einte: Die Nationalsozialisten wollten sie ermorden. Im Juni 1940 organisiert Thomas Mann in New York eine beispielloste Rettungsaktion für verfolgte Dichter und Denker in Europa. Ausgestattet mit viel Geld und einer Liste mit 200 Namen wird der junge, exzentrische Amerikaner Varian Fry nach Lissabon geschickt, um diese Vertreter der geistigen Elite aus Europa zu schleusen. Unter den Flüchtlingen sind Franz Werfel und seine Frau Alma Mahler-Werfel, Alfred Polgar, Heinrich, Golo und Erika Mann, Hermann Leopoldi, Anna Seghers, Robert Stolz, Friedrich Torberg, Karl Farkas, Billy Wilder, u.v.m. Herbert Lackner erzählt in diesem Buch ein wichtiges Stück Zeitgeschichte – ein Thema, das viele Parallelen zu heute aufweist. Dieser Titel erhielt den BRUNO-KREISKY-PREIS (Sonderpreis) für das Politische Buch 2017.
Hans-Rainer John, Aufbau Verlag, Berlin 1984
Das kleine Buch „Trab der Schaukelpferde“ von Steffie Spira-Ruschin strömt viel Kraft aus. Es ist ganz persönlich gehalten und von solch heiterer Aufrichtigkeit, daß man wähnt, der Schreiberin gegenüberzusitzen: der Schauspielerin Steffie Spira-Ruschin. Die Liste der antifaschistischen Künstler, die Steffie Spiras weg gekreuzt haben, ist lang: Hans Rodenberg, Alfred Kurella, Friedrich Wolf, Helene Weigel und Bertold Brecht, Henryk Keisch, Egon Erwin Kisch, Bodo Uhse, um nur einige zu nennen. Im Exil in Mexiko-Stadt lebte sie fast Tür an Tür – wie Jahrzehnte später dann in Berlin-Adlershof – mit Anna Seghers. Steffie Spira hat in der langen Zeit der Emigration zu einer Kunst beigesteuert, die Zeugnis gab von einem anderen Deutschland: ob 1937 in Paris, als sie bei der Uraufführung von Brechts „Die Gewehre der Frau Carrar“ mitwirkte, oder im Heinrich-Heine-Klub in Mexiko-Stadt, wo sie mit großem Erfolg Egon Erwin Kischs „Galgentoni“ auf einem Quadratmeter-Bühnchen spielte. Ihr Buch schließt 1947.
Exil unter Palmen: Deutsche Emigranten in Sanary-sur-Mer wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2018
Ein Fischerdorf bei Toulon war einst die Hauptstadt der deutschen Literatur . So jedenfalls sah es Ludwig Marcuse. Nach Hitlers Machtergreifung flohen zahlreiche deutsche Literaten an die Côte d Azur. In Sanary-sur-Mer trafen sich Ernst Toller und Bert Brecht am Hafen, hier besaß Lion Feuchtwanger ein Haus am Meer. Thomas Mann mit Frau besuchte die Kirmes, während Sohn Klaus am Mephisto schrieb. Doch das Exil unter Palmen wurde bald zur Mausefalle. Bei Kriegsbeginn erklärte Frankreich die Deutschen zu feindlichen Ausländern. Wer nicht rechtzeitig nach Übersee emigrieren konnte, wurde interniert, deportiert und ermordet. Magali Nieradka-Steiner hat lange an der Cote d Azur gelebt. Sie konnte bisher nicht bekannte Dokumente nutzen und mit den letzten Zeitzeugen sprechen. Ihr Buch erzählt eindringlich, wie sich universale Katastrophe und individuelles Schicksal in Sanary kreuzen.
Berliner Wohnungsbau 1933–1945: Mehrfamilienhäuser, Wohnanlagen und Siedlungsvorhaben (Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin / Beihefte)
Michael Haben, Gebrüder Mann Verlag, 2017
Michael Haben dokumentiert Planung und Bau von Berliner Wohnanlagen und Siedlungen (1933–1945) auf Grundlage einer nahezu flächendeckenden Bestandsaufnahme. Zudem zeigt das Buch diese Bautätigkeit vor dem Hintergrund der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen während des Nationalsozialismus auf. Dazu gehören die Wohnungspolitik der Berliner Stadtverwaltung, einzelne Bauprogramme, Zielsetzungen in der Stadtentwicklung und Konsequenzen der Planung zur Neugestaltung der »Reichshauptstadt« sowie die Wirtschafts- und Sozialpolitik auf Reichsebene. Unter Kostendruck und Mangelwirtschaft kristallisierte sich eine Alltagsarchitektur mit gleichförmigen, standardisierten Stilmerkmalen heraus, die häufig ohne Bauschmuck auskam. Anfang der 1950er Jahre wurde sie vielerorts nahtlos fortgesetzt.
Ernst und Günther Paulus 1868-1936 und 1898-1976
Architekten: Mit einem Katalog ihrer Werke
Bettina Held (Autor), Jörg Haspel, Arenhövel Verlag, 2010
Ein kleiner Einlick in die architektonischen Werke der Erbauer der Berliner Künstlerkolonie. Ernst Paulus (1868-1936) und seine zeitweiligen Partner Georg August Dinklage (1849-vor 1928) und Olaf Lilloe (1872-1943) sowie sein Sohn Günther Paulus (1898-1976) haben innerhalb von fast 70 Jahren ein Œuvre von über 200 Bauten – auch An- und Umbauten – geschaffen: Kirchen (darunter als Hauptwerk die Kreuzkirche in Berlin-Schmargendorf), Kapellen und Gemeindehäuser, Kreishäuser und -villen, Landhäuser und Schlösser, vor allem aber Einzel- und Mehrfamilienhäuser sowie Siedlungen.
Das Tätigkeitsgebiet bis 1944 war überwiegend Berlin und die ehemalige Provinz Brandenburg (hier auch die Neumark, die heute zu Polen gehört), vereinzelt auch beispielsweise Mecklenburg, Dänemark und Österreich. Es umfaßt die Zeit des ausgehenden Kaiserreichs mit dem Ersten Weltkrieg, der Weimarer Republik und des „Dritten Reichs“ mit dem Zweiten Weltkrieg, eine Zeit, in der in der Architektur und in der Politik umwälzende Veränderungen eingetreten sind.
Nach 1947 hat Günther Paulus – nach seiner Auswanderung nach Brasilien – ab 1949 noch rund 20 Bauten errichtet.
Ich war die Dame von Lil Dagover, Schneekluth Verlag, 1982
Mit einer ausführlichen Filmographie. – Lil Dagover (eigentliche Martha Seubert, 1887-1980), bedeutende deutsche Theater- und Filmschauspielerin. Sie gab ihr Filmdebüt 1913 und wurde in Stummfilmen von Robert Wiene, Fritz Lang und F. W. Murnau besetzt. Seit 1920 arbeitete sie auch am Theater, u. a. wurde sie von Max Reinhardt an die Salzburger Festspiele und an das Theater an der Josefstadt engagiert. 1931 holte sie Michael Curtiz für die Rolle in »Die Frau aus Monte Carlo« nach Hollywood. Zurück in Deutschland, war sie in zahlreichen Filmen zu sehen, u. a. im ersten deutschen Farb(kurz)film »Das Schönheitsfleckchen«. Während des Krieges war sie für die Truppenbetreuung tätig. Nach Kriegsende war sie eine der ersten, die wieder in Theateraufführungen auftrat, ab 1948 nahm sie auch die Filmarbeit wieder auf. In ihren zahlreichen Film- und Fernsehrollen verkörperte sie immer den Typ der »Grand Dame«, womit sie in die Filmgeschichte einging
Das Buch von der Riviera Rowohlt Taschenbuch; 2004
Mit den Geschwistern Mann an die eleganteste Küste der Welt. Sie waren jung, verwöhnt und berühmt. Als Klaus und Erika Mann einen Reiseführer über die Riviera schrieben, war ihnen öffentliches Interesse sicher. Mit sichtlichem Vergnügen berichten sie aus dem abenteuerlichen Marseille, dem mondänen Cannes und natürlich aus Monte Carlo. Das Ziel der beiden: Mit möglichst wenig Geld möglichst aufwendig leben, ein Vorhaben, das im Frankreich des Jahres 1931 scheinbar mühelos umsetzbar war Mit den zeitgenössischen Originalillustrationen Illustrationen von Henri Matisse u.a.
Das Renaissance-Theater von den Zwanzigerjahren bis heute Die Biografie einer Berliner Bühne
von Steffie Recknagel, 2002, Henschel Verlag
Biographie eines Theaters. Ein halbes Jahrhundert Schloßpark- Theater Berlinvon Boleslaw Barlog (Herausgeber), Albert Bessler (Herausgeber), Thilo. Koch (Herausgeber) 1982, Rembrandt Verlag
„Berlin lebt auf!“. Die Fotojournalistin Eva Kemlein (1909–2004) von Anna Fischer und Chana Schütz, Hentrich und Hentrich Verlag Berlin, 2016
Eva Kemlein (1909–2004) war die Chronistin des Berliner Nachkriegs und des Berliner Theaterlebens. Als Bildjournalistin für die „Berliner Zeitung“, deren erste Ausgabe 1945 die Überschrift trug: „Berlin lebt auf!“, prägten ihre Bilder von Überlebenden – sie selbst hatte die Nazizeit als Jüdin versteckt überstanden – das Gedächtnis der Nachkriegszeit. Immer Grenzgängerin zwischen den Welten, fotografierte sie an den Bühnen Ost-Berlins und lebte im Westen der Stadt. So entstand in Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin die Schau eines außergewöhnlichen Lebens zwischen Ost und West.
Königin … das Leben ist doch schön! Aus dem Leben eines alten Komödianten, von Gustav Rickelt, 1930
Theater in Deutschland 1887-1945: Seine Ereignisse – seine Menschen, von Dr. Günther Rühle, 2007 im S. Fischer Verlag
Dieses Buch enthält die lebendig geschriebene Geschichte des Theaters in Deutschland von den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts, vom jungen Kaiserreich über die Republik bis zum Ende der Hitler-Diktatur 1945. Es spricht von seinen prägenden Personen, von Dramatikern, Regisseuren und Schauspielern, zeigt die Entwicklung führender Theater. Es behandelt den Wandel der Themen, der Stile, der Arbeitsmethoden, gibt also Bericht von einem großen Aufbruch in die Weltgeltung, aber auch von der Spaltung und Zerstörung dieses bedeutenden Kunstbetriebes und von den Bemühungen um die Rettung seiner Substanz. Das Buch macht Zusammenhänge sichtbar zwischen der künstlerischen Arbeit und der Politik, dem Zeitgeist und den gesellschaftlichen Kräften. Günther Rühle nennt es: »Eine Biographie des Theaters«.
Er rührte an den Schlaf der Welt. Ernst Busch: Die Biographie
Jochen Voit, Aufbau Verlag, 2010
Ernst Busch (1900–1980) war einer der schillerndsten Bühnenstars, die Deutschland im 20. Jahrhundert zu bieten hatte. Einer, dem der Ruch der Revolte anhaftete. Eine Ikone der Linken. Berühmt wurde er 1930 als Moritatensänger in der Verfilmung der „Dreigroschenoper“, legendär als singender Truppenbetreuer im Spanischen Bürgerkrieg und berüchtigt durch die Hymne „Die Partei hat immer recht“. Propaganda-Parolen und Shakespeare, Kästner-Gedichte und Chansons von Tucholsky/Eisler – was er sang, sprach und spielte, geriet stets zur Gratwanderung zwischen Kunst und Politik, zwischen Ideologie und Entertainment. Sein Publikum berauschte sich am Klang seiner metallenen Stimme, schmückte ihn mit Beinamen wie „Barrikaden-Caruso“, „Rote Nachtigall“ und „singendes Herz der Arbeiterklasse“.
Ernst Busch war
Werftarbeiter in der Kaiserzeit in Kiel
Theaterschauspieler bei Piscator in Berlin
Kabarett-, Kino- und Schallplattenstar der späten Weimarer Republik
Rhapsode des antifaschistischen Widerstands im Exil
Gefangener des Naziregimes
Gründer der ersten und einzigen Schallplattenfirma der DDR
international gefeierter Brecht-Schauspieler
Kapitalist
Stalinist
Querulant im SED-Staat
populärster deutscher Künstler in der Sowjetunion
Kultfigur der westdeutschen 68er.
Die Liste seiner Fans reicht von Heinrich Mann über Pete Seeger bis zu den Punks der Hamburger Hausbesetzerszene.
Jochen Voit erschließt in seiner grandios erzählten Biographie eine Jahrhundertgestalt und ihre Epoche.
Deutschland von unten: Reise durch die proletarische Provinz Verlag für Berlin-Brandenburg 2016
Kurt Tucholsky nannte es ein „lehrreiches Buch“; für Axel Eggebrecht war es „ein furchtbarer Reiseführer durch das Elend“ und Georg Schwarz attestierte dem Autor, „ein grauenhaftes Bild vom Zerfall unserer Kultur“ gezeichnet zu haben. Wie kam ein baltischer Adliger dazu, einen solchen Text zu verfassen? Alexander Graf Stenbock-Fermor (1902–1972) hatte nach Ende des Ersten Weltkrieges in den Reihen der Baltischen Landeswehr gegen die Bolschewiki gekämpft, ging dann zum Studium nach Deutschland und lernte als Werkstudent Bergarbeiter im Ruhrgebiet kennen. Unter dem Eindruck der Verhältnisse, die er dort sah, wandelte er sich vom Antikommunisten zum Kommunisten. Als Schriftsteller und Publizist war er Mitglied des Bundes Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller. Nach 1933 im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, wurde er nach Kriegsende von der Roten Armee als Oberbürgermeister von Neustrelitz eingesetzt. 1947 Chef lektor des Verlages Volk und Welt in Ost-Berlin, arbeitete er später als Drehbuchautor für die DEFA und pendelte, seit den 1950er-Jahren in Berlin-Wilmersdorf lebend, fortan zwischen Ost und West. In der 1931 erstmals erschienen Reportage Deutschland von unten schildert Stenbock-Fermor in sachlichem Ton die katastrophalen Lebensbedingungen am Rande der Gesellschaft. Angesichts heutiger Armutsberichte ein frappierend aktueller Bericht.
Meine Erlebnisse als Bergarbeiter im Ruhrgebiet (Ruhrgebiet de luxe) Verlag Henselowsky u. Boschmann; 2017
So atemlos, wie sich der erste Arbeitstag des „Freiwilligen Stenbock“ hinter der Kohlenschaufel gestaltet, so atemlos legt man dieses Buch nach der Lektüre beiseite. Dabei hat man doch „nur“ (erneut) ein Buch über den Bergbau gelesen. Kann denn so etwas überhaupt noch Spannung erzeugen? Bei allen Vor-Urteilen gegenüber dieser Gattung: Es kann. Vielleicht liegt der Grund darin, daß Graf Alexander Stenbock-Fermor (1902-1972) als gänzlich Fremder in das Ruhrgebiet kam. Sowohl der Bergbau als auch die Landschaft waren ihm bis dahin völlig unbekannt. So liest sich sein Bericht streckenweise tatsächlich wie ein Abenteuer-Buch, als Aufzeichnung einer Entdeckungsreise in eine unbekannte Welt. Stenbock-Fermor selbst kam aus einer ganz anderen Welt. Mütterlicherseits aus russischem Fürstengeschlecht und väterlicherseits aus ältestem schwedischen Adel stammend, wurde er auf Schloss Nitau bei Riga geboren. Er besuchte ein Internat in Thüringen, beteiligte sich als junger Freiwilliger der Baltischen Landeswehr „begeistert“ an den Kämpfen gegen die Rote Armee (1918/19), emigrierte mit seinen Eltern nach Mecklenburg in Deutschland (1920), wo er nach dem Abitur ein Ingenieurstudium begann. Als mittelloser Student entschied sich Stenbock-Fermor Ende 1922 schließlich, ein Jahr lang sein Brot als Bergmann zu verdienen, „als Proletarier unter Proletariern“: im Ruhrgebiet, diesem „Lande ohne Seele, ohne Himmel und Schönheit“, in Hamborn, wobei er nie zuvor „eine reiz- und seelenlosere Stadt“ sah, auf der Schachtanlage Friedrich Thyssen IV. Dieses eine Jahr, dieses eine Jahr als Schlepper unter Tage, sollte das weitere Leben und Schaffen Stenbock-Fermors nachhaltig verändern. Zum einen begründete sein fünf Jahre später erschienenes Buch „Meine Erlebnisse als Bergarbeiter“ seinen Weg als freier Schriftsteller, nachdem er sich zuvor in verschiedenen anderen Berufen versucht hatte (Journalist, Buchhändlerlehrling, Bibliothekar, Verlagsgehilfe). Zum zweiten lösten seine unmittelbaren Erfahrungen mit der Welt der Arbeit eine ideologische Umkehr aus. „Da fiel denn mein altes schönes Weltbild ziemlich kläglich zusammen“, räumte Stenbock-Fermor später ein. Wie der Widerspruch es wollte, wurde aus dem überkommenen Weißgardisten ein überzeugter Rotgardist, Mitglied der Kommunistischen Partei (KPD) und des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller (BPRS), kurz: „Der rote Graf“, wie später die aus dem Nachlass publizierte Autobiographie Stenbock-Fermors heißt (1973). Aus dem Nachwort von Dirk Hallenberger
Am 22. Juli 2019 besuchte der Vorsitzende der Walter Hasenclever Gesellschaft, Mario Johnen, die Künstlerkolonie in Berlin, für die sich der Verein Künstlerkolonie Berlin e. V. engagiert, um die Bedeutung des Wohnviertels und um die dort einst ansässigen Künstler und Intellektuellen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Vielen Dank für diesen Einsatz und viele Grüße von Aachen nach Berlin!
Kleine Gedenktafel erinnern an einzelne Persönlichkeiten und ein Mahnmal insgesamt an die politisch Verfolgten.
Enstanden in der Berliner Künstlerkolonie und zeitlebens präsentiert durch unseren ehemaligen Bewohner der Berliner Künstlerkolonie Ernst Busch, Helene Weigel und u.a. auch Steffie Spira.
Wir freuen uns auf unseren Gast, den Hauptdarsteller Lars Eidinger. Er wird “Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm” gemeinsam mit unserem Moderator Dr. Peter Zander, Filmkritiker der Berliner Morgenpost, vorstellen und sicher einige Details zum Filmstoff und zu den aufwendigen Dreharbeiten erzählen können.
Freuen Sie sich auf ein anregendes Gespräch und einen wirklich außergewöhnlichen Film. Nach dem überragenden Welterfolg von “Die Dreigroschenoper” will das Kino den gefeierten Autor des Stücks für sich gewinnen. Doch Bertolt Brecht (Lars Eidinger) ist nicht bereit, nach den Regeln der Filmindustrie zu spielen. Seine Vorstellung vom “Dreigroschenfilm” ist radikal, kompromisslos, politisch, pointiert. Er will eine völlig neue Art von Film machen und weiß, dass die Produktionsfirma sich niemals darauf einlassen wird. Ihr geht es nur um den Erfolg an der Kasse. Während vor den Augen des Autors in seiner Filmversion der Dreigroschenoper der Kampf des Londoner Gangsters Macheath (Tobias Moretti) mit dem Kopf der Bettelmafia Peachum (Joachim Król) Form anzunehmen beginnt, sucht Brecht die öffentliche Auseinandersetzung. Er bringt die Produktionsfirma vor Gericht, um zu beweisen, dass die Geldinteressen sich gegen sein Recht als Autor durchsetzen … Ein Dichter inszeniert die Wirklichkeit – Das hat es noch nie gegeben! Filmunterhaltung auf höchstem Niveau – ein Stoff und eine Form, deren Radikalität und Aktualität ihresgleichen suchen.
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Wohngebiet der Mehrfamilienhaussiedlung " Künstlerkolonie Berlin " in Berlin, Deutschland
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