Calendar

image_print

Feb
21
Fr
2020
Geschichtssalon im Beginenhof @ Geschichtssalon im Beginenhof
Feb 21 um 19:30 – 22:00
Geschichtssalon im Beginenhof @ Geschichtssalon im Beginenhof
image_print

„Testimonials from the uterus“

Film über die Gesundheitsfürsorge für geflüchtete Frauen

Von und mit Women in Exile und u.a. mit Petra Bentz vom Feministischen FrauenGesundheitsZentrum e.V. in Berlin

In dem Film berichten drei Flüchtlingsfrauen über ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit ihren Gesundheitsproblemen und darüber, wie das Gesundheitssystem sie als Asylbewerberinnen behandelt.

Auch Fachleute, die Flüchtlinge unterstützen, teilen ihre Überlegungen darüber, was es bedeutet, eine Nicht-Staatsangehörige zu sein um Zugang zum deutschen Gesundheitssystem zu erhalten.

Der Film dauert etwa 30 Minuten und ist in deutscher Sprache, bzw. mit deutschen Untertiteln.

Frauen der Initiative von Women in Exile, die sich 2002 in Brandenburg gegründet hat, um für ihre Recht zu kämpfen, werden aus Potsdam zu uns kommen, den Film zeigen, über ihre Arbeit berichten und zur Diskussion zur Verfügung stehen (Moderation: Gisela Notz)

Wir freuen uns auf Euren/Ihren Besuch. Der Eintritt ist frei; wir bitten jedoch um Spenden für die Arbeit von Women in Exile.

Klingel: Erkelenzdamm 51, Gemeinschaftsraum

 

Mrz
8
So
2020
68. Berliner Woche der Brüderlichkeit
Mrz 8 – Mrz 15 ganztägig
image_print

 

Seit 1952 veranstalten die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im März eines jeden Jahres die Woche der Brüderlichkeit. In allen Teilen des Landes werden aus diesem Anlass Veranstaltungen durchgeführt, um auf die Zielsetzung der Gesellschaften und auf ihr jeweiliges Jahresthema hinzuweisen. Im Rahmen der zentralen Eröffnungsfeier wird die Buber-Rosenzweig-Medaille an Persönlichkeiten und/oder Organisationen verliehen, die sich im christlich-jüdischen Dialog außerordentliche Verdienste erworben haben. Mit einer Sondersendung wird über die Eröffnungsfeier wechselnd in ZDF und ARD berichtet.

Mrz
29
So
2020
Spaziergang durch die Berliner Künstlerkolonie zum Künstlerfriedhof @ Künstlerkolonie Berlin
Mrz 29 um 11:00 – 14:00
image_print

Spaziergang 

Vom Breitenbachplatz zum Künstlerfriedhof

mit dem Berlin Stadtführer Walter Kreipe

Erwachsene: 8,00 €, Schüler und Studenten: 5,00 €

Anmeldungen unter 030 23562376

Bildvergrößerung: 187. Kiezspaziergang am 08.07.2017 Kartenskizze
Bild: BA-CW, ML
 

Treffpunkt: Nördlicher Ausgang des U-Bahnhofs Breitenbachplatz auf der Mittelinsel vor dem Lateinamerika-Institut

Herzlich willkommen zu unserem März – Spaziergang 2020 !

Die Künstlerkolonie wird dieses Jahr 92 Jahre alt und zahlreiche darstellende Künstler und Künstlerinnen, Schriftsteller und Schriftstellerinnen haben hier gewohnt. 

 

www.berlinrundgaenge.de

 

Station 1: Breitenbachplatz

Bildvergrößerung: Start des Kiezspaziergangs am Breitenbachplatz
Bild: BA-CW, ML
 
Start des Kiezspaziergangs am Breitenbachplatz
 

Station 1: Breitenbachplatz / Herkunft des Namens
Wir stehen hier am nördlichen Ende des Breitenbachplatzes, der hauptsächlich zu Dahlem gehört. Von 1892 bis 1913 hieß er Rastatter Platz, nach der badischen Stadt Rastatt. Seinen heutigen Namen erhielt der Platz anlässlich der Eröffnung der U-Bahn-Linie nach Dahlem am 26.August 1913. Namensgeber war der – bei der Eröffnung anwesende – preußische Minister der öffentlichen Arbeiten Paul Justin von Breitenbach. Er hatte wesentlichen Anteil am Bau dieser Linie, die die Grundstückspreise bei der Verwertung der Königlichen Domäne Dahlem erheblich steigerte.

In den 70er-Jahren wurde der Platz durch die Betonrampe für die Stadtautobahn leider grundlegend geändert.

Bildvergrößerung: Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin
Bild: BA-CW, ML
Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin
 

Station 2: Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin / Ehemaliges Reichsknappschaftshaus

Der Backsteinbau vor uns wurde als Reichsknappschaftshaus 1930 im Auftrag der Reichsknappschaft in Berlin von Max Taut und Franz Hoffmann gebaut. 

Das Gebäude ist in Stahlskelettbauweise errichtet und hat eine mit Siegersdorfer Keramikplatten verkleidete Fassade. Das Skelett wurde mit Eisenklinkern ausgefacht und aus stereometrischen Baukörperteilen im Drei-Meter-Raster errichtet. Diese Bauweise war zu damaliger Zeit neu. Der Mittelteil des Gebäudes mit offener Vorhalle, Haupttreppe und großem Sitzungssaal treten als besondere Einheit aus dem übrigen Baukörper hervor. Die Rückfront bildet ein halbrundes verglastes Treppenhaus mit freischwingender Treppe.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gebäude Schäden, die 1950 beseitigt wurden. Der große Sitzungssaal konnte dabei jedoch nicht mehr mit seinen ursprünglichen Verkleidungen aus Eichenholz in Bronzerahmen ausgestattet werden.

Bis 1970 befand sich die Filiale für wissenschaftliche, soziale und künstlerische Berufe des Arbeitsamts in dem Baukomplex, danach kurzzeitig das Musikarchiv der Deutschen Bibliothek. Seit den 70er-Jahren befindet sich in dem denkmalgeschützten Haus das Lateinamerika-Institut (LAI) der Freien Universität Berlin.

 

Station 2: Steinrückweg 7

Station 2.1: Gustav-Rickelt-Weg / Herkunft des Namens

Der Gustav-Rickelt-Weg ist nach dem Präsidenten der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger benannt, der maßgeblich an der Planung der Künstlerkolonie Wilmersdorf beteiligt war. Er wurde 1862 in Dortmund geboren und starb 1946 in Oberbayern. Rickelt war Schauspieler und Regisseur. In Berlin arbeitete er am Thaliatheater, Residenztheater, Schiller- und dem Lessingtheater.

Rickelts Fach waren Charakterfiguren, patriarchalische Väter und Würdenträger ebenso wie humorig-kauzige Typen.

Mehr als mit seiner Schauspieltätigkeit hat sich Gustav Rickelt einen Namen als engagierter Verfechter für die Rechte der Schauspieler gemacht. Als langjähriger Präsident der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger kämpfte Rickelt für die soziale Absicherung ebenso wie für eine angemessene tarifliche Entlohnung der Schauspieler. Außerdem förderte er in dieser Funktion die Gründung der Künstlerkolonie Wilmersdorf. Ziel war es, für Künstler*innen und Schriftsteller*innen preiswerten und komfortablen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Station 2.1: Steinrückweg / Herkunft des Namens

Der 1872 geborene Albert Steinrück begann als Maler, ehe er seine Berufung im Theater und Stummfilm fand. 1906 ging er zu Max Reinhardts Ensemble an das Deutsche Theater. Von 1908 bis 1920 war er am Hof- und Nationaltheater in München, wo er auch Regie führte und am Ende Schauspieldirektor war. Dabei spielte er unter anderem den Woyzeck in der Uraufführung des gleichnamigen Dramas von Georg Büchner am 8. November 1913. In den 1920er Jahren war er wieder an verschiedenen Bühnen in Berlin beschäftigt. Ab 1919 war Albert Steinrück auch beim Film tätig. 1929 sollte er in der Volksbühne Berlin den sterbenden Leo Tolstoi spielen und starb während der Proben.

Station 2.2: Steinrückweg 7 / Gedenktafel / Eva Kemlein

Am 25. August 2014 wurde für Eva Kemlein an ihrem ehemaligen Wohnhaus eine Gedenktafel angebracht. Darauf steht:

In diesem Haus lebte von 1952 bis zu ihrem Tode
EVA KEMLEIN
4. 8. 1909 – 8. 8. 2004
Fotografin

Die Fotojournalistin erhielt 1933 als Jüdin Berufsverbot. Als Zwangsarbeiterin entzog sie sich 1942 der Deportation durch ein Leben im Versteck und war im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv. Ab 1945 dokumentierte sie mit ihrer Kamera den Wiederaufbau Berlins und das Kulturleben in Ost und West Ihrer Leidenschaft, der Theaterfotografie, ging sie bis zuletzt nach

Eva Kemlein wurde 1909 als Eva Graupe in Charlottenburg geboren und starb 2004 in Berlin. Sie war eine wichtige Berliner Fotografin und Fotojournalistin.

Eva Kemlein war Tochter jüdischer Eltern. 1933 ging sie mit ihrem Mann nach Griechenland ins Exil. Sie lebten dort von ihren fotografischen Arbeiten. Herbert Kemlein schrieb dazu als Journalist Artikel für deutsche Zeitungen. Nach der Einführung der Nürnberger Rassegesetze erhielt Eva Kemlein Berufsverbot, und auch ihr Ehemann hatte auf Grund der Mischehe Probleme, seine Artikel bei deutschen Zeitungen abzusetzen. Eva Kemleins Vater schickte ihnen Geld, damit sie in Griechenland überleben konnten.

1937 wurde das Ehepaar dann völlig überraschend aus Griechenland ausgewiesen, und sie kehrten nach Berlin zurück. Herbert Kemlein ließ sich von seiner jüdischen Frau scheiden, um wieder arbeiten zu können, das hat Eva Kemlein ihrem Mann nie verziehen.

In dieser Zeit lernte Eva Kemlein den Schauspieler Werner Stein kennen. Kemlein als Jüdin und Werner Stein als politisch links stehender Schauspieler gingen in den Untergrund. Eva Kemlein machte bereits während des Krieges Aufnahmen z. B. im Siemenswerk, wo sie unentdeckt eine Arbeitsstelle am Fließband hatte. Beide überlebten den Krieg.

Im Mai 1945 zog sie mit ihrem Mann in den Steinrückweg 7. Kemlein und Stein beteiligten sich aktiv beim Aufbau eines neuen Kulturlebens im Ostteil der Stadt. Eva Kemlein dokumentierte in Tausenden von Bildern das Leben in der Trümmerstadt. Ihre ersten Bilder erschienen bereits Ende Mai 1945 in der neu gegründeten Berliner Zeitung. Die Anerkennung als „rassisch Verfolgte“ wurde ihr von West-Berliner Senat mit der Begründung verweigert: „Ihrem Antrag auf Anerkennung als rassisch Verfolgte konnte nicht entsprochen werden, da Sie als Bildreporterin für einen sowjetdeutschen Verlag im sowjetischen Sektor tätig sind.“

Durch ihren Mann und Ernst Busch, der auch hier wohnte, begann sie in Theatern zu fotografieren: So fotografierte 1945 die Aufräumarbeiten in den Ruinen des Deutschen Theaters durch das Ensemble oder den Aufbau des Berliner Ensembles, aber sie dokumentierte auch alle Inszenierungen Bertolt Brechts und machte sehr persönliche Fotos von u.a. Hanns Eisler und Ernst Busch. In den 1970er Jahren entstanden dann auch Aufnahmen am Schillertheater, Schlossparktheater und an der Schaubühne von Inszenierungen von Peter Stein. Sie fotografierte auch das Leben hier in der Künstlerkolonie.

Über 300.000 Negative verkaufte sie 1993 an das Berliner Stadtmuseum – darunter die Fotos vom Nachkriegsberlin sowie Fotos aus über 50 Jahren Berliner Theatergeschichte. Weitere Fotos und viele historische Bücher und anderes Material gab sie an das Archiv der Künstlerkolonie Berlin.

Wir gehen jetzt wieder zurück in die Kreuznacher Straße und treffen uns gleich vor der Hausnummer 52.

Station 3: Kreuznacher Straße 52

Station 3.1: Kreuznacher Straße / Herkunft des Namens
Die Kreuznacher Straße ist nach dem Kurort Bad Kreuznach an der Nahe benannt.

Station 3.2: Kreuznacher Straße 52 / Gedenktafel / Ernst Bloch

Hier lebte von 1931 bis 1933
ERNST BLOCH
8. 7. 1885 – 4. 8. 1977

Philosoph, begann hier sein Werk “Erbschaft dieser Zeit”. Seit 1933 im Exil, zuletzt in den USA, schrieb dort “Das Prinzip Hoffnung”. Seit 1949 Professor in Leipzig, wurde dort 1957  zwangsemerittiert. Seit 1961 Professor in Tübingen.

Ernst Bloch gehört zu den wichtigsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Sein Werk Das Prinzip Hoffnung wurde und wird immer noch weltweit rezipiert. Nach dem Scheitern der Sozialutopien im real existierenden Sozialismus setzte er sich mit dem Begriff Utopie und seiner Gültigkeit auch in unserer heutigen Zeit auseinander. Utopie ist für ihn kein konkreter Ort, sondern eher das menschliche Entwicklungspotenzial zu einem besseren Menschen und einer besseren Gesellschaft, auch christliches Gedankengut fließt in Blochs Theorien ein.

Station 3.3: Kreuznacher Straße 52 / Gedenktafel / Peter Huchel

Hier lebte von 1931 – 1933
PETER HUCHEL
3. 4. 1903 – 30. 4. 1981
Lyriker, Hörspielautor

Vertreter einer sozial und politisch geprägten Lyrik. 1949 bis zum erzwungenen Rücktritt 1962
Chefredakteur der Literaturzeitschrift “Sinn und Form”. Nach neun Jahren Isolation und Überwachung 1971 Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland.

Hier ein Gedicht von Peter Huchel:

Die See schreibt
in der Schrift der Algen
die letzte Seite des Logbuchs
auf salzige Felsen −
verleugne die Heimkehr,
sei unterwegs
auf Meeren mit stürzendem Himmelsstrich,
wo jeder Name verlorengeht.

DIE STERNENREUSE
Daß du noch schwebst, uralter Mond?
Als jung noch deine Scheibe schwebte,
hab ich an einem Fluß gewohnt,
wo nur das Wasser mit mir lebte.
Das Wasser schwoll, es war Gesang,
ich schöpfte und mein Atem lauschte,
wie es um Steine tönend sprang
und schäumend schoß und niederrauschte.

Zwei Felsen, wie betäubt von Ruß
und steil und schmal wie eine Schleuse,
umstanden damals noch den Fluß.
Im Wasser hing die Sternenreuse.
Ich hob die Reuse aus dem Spalt,
es flimmerten kristallne Räume,
es schwamm der Algen grüner Wald,
ich fischte Gold und flößte Träume.

O Schlucht der Welt, des Wassers Schwall
kam wie Gesang: war es mein Leben?
Damals sah ich im dunkeln All
ganz nah die Sternenreuse schweben.

Der Dichter Peter Huchel wurde 1903 in Lichterfelde geboren und starb 1981 in Staufen bei Freiburg im Breisgau. Er ließ sich 1931 in der Künstlerkolonie nieder, war aber schon vorher mit Ernst Bloch, Alfred Kantorowicz und Fritz Sternberg befreundet, bei letzteren wohnte er auch zeitweise. Seine frühe Lyrik war stark von der märkischen Landschaft geprägt.

1931 veröffentlichte er die Prosastudie Im Jahre 1930 über einen NS-Mitläufer aus dem Kleinbürgertum. Von 1934 bis 1940 war er Hörspielautor, dabei deutete sich bereits seine Fähigkeit an, Politisches in versteckten Zitaten zu verschlüsseln.

Ab 1945 arbeitete er beim Rundfunk der DDR. 1949 wurde er Chefredakteur der Zeitschrift Sinn und Form, die auch heute noch von der inzwischen vereinigten Akademie der Künste herausgegeben wird. Anfang der 50er-Jahre wurde Huchel wegen seiner systemübergreifenden künstlerischen Konzeption für Sinn und Form angegriffen. Auf Druck von offizieller Seite wurde Huchel 1953 zur Kündigung seines Redaktionspostens genötigt, was nur durch die Intervention Bertolt Brechts verhindert werden konnte. Als sich nach Brechts Tod 1956 die Angriffe auf Huchel wieder verschärften und seine Arbeit bei Sinn und Form in immer größerem Ausmaß behindert wurde, sah er sich 1962 endgültig zum Rücktritt gezwungen.

1963 erhielt er den Fontane-Preis für den im selben Jahr im bundesdeutschen Fischer Verlag erschienenen Lyrikband Chausseen, Chausseen. Da er sich weigerte, diesen West-Berliner Preis abzulehnen, durfte er in der Folgezeit in der DDR weder publizieren noch reisen. Ab 1968 wurde auch die an ihn gerichtete Post konfisziert. Erst nach Interventionen der West-Berliner Akademie der Künste, der Präsidenten des Internationalen PEN-Zentrums und Heinrich Bölls wurde Huchel 1971 die Ausreise aus der DDR genehmigt.

Station 4: Kreuznacher Straße 48

Bildvergrößerung: Gedenktafel für Alfred Kantorowicz
Bild: BA-CW, ML
Gedenktafel für Alfred Kantorowicz
 

Station 4.1: Kreuznacher Straße 48 / Gedenktafel / Alfred Kantorowicz

In diesem Haus der ehemaligen Künstlerkolonie
lebte von 1931 bis 1933

ALFRED KANTOROWICZ
12. 8. 1899 – 27. 3. 1979

Literaturwissenschaftler und Schriftsteller, emigrierte 1933 über Frankreich in die USA. Mitbegründer der Exilorganisation “Schutzverband Deutscher Schriftsteller”, seit 1946 in Berlin (Ost), 1947 bis 1949 Herausgeber der Zeitschrift “Ost und West”, seit 1957 in der Bundesrepublik Deutschland.

Alfred Kantorowicz wurde 1899 in Berlin geboren und starb 1979 in Hamburg. Er war Jurist und Schriftsteller. Auch Kantorowicz war mit Ernst Bloch befreundet. Kantorowicz war vor 1933 Redakteur der Vossischen Zeitung, engagierte sich publizistisch gegen den aufkommenden Nationalsozialismus, trat 1931 in die KPD ein und musste 1933 vor den Nazis nach Frankreich flüchten. Er kämpfte weiter gegen den Nationalsozialismus und veröffentlichte Beiträge in zahllosen Zeitschriften. Zum ersten Jahrestag der Bücherverbrennung in Deutschland 1933, am 10. Mai 1934, gründete Kantorowicz in Paris eine „Bibliothek der verbrannten Bücher“ (Deutsche Freiheitsbibliothek), die von Alfred Kerr und Egon Erwin Kisch eröffnet wurde. Was in Deutschland verboten und verbrannt war, wurde in aller Welt gesammelt, bereits am Eröffnungstag zählte die Freiheitsbibliothek über 11.000 Bände. Sie wurde nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Paris zerstört.

Kantorowicz kämpfte auch im Spanischen Bürgerkrieg gegen das Francoregime. 1941 konnte Kantorowicz vor den Nazis in die USA flüchten.1946 kam er nach Deutschland zurück und gründete in Berlin die Zeitschrift Ost und West mit Beiträgen zu kulturellen und politischen Fragen der Zeit, die auf Druck der SED nach drei Jahren eingestellt wurde. Später wurde er Professor für neue deutsche Literatur an der Humboldt-Universität Berlin. Hier machte er sich einen Namen als Forscher der Exilliteratur. 1957 flüchtete er vor der drohenden Verhaftung nach Westdeutschland.

Die Zeit in der Künstlerkolonie nannte er später:

„ein ehrenhaftes Kapitel des Widerstandes freier, unabhängiger Geister gegen gewalttätige Diktatur – mit zweifach tragischem Ausgang: nach 1933 und nach 1945“.

Station 4.2: Stolpersteine für Erna Jezower und Ignaz Sebastian Jezower

 

HIER WOHNTE
ERNA JEZOWER
GEB. MÜNCHENBERG
JG.1888
DEPORTIERT 13.1. 1942
ERMORDET IN
RIGA

HIER WOHNTE
IGNAZ SEBASTIAN
JEZOWER
JG.1878
DEPORTIERT 13.1. 1942
ERMORDET IN
RIGA

Erna und Ignaz Sebastian Jezower lebten zusammen mit ihrer Tochter Veronika von 1931 bis 1939 in der Künstlerkolonie.

Station 5: Ludwig-Barnay-Platz

Station 5.1: Bonner Straße 2 / Gedenktafel / Helene Jacobs

In diesem Hause lebte von 1935 bis zu ihrem Tode die Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus

HELENE JACOBS
25. 02. 1906 – 13. 08. 1993

Sie versteckte in ihrer Wohnung untergetauchte Juden und verhalf ihnen zur Flucht. Sie wurde von der Nazi-Justiz zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt.

Helene Jacobs ist uns bei unserem Kiezspaziergang im März schon einmal begegnet. Sie war von Oktober 1942 bis April 1945 im Frauengefängnis in der Kantstraße 79. Von Haus war sie Bankangestellte.

Gegenüber in der Bonner Straße 12 von Helene Jacobs ehemaligem Haus hängt eine Gedenktafel für Axel Eggebrecht.

Station 5.2: Bonner Straße 12 / Axel Eggebrecht

Hier lebte von 1931 – 1933

AXEL EGGEBRECHT
10. 1. 1899 – 11. 7. 1981

Schriftsteller und Journalist

In den 20er Jahren Mitarbeiter der “Weltbühne” und der “Literarischen Welt” Wegen seines radikaldemokratischen Engagements wurde er 1933 für einige Monate im KZ Hainwalde inhaftiert 1945 Mitbegründer des Nordwestdeutschen Rundfunks in Hamburg Kommentator und Hörspielautor des NDR

Eggebrecht arbeitete ab 1925 als Filmdramaturg und Regieassistent bei der UFA, bei Siegfried Jacobsohns Weltbühne und als Filmkritiker beim Berliner Tageblatt, außerdem schrieb Eggebrecht als freier Schriftsteller in der Literarischen Welt. 1933 war Eggebrecht für einige Monate im Konzentrationslager Hainewalde inhaftiert. Unter Decknamen schlug er sich nach seiner Freilassung in der Filmbranche als Drehbuchautor, Assistent und Kritiker durch. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, im Juni 1945, holten britische Besatzungsoffiziere Eggebrecht ins Funkhaus des vormaligen Reichssenders Hamburg. So gehörte Eggebrecht zu den Mitbegründern des im September 1945 ins Leben gerufenen Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) und war dort Abteilungsleiter. Als Journalist zählte Axel Eggebrecht zu den Pionieren des Radio-Features. Mit Peter von Zahn gründete Axel Eggebrecht 1946 die Nordwestdeutschen Hefte, deren Mitherausgeber er bis 1948 war. 1963 bis 1965 berichtete er über den Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main. Eggebrecht wurde 1965 Mitglied des PEN-Clubs Deutschland und war von 1972 an dessen Vizepräsident. Er schrieb Gedichte, Romane, Hörspiele, Filme und Essays.

Und am Haus daneben hängt die Gedenktafel für Ernst Busch.

Station 5.3: Bonner Straße 11 / Ernst Busch

Hier lebte von 1931 bis 1933
und von 1945 – 1946
ERNST BUSCH
22. 1. 1900 – 8. 6. 1980

Schauspieler und Regisseur, Sänger politischer Lieder: “Barrikaden-Tauber” Emigrierte 1933. Von 1943 bis 1945 in Gestapo-Haft. Seit 1950 Mitglied des “Berliner Ensemble”.

Ernst Busch wurde 1900 in Kiel geboren und starb 1980 in Berlin. Ab 1920 nahm Busch Schauspiel- und Gesangsunterricht und begann seine Karriere 1921 am Stadttheater Kiel. 1927 zog er nach Berlin, wo er an der Piscator-Bühne engagiert war und ab 1929 in der Künstlerkolonie wohnte. Ab 1928 trat er in Berlin an der Volksbühne, dem Theater der Arbeiter und der Piscator-Bühne in Stücken von Friedrich Wolf, Bertolt Brecht und Ernst Toller auf. In der Verfilmung der Dreigroschenoper von Georg Wilhelm Pabst spielte er den Moritatensänger und sang das bekannte Mackie-Messer-Lied.

Nach der Machtergreifung der NSDAP floh Busch über Holland, Belgien, die Schweiz, Österreich in die Sowjetunion, wo er für Radio Moskau arbeitete. 1937 reiste Busch nach Spanien, trat als Sänger bei den Internationalen Brigaden auf, gab Liederbücher heraus, nahm Schallplatten auf und hatte Radioauftritte. 1940 wurde er verhaftet und bis 1942 im südfranzösischen Gurs interniert. Bei seiner Flucht in die Schweiz wurde er erneut verhaftet und der Gestapo in Berlin ausgeliefert. Einem Todesurteil entkam er wegen einer schweren Kopfverletzung während der Luftangriffe im November 1943. Stattdessen wurde er zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt.

Nach dem Krieg wohnte er wieder in der Künstlerkolonie, zog aber 1949 nach Ostberlin. Als Schauspieler trat er am Berliner Ensemble, dem Deutschen Theater und der Volksbühne auf.

Busch wurde auch als Interpret der Lieder von Hanns Eisler und internationaler Arbeiterlieder bekannt. Von 1963 bis 1975 spielte er in der Schallplattenreihe Aurora der Deutschen Akademie der Künste etwa 200 seiner Lieder ein. Er war Mitglied der Akademie der Künste.

Station 5.4: Ludwig-Barnay-Platz / Herkunft des Namens

Ludwig Barnay, der eigentlich Ludwig Weiß hieß, wurde 1842 in Budapest geboren und starb 1924 in Hannover. Barnay begann seine Schauspielkarriere mit 18 Jahren und ging kurze Zeit später ans Burgtheater nach Wien. Er setzte sich sehr für die Interessen der Schauspieler ein und gründete 1871 die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, die auch die Künstlerkolonie mitgegründet hat. Barnay war an zahlreichen deutschsprachigen Bühnen engagiert und leitete auch mehrere Theater.

Bildvergrößerung: Herr Naumann und Herr Schütze neben dem Mahnmal für die politisch verfolgten der Künstlerkolonie
Bild: BA-CW, ML
Mahnmal für die politisch verfolgten der Künstlerkolonie

Station 5.5: Künstlerkolonie Wilmersdorf

1926 wurde das Areal zwischen der Laubenheimer Strasse und dem Breitenbachplatz von der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger und dem Schutzverband Deutscher Schriftsteller erworben. Ziel war es für die Mitglieder bezahlbaren und – im Gegensatz zu den Mietskasernen – angenehmen Wohnraum zu schaffen. Künstler*innen, Schriftsteller*innen und Schauspieler*innen haben im Regelfall ja kein festes Einkommen und viele unter ihnen verdienen auch nicht so viel. Im Volksmund hieß die Künstlerkolonie deshalb auch Hungerburg.

Die Siedlung wurde von den Architekten Ernst und Günther Paulus entworfen. Sie orientierten sich an dem Konzept der “Rheinischen Siedlung”, die vor dem Ersten Weltkrieg in den Jahren 1911-15 um den Rüdesheimer Platz erbaut worden war. Es sollte eine “Gartenterrassenstadt” entstehen, die gemeinschaftliches Wohnen und Zusammenleben – auch durch die Anlage der Innenhöfe – fördern sollte. Am 30. April 1927 erfolgte die Grundsteinlegung durch den damaligen Präsidenten der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger Gustav Rickelt.

In der Planung von 1929 war noch ein vierter Block zum Breitenbachplatz hin vorgesehen, der einen Lesesaal als Kommunikationszentrum hätte erhalten sollen. Das Naziregime, dem die ganze Siedlung überhaupt suspekt war, hatte aber eine weitere Bebauung untersagt.

Der Publizist Axel Eggebrecht schrieb in seinen Erinnerungen Der halbe Weg – Zwischenbilanz einer Epoche von 1981:

Mir gelang es, eine sehr billige Wohnung in der Bonner Straße nahe dem Breitenbachplatz zugeteilt zu bekommen, in der ‘Künstlerkolonie’. Das war kein Worpswede, keine romantische Siedlung. Bühnengenossenschaft und Schriftstellerverband hatten für ihre Mitglieder drei ganz normale Häuseblocks gebaut, gerade noch rechtzeitig vor der Krise. Nun brachten viele Bewohner selbst die niedrigen Mieten nicht mehr auf, wie überall in Berlin drohten Exmittierungen, wie überall gab es dagegen Protestaufmärsche. Bei uns ähnelten sie eher Volksbelustigungen, hatten immer Erfolg. Und dabei zeigte sich schon ein Gemeinschaftsgeist, der in naher Zukunft eine wichtige Rolle spielen sollte.

Die Weltwirtschaftskrise führte gerade unter den Künstlern zu großer Arbeitslosigkeit; etwa 75 % der Bewohner waren zu dieser Zeit ohne Einkommen. Viele Bewohner konnten die Miete nicht mehr aufbringen, und die Wohnungsbaugesellschaft GEHAG strengte Zwangsräumungen an, die jedoch meist am solidarischen Widerstand in der Künstlerkolonie scheiterten. Um die Interessen der Mieter zu vertreten und Mietminderungen zu erreichen, wählten die Bewohner Mieterräte. Im Januar 1933 wurde tatsächlich eine Mietsenkung um acht Prozent erreicht, jedoch erhielten die drei Mieterräte die Kündigung ihrer Wohnungen. Zu diesem Zeitpunkt im Frühjahr 1933 lebten etwa 300 Schriftsteller*innen und Künstler*innen in der Künstlerkolonie.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden viele Bewohner verfolgt und inhaftiert, wenn sie nicht rechtzeitig fliehen konnten, was ja aus den einzelnen bisher vorgetragenen Lebenswegen schon zu hören war. Erst 1952 ging die Künstlerkolonie, die 1933 der Reichskulturkammer zugeordnet wurde, zurück in den Besitz der GEHAG. Nach 1952 errichtete diese zwischen Steinrückweg und Breitenbachplatz auf der ehemaligen Erweiterungsfläche der Künstlerkolonie für einen vierten Wohnblock „moderne“ Neubauten, an denen wir eben vorbeigegangen sind. Diese verfolgten jedoch nicht den ursprünglichen Bauplan und können den Gemeinschaftsgeist der Kolonie architektonisch nicht mehr zum Ausdruck bringen.

Lange Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das schwere Schicksal der zahlreichen Bewohner der Künstlerkolonie „unsichtbar“. Erst in den 1980er Jahren wurde begonnen, Gedenktafeln an den Häusern anzubringen. 1988 wurde das Mahnmal hier auf dem Ludwig-Barnay-Platz aufgestellt. Es trägt eine Bronzeplatte mit der Inschrift „MAHNMAL, FÜR DIEPOLITISCH VERFOLGTEN DER KÜNSTLERKOLONIE.“

Viele aus der Künstlerkolonie vertriebenen Bewohner*innen kehrten nach dem Krieg zurück. Auch für Künstler der Nachkriegsgeneration besitzt die Künstlerkolonie, heute mehr aus Gründen der Historie als wegen preiswerten Wohnraums, wieder Anziehungskraft.

Im Jahr 1990 wurde die Gartenstadt am Südwestkorso unter Denkmalschutz gestellt. Diese beinhaltet auch die Künstlerkolonie, die etwa 20 % der Fläche ausmacht. Gut vier Jahre später wurde am 31. Dezember 1994 die Künstlerkolonie an die Veba (später Viterra, dann Deutschbau, Deutsche Annington, heute Vonovia) verkauft. Die Interessen der heutigen Mieter vertritt ein Mieterbeirat.

Bei dem Begriff Künstlerkolonie assoziiert man allgemein eine kleine Gemeinschaft von Künstlern, wie z.B. in Ahrenshoop oder anderswo. Unsere Künstlerkolonie hier in Wilmersdorf ist hingegen etwas völlig anderes und international einmalig!

Es handelt sich um diese Wohnanlage hier um den Ludwig-Barnay-Platz, zu welcher Ende der 1920er Jahre 632 Wohnungen und Ateliers fertig gestellt waren und nach dem 2. Weltkrieg, Ende der 50er Jahre, die Neubauten am Zipfel zum Breitenbachplatz hinzu kamen. Insgesamt handelt es damit um knapp 700 Wohnungen, die einst von der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger (GDBA) und dem Schutzverband Deutscher Schriftsteller mit einer eigens gegründeten Wohnungsgesellschaft für ihre Mitglieder gebaut wurden.

Zu dieser Zeit gibt es eine Besonderheit einzufügen: Aus der Inflation 1923 konnten sich fast alle Immobilieneigentümer zu ihren Hypotheken entschulden, woraufhin seinerzeit im Deutschen Reich eine Sondersteuer zum dringend nötigen Wohnungsbau eingeführt wurde, – die sogenannte Mietzinssteuer auf alle Kaltmieten der Vorkriegsbauten. In Berlin ging das in einen Sicherheitsfonds ein zur Absicherung von Hypothekenkrediten, womit die meisten der heute als Altneubauten bezeichneten Wohnungen Berlins errichtet wurden. Ich erwähne das so gerne, weil ich denke, das wäre vielleicht auch heute eine Möglichkeit der Mietspekulation zu begegnen, wie damals schon erfolgreich.

Wir gehen davon aus, dass damals vermutlich durchschnittlich mindestens 4 Personen in einer Wohnung wohnten. Also in knapp 700 Wohnungen mal durchschnittlich 4 Personen, und bis heute über 4-5 Generationen gerechnet, gehen wir von wahrscheinlich etwa zehntausend Künstlerinnen und Künstlern, die mit ihren Familienangehörigen hier wohnten und vielfach noch immer hier wohnen. Diese Quantität künstlerischer Nachbarschaft blieb weltweit einmalig und sollte nach unserer Ansicht möglichst weitgehend erhalten bleiben.

Das ist durchaus nicht einfach, denn bereits im Januar 1933, unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung der Nazis stürmte die SA mit Unterstützung preußischer Hilfspolizisten hier viele Wohnungen und verhaftete viele Künstler*innen, die ins Konzentrationslager Oranienburg verschleppt wurden. Andere konnten rechtzeitig mit Hilfe von Freunden und Nachbarn flüchten. Bis Ende des Jahres 1933 wurde die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger in die Reichskulturkammer eingegliedert und die Immobilien der Künstlerkolonie kamen zur Goebbels-Stiftung. Wir haben es der Umsicht des damaligen GDBA-Vorsitzenden zu danken, dass er die diesbezügliche grundbuchamtliche Eintragung bis zum Kriegsende verschleppte. Doch gab es in dieser Zeit auch neue Bewohner aus dem Kreis des NSDAP-Umfeldes.

Hierzu gilt es noch ein historisches Kuriosum sehr eigener Art anzufügen: Mit der Weltwirtschaftskrise 1933 brach auch der Sicherheitsfonds zu Wohnungsneubauten zusammen. Daraus konnte der Zipfel der Künstlerkolonie zum Breitenbachplatz dann nicht mehr bebaut werden. Auch viele damals noch im Bau befindliche Häuser um unsere Künstlerkolonie herum blieben unfertig. In den Bauruinen spielten die Künstlerkoloniekinder, bis die Dielen und Balken als Brennmaterial benutzt wurden. Wer heute hier spazieren geht, achte deshalb auf die neben dem Hauseingang angebrachten Schilder des Nachkriegswiederaufbaus. Das sind die Häuser, die erst Anfang 1950 fertig gestellt wurden.

Aus den oben genannten Umständen konnte 1945 die wiedererrichtete GDBA ihren Anspruch auf unsere Künstlerkolonie wieder geltend machen, während der Schutzverband Deutscher Schriftsteller ausschied. Doch folgte schnell die politische Forderung, die damaligen Freiflächen zum Breitenbachplatz neu zu bebauen. Doch dazu fehlte der GDBA das Geld. Nach langen Verhandlungen übergab die GDBA diese Immobile einer kommunalen Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft, – allerdings mit einer einmaligen Klausel, nach der jede frei werdende Wohnung der GDBA zu melden sei und nur wenn diese keinen Nachfolger aus ihrem Mitgliederbestand vorschlagen konnte, durfte diese Wohnung auch an andere vermietet werden. Inzwischen wurde die Immobilie mehrmals verkauft und gehört heute zur Vonovia, – doch diese alte Klausel gilt noch immer.

So blieb die Nachbarschaft aus unterschiedlichen Künstlern erhalten. Doch nach dem Mauerbau gab es dann kaum noch Engagements für Künstler*innen im damaligen Westberlin, viele zogen nach Westdeutschland und immer öfter wurden Wohnungen an Nicht-Künstler*innen vermietet, während noch so manche alltäglich nach Ostberlin fuhren, um dort weiter zu arbeiten, wozu sie einen Dauerpassierschein hatten. Auch zu dieser kuriosen Situation wurde viel zu wenig berichtet.

Durch vermehrte neue Arbeitsmöglichkeiten für Künstler*innen in Westberlin und nachbarschaftlichen Verbindungen fanden sich Ende der 70er- und frühen 80er-Jahre wieder Künstler*innen, die auf die Bedeutung und Achtung solch eines einmaligen Wohnraum aufmerksam machen wollten. Ab 1985 konstituierte sich daraus unser Verein KünstlerKolonie Berlin e.V.

Nach dem Fall der Mauer gab es wieder viele Umschichtungen und Verwerfungen im Bereich der Engagements, – und bald stiegen die Mieten deutlich. So erhielt vor wenigen Jahren eine alte Künstlerin von der Agentur für Arbeit den Rat, sich doch eine billigere Wohnung am Stadtrand zu suchen. Eine andere ältere Künstlerkoloniebewohnerin wohnt z.B. im 3. Stock und wäre gerne in eine gerade frei gewordene Wohnung gleicher Größe im Parterre umgezogen, doch hätte das bedeutet ihren alten Mietvertrag aufzugeben und einen neuen einzugehen, der aber um 200 € teurer geworden wäre. Ein Bringedienst zum Einkaufen erwies sich als billiger, – was mir wenig vernünftig scheint.

Auf unsere Initiative hin steht diese, unsere Künstlerkolonie längst unter Denkmalschutz, was sich als gut und richtig erwies. Doch ein nachträglicher Einbau von Fahrstühlen entfällt damit.

Und lassen Sie mich nun abschließend bitte noch kurz etwas zu unserer Vereinsarbeit sagen: Zur Geschichte unserer Künstlerkolonie konnten wir bisher über 1300 Bilder, Presseberichte und Dokumente digital einspeichern, die wir mit vielen persönlichen Erinnerungsberichten und Fotos in eine historische Übersicht von 1926 bis heute einfügten. Es bleibt aber noch viel Material, was wir noch abzuarbeiten haben, bevor wir es in absehbarer Zeit als „große Ausgabe“ veröffentlichen können. Dazu trifft sich unsere Arbeitsgemeinschaft (AG) Dokumentation an jedem zweiten Sonntag eines Monats im Casino Sternstunde. Auch morgen ist wieder der zweite Sonntag im Monat, doch bitten wir alle hierzu unseren Stand auf dem Sommerfest auf dem Rüdesheimer Platz zu besuchen. Alles weitere dazu finden Sie bei uns dort. Dort können Sie bei Interesse auch Ihre Adresse hinterlassen, um zu unseren Kulturveranstaltungen eingeladen zu werden oder weitere Verabredungen zu finden.

Mit Ihrer und möglichst vieler anderer Unterstützung suchen wir einen besonderen Kiezschutz für diese, unsere Künstlerkolonie anzuregen, um auch weiterhin bei Neuvermietungen möglichst Künstler*innen zu berücksichtigen bzw. einzuwerben, damit diese weltweit einzigartige Wohnanlage mit ihrer historischen Situation weiter in die Zukunft getragen werden kann.

Station 5.6: Ludwig-Barnay-Platz 3 / Walter Hasenclever

Wir gehen nun auf der linken Seite des Ludwig-Barney-Platzes entlang in die Wetzlarer Straße und treffen uns wieder auf dem Bergheimer Platz in der Marienkirche. Auf dem Weg über den Ludwig-Barnay-Platz kommen Sie an einer Gedenktafel an dem Haus Nr. 3 vorbei, die Walter Hasenclever ehrt. Hasenclever war ein expressionistischer Dichter und Theaterschriftsteller. Auf der Gedenktafel steht:

Hier lebte von 1930 – 1932
WALTER HASENCLEVER
8. 7. 1890 – 21. 6. 1940

Lyriker, Dramatiker, Repräsentant der expressionistischen Literatur-Revolte: “Der Sohn”  (1914). 1917 Kleist-Preis. Kehrte Ende 1932 nicht mehr nach Deutschland zurück, blieb als Emigrant in Italien und Frankreich. Nahm sich aus Furcht vor der Auslieferung an die Gestapo im Internierungslager Les Milles das Leben.

Zwei Gedichte von Hasenclever: vortragen. Das erste entstand im Ersten Weltkrieg, als er durch das zerstörte Löwen in Belgien zog:

O Schreckensnacht Löwen, wir alle sind schuldig.
Gott floh aus den Kirchen der brennenden Stadt.
Kanäle verwesen, Abfluss der Toten.
Arme irre, verfallene Frau gräbt in den Scherben,
scharrt in den Kellern Verschüttete aus gequollenem Schrei.
Verbogene Straße lagern im Haufen der grauen Verwüstung.

1916 machte er sich daran, die Tragödie Antigone von Sophokles zu einem Antikriegsdrama umzugestalten. Antigone ruft darin aus:

Ich rede zu euch Witwen und Waisen,
die ihr heimkehrt in die einsamen Hütten,
wo die Seufzer der Erschlagenen
von den feuchten Steinen des Herdes
schrecken in euren Abendtraum:
Wollt ihr, dass eure Kinder,
überschrien von dem Ruhm des Schlachtrufs,
euer elendes Schicksal teilen?

Station 5.7: Ludwig-Barnay-Platz 2 / Hans Meyer-Hanno

Vor dem Haus Nr. 2 liegt ein Stolperstein für Hans Meyer-Hanno. Darauf steht:

HIER WOHNTE
HANS MEYER
HANNO
SCHAUSPIELER
GEB. 3. 6. 1906
ERMORDET
30. 4. 1945
BAUTZEN

Hans Meyer-Hanno wurde 1906 in Hannover geboren und starb 1945 im Zuchthaus in Bautzen. Er war Maler, Bühnenbildner, Musiker, Kabarettist und Schauspieler. Er war mit einer jüdischen Pianistin verheiratet.

Seine Laufbahn begann er als Theatermaler. Von 1931 bis 1933 gehörte das KPD-Mitglied Meyer-Hanno dem kommunistisch-proletarisch ausgerichteten Theaterkollektiv „Truppe 31“. Meyer-Hanno, der bereits als Kleinstdarsteller der UFA vor der Kamera ein wenig Erfahrungen mit dem Medium Film gesammelt hatte, konzentrierte sich nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten Anfang 1933 auf die Arbeit beim zunächst noch nicht übermäßig politisierten Film, wo er eine große Anzahl von Nebenrollen, vor allem Berliner Typen – einfache Schupos oder kleine Gauner, auch in NS-Propagandafilmen – verkörperte. Außerdem arbeitete er häufig als Synchronsprecher bei deutschen Fassungen ausländischer Filme. Ab 1938 hatte er ein Festengagement am Schiller-Theater, wo er bis zu seiner Verhaftung blieb. Neben seiner Arbeit als Schauspieler lebte Meyer-Hanno als überzeugter Kommunist ein Doppelleben. Er nahm er aktiv an Widerstandsaktivitäten im Umfeld der „Roten Kapelle“ teil.

Meyer-Hanno wurde laut Aussage seines damals anwesenden Sohnes Andreas während eines Urlaubs auf einem Bauernhof im Salzkammergut verhaftet und nach Berlin verbracht. Meyer-Hanno stand auf einer Liste von Personen, die Flugblätter erhalten hatten und der Gestapo in die Hände gefallen war. Er konnte jedoch glaubhaft versichern, dass er keine Flugblätter hergestellt, sondern dieses Material lediglich der Gestapo nicht ausgehändigt hatte. Der Schauspieler wurde dennoch am 4. Oktober 1944 vom Volksgerichtshof zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, die er in Bautzen zu verbüßen hatte. In den verbleibenden Kriegstagen als letztes Aufgebot gegen die anstürmende Rote Armee rekrutiert, versuchte Hans Meyer-Hanno bei der Aushebung von Schützengräben über eine Mauer zu klettern und zu entkommen und wurde dabei erschossen.

Station 5.8: Laubenheimer Straße 19 / Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V

Station 6: Bergheimer Platz

Station 6.1: Bergheimer Platz / Herkunft des Namens
Der Bergheimer Platz wurde nach der mittelalterlichen Stadt Bergheim im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen benannt.

Station 6.2: Laubacher Straße / Herkunft des Namens
Die Laubacher Straße ist nach einer hessischen Stadt in der Nähe des Vogelsberg benannt.

Bildvergrößerung: Pfarrer Scheele in der Pfarrkirche St. Marien
Bild: BA-CW, ML
Pfarrkirche St. Marien

Station 6.3: Pfarrkirche St. Marien

Die neoromanische katholische Pfarrkirche St. Marien wurde 1913 und 1914 von Christoph Hehl und Carl Kühn erbaut. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Aus der bauzeitlichen Ausstattung, die zu großen Teilen von Wilhelm Haverkamp stammt, ist nicht mehr viel erhalten. Der Altarraum wurde 1990 durch Paul Brandenburg neu gestaltet.

Im Jahr 2009 wurde die Pfarrgemeinde St. Marien mit der Gemeinde Heilig Kreuz zur Pfarrgemeinde Maria unter dem Kreuz zusammengeschlossen. Seitdem umfasst die Gemeinde die Berliner Ortsteile Wilmersdorf und Friedenau.

Seit November 1993 verfügt das Dekanat Wilmersdorf über eine Suppenküche für Obdachlose und Menschen mit geringem Einkommen. Die Räume für die Suppenküche stellt die Kirche St. Marien zur Verfügung. Getragen wird das Projekt vom Dekanatsrat Wilmersdorf mit finanzieller Unterstützung des Bezirksamtes. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen aus allen sechs Gemeinden des Dekanats sorgen für die Ausgabe von Essen und warmen Getränken. Ferner gibt es Duschen, eine Kleiderkammer und medizinische Versorgung. Das Essen wird von einer Firma geliefert. Die Suppenküche wird von ungefähr 50 bis 70 Personen besucht.

 

Station 7:  Künstlerfriedhof

Stubenrauchstrasse

 

 
Eine rauchende Totenkopffigur und eine Frau mit Weinglas zieren das ironisch-satirisch gestaltete Grabmal von Kurt Bartsch.

 

Apr
30
Do
2020
Literarischer Lesesalon 2020 @ Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.
Apr 30 um 18:30 – 20:30
image_print

Die Künstlerkolonie am Breitenbachplatz- erbaut 1927-1929 als soziales Projekt für Kulturschaffende besteht aus drei Häuserblocks rund um den heutigen Ludwig-Barnay-Platz und wurde bereits kurz nach ihrer Fertigstellung zum Wohnort bedeutender Persönlichkeiten des Kulturlebens der Weimarer Republik und bildete ein ganz spezielles Bohemé in Berlin Wilmersdorf welches weltweit Strahlkraft hatte.

Ort: Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. Laubenheimer Str. 19, 14197 Berlin

 

Anmeldung: GCJZ Berlin, E-Mail: gcjz.berlin@t-online.de / Telefon: 030 – 821 66 83

 

Referenten: Alwin Schütze oder Christian Sekula, Vorstand des Künstlerkolonie Berlin e.V.

 

Eintritt frei

 

Veranstalter: Künstlerkolonie in Berlin e.V. in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.

 

-> www.kueko-berlin.de, www.gcjz-berlin.de

 

 

DONNERSTAG, 30. APRIL, 18.30 UHR

Dr. EUGEN OHLISCHLAEGER

 

Schriftsteller, Komponist, Jurist, Kritiker, Journalist,
Drehbuchautor, Liederdichter, Hörspielautor

 

Geboren am 4. November 1898 im Rheinland. Evangelisch. Schrieb mit sechs Jahren das erste Märchen, mit 15 das erste Lied, mit 22 Jahren das erste Chanson für Gerti Kutschera in der “Bonbonniere” von Hans Gruss in München, mit 23 die ersten Satiren für “Jugend” und Simplizieslmus sowie die ersten Gedichte für sein Auftreten bei Kati im “Simpl” und bei “Papa Bonz”, Schwabing, mit 25 die ersten Buchkritiken und Feuilletons für das “Berliner Tageblatt”, mit 28 die erste Hörfolge “Glocken” mit Walter Gronostay„ für W. Blschoff, Breslau und für diesen das erste Hörspiel “Das Wasser steigt”, für Intendant Dr. Flesch die ersten Reportagen des Berliner Rundfunks aus Moabit. Arbeitete während seiner Schulzeit als Bergmann im Kohlenpott. Nahm am Ersten Weltkrieg (Frankreich) teil, Studierte von 1919 bis 1922 Jura in Jena, München  und Würzburg. Promovierte zum Dr. Jur. anschließend Bankbeamter, Kunstseide-Vertreter, Getreidehändler, Pressechef des Hotels Russischer Hof, Berlin, Redakteur der Zeitschriften des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Redakteur der Redaktionen des Verlages Ullstein, Theater-, Film-,und Variete-Kritiker der “B.Z. am Mittag”, der “Berliner Morgenpost” und des “Tempo”. Pressephotograph seit 1918 Gerichtsreporter des RIAS und SFB 1954/56. Reiseleiter Busch-Reisen Berlin-Paris, Schriftsteller, Komponist und Pressephotograph…..

Mai
12
Di
2020
Literarischer Lesesalon 2020 @ Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.
Mai 12 um 18:30 – 20:30
Literarischer Lesesalon 2020 @ Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.
image_print

Die Künstlerkolonie am Breitenbachplatz- erbaut 1927-1929 als soziales Projekt für Kulturschaffende besteht aus drei Häuserblocks rund um den heutigen Ludwig-Barnay-Platz und wurde bereits kurz nach ihrer Fertigstellung zum Wohnort bedeutender Persönlichkeiten des Kulturlebens der Weimarer Republik und bildete ein ganz spezielles Bohemé in Berlin Wilmersdorf welches weltweit Strahlkraft hatte.

Ort: Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. Laubenheimer Str. 19, 14197 Berlin

 

Anmeldung: GCJZ Berlin, E-Mail: gcjz.berlin@t-online.de / Telefon: 030 – 821 66 83

 

Referenten: Alwin Schütze oder Christian Sekula, Vorstand des Künstlerkolonie Berlin e.V.

 

Eintritt frei

 

Veranstalter: Künstlerkolonie in Berlin e.V. in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.

 

-> www.kueko-berlin.de, www.gcjz-berlin.de

 


DIENSTAG, 12. MAI, 18.30 UHR

DINAH NELKEN

 

Drehbuchautorin und Schriftstellerin

 

Dinah Nelken, eigentl. Bernhardine Ohlenmacher-Nelken, geb. Schneider war eine deutsche Schriftstellerin und Drehbuchautorin. Dinah Nelken stammt väterlicherseits aus einer alten Berliner Handwerkerfamilie, mütterlicherseits von Hugenotten, die in Berlin sesshaft wurden. Der Vater war Schauspieler. Sie besuchte ein Lyzeum, bildete sich autodidaktisch weiter. In den 1920er Jahren hatte sie ihre ersten Erfolge mit Kurzgeschichten und Feuilletons für die Berliner Presse und Texten für das von ihr mitbegründete politisch-literarische Berliner Kabarett „Die Unmöglichen“. Ende der 1920er Jahre zog sie in die Künstlerkolonie Wilmersdorf und schrieb dort 1932 den Schlüsselroman Eineinhalb Zimmer Wohnung (1932) über eine typische Wohnung in der Künstlerkolonie. 

Aug
11
Di
2020
Literarischer Lesesalon 2020 @ Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.
Aug 11 um 18:30 – 20:30
Literarischer Lesesalon 2020 @ Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.
image_print

Die Künstlerkolonie am Breitenbachplatz- erbaut 1927-1929 als soziales Projekt für Kulturschaffende besteht aus drei Häuserblocks rund um den heutigen Ludwig-Barnay-Platz und wurde bereits kurz nach ihrer Fertigstellung zum Wohnort bedeutender Persönlichkeiten des Kulturlebens der Weimarer Republik und bildete ein ganz spezielles Bohemé in Berlin Wilmersdorf welches weltweit Strahlkraft hatte.

Ort: Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. Laubenheimer Str. 19, 14197 Berlin

 

Anmeldung: GCJZ Berlin, E-Mail: gcjz.berlin@t-online.de / Telefon: 030 – 821 66 83

 

Referenten: Alwin Schütze oder Christian Sekula, Vorstand des Künstlerkolonie Berlin e.V.

 

Eintritt frei

 

Veranstalter: Künstlerkolonie in Berlin e.V. in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.

 

-> www.kueko-berlin.de, www.gcjz-berlin.de

 


DIENSTAG, 11. AUGUST, 18.30 UHR

HELENE JACOBS

 

Widerstandskämpferin

 

Jacobs war im Dritten Reich Sekretärin eines jüdischen Patentanwaltes und seit 1934 Mitglied der Bekennenden Kirche. Sie schloss sich einer Gruppe um den Juristen Franz Herbert Kaufmann an, die seit 1940 half, dass jüdische Verfolgte untertauchen und das Land verlassen konnten. Jacobs versteckte aus christlich-sozialer Motivation heraus einige Menschen in ihrer Wohnung, bis sie 1943 denunziert und anschließend zu Zuchthaus verurteilt wurde. In der Bundesrepublik Deutschland arbeitete Jacobs als Beamtin im Entschädigungsamt in West-Berlin und wurde dort 1963 strafversetzt, weil sie sich zu sehr für die Antragsteller eingesetzt hatte.

Jacobs war seit der Gründung 1949 Mitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin. Sie wurde von der Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt. Sie verstarb 1993 und wurde auf dem Waldfriedhof Dahlem beigesetzt. Ihr Grab ist seit 2004 als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet.

Sep
13
So
2020
Tad des offenen Denkmals 2020 @ Künstlerkolonie Berlin
Sep 13 ganztägig
image_print

Chance Denkmal:
Erinnern. Erhalten. Neu denken.

2020 wagen wir den Blick in die Zukunft und betrachten das Denkmal als Chance: Was kann ein Denkmal alles leisten und wo kann es als Innovationsmotor dienen? Für uns als Denkmalpflege-Stiftung ist ganz klar: Ein Denkmal wahrt Historie, erzählt Geschichten, schafft Vertrautheit und der Schutz dieser Baudenkmale ist unerlässlich für den Fortbestand unseres kulturellen Erbes. Doch was heißt etwa Nachhaltigkeit in Bezug auf die Denkmalpflege? Welchen Beitrag leistet die Denkmalpflege für Klimaabkommen, Ökobilanz und Co? Gemeinsam mit den Veranstaltern möchten wir am Tag des offenen Denkmals zeigen, wie nachhaltig die Denkmalpflege denkt, agiert und wirkt.

 

Denkmale unter der Lupe:
Wie nachhaltig ist unser Kulturerbe?

Häufig wird der ökologische Wert von Denkmalen unterschätzt und sie gelten gar als ineffizient. Dabei sind sie echte Klimaschützer und die Denkmalpflege kann als Synonym für Nachhaltigkeit gelten.

I. Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit
Traditionelle handwerkliche Techniken für die Zukunft

Denkmale zeichnen sich durch ihre Langlebig- und Reparaturfähigkeit aus. Während bei Neubauten von einer Nutzungsdauer von 50 Jahren ausgegangen wird, leben Denkmale viele Jahrhunderte. Der Bestand denkmalgeschützter Objekte hängt davon ab, dass handwerkliche Techniken sorgfältig und fachgerecht beherrscht und angewendet werden, um ihre Materialität langfristig erhalten zu können. Bei Denkmalen geht Reparatur vor Ersatz. Ob bei Fußböden, Fenstern, Farbfassungen – so gut wie in allen Bereichen kommen Handwerker und Restauratoren zum Einsatz. Viele handwerkliche Techniken gehören inzwischen zum immateriellen Kulturerbe, wie z.B. Vergoldetechniken der Kirchenmalerei, Herstellung und Anwendung von traditionellem Kalkmörtel, Reetdachdecker-Handwerk, das Bauhüttenwesen oder der Orgelbau.

Chance Denkmal: Dank fundierter Fachkenntnisse blieb die patinierte Kupfereindeckung des Rothenburger Rathausturmes fast vollständig erhalten. Das sparte den enormen Energieaufwand ein, der bei der Herstellung des Baumaterials notwendig ist. Foto: Peter Schabe (DSD)

 

II. Bauweisen
Regionale und beständige Baumaterialien

Ob eine gotische Kirche, ein Fachwerkhof oder ein Backsteinhaus – ihnen allen ist gemein, dass durch die Verwendung natürlicher und regionaler Rohstoffe beim Bau Energie und Emissionen eingespart wurde. Daher fällt die Ökobilanz vieler Denkmale überaus positiv aus. Bis Ende des 19. Jahrhunderts kamen als regionale Baumaterialien vor allem Stroh, Lehm und Holz zum Einsatz. Nur wer es sich leisten konnte, verbaute regionale Steinvorkommen. Wenn Karl der Große für den Aachener Dom römische Marmorsäulen über die Alpen transportieren ließ, war dies eine politische Aussage. Ab 1920 wurde der in der Produktion wesentlich mehr Energie verbrauchende Beton eingesetzt, der ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts zum meist verwendeten Baustoff avancierte. Typische Anwendungen für die nachwachsende Rohstoffe waren seit jeher tragende Konstruktionen von Gebäuden, Dacheindeckung, Bauelemente, Treppen, Fußbodenbeläge, Fassadenverkleidung und im modernen Sinne Anstriche, Wärmedämmung, Akustik- und Trittschalldämmung.

Urban Mining

Auch die Wiederverwendung bestehender Materialien führen zum nachhaltigen Umgang mit Primärrohstoffen. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war es üblich, Baumaterial zerstörter Gebäude wiederzuverwenden. Und auch heute geht die Denkmalpflege innovativ voran: So füllen unrettbare Denkmale die historischen Baustofflager mit wiederverwertbaren Materialien und Bauteilen.

Chance Denkmal: Türen, Fenster und Teile des Fachwerks eines zum Abriss genehmigten Gebäudes finden bei der Restaurierung des Kulturhofes Kleinmecka eine zweite Verwendung. Foto: Guido Siebert (DSD)

Energetische Sanierungen

Um heutigen Standards zu entsprechen, werden viele Denkmale energetisch saniert. Beispiele zeigen, dass dies mit natürlichen Baustoffen gelingen kann. Um den Bestand sowie das Erscheinungsbild möglichst zu erhalten und gleichzeitig den heutigen Ansprüchen insbesondere von Wärme- und Schallisolierung zu entsprechen, geht die Denkmalpflege stets neue Wege. Bereits erhaltene Denkmale vermeiden darüber hinaus die umweltbelastende Entsorgung von Bauschutt als Sondermüll.

 

III. Natur trifft Kultur
Grünflächen, Parkanlagen oder Friedhöfe als landschaftliche Freiräume und moderne Naturoasen

Unsere Städte werden dichter und historische Grünflächen damit immer wichtiger. Sie steigern die Aufenthaltsqualität und leisten einen wichtigen ökologischen Mehrwert, denn sie sorgen für die Zirkulation von Frischluft und bieten Lebensraum für Tiere und Pflanzen – oft haben alte Pflanzenarten nur noch hier ihren Freiraum. Mit natürlichen Baustoffen und Materialien entstanden qualitätvolle und schadstofffreie Räumlichkeiten, in denen bis heute gute Lebensqualität für Mensch und Tier möglich sind.

Chance Denkmal: Um die Innenausmalung der Dorfkirche Semlow vor Urinbelastung zu bewahren, wurden den Fledermäusen ein Ausweichquartier im weniger sensiblen Kirchturm geschaffen – das Projekt  brachte Umweltschützer und Denkmalpfleger an einen Tisch. Foto: Guido Siebert (DSD)

 

IV. Wissensquelle Denkmal
Lernen von praktizierten Techniken

Fachliche Innovationen durch einen Blick in die Vergangenheit: Im Vergleich zum modernen Beton war der römische Baustoff opus caementitium wesentlich langlebiger. Der Grund: beigemischte Vulkanasche. Dank dieser Erkenntnis konnte mit vergleichbaren Stoffen ein neuer härterer Beton entwickelt werden – schon in der Herstellung ist dieser energieeffizienter. Auch recyclebare Lehm rückt als historischer Baustoff zunehmend ins Interesse und führte dank angenehmen und  allergikerfreundlichen Raumklimas zum ökologischen Lehmbau.

 

V. Neue Nutzungskonzepte
Umnutzung bestehender Räumlichkeiten als Zukunftspotential und Vorbeugung von Leerstand

Laut des Statistischen Bundesamts sind 2,9 % aller Gebäude in Deutschland Denkmale. Häufig ist für den Erhalt eine Umnutzung und ein Umbau notwendig, vielfach möglich und eine kreative Herausforderung. Umnutzungen von vorhandener Bausubstanz, die ihre Funktion verloren haben, beugen Leerstand und Verfall vor. Wirtschaftliche Werte werden erhalten und schaffen Attraktivität, können einen gesellschaftlichen Mehrwert mit sich bringen und Potential bei Platz- und Wohnungsnot bieten. Statt neu zu bauen, kann Umnutzen die ökologische und denkmalgerechte Alternative darstellen. Bestandsbauten umzunutzen wirkt außerdem der Flächenversiegelung, der zunehmenden Bebauung von Böden, entgegen.

Chance Denkmal: Früher war die MS Stubnitz ein Kühl- und Transportschiff der DDR-Hochseeflotte. Heute spielen lokale Bands aus ganz Europa in dem mobilen Konzertraum mit besonderer Stahl-Akkustik. Foto: Annette Liebeskind (DSD)

 

Das Nachhaltigkeits-Dreieck

Das Nachhaltigkeits-Dreieck vereint verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit und verbindet ökologische Faktoren mit ökonomischen und sozialen Aspekten. Spannende Nutzungs- und Wirtschaftskonzepte, Tourismusfaktoren und -konzepte, Denkmale als Kulturräume, Lernorte oder kulturelle Ressourcen, Fördervereine etc. tragen ebenfalls zu einem nachhaltigen Umgang mit unserem kulturellen Erbe bei. 

 
Okt
20
Di
2020
Literarischer Lesesalon 2020 @ Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.
Okt 20 um 18:30 – 20:30
Literarischer Lesesalon 2020 @ Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.
image_print

Die Künstlerkolonie am Breitenbachplatz- erbaut 1927-1929 als soziales Projekt für Kulturschaffende besteht aus drei Häuserblocks rund um den heutigen Ludwig-Barnay-Platz und wurde bereits kurz nach ihrer Fertigstellung zum Wohnort bedeutender Persönlichkeiten des Kulturlebens der Weimarer Republik und bildete ein ganz spezielles Bohemé in Berlin Wilmersdorf welches weltweit Strahlkraft hatte.

Ort: Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. Laubenheimer Str. 19, 14197 Berlin

 

Anmeldung: GCJZ Berlin, E-Mail: gcjz.berlin@t-online.de / Telefon: 030 – 821 66 83

 

Referenten: Alwin Schütze oder Christian Sekula, Vorstand des Künstlerkolonie Berlin e.V.

 

Eintritt frei

 

Veranstalter: Künstlerkolonie in Berlin e.V. in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.

 

-> www.kueko-berlin.de, www.gcjz-berlin.de

 


 

DIENSTAG, 20. OKTOBER, 18.30 UHR

STEFFIE SPIRA

 

Schauspielerin

 

 

Steffie Spira war die Tochter des Schauspielerehepaars Lotte und Fritz Spira. 1924 besuchte sie eine Schauspielschule und erhielt 1925 ihr erstes Engagement. 1926 arbeitete sie bei der Gewerkschaft der Schauspieler. Ab 1928 spielte Spira bei der Berliner Volksbühne. 1931 trat sie in die KPD ein und wurde dort Mitbegründerin der Theater-Truppe 1931. Verheiratet war sie seit 1931 mit dem Regisseur Günter Ruschin. 1933 emigrierte sie in die Schweiz. In 14 Jahren Exil erfolgte Theaterarbeit in Paris und dem Kabarett „Die Laterne“ sowie Brecht-Uraufführungen. Nach der Trennung von ihrem Mann wurde sie im Gefängnis in La Roquette und dem Frauenlager Camp de Rieucros inhaftiert, von wo aus die Flucht der Familie nach Mexiko erfolgte. Dort engagierte sie sich unter anderem im Heinrich-Heine-Klub.

1947 kehrte sie auf einem sowjetischen Frachter nach Deutschland zurück und spielte ab 1948 am Deutschen Theater unter Wolfgang Langhoff, vorwiegend in der Volksbühne in vielen großen Rollen (beispielsweise auch die Mutter Wolffen in „Der Biberpelz“ von Gerhart Hauptmann) und am Theater am Schiffbauerdamm. Im ersten Ernst Thälmann-Film Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse (1954, Regie Kurt Maetzig), der das offizielle Geschichtsbild der SED noch kurz vor der Entstalinisierung widerspiegelt, spielt sie die Clara Zetkin.

Am 4. November 1989 hielt sie auf dem Berliner Alexanderplatz während der Alexanderplatz-Demonstration eine Rede vor rund einer halben Million Menschen und sprach sich gegen die Arroganz der Macht und für die Freiheit ihrer Nachkommen aus: „Ich wünsche für meine Urenkel, dass sie aufwachsen ohne Fahnenappell, ohne Staatsbürgerkunde und dass keine Blauhemden mit Fackeln an den hohen Leuten vorübergehen!“

Steffie Spira starb mit 86 Jahren. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin. Ihr Sohn Thomas Ruschin arbeitet als Synchronregisseur. Ihre Schwester Camilla Spira war ebenfalls Schauspielerin.

Nov
24
Di
2020
Literarischer Lesesalon 2020 @ Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.
Nov 24 um 18:30 – 20:30
Literarischer Lesesalon 2020 @ Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.
image_print

Die Künstlerkolonie am Breitenbachplatz- erbaut 1927-1929 als soziales Projekt für Kulturschaffende besteht aus drei Häuserblocks rund um den heutigen Ludwig-Barnay-Platz und wurde bereits kurz nach ihrer Fertigstellung zum Wohnort bedeutender Persönlichkeiten des Kulturlebens der Weimarer Republik und bildete ein ganz spezielles Bohemé in Berlin Wilmersdorf welches weltweit Strahlkraft hatte.

Ort: Geschäftsstelle der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. Laubenheimer Str. 19, 14197 Berlin

 

Anmeldung: GCJZ Berlin, E-Mail: gcjz.berlin@t-online.de / Telefon: 030 – 821 66 83

 

Referenten: Alwin Schütze oder Christian Sekula, Vorstand des Künstlerkolonie Berlin e.V.

 

Eintritt frei

 

Veranstalter: Künstlerkolonie in Berlin e.V. in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V.

 

-> www.kueko-berlin.de, www.gcjz-berlin.de

 


 

DIENSTAG, 24. NOVEMBER, 18.30 UHR

 

Zum 71. Jahrestag der GCJZ Berlin

KNUD CHRISTIAN KNUDSEN

 

Verleger, Bildhauer und Mitbegründer der Berliner Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit  

Knud Knudsen gehörte zu der Künstlerkolonie und war der Vormieter in der Geschäftsstelle der GCJZ Berlin, die ebenfalls in der Künstlerkolonie ansässig ist. 1949 wurde er der erste Mitarbeiter und Literarischer Direktordes gegründeten Deutschen Koordinierungsrats der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und Mitbegründer der Berliner GCJZ.

Knudsen ist Sohn des Theaterwissenschaftlers Hans Knudsen. Er studierte von 1935 bis 1941 an der Berliner Universität Zeitungswissenschaften und Kunstgeschichte bis zur Promotion. Parallel zum Studium machte er eine Ausbildung zum Pressezeichner, sodass er im Zweiten Weltkrieg von 1940 bis 1945 als Kriegszeichner eingesetzt wurde. Sein Christian Verlag hatte zuerst den Sitz in Berlin-Wilmersdorf und zog 1949 nach Bad Nauheim, wo Knudsen künftig hauptsächlich lebte und arbeitete. Er verlegte im Rahmen der Reeducation der westlichen Alliierten zunächst Bücher, in denen die Ansichten der Sieger zu verschiedenen Lebensbereichen dargelegt wurden, sowie Schilderungen der USA und Großbritanniens. 1949 wurde er der erste Mitarbeiter und Literarischer Direktor des gegründeten Deutschen Koordinierungsrats der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

In den Folgejahren arbeitete Knudsen als freier Bildhauer, ab 1954 auch in seinem Sommersitz auf Ibiza. Er hielt im In- und Ausland Vorlesungen. Seine Werke stehen oft im Öffentlichen Raum.

Verheiratet war Knudsen mit Doris, geb. Formella, die seinen Verlag bis 1978 weiterführte.

Jan
22
Fr
2021
Gedenken an Ernst Busch @ Künstlerkolonie Berlin
Jan 22 um 13:00 – 14:00
image_print

 

Am 08. Juni 1980 verstarb der Jahrhundert-Sänger und -Schauspieler Ernst Busch, der von 1929 bis zu seiner Flucht vor den Häschern des Naziregimes 1933 hier in der Künstlerkolonie wohnte (und auch nochmal wieder vom Mai 1945 bis 1946).

Zu seinem ehrenden Gedenken legt die Ernst-Busch-Gesellschaft zusammen mit dem Verein der Berliner Künstlerkolonie wie jedes Jahr am Geburtstag von Ernst Busch Blumen an der Gedenktafel seines ehemaligen Wohnhauses in der Bonner Staße 11 ab 13 Uhr und lädt zu einer kleinen Erinnerung an Lieder und das Leben ein aus dem Repertoire des „Barrikadentaubers“, der mit der bisweilen schneidend scharfen und zum Revoluzzen treibenden, bisweilen ironisierenden, aber auch eindringlich vom Frieden singenden Stimme die sozialen Bewegungen des 20. Jahrhunderts sowohl kommentierte als auch selber prägte.