Tag des offenen Denkmals 2020

Wann:
13. September 2020 ganztägig
2020-09-13T00:00:00+02:00
2020-09-14T00:00:00+02:00
Wo:
Künstlerkolonie Berlin
Preis:
Kostenlos
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Chance Denkmal:
Erinnern. Erhalten. Neu denken.

2020 wagen wir den Blick in die Zukunft und betrachten das Denkmal als Chance: Was kann ein Denkmal alles leisten und wo kann es als Innovationsmotor dienen? Für uns als Denkmalpflege-Stiftung ist ganz klar: Ein Denkmal wahrt Historie, erzählt Geschichten, schafft Vertrautheit und der Schutz dieser Baudenkmale ist unerlässlich für den Fortbestand unseres kulturellen Erbes. Doch was heißt etwa Nachhaltigkeit in Bezug auf die Denkmalpflege? Welchen Beitrag leistet die Denkmalpflege für Klimaabkommen, Ökobilanz und Co? Gemeinsam mit den Veranstaltern möchten wir am Tag des offenen Denkmals zeigen, wie nachhaltig die Denkmalpflege denkt, agiert und wirkt.

 

Denkmale unter der Lupe:
Wie nachhaltig ist unser Kulturerbe?

Häufig wird der ökologische Wert von Denkmalen unterschätzt und sie gelten gar als ineffizient. Dabei sind sie echte Klimaschützer und die Denkmalpflege kann als Synonym für Nachhaltigkeit gelten.

I. Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit
Traditionelle handwerkliche Techniken für die Zukunft

Denkmale zeichnen sich durch ihre Langlebig- und Reparaturfähigkeit aus. Während bei Neubauten von einer Nutzungsdauer von 50 Jahren ausgegangen wird, leben Denkmale viele Jahrhunderte. Der Bestand denkmalgeschützter Objekte hängt davon ab, dass handwerkliche Techniken sorgfältig und fachgerecht beherrscht und angewendet werden, um ihre Materialität langfristig erhalten zu können. Bei Denkmalen geht Reparatur vor Ersatz. Ob bei Fußböden, Fenstern, Farbfassungen – so gut wie in allen Bereichen kommen Handwerker und Restauratoren zum Einsatz. Viele handwerkliche Techniken gehören inzwischen zum immateriellen Kulturerbe, wie z.B. Vergoldetechniken der Kirchenmalerei, Herstellung und Anwendung von traditionellem Kalkmörtel, Reetdachdecker-Handwerk, das Bauhüttenwesen oder der Orgelbau.

Chance Denkmal: Dank fundierter Fachkenntnisse blieb die patinierte Kupfereindeckung des Rothenburger Rathausturmes fast vollständig erhalten. Das sparte den enormen Energieaufwand ein, der bei der Herstellung des Baumaterials notwendig ist. Foto: Peter Schabe (DSD)

 

II. Bauweisen
Regionale und beständige Baumaterialien

Ob eine gotische Kirche, ein Fachwerkhof oder ein Backsteinhaus – ihnen allen ist gemein, dass durch die Verwendung natürlicher und regionaler Rohstoffe beim Bau Energie und Emissionen eingespart wurde. Daher fällt die Ökobilanz vieler Denkmale überaus positiv aus. Bis Ende des 19. Jahrhunderts kamen als regionale Baumaterialien vor allem Stroh, Lehm und Holz zum Einsatz. Nur wer es sich leisten konnte, verbaute regionale Steinvorkommen. Wenn Karl der Große für den Aachener Dom römische Marmorsäulen über die Alpen transportieren ließ, war dies eine politische Aussage. Ab 1920 wurde der in der Produktion wesentlich mehr Energie verbrauchende Beton eingesetzt, der ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts zum meist verwendeten Baustoff avancierte. Typische Anwendungen für die nachwachsende Rohstoffe waren seit jeher tragende Konstruktionen von Gebäuden, Dacheindeckung, Bauelemente, Treppen, Fußbodenbeläge, Fassadenverkleidung und im modernen Sinne Anstriche, Wärmedämmung, Akustik- und Trittschalldämmung.

Urban Mining

Auch die Wiederverwendung bestehender Materialien führen zum nachhaltigen Umgang mit Primärrohstoffen. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war es üblich, Baumaterial zerstörter Gebäude wiederzuverwenden. Und auch heute geht die Denkmalpflege innovativ voran: So füllen unrettbare Denkmale die historischen Baustofflager mit wiederverwertbaren Materialien und Bauteilen.

Chance Denkmal: Türen, Fenster und Teile des Fachwerks eines zum Abriss genehmigten Gebäudes finden bei der Restaurierung des Kulturhofes Kleinmecka eine zweite Verwendung. Foto: Guido Siebert (DSD)

Energetische Sanierungen

Um heutigen Standards zu entsprechen, werden viele Denkmale energetisch saniert. Beispiele zeigen, dass dies mit natürlichen Baustoffen gelingen kann. Um den Bestand sowie das Erscheinungsbild möglichst zu erhalten und gleichzeitig den heutigen Ansprüchen insbesondere von Wärme- und Schallisolierung zu entsprechen, geht die Denkmalpflege stets neue Wege. Bereits erhaltene Denkmale vermeiden darüber hinaus die umweltbelastende Entsorgung von Bauschutt als Sondermüll.

 

III. Natur trifft Kultur
Grünflächen, Parkanlagen oder Friedhöfe als landschaftliche Freiräume und moderne Naturoasen

Unsere Städte werden dichter und historische Grünflächen damit immer wichtiger. Sie steigern die Aufenthaltsqualität und leisten einen wichtigen ökologischen Mehrwert, denn sie sorgen für die Zirkulation von Frischluft und bieten Lebensraum für Tiere und Pflanzen – oft haben alte Pflanzenarten nur noch hier ihren Freiraum. Mit natürlichen Baustoffen und Materialien entstanden qualitätvolle und schadstofffreie Räumlichkeiten, in denen bis heute gute Lebensqualität für Mensch und Tier möglich sind.

Chance Denkmal: Um die Innenausmalung der Dorfkirche Semlow vor Urinbelastung zu bewahren, wurden den Fledermäusen ein Ausweichquartier im weniger sensiblen Kirchturm geschaffen – das Projekt  brachte Umweltschützer und Denkmalpfleger an einen Tisch. Foto: Guido Siebert (DSD)

 

IV. Wissensquelle Denkmal
Lernen von praktizierten Techniken

Fachliche Innovationen durch einen Blick in die Vergangenheit: Im Vergleich zum modernen Beton war der römische Baustoff opus caementitium wesentlich langlebiger. Der Grund: beigemischte Vulkanasche. Dank dieser Erkenntnis konnte mit vergleichbaren Stoffen ein neuer härterer Beton entwickelt werden – schon in der Herstellung ist dieser energieeffizienter. Auch recyclebare Lehm rückt als historischer Baustoff zunehmend ins Interesse und führte dank angenehmen und  allergikerfreundlichen Raumklimas zum ökologischen Lehmbau.

 

V. Neue Nutzungskonzepte
Umnutzung bestehender Räumlichkeiten als Zukunftspotential und Vorbeugung von Leerstand

Laut des Statistischen Bundesamts sind 2,9 % aller Gebäude in Deutschland Denkmale. Häufig ist für den Erhalt eine Umnutzung und ein Umbau notwendig, vielfach möglich und eine kreative Herausforderung. Umnutzungen von vorhandener Bausubstanz, die ihre Funktion verloren haben, beugen Leerstand und Verfall vor. Wirtschaftliche Werte werden erhalten und schaffen Attraktivität, können einen gesellschaftlichen Mehrwert mit sich bringen und Potential bei Platz- und Wohnungsnot bieten. Statt neu zu bauen, kann Umnutzen die ökologische und denkmalgerechte Alternative darstellen. Bestandsbauten umzunutzen wirkt außerdem der Flächenversiegelung, der zunehmenden Bebauung von Böden, entgegen.

Chance Denkmal: Früher war die MS Stubnitz ein Kühl- und Transportschiff der DDR-Hochseeflotte. Heute spielen lokale Bands aus ganz Europa in dem mobilen Konzertraum mit besonderer Stahl-Akkustik. Foto: Annette Liebeskind (DSD)

 

Das Nachhaltigkeits-Dreieck

Das Nachhaltigkeits-Dreieck vereint verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit und verbindet ökologische Faktoren mit ökonomischen und sozialen Aspekten. Spannende Nutzungs- und Wirtschaftskonzepte, Tourismusfaktoren und -konzepte, Denkmale als Kulturräume, Lernorte oder kulturelle Ressourcen, Fördervereine etc. tragen ebenfalls zu einem nachhaltigen Umgang mit unserem kulturellen Erbe bei. 

 
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